Achtsamkeit und Selbstführung


Sechs Wochen Training – und der Stress sinkt spürbar. Eine aktuelle Studie der Universität Liechtenstein zeigt, wie ein kombiniertes Online-Training Führungskräften hilft, Druck besser zu bewältigen. Gleichzeitig stärken die Teilnehmenden ihre Widerstandskraft und ihre berufliche Selbstwirksamkeit.

Vaduz/Lichtenstein, 20. Juli 2026. – Die Arbeitswelt wird immer komplexer. Flachere Hierarchien und dezentrale Entscheidungen fordern Führungskräfte stärker denn je. Führen unter Dauerdruck ist längst Alltag: Entscheidungen müssen schneller fallen, die Verantwortung wächst, Erholungspausen bleiben aus. Die Folgen sind oft chronischer Stress und emotionale Erschöpfung. Ein Forschungsteam um Julia Tenschert und Marco Furtner von der Universität Liechtenstein wollte wissen, ob sich das ändern lässt.

Geschäftsprozesse werden in sehr häufigen Fällen schon digitalisiert. Allein dieser Vorgang ist ein regelrechter Booster. Dazu kommt, potenzielle Fehler die zuvor im Zusammenspiel zwischen Fachkraft und Technologie aufgetreten waren, verschwinden zunehmend, verlagern sich auf andere Ebenen und reduzieren sich auf den Ursprung, meisst die Informatik/-Technikabteilung. Fachkräfte werden durch solche Arbeitsprozesse weniger erforderlich, während an ganz anderen Stellen stark spezifisches Wissen und Kompetenz benötigt werden. KI beschleunigt sowohl Analysemöglichkeiten als auch Argumentation und Entwicklungstrends. In etwa ähnlich wie wenn eine Führungskraft an die nächste Ebene beauftragt und diese Ebene jeweils an die nächste Ebene, auch bekannt als Multiplikatoren. Was beauftragt oder angewiesen wird, vervielfältigt sich in und mit der Gleichheit der jeweiligen Multiplikatoren. Flache Hierarchien drücken die Verantwortung in Richtung Selbstführung, eine Zunahme an mehr Eigenverantwortung. Dieses System muss man auf Dauer lesen können, jederzeit in der Lage sein die Homöostase – das Gleichgewicht herstellen zu können. Souveränität beweisen. Bleibt ein Teil vernachlässigt, entwickelt sich daraus ein späterer Stressor. Meist kommen mehrere solcher unvorhergesehene Faktoren zusammen.

Die Vielfalt der Veränderungen ist umfangreich. Aber dieser Ausschnitt aus der Realität macht den Wandel deutlich. Das Zusammenführen und Erfassen aller Informationen, diese zielgerichtet auf einen Nenner zu bringen und zu Entscheidungsprozessen zu führen bedeutet, das Informationen dann zu Informationen werden, wenn diese einen ausreichenden Reifegrad durchlaufen haben. Dies zu erfassen beantwortet die Frage, wo im Prozess befinde ich mich, wie ist die Informationsentwicklung fortgeschritten. Mit der wachsenden Geschwindigkeit wie sich die Welt verändert vollzieht sich auch ein Wandel in Wahrnehmung der Zeit, Information und Kommunikation.

Wir kommen aus einer Zeit des Haben, des besitzen wollens und sind durch die wachsende Beschleunigung genötigt in den täglichen Anforderungen zu schwimmen ohne dabei den Halt zu verlieren. Mit dem technologischen Fortschritt, Globalisierung und Vernetzung vollzieht sich ein bewusst kultureller Wandel zwischen dem Haben und dem Sein des Menschen. Nicht mehr das „Ich“ steht im Vordergrund, das „Wir“ dominiert den Zeitgeist.

Achtsamkeit bedeutet den Moment, den gegenwärtigen Augenblick wahrzunehmen. Völlige Präsenz. Lässt Leistung nach, Müdigkeit stellt sich ein, oder starke Reize greifen die Achtsamkeit, die Präsenz an. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei Aufmerksamkeit um einen Prozess der im Gegensatz zur Achtsamkeit bereits Selektionen vor sich nimmt, die sich überwiegend auf den Kontext beziehen. Was man wahrnimmt ist kontextabhängig und Bewertungen wie Emotionen oder eigene Massstäbe entscheiden darüber, worauf die Aufmerksamkeit gelenkt ist (1,2). Ist mir etwas besonders wichtig, oder kann ich mich im „Sein“ im gegenwärtigen Geschehen auflösen! Hier kommt die innere Informationsverarbeitung der Führungskraft zum tragen.

Der Testaufbau

Die Forschenden rekrutierten 244 Führungskräfte aus Liechtenstein, der Schweiz, Österreich und Deutschland für die Studie. 122 Teilnehmende wurden zu einem neuartigen, sechswöchigen Online-Training eingeladen. Das Programm verbindet Selbstführungsstrategien wie Zielsetzung und positive Selbstgespräche mit Achtsamkeitsübungen wie Meditation und Atemtechniken. Die Kontrollgruppe erhielt in dieser Zeit kein Training. Am Ende standen den Forschenden Daten von 128 Führungskräften zur Verfügung.

Weniger Stress, mehr Resilienz

Die Ergebnisse sprechen für sich: Das Online-Training verbesserte die Selbstführung, Achtsamkeit und Resilienz der Teilnehmenden deutlich. Auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – die sogenannte Selbstwirksamkeit – stieg. Gleichzeitig sank das empfundene Stresslevel spürbar. In der Kontrollgruppe ohne Training blieben solche Fortschritte aus.

Warum die Kombination wirkt

Warum funktioniert diese Methode so gut? Achtsamkeit hilft Führungskräften, negatives Grübeln zu stoppen und Belastungen besser anzunehmen. Selbstführung liefert dazu praktische Werkzeuge für den Alltag: Sie unterstützt dabei, Herausforderungen neu zu bewerten und erreichbare Ziele zu setzen.
„Die Kombination aus Achtsamkeit und Selbstführung ermöglicht es Führungskräften, sowohl ihre inneren Zustände als auch äussere Herausforderungen besser zu bewältigen“, fasst Studienautorin Julia Tenschert zusammen.


Empfehlung für Unternehmen

Die Studie liefert erstmals belastbare Belege dafür, dass gerade die Kombination aus Achtsamkeit und Selbstführung Führungskräfte psychologisch stärkt. Unternehmen, die in die mentale Widerstandskraft ihrer Führungskräfte investieren, profitieren langfristig: weniger Fehlzeiten, stabilere Teams, leistungsfähigere Führungskräfte.
In Achtsamkeitstrainings verlässt man den Raum von Belastungen die eine gegenwärtige Situation mit sich bringt. Resilienz kann dann eintreten, wenn zum einen der Mechanismus dafür bekannt ist. Ich muss wissen das ich jetzt an einer Grenze angekommen bin, die sich nach der Erholung erhöht und verbessert.
Zum anderen ist dafür vor allem Regeneration erforderlich. Denn wie auch im Sport bekannt, ein Organismus, ein System, Körper und Geist bauen erst dann Substanz auf, wenn die Möglichkeit gegeben ist sich erholen zu können. In der Superkompensation, ein Begriff auf aus der biologischen Adaption, tastet man sich über einen längeren Zeitraum an seine Maximalleistung heran. Die relgemässigen Pausen dazwischen erhöht sich die Widerstandsfähigkeit des Organismuses insgesamt, also auch die geistige Leistungsfähigkeit. Wissen kann sich setzen und Informationen durchlaufen einen Ordnungsprozess.

Wenn sich Stress einstellt, was viele Faktoren und Ursachen haben kann, dann meist wenn viele Informationen und Sachverhalte auf ein geringes Zeitfenster zusammen fallen. Häufig sind es unvorhergesehene Faktoren die zum Stress hin zusammen spielen. Das bedeutet, es hätte durchaus die Möglichkeit bestanden im Vorfeld zu reagieren. Es braucht daher die Fähigkeit und verschiedene Charaktereigenschaften damit umgehen zu können. Neben Besonnenheit vor allem aber die Souveränität diese Stressfaktoren für den nächsten Fall aufzulösen.



Die Herausforderung Zeit

Ein Haken hat das Forschungsteam jedoch erkannt:
Rund die Hälfte der Teilnehmenden brach das Programm vorzeitig ab. Das zeigt, wie schwer es Führungskräften fällt, sich neben dem dichten Tagesgeschäft Zeit für solche Trainings zu nehmen. Ob die positiven Effekte langfristig anhalten, müssen künftige Langzeitstudien klären.

Originalpublikation:

https://doi.org/10.1108/LODJ-05-2025-0394

1 Stangl, Werner; Achtsamkeit
https://lexikon.stangl.eu/2277/achtsamkeit

2 Stangl, Werner; Aufmerksamkeit
https://lexikon.stangl.eu/8372/aufmerksamkeit

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