In einem ersten Schritt findet ein Wachstum in allen möglichen Disziplinen statt. Parallel, in Generationen die aufeinander aufbauen, in unterschiedlich langen und kurzen Phasen. Das ganze schaukelt sich im Sinne eines exponentiellen Wachstums hoch. Ab einem Stadium der Reifung einer Vielzahl dieser Prozesse und Disziplinen erfolgt dann eine Vernetzung. Die Disziplinen vermengen und vermischen sich wie der Bedarf erforderlich ist und wird. Auch hier erfolgt erneut ein beschleunigtes Wachstum. Nachfolgend soll der Text diese Vorgang verdeutlichen.
Die Evolution sieht vor, das Dinge, nachfolgend genannt Subjekte, oder zur Verdeutlichung, ein Beispiel – eine Pflanze namens Emil – nach und nach entstehen. In einem fortgeschrittenen Stadium scheinen diverse Subjekte parallel zu entstehen, mehrere Pflanzen entstehen. Was ein Subjekt ist, das hat einer der Vorsokratiker, Protagoras (480 – 410 v. Chr.) beschrieben. Der Mensch bestimmt das Sein, alles darüber hinausgehende wird abgelehnt (Skeptizismus), und alles Sein ist nicht objektiv, sondern subjektiv und wandelbar (Relativismus) (et al. Kunzmann, 2023, S. 35). So kann ein Berg ein Subjekt sein, ein Fahrzeug, oder wie im aufgeführten Beispiel eine Pflanze.

Jedes Subjekt hat seine eigene Evolution und damit auch schon eine erste Mächtigkeit, Kardinalität. Ebenfalls hat jedes Subjekt, das seine eigene Evolution vollzieht einen eigenen Zeitzyklus. Hinzu kommt ein Zeitzyklus der sich über mehrere Generationen einer Gattung erstreckt, erstrecken kann (Wie aus Molekülen Leben entstehen konnte, 2026).
Ein solches Subjekt kann ein Wagenrad sein das wir vielleicht als Original aus Zeiten der Großeltern kennen, oder aus Westernfilmen. Das Wagenrad wurde ursprünglich aus Holz aufwendig gefertigt. Irgendwann wurde als zweites Subjekt das Metall und deren Verarbeitung entdeckt. Nach ausgereifter Zeit war man in der Lage ein Metall um ein Wagenrad zu krümmen und es damit stabiler werden zu lassen. Vielleicht kamen noch Beschläge und Metallnägel hinzu. Das Spektrum an Möglichkeiten ein Wagenrad zu verwenden wuchs. Denn man hatte dadurch vielleicht erlernt Holz zu verformen und geeignet zu verarbeiten, ebenso Metall. In einer weiteren Generation konnte man dann Fahrräder herstellen, Fahrzeuge und andere Fortbewegungsmittel. Evolution geschieht im Grunde nach dem Prinzip teile und herrsche. Je mehr Bearbeitungsschritte aus einem Produkt entstehen können, desto mehr ist es spezialisiert oder besser gesagt, es wird veredelt – Sublimiert. Jede Generation sieht mindestens eine dieser Veredlungsschritte vor. Diesen Vorgang nennt man Sublimierung. Da sich durch Sublimierung aber auch verschiedene Gattungen ergeben muss man diese unterscheiden, nachfolgend Differenzierung genannt. Die Evolution lernt, vor allem aus ihrer Erfahrung, was man durch den Boston-Effekt darstellen kann. Der Boston-Effekt, eine Erfahrungskurve beschreibt ursprünglich eine Erhöhung der Produktionskosten bei gleichzeitiger Verringerung der Stückkosten.
Der Boston-Effekt ist nach der Unternehmensberatung Boston-Consulting Group benannt, die diesen Effekt in den 1960er Jahren erforscht hatte.
Für die Arbeitswissenschaft sind Lernkurven von Bedeutung, weil sich die Struktur, die Dauer und die Koordination von Griffbewegungen und Teilarbeitsgängen unter dem Einfluss der Übung verändert.
Infolge des Lerneffektes ergibt sich eine Verringerung des Zeitaufwandes bei gleichem Ergebnis bzw. ein besseres Ergebnis bei gleichem Zeitaufwand. Das führt zu einem degressiven Verlauf der Lernkurve (Henderson, 1974).
Differenzierung und Autorität
Je Tiefer diese Spezialisierung führt und damit mehr Veredlungsschritte durchlaufen sind, desto Mächtiger wird die Struktur insgesamt. Jemand der die Gesamtheit eines solchen Wachstums überblicken kann hat in aller Regel Autorität. Die Autorität kommt nicht deshalb zustande weil man den Überblick hätte, sondern weil man zu jedem Zeitpunkt in der Lage ist die Elemente neu ordnen zu können. Wenn also etwas aus der bisherigen Unordnung kommt, aufgrund von Anpassungsleistung an die Umwelt, dann ist eine Autorität in der Lage im Zuge der Anpassung die Ordnung des Subjektes wieder herstellen zu können.
Detailliertheit
Die Detailliertheit beschreibt die Tiefe dieses Gedächtnisses. Die Anzahl der Veredlungsschritte beschreibt ihre Kardinalität, ihre Mächtigkeit. Wenn es Flora und Fauna zuerst gab, damit sich in einem späteren Schritt Tiere von Pflanzen ernähren konnten, dann versteht man das die Mächtigkeit der Pflanzen höher angesiedelt sein muss als diejenigen der Tiere. Wir wissen aus der Geschichte das der Mensch nach den Tieren kam. Um seine Bedürfnisse zu befriedigen, muss der Mensch diesen Lebensraum respektieren und schützen.
Eine elementare Schutzfunktion besteht in der Unterordnung. Wenn jedes Subjekt eine eigene naturgegebene Entwicklung hinter sich hat, dann muss sich jedes Subjekt, das sich in Abhängigkeit befindet, angepasst, adaptiert werden. Wenn der Mensch eine Pflanze essen möchte, um seinen Hunger zu stillen, dann muss der Mensch die Reife der Pflanze abwarten. Denn erst dann hat die Pflanze in der Verwendung eines Lebensmittels die Reife, um dem Menschen die erforderlichen Stoffe zuführen zu können, welche dieser benötigt. Jedes einzelne Subjekt, Pflanze, Tier, Technologie hat ihre Zeit und folgt einem eigenen Zyklus. Der Zyklus, die Evolutionäre Entwicklung fügt sich in einen zeitlichen Gesamtzusammenhang für die Entstehung kleiner und grosser Dinge für das Leben. Jeder Entwicklungsschritt wird um eine Neuigkeit erweitert und passt sich auf diese Weise den Lebensumständen an (et al. Hupe, 2025).
Vielfalt durch Mutation
Vielfalt entsteht durch Mutationen. Dadurch das sich Gattungen paaren die nicht unmittelbar für einander vorgesehen waren. Die aus einer Mutation entstandene neue Art ist zunächst ungeordnet und muss sich den Umständen anpassen. Sie muss ihre innere Organisation, ihre Struktur neu kennenlernen. Sie wird dazu nicht selbst oder nur bedingt in der Lage sein und ist auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Die eigene innere Struktur zu finden bedeutet das Subjekt, das Individuum zu disziplinieren. Die sich ergebende Vielfalt ist notwendig um das Leben an immer neue Umstände anzupassen. Je kleinteiliger und klein-strukturierter etwas wird, desto engmaschiger und angepasster die dafür notwendigen Organisationsformen. Die Triebhaftigkeit ist dem Subjekt übergeordnet und entstammt den jeweils vorausgegangenen Generationen. Ein Subjekt kann sein Wesen daher nur unter bestimmten Bedingungen beeinflussen.
Multiplikation
Haben alle Subjekte, Individuen einen Zustand, eine Art evolutionären Endstand, und es kommt vielleicht zu einer neuen Generation, Innovation und dies geschieht auf mehreren Ebenen, bei mehreren Gattungen, dann wird ein Zustand der Multiplikation erreicht. Einzelne Evolutionen erscheinen im Wachstum nun gleichzeitig. Es entstehen komplexe Gebilde. Das Multiplizieren durch einen erreichten Zustand verschiedener Disziplinen wirkt sich beschleunigend auf ein weiteres Wachstum aus (Die grosse Beschleunigung, https://www.bpb.de/themen/umwelt/anthropozaen/216918/texte-und-grafiken-zur-grossen-beschleunigung-the-great-acceleration/). Das evolutionäre Wachstum, was auch immer die Gegenstände, die Subjekte sind, nimmt an Fahrt auf. Mit jeder Generation, mit jeder Innovation besteht die Möglichkeit das etwas sich multipliziert und damit eine weitere Beschleunigung erreicht wird. Irgendwann ist ein Punkt einer maximalen Beschleunigung erreicht, aus der Mathematik als Eulersche Zahl bekannt, an dem eine Sättigung eintritt. Das Wachstum ist dann nur noch sehr gering. Dieser Vorgang wird sich im Laufe der Evolution immer wieder wiederholen. Immer auf einer weiteren neueren Wertschöpfungsstufe.
Beständigkeit
Jede Evolution eines Subjektes hat ihren eigenen Zeithorizont bis diese ihre Reife erreicht hat. Wir kennen Produkte aus dem Alltagsleben, die sich zu einer Marke entwickelt haben. Sie sind über Jahre, Jahrzehnte, teilweise Jahrhunderte herangereift. Weil sich solche Produkte sehr lange auf dem Markt gehalten haben, haben wir zu diesen Produkten ein hohes Vertrauen und kaufen diese vielleicht öfter. Auch Unternehmen leisten diese Dienste. Sie waren über Jahrzehnte beständig, haben Krisenzeiten und ertragreiche Zeiten durchlebt. Haben sich angepasst und sind heute vielleicht eine Marke geworden. Sie haben es geschafft sich immer wieder neu zu erfinden und dem zeitlichen Wandel anzupassen, obwohl sie ihre Traditionalität dadurch nicht oder wenig eingebüßt haben. Gerade in Krisenzeiten suchen wir in der Beständigkeit, die sich auch in der Form von Geborgenheit und Heimat auszudrücken weiß, Bezug. So wie nun die Evolution die Dinge in die Welt bringt, so hat es sich auch mit dem Menschen ergeben. In der Psychologie ist diese Darstellung, dieses Schema als ein Schema im Langzeitgedächtnis definiert, wie wir es bis heute durchleben. Die Kenntnis darüber würde möglicherweise genügen, um sich dem anzupassen.
Die Evolution ist in Form der Struktur, des Schemas eines Langzeitgedächtnisses angelegt, wie bis hier her beschrieben. Sehr wesentlich für uns sind die Fähigkeit zu unterscheiden, Differenzierung und die Tiefe der Veredlungsschritte, der Wertschöpfungsstufen, Verkettungen wie immer man sich diese herleiten möchte. Wie Detailliert wir in der Lage sind zu denken, wie weit wir fortgeschritten sind, beschreibt die Tiefe, die Detailliertheit unseres Denkvermögens. Neue Arten, neue Gattungen entstehen in der Vermischung mit anderen. Je eine Art entwickelt einen Stammbaum der eine innere Struktur in sich herausbilden muss, diszipliniert, durch Erziehung mindestens überlebensfähig entwickelt werden muss (Die Evolution bestimmt das Tempo des Alterns, 2026).
Bildquelle
Bernhard Jaeck Pixabay
Quellen:
Kunzmann, Peter; Burkard, Franz-Peter; DTV-Atlas Philosophie, DTV Verlag, 2023.
Hupe, Lukas; Die versteckte Kraft des Wachstums; Studie 2026
http://de.gate-communications.com/die-versteckte-kraft-des-wachstums/
Die Evolution bestimmt das Tempo des Alterns, 2026
http://de.gate-communications.com/wp-admin/post.php?post=5178&action=edit
Wie aus Molekülen Leben entstehen konnte, 2026
http://de.gate-communications.com/wp-admin/post.php?post=5175&action=edit
Henderson, B. D.; Die Erfahrungskurve in der Unternehmensstrategie, Frankfurt a.M. 1974
Polechová J.; Wie Arten bei Anpassung an Grenzen stoßen, Studie 2026
http://de.gate-communications.com/wie-arten-bei-anpassung-an-grenzen-stossen/
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, „Wenn Gott nicht wäre….“ Religion und Versöhnung, Reclam Verlag, 2020
Byung-Chul Han, Was ist Macht? Reclam Verlag, 2019
Heide Göttner-Abendroth, Die Göttin und ihr Heros, Kohlhammer Verlag, 2011 Erweiterte Neuausgabe
Heide Göttner-Abendroth, Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft, Drachen Verlag, 2008
Heide Göttner-Abendroth, Das Matriarchat I, 4. Auflage, Kohlhammer Verlag, 2010
Carl Gustav Jung, Archetypen; Aufgerufen 11.01.2021 https://gedankenportal.de/magazin/archetypen-nach-carl-gustav-jung.html https://gedankenwelt.de/die-12-archetypen-nach-carl-gustav-jung/
Carl Gustav Jung, Archetypen, Urbilder und Wirkungskräfte des kollektiven Unbewussten, Hrsg. Lorenz Jung
Henning Beck, Das neue Lernen heißt Verstehen, Ullstein Verlag, 3. Auflage 2020
Dominik Veken, Der Sinn des Unternehmens, Murmann Publishers, 1. Auflage 2015
Lucy hatte ein affenähnliches Gehirn, 2020
http://de.gate-communications.com/lucy-hatte-ein-affenaehnliches-gehirn/
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