Jüngste Funde von forschenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) geben Hinweise auf frühe soziale Organisationen. Auffällig ist, das typische Funde, die auf herrschende Personen oder Strukturen schließen lassen zu fehlen scheinen. Entdeckt wurden aber Megastrukturen, die man auch in kleineren Siedlungen gefunden hat. Diese Urgeschichtlichen Funde liefern neue Hinweise auf frühe soziale Organisationen und wie sich in diesen Urzeiten Organisationen strukturiert haben.
Erlangen-Nürnberg/Germany, 8. Mai 2026. – Im Zentrum der Forschungen steht ein besonderer Gebäudetyp: sogenannte Megastrukturen. Grabungen in Rumänien zeigen, dass dieser Bautyp auch in kleineren Siedlungen vertreten ist. Damit liefern die Megastrukturen neue Erkenntnisse darüber, wie Gemeinschaften mit tausenden Menschen ohne erkennbare Hierarchien funktionieren konnten.
Es ist als würde sich eine neue Welt eröffnen. Jeder und alles spricht von einer neuen Weltordnung. Der politische und wirtschaftliche Konflikt ist eine Seite der Medaille und weist Krieg als eine eher männliche Eigenschaft in die Kategorie – geht man nach Hannah Arendt – Geburtshilfe. Spannt man einen grossen Zeitbogen, vielleicht in eine neue Epoche (1). Er beruht aber auf einem Nährboden der sich schon viel längere Zeit bereitet zu haben scheint. Etwas entfremdend vom bisherigen Gedanken, waren Gesellschaften offensichtlich in der Lage auch ohne Hierarchien klar zu kommen und sich zu organisieren. Und weil es im Ursprung bislang nur matrizentrische oder patrizentrische Herrschaftsformen gibt, ist die Aussicht auf zukünftige Mischformen wie bsw. egalitäre Gesellschaften oder ein Grundgerüst im Sinne der Demokratie naheliegend (2, 3, 4).
Die Geschichten um Kulturen, die ohne wesentliche Hierarchien bestand hatten häufen sich. In der Ursprungsform geht die vorherrschende Organisation von weiblichen oder männlichen Situationen aus. Die Bindungskräfte der jeweiligen Geschlechter sind unterschiedlich, was die Struktur einer Organisation bestimmt(5).
Nun haben Forschende der Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) neue Hinweise darauf gefunden, wie große Siedlungen in der Urgeschichte organisiert waren. Im Zentrum steht ein besonderer Gebäudetyp: sogenannte Megastrukturen. Grabungen in Rumänien zeigen, dass dieser Bautyp auch in kleineren Siedlungen vertreten ist. Damit liefern die Megastrukturen neue Erkenntnisse darüber, wie Gemeinschaften mit tausenden Menschen ohne erkennbare Hierarchien funktionieren konnten. Hierarchielosigkeit sind tatsächlich immer auch Hinweise auf matrizentrische Kulturen. Weil pyramidale Strukturen, oder wie die Kulturforscherin Riane Eisler in die „Die verkannten Grundlagen der Ökononie“ zeigen konnte, Dominanzsysteme mehr dem Patriarchat zugeordnet werden. Auch ihre Lösung – eine caring Economy – geht in ähnliche Formen über wie das System der egalitären Organisationen.
Archäologinnen und Archäologen der FAU haben bei Ausgrabungen in der Nähe von Stăuceni im nordost-rumänischen Kreis Botoșani eine Megastruktur der Cucuteni-Tripolje-Kultur entdeckt. Ein Gebäude, gut 350 Quadratmeter gross und damit dreimal so gross wie die umliegenden Wohnhäuser, gibt Auskunft über die soziale Organisation der vorherrschenden Gemeinschaft. In der Region gehört dieser Fund zu den ältesten bekannten Beispielen.
„Unsere Forschung zeigt, dass dieses Bauelement schon sehr früh Teil des Siedlungskonzepts war und auch in viel kleineren Siedlungen auftritt, wo eine besondere Organisationsform noch nicht nötig erscheint“, sagt Prof. Dr. Doris Mischka, Inhaberin des Lehrstuhls für jüngere Urgeschichte mit dem Schwerpunkt Neolithikum und Ältere Metallzeiten. Die Siedlung in Stăuceni ist mit 45 Hausgrundrissen wesentlich kleiner als die Siedlungen die in ähnlicher Weise aus der Ukraine bekannt sind. Die Befunde deuten darauf hin, dass die Megastruktur erst im Verlauf der Siedlungsentwicklung errichtet wurde.
Tausende Menschen, keine Anführer?
In der Ukraine entstehen im 5. und frühen 4. Jahrtausend v. Chr. Siedlungen mit einer größe von rund 15.000 bis 30.000 Bewohnern in bis zu 3.000 Häusern. Die Häuser sind ähnlich und meist geometrisch oder ringförmig angelegt. Dazwischen breite unbebaute Gassen oder parallele Hausreihen.
Auffällig ist vor allem, das es keine erkennbaren Machtzentren gab. Hinweise auf herrschende Persönlichkeiten fehlen. So gab es bsw. Keine Paläste, auch keine größeren Speicherbauten. „Wenn man sich vorstellt, dass hier tausende Menschen zusammengelebt haben, ist das überraschend“, sagt Doris Mischka, Professorin für Ur- und Frühgeschichte an der FAU. „Megastrukturen gelten bisher als einzige Hinweise darauf, wie sich diese Gemeinschaften organisiert haben könnten. Welche Funktion sie hatten, diskutieren wir in der Forschung allerdings noch.“
Eigenständige Bauweise, unklare Funktion
Die Bauweise der Megastrukturen unterscheidet sich von normalen Wohnhäusern. Unter dem Fußboden – einem Belag aus halbierten Holzstämmen mit einer Lehmschicht – fanden die Forschenden in Stăuceni einen umlaufenden Fundamentgraben mit mächtigen Pfosten. „Das spricht für eine eigenständige Konstruktion“, sagt Mischka.
Im Inneren entdeckten sie allerdings nur vergleichsweise wenige Artefakte: Keramikscherben, Überreste der Steinbearbeitung sowie vereinzelte botanische Reste, darunter verkohlte Getreidekörner und einen Samen des Schwarzen Bilsenkrauts, einer Pflanze mit psychoaktiver Wirkung. „Die Funde unterscheiden sich kaum von denen gewöhnlicher Wohnhäuser“, erklärt Mischka. „Wir können noch nicht sicher sagen, ob das ein Versammlungshaus, ein ritueller Ort oder vielleicht beides war.“
Siedlungspläne ohne Spatenstich
Grundlage der Untersuchungen sind geomagnetische Messungen und gezielte Ausgrabungen. Mithilfe von Magnetometern lassen sich Siedlungsstrukturen sichtbar machen, ohne den Boden großflächig zu öffnen. Verbrannter Lehm und Keramik hinterlassen Spuren im Boden, die sich mit den Messgeräten sichtbar machen lassen. „Wir können so ganze Grundrisse erfassen und gezielt dort graben, wo sich besondere Gebäude befinden“, erklärt Mischka.
Für die Forschung sind die Ergebnisse aus Stăuceni ein weiterer Baustein, um frühe Großsiedlungen besser zu verstehen. Sie deuten darauf hin, dass zentrale Elemente des Zusammenlebens bereits in kleineren Gemeinschaften angelegt waren. „Um wirklich zu klären, welche Funktion diese Gebäude hatten, brauchen wir weitere Ausgrabungen und Vergleichsdaten“, sagt FAU-Archäologin Mischka. Die Arbeiten in Stăuceni sollen fortgesetzt werden. Ein Großteil der Struktur ist bislang nicht freigelegt.
1 Männerbilder als Kriegsfaktor – Die psychologischen Wurzeln von Gewalt
https://www.theol.uni-leipzig.de/institut-fuer-alttestamentliche-wissenschaft/artikel/maennerbilder-als-kriegsfaktor-neue-studie-zeigt-psychologische-wurzeln-von-gewalt-2025-10-07
2 Ein Kontext für eine egalitäre Gesellschaftsordnung
http://de.gate-communications.com/ein-kontext-fuer-eine-egalitaere-gesellschaftsordnung/
3 Tradwives – Junge Frauen in Deutschland vertreten mehrheitlich ein egalitäres Rollenbild
http://de.gate-communications.com/tradwives-junge-frauen-in-deutschland-vertreten-mehrheitlich-ein-egalitaeres-rollenbild/
4 Beschäftigte sind in Betrieben mit freiwilligen Frauenquoten egalitärer eingestellt
http://de.gate-communications.com/beschaeftigte-sind-in-betrieben-mit-freiwilligen-frauenquoten-egalitaerer-eingestellt/
5 Bindungsmotive – Bindungsarten
http://de.gate-communications.com/bindungsmotive-bindungsarten/
Bildquelle
Prof. Dr. Doris Mischka, Lehrstuhl für Jüngere Urgeschichte mit Schwerpunkt Neolithikum und Ältere Metallzeiten an der FAU (Bild: FAU/Georg Pöhlein)
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