Führung unter Druck: Fraunhofer IAO macht kognitive Muster sichtbar


Fraunhofer IAO startet mit dem »Cortex Circle« ab Herbst 2026 ein neurowissenschaftliches Programm für Führungskräfte. Unsicherheit, hoher Zeitdruck und wachsende Komplexität prägen den Alltag vieler Führungskräfte im Top-Management. Der „Cortex Circle“ des Fraunhofer IAO setzt hier an und stärkt individuelle Denk-, Belastungs- und Entscheidungsmuster durch neurowissenschaftliche Methoden.

Stuttgart/Germany, 13. Juli 2026. – Unter Belastung kann man nicht klar denken, das wird nicht nur oft von vielen Seiten berichtet, das zeigt sich in der Öffentlichkeit bei Spitzensportlerinnen und Sportlern am deutlichsten und auf einfachste Weise. Dennoch kann man lernen unter hohem Druck bewusst zu denken, besonnen und beharrlich zu regieren. In der Zukunft ist zu erwarten, das Einzelsituationen viel stärker zum tragen kommen als das bislang der Fall gewesen sein kann. Auch das eigene Erleben wird oder ist oft ein Spiegel eines gesamten Marktverhaltens, das es zu erfassen und richtig zu bewerten gilt. Das Programm Cortex Circle soll unter anderem dabei unterstützen tiefgründiger zu reflektieren und diese Situationen trainieren.

An hohen Belastungsgrenzen sind Menschen meist übersensibel, empfindlich. Führungskräfte stehen nicht immer einem grossen Publikum, der Verantwortung der Mitarbeitenden oder auch der Öffentlichkeit gegenüber. Aber sie wissen wie bei Tänzerinnen und Tänzern, oder am Theater, am Tag X ist der grosse Auftritt, dann müssen die Dinge klar sein. Und es sind auch nicht immer nur die Situationen über Personal, Organisation, Kursschwankungen an Aktienmärkten oder Entscheidungen über Existenzen. Vielmehr das gesamte System in seiner Komplexität im schwimmen durch den Markt zu halten, zu sehen oder zu erkennen wann Störfaktoren auftauchen und wann und wie man diesen entgegenwirken kann. Eine Art Ausgewogenheit auf Dauer aufrecht erhalten.

Auch Musikkünstler berichten vom Phänomen der Interaktion zwischen Künstlerinnen, Künstlern und dem Publikum. Doch gerade bei Musik oder auch dem Schauspiel, und selbst aktuell bei der Fussball-WM zeigt sich eine Tatsache, die bei allen Belastungen den Ausweg bedeuten. Einstudierte Routineaufgaben tragen das Objekt das im Zentrum der Aufmerksamkeit steht durch die Situation. Entscheidungen die dann zu treffen sind, und die keiner Routine mehr zuzuordnen sind, werden dann zu einem Resultat vorausgegangener Handlungen und einstudierter Routinen, auf die man im Grunde lange hingearbeitet hat. Über einen langen Erfahrungszeitraum beginnt das Lesen können der Situationen. Abweichungen werden schneller erfasst. Sind Herausforderungen gemeistert, wächst der Wunsch an sich selbst, neue komplexere Situationen zu wagen und sich selbst neu erfahren zu wollen. Es tritt dann die Phase ein, in der Führung an sich selbst wächst, sich selbst reflektiert und offen ist, mehr über sich selbst und die eigene Leistungsfähigkeit erfahren zu wollen. Hier setzt offensichtlich das Programm des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO aus Stuttgart an.

Ab November 2026 können sich Führungskräfte an deren Programm engagieren. Die eigene Reflexion, Spiegelung und sich selbst erfahren zu können hat irgendwie und irgendwo seine Grenzen. Und irgendwann in dieser Tiefe geht es nur noch auf einer Ebene mit Unterstützung von Technologie. Erfasst werden unter anderem neurophysiologische und körperliche Reaktionen in Situationen, die Aufmerksamkeit, Belastbarkeit und Entscheidungsverhalten beanspruchen.

Das angebotene Programm hebt die Reaktionen nicht nur hervor und macht diese deutlich, Situationen werden trainiert und kognitive Resilienz gestärkt. Die Veränderungen werden in einem individuellen „Brain Report“ gebündelt, der kognitive Stärken, Belastungsmuster und Entwicklungspotenziale einordnet. „Ich bin begeistert von dem Format und habe mich direkt selbst angemeldet“, sagt Katharina Hölzle, Institutsleiterin des Fraunhofer IAO. „Der Cortex Circle setzt bei einer grundlegenden Frage moderner Führung an: Gute Führung bedeutet nicht, dauerhaft an die Belastungsgrenze zu gehen, sondern die eigenen kognitiven Ressourcen zu kennen und bewusst einzusetzen.“


Der Cortex Circle richtet sich vorrangig an C-Level-Führungskräfte, also an Entscheidungsträgerinnen und -träger, die an der Unternehmensspitze kontinuierlich komplexe Entscheidungen treffen und Veränderungsprozesse gestalten. Sie handeln unter hohem Zeit-, Verantwortungs- und Leistungsdruck und tragen zugleich die Verantwortung für die Organisation und ihre Mitarbeitenden. Das Programm soll ihnen dabei helfen, das eigene Verhalten unter Druck besser zu verstehen, zu trainieren und daraus Impulse für ihren Führungsalltag abzuleiten. Hintergrund ist die Frage, wie Führungskräfte unter zunehmender Veränderungsdynamik kognitive Belastung wahrnehmen, einordnen und regulieren können.



Neurowissenschaftliche Perspektive auf Führung

Der Cortex Circle ist kein klassisches Führungstraining. Im Mittelpunkt steht nicht die Steigerung von Leistung durch den Einsatz klassischer Führungsinstrumente. Stattdessen vertieft das Programm das Verständnis neurokognitiver Prozesse und zeigt, wie sich daraus Ansatzpunkte für persönliche und berufliche Weiterentwicklung ableiten lassen. Neurotechnologien wie Wearables und Eye-Tracking werden eingesetzt, um individuelle Reaktionen zu messen und zu erleben. Ziel ist es, mentale Belastungsmuster besser einzuordnen, individuelle Ressourcen bewusster zu nutzen und Führungssituationen reflektierter zu gestalten.

Einstiegsmöglichkeiten ab November 2026

Zum Einstieg geben Expertinnen und Experten des Forschungsteams „Applied Neurocognitive Systems“ in einem 1:1-Austauschtermin Einblicke in Ablauf, Inhalte und wissenschaftliche Methodik des Programms. Das Team erforscht seit Jahren, wie kognitive Prozesse, Belastung und technologische Unterstützung in Arbeits- und Entscheidungssituationen zusammenwirken. Teilnehmende durchlaufen das Programm über fünf Monate in einer festen Gruppe von fünf bis sieben Führungskräften.

Originalpublikation:
https://publica.fraunhofer.de/entities/publication/61c296ae-45a3-43ef-9028-71838

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