Alles, was nicht sprachlich – verbal – ist, ist nonverbal. Mimik, Gestik, Körperbewegungen, Körperhaltung, Mikroexpression. Räumliches Verhalten, Standpunkte. Vestimentäre Kommunikation wird über Kleidung übertragen und hat mit Bewegungsfähigkeit, Mobilität und ästhetischer Kommunikation als Erweiterung der Kunst in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Der Akzeptanz und Toleranz von Vielfalt und Entwicklung der Individualität, der eine Veränderung der Gesellschaft hin zu einer pluralistischen Gesellschaftsveränderung vorausging, folgt zunehmend, dass der Körper mit vielfältigen neuen Möglichkeiten zum individuellen Kunstobjekt wird.

Bislang wurden zur nonverbalen Kommunikation aber auch Randbereiche wie paralinguale Formen, Modulation, Intonation – Betonung – Lautstärke oder Sprechgeschwindigkeit hinzugezählt. Wirkfaktoren der Körpersprache machen je nach Kultur rund 70 % der Kommunikation aus, es folgen Stimme und Tonfall mit 22 % sowie Inhalt und Wortwahl mit 8 %.

Interessant in diesem Zusammenhang ist aber nicht nur das, was durch Sprache nach außen hin kommuniziert wird, sondern auch das, was durch Reize aus anderen Menschen abgerufen wird. Genauer gesagt bedeutet das: Je unterschiedlicher Menschen sind, desto unterschiedlicher auch die Perspektiven, die jeweils einen anderen Reiz abrufen, als diejenigen, die uns im ständigen Austausch und Umfeld gegenüberstehen. Der Anthropologe Mehrabian konnte einmal ermitteln, dass wir 55 % aller Beziehungsinformationen aus der Körpersprache unseres Gegenübers abrufen. Genug Material also auch für Konflikte oder neue, engere oder auch qualitativ bessere Kommunikation oder Bindungen.

Das sowohl positive als auch negative am Zusammentreffen von verbaler wie nonverbaler Kommunikation, ist die Fähigkeit, zu entdecken, dass manche Kanäle mit anderen nicht übereinstimmen. D.h., die Gesichtszüge, die über Mikroexpression wahrgenommen werden, sagen vielleicht etwas anderes aus, als das, was ich mit meinen Händen und Worten versuche darzustellen. In diesem Fall bin ich auch wieder nicht kongruent, was dann für gewöhnlich sehr deutlich wird.

Die Vielfalt soziologischer Hintergründe macht es Menschen möglich, unterschiedlichste Facetten eines Menschen annehmen und wahrnehmen zu können, wodurch sich die Sensibilität und Einschätzung für oder zur Menschenkenntnis ergeben hat, die in sehr häufigen Fällen für das meine Milieu zuzutreffen scheint. Was jemand meint, sagt oder von sich gibt, wird genauso wie bei der Sprache dekodiert und enkodiert.


Biologie und Gesellschaft

Wie man sich gut vorstellen kann, haben sich die nonverbalen Ausdrücke über die Evolution entwickelt. Die Sozial- und Kulturgeschichte gab ihr Übriges hinzu. Körperhaltung, Blickrichtung, Gesichtsausdruck sowie Veränderung der Gesichtsfarbe oder beim Tonfall, die Basisinformationen sind angeboren.

Für den Kommunikationspsychologen Argyle ist nonverbale Kommunikation eine Unterstützung und ein Ersatz für Sprache, Ausdruck von Gefühl und Einstellung gegenüber anderen. Es werden dabei immer auch Gefühlsäußerungen von Mitteilungen über die eigene Person übermittelt, so wie bereits Watzlawick dies erkannte.

Mit jeder Sensibilisierung des Menschen, die zwangsläufig mit einer Differenzierung in den Funktionsbereichen stattfindet und den Verlauf der Evolution maßgeblich mitgestaltet, werden zunehmend tiefliegendere Schichten des Menschen angesprochen und kommen zum Vorschein. Wenn jemand isoliert arbeitet, wie bsw. in einem Büro, bei Heimarbeit oder Ähnlichem verkümmern Kanäle mental auf der Seite, an der kein tägliches Training mehr stattfindet. Das Verkümmern geht zu Lasten der Sensibilisierung. Andere Kanäle werden dadurch verstärkt, so bspw. versucht man in der elektronischen digitalen Kommunikation intensiver, auf Emotionen zu achten. Wie könnte etwas gemeint sein, oder passt das Emoji, das gesendet wurde?

Dieser Mangel sensibilisiert Menschen zunehmend für die Gefühlswelt.

Während Emotionen häufig durch Resonanz vermittelt und übertragen werden, und damit vor allem Affekt und Instinkt ansprechen, sind es bei Isolation zuallererst prüfende Blicke und tiefgehende Selbstreflexion, wie etwas verstanden werden kann oder nicht. Das Bewusstsein wächst zunehmend an der Stelle, wo es um die Frage nach der eigenen inneren Gefühlswelt geht. Der Blick nach innen wird geschärft, Resonanz als Teil von Bindungskräften nimmt an der Stelle ab. An anderer hingegen zu.

Das Gefühlsleben von Menschen entwickelt sich vom ersten Moment an und verändert sich im Lebensverlauf mehrfach.

Gefühle werden über die nachfolgenden Kanäle transportiert:

GesichtMund, Augenbrauen, Haut, Gesichtsbewegungen
AugenÖffnungsweite, Pupillengröße, Länge und Ziel des Blicks
GestikGestalt der Hand, Hand- und Körperbewegungen
Körperhaltungangespannt, entspannt, aufrecht, gebeugt, Stil der Körperbewegung
TonfallStimmhöhe, Schnelligkeit, Volumen, Rhythmus


Körperreaktionen wie Pupillenweite, und Schwitzen bei Ausnahmesituationen können relativ schlecht manipuliert werden, sie sind Teil autonomer Körperreaktionen. Bekanntermaßen stimmt die Intuition, dass Frauen, Männer und das Kontinuum dazwischen auch unterschiedliche Schwerpunkte haben und Kanäle zum Empfangen und Senden verschieden stark ausgebildet sind.


Interpersonale Einstellungen

Argyle unterscheidet nonverbale Kommunikation durch zwischenmenschliche Einstellungen

Dabei unterscheidet er zwei Hauptdimensionen:

Dominanz – Unterwürfigkeit

Freundlichkeit – Ablehnung

Beide Dimensionen sind stark von der Sozialisation und Kultur abhängig.


Persönlichkeit und nonverbales kommunizieren

Sprache allein oder auch körperliche Signale allein wären nichts ohne einen Kontext, also zeitliche und räumliche Einbettung. Informationen sind daher immer in ein Umfeld eingebettet. Bedauerlicherweise leben wir noch in einer Welt, in der wir auch oder gerade vor allem den geschichtlichen Hintergrund einer Sache, in die moderne Zeit holen und direkte Vergleiche herstellen.

Ganz anders, und ich denke, man darf durchaus feststellen, dass dies Teil einer zukünftigen menschlichen Intelligenz werden wird, ist die Situation dann, eine ganz andere, wenn ich mich vor allem Wissenshintergrund in eine Zeit der Vergangenheit zurückversetzen kann und die dortigen Umstände und Einflüsse mitberücksichtige. Ein Phänomen, das nicht allein das Wissen über Geschichte voraussetzen muss, sondern hier sind die virtuelle digitale Welt und die reale Welt eng miteinander verknüpft. Der Begriff Metaversum ist absolut zutreffend, auch dann, wenn ein Unternehmen sich den Namen zu eigen gemacht hat. Denn es erweitert das vorstellbare Universum um die Dimension, dass ich zu jedem Zeitpunkt in eine virtuelle Welt der Vergangenheit eintauchen kann, um alle erforderlichen Fakten, Hinweise und Informationen aus der damaligen Zeit in die aktuelle Gegenwart zu holen, um damit Vergleiche ziehen zu können, die damit sehr realistisch werden. Denn wie man dann wohl erkennen wird, wird es wirken, als wäre die Zeit stehen geblieben und nur der Fortschritt, entkoppelt vom Menschen, eine eigene Welt. Einsteins Relativität bekommt hier eine eigene Vorstellung, wie es scheint.

Zu den häufigsten unbeabsichtigten Signalen gehören,

– körperliche Merkmale (Größe, Hautfarbe, etc)

– Alter, Geschlecht, Ethnien- und Schichtzugehörigkeit in der Gesellschaft

– Persönlichkeitszüge wie Extraversion – Introvertiertheit

Zum einen aus der Evolution der Menschheit geboren, zum anderen in jedem Lebenszyklus des eigenen Lebens kultiviert und sozialisiert, lernen Menschen, die jeweiligen kommunikativen Mittel einzusetzen und dazu ihre Motorik.


In der Künstlichen Intelligenz wird der Tod bzw. das Leben nach dem Tod zur Diskussion, wie es einmal zurzeit der Fall war, als der Mensch lernen musste, Kinder zu gebären. Auch der Mensch steht in einem Entwicklungsprozess. Sinn und Unsinn des menschlichen Ablebens sind in Diskussion zu stellen. Und so ist zumindest aus biologischer und psychologischer Sicht bekannt, dass neben Genen auch über Resonanz Identitäten übertragen werden, was vor allem in den ersten Lebensjahren der Fall ist. Jedes noch so große oder kleine Defizit wird einfach aus der Vergangenheit der Vorfahren übernommen. Und wenn dann das Leben auf gleiche Weise fortgesetzt wird, dann sind die Ähnlichkeiten manchmal, inklusive der Gesichtszüge und Mikroexpression, verblüffend, als sei es ein Duplikat.

Die benannten Signale, die im Verlauf des Lebens demnach ausgesendet werden und unbewusst sind, verraten über eine Person genau das, was man so manchmal lieber verschweigen würde. So hat Sigmund Freud bereits darauf hingewiesen, dass Verdrängungen meist selbst nicht erkannt werden, andere hingegen sehen diese Verdrängungen und sehen sie als zugehörig zum Signalgebenden. Wenn man also anders behandelt wird, als man es vielleicht erwartet, ist es durchaus denkbar, dass andere Signale gesendet werden als ursprünglich erwünscht.

Maßgeblich für das, was gesendet wird, ist immer das innenliegende Motiv.

Denn Signale, die unbeabsichtigt erfolgen, werden durch zusätzliche Maßnahmen entweder verstärkt oder zurückgenommen.

Mit höheren Absätzen kann ich mich größer machen, als ich bin, mit den Haaren kann genauso gespielt werden wie mit Schmuck und allem voran der Kleidung. Farbe, Form und Silhouette verändern geradezu kunstvoll die Interaktion mit dem Gegenüber. Denn auch die Farben rufen unterschiedlichste Emotionen in der Außenwelt ab oder setzen neue Reize.

Wie ich mich entschieden habe, aufzutreten und mein Bild nach außen abzugeben, so werde ich von außen kategorisiert und behandelt, ob berechtigt oder nicht. Je nach Sozialisierung und Kultivierung wird das Gegenüber in seine Welt einordnen.

Argyle hat hier eine Dreiteilung vorgenommen:

– Körperbild

– Rollenzugehörigkeit in der Gesellschaft

– grundsätzliche Charakterzüge

Zu Letzterem muss man sagen: Nach Abraham Maslow gehört es zu den vordergründig wichtigsten Zielen von Menschen, den Charakter auszubilden. In der Regel hat man dieses Bestreben unbewusst. In jüngeren Generationen zeigen sich aber wieder bewusstere Züge. So gilt die Rückkehr zur Tugendhaftigkeit als ein erstrebenswertes Ziel mit Mainstreamcharakter. Der Wunsch nach Charakterausbildung oder sich in Gerechtigkeit wiederzufinden, scheint wieder an Popularität zu gewinnen. Wenn man genau und unbefangen hinschaut, dann sind Menschen tatsächlich erst dann schön und begehrenswert, wenn sie ihren Charakter ausgebildet haben.

Der Charakter ist dann im Gesicht und auch teilweise gut an der Körperhaltung ablesbar. Man könnte dann meinen, es gäbe nichts mehr zu entdecken. Aber es ist genau das Gegenteil der Fall. Dahinter steht das Geheimnis, erfahren zu wollen, was den Menschen zu dem gemacht hat, wie er sich darstellt. Ergo: Je offener ich bin und je mehr Charakter ich zeige, desto geheimnisvoller. Die innere Ordnung, das dauerhafte An-sich-selbst-Arbeiten bringt diese Charaktere zum Vorschein.


Signale im Gespräch

Ob mit oder ohne aktiv zu sein, der Körper spricht unaufhörlich.

Michael Argyle unterscheidet Signale in zwei Gruppen:

a) vokal-auditiv

prosodische Signale (zeitliche Abstimmung, Tonhöhe, Lautstärke)

Rahmensignale (Ausdrücke zu Äußerungen des Sprechenden)

b) kinetisch

Mimik und Blickwechsel

Gestik (Kopfnicken, Handbewegungen, etc.)

Wie schon bei Paul Watzlawick das Axiom über die Interpunktion stellt auch Argyle eine Interpunktionsfolge in den Zeichenfolgen fest.

Die sprechende Person sendet bsw. am Ende einer Äußerung einen längeren Blick, begleitet von einer Frage, die neben dem Anstieg der Tonhöhe zu beobachten ist, welche vom Anheben der Augenbrauen oder einer Kopfbewegung nach oben begleitet wird.

Beim Versuch, ein Gegenüber zu überzeugen, wird der Blick auf den Rezipienten, den Zuhörer, fixiert. Zudem ist die Gestik intensiver, genauso wie die mimischen Aktivitäten. Das Sprechen ist flüssiger und schneller.

Bei Unwahrheiten wird hingegen deutlich weniger interpunktiert. Wenn man daher davon ausgeht, dass die Emotionalität in der Zukunft sich steigern wird, wird der kommunikative Einfluss und die Unterscheidbarkeit zur Glaubwürdigkeit oder nicht deutliche Zeichen hervorheben.

Aber nicht nur die sprechende Person ist aktiver. Dass man interessiert ist und folgen kann, äußert sich darin, dass jemand der sprechenden Person aktiv zugewandt wirkt. Körperhaltung, Kopfnicken, Blickkontakt, und Emotionen begleiten das Gespräch. Man geht emotional und bewegt mit!


Kommunikation über Gesichtsausdruck

Weil die, insgesamt 23 Muskelstränge, der Muskulatur des Gesichts unmittelbar zwischen Knochen und Haut verknüpft sind, ist jede kleinste, mittelfristig andauernde Veränderung des Charakters durch das Gesicht ablesbar, die verschiedenen Teile wie Mund, Augenbrauen, Nase und Haut unabhängig voneinander zu bewegen. Auf diese Weise werden interpersonale Einstellungen und Emotionen über das Gesicht kommuniziert.

Gesichtszüge passen sich zwar relativ schnell an, dennoch sind im Zuge von Intentionsbewegungen entstanden, wie bsw. Das Zeigen der Zähne, Hochziehen oder Zusammenkneifen der Augenbrauen. In der Suche und Interpretation ihrer Bedeutung nach sind diese fester Bestandteil sozialer Signale geworden. Lachen oder ein Lächeln ließen sich nach Darstellung des Autors Michael Argyle bis auf die Primaten zurückverfolgen.

Gesichtszüge, die eher statisch sind, betreffen in der Regel die Persönlichkeit eines Charakters. Vom Gefühlsausdruck betroffene Muskulatur aktiviert entsprechend verschiedene Gesichtsmuskeln. Grundsätzlich geht man von sieben Gesichtsausdrücken aus, die angeboren sind. Sie gelten als universell für alle Menschen.
Über die Gefühlsausdrücke ist bekannt, dass diese kontrolliert und damit auch in ihrer Stärke manipulierbar sind. Hierbei gibt es kulturelle Differenzen.

In den überwiegenden westlichen Ländern wird ein Lächeln oder Lachen mit Fröhlichkeit in Verbindung gebracht, während in Japan ein Lachen Verwirrung oder Unsicherheit symbolisiert.

Bei einer sozialen Interaktion spielen die Gesichtssignale dann die entscheidende Rolle, wenn das gesprochene Wort durch Signale unterstützt wird. Klare Bedeutungen rufen meist ähnliche Signale hervor.

Sind Gesichtssignale der Persönlichkeit betreffend, werden diesen bestimmten Eigenschaften zugesprochen. Hohe Stirn gilt als eher intelligent, Menschen mit vollen Lippen spricht man eher eine Genusssucht zu. Dünne Lippen hingegen vermitteln einen asketischen Eindruck.

Was fürs Gesicht trainiert wird, hinterlässt auf mittel- bis langfristige Sicht seine Spuren. Wird die Stimmung auf Dauer durch die Mimik zum Ausdruck gebracht, entsteht ein auf Dauer schlüssiges und vor allem ein authentisches Bild. Genaueres hierzu kann man dem in 2023 erschienenen Spiegelbestseller „Menschen lesen“ von Joe Navarro entnehmen.

Menschen sind dann bevorzugt, wenn diese überdurchschnittlich symmetrische Gesichtsmerkmale aufweisen. Denn das gilt meist als relativ ausgewogen und gilt als weniger anstrengend in der Signalaufnahme bzw. Encodierung. Attraktivität bleibt ein Magnet. Man schaut attraktive Menschen intensiver an. Attraktivität kann aber nicht von außen verschönert werden, wie man oft zu glauben vermag. Hinter Attraktivität verbergen sich die Geheimnisse der Erlebnisse durch Erfahrung, Gewinn und Verlust und sind nicht manipulierbar.


Nonverbale Kommunikation

Gefühle zeigen sich z.B. bei Furcht durch weit geöffnete Augen, bei Ärger werden diese zusammengekniffen. Bei Scham oder Verlegenheit wird der Blickkontakt größtenteils gemieden. Bei Angst und Anspannung erhöht sich die Frequenz des Blinzelns. Während diese abnimmt, wenn man konzentriert im Denken oder Schauen ist.

Grundsätzlich schaut man einen Menschen länger an, wenn man seinem Gespräch aufmerksam lauscht. Spricht man hingegen selbst oder hört das Gegenüber zu, wird das Gegenüber weniger intensiv betrachtet. Hat man jemanden besonders gerne, schaut man diesen auch intensiver und mit längerer Verweildauer an. Wird man häufiger angeschaut, überträgt sich das Gefühl, diese Person sympathisch zu finden. Ein längerer Blickkontakt wird auch dann gehalten, wenn zustimmende Signale gegeben werden. Dominante Mitglieder einer Gruppe erhalten mehr Blickkontakte als andere Teammitglieder. Das hat überwiegend damit zu tun, dass Reden die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Der starre Blick verrät das Drohsignal. Ein Blickkontakt wird genutzt, um Feedback einzuholen, Sprechen zu begleiten, zu kommentieren und um ein Schlusssignal zu setzen. Extravertierte Menschen schauen Gesprächspartner häufiger an als andere, vor allem beim Sprechen. Sind Menschen melancholisch oder depressiv, führen sie den Blickkontakt seltener, und neigen auch dazu, diesen zu meiden. Ein Vergleich zwischen Männern und Frauen hat gezeigt: Frauen wenden Blickkontakte häufiger an. Fehlen diese, sind weibliche Geschlechter schneller verunsichert. Menschen, die ihre Gesprächspartner häufig anschauen, gelten als aktiv, dominant und selbstbewusst.


Gesten, Körperbewegungen und Körperhaltung

Wie zuvor bereits erwähnt, mit dem Verlauf der Jahre und Zeit bildet sich all unser Tun und Wirken als Repräsentation im Gehirn ab.

Die gesamte Motorik, das Handeln, was man auch im Sinne von „greifen und begreifen“ verstehen kann, repräsentiert jeden einzelnen Punkt im Gehirn. Über die Jahre wird aus Grobmotorik in aller Regel Feinmotorik. Eine Theorie über die Entstehung der Gestik, sei aus der Begleitung des Sprechens entstanden, wie Michael Argyle weiter aufzeigt. So habe sich die verbale Kommunikation aus der Gestensprache entwickelt.

Die Körpersprache dient dabei der Unterstützung der verbalen Kommunikation in Interpunktion, Betonung, Veranschaulichung und Kontrolle der Synchronisierung zum Feedbackgeben. Das Feedback war bisher durch die Gesicht-zu-Gesicht-Kommunikation ein Kanal, der der modernen Kommunikation über Computer und Peripherie und/oder Endgeräte nicht mehr zwangsläufig gegeben ist. Was hier an früheren kommunikativen Mitteln gegeben war, bleibt heute aus und ist ein großes Potenzial für Konflikte. Allerdings: In einer resilienten Gesellschaft sind Herausforderungen wie diese besonders wichtig, weil die Kommunikation am grundlegenden biologischen und psychologischen Bedürfnis wächst und damit auch neue Wege von Beziehungen findet.

Die Gestensprache ist in verschiedenen Kulturen unterschiedlich stark ausgeprägt und dient der Vermittlung verschiedener Arten von Signalen.

– Sie veranschaulichen das Gesprochene

– Sie gelten als Zeichensprache an sich

– Bewegungen bringen Gefühle zum Ausdruck

– Gesten sind Teil der Persönlichkeit, womit Menschen ihrer Persönlichkeit Ausdruck verleihen.

– Bewegungen bei Ritualen sind ebenfalls signalgebend

Konventionelle Gesten haben in ihrer Kultur eine allgemein akzeptierte Bedeutung. Sie werden in der Regel bewusst gesendet und empfangen. Sie gelten als selbst vollständige Botschaften, werden aber in der Gesamtheit nicht zu einer unabhängigen Zeichensprache zusammengestellt. Kulturell sind diese zwar abhängig, haben oft aber gemeinsame Bedeutungen. Darunter findet man Kopfnicken, Händeklatschen, Schulterklopfen oder mit der Hand zu winken.

Körper und Hände eignen sich bei weitem nicht so gut wie das Gesicht, wenn es um die Vermittlung von Gefühlen geht. Erregung oder Zerstreutheit lassen sich allerdings mit Bewegung der Hände und des Körpers gut mitteilen. Solche Signale sind allerdings sehr häufig der Kanal für den Abbau von Überspannungen oder gar Übersprungshandlungen. Sie sind nicht zu kontrollieren und passieren meist affektiv. In der Gestensprache teilen sich Gefühle hauptsächlich durch Spannung und Entspannung mit.

Gesten, wie etwa das Umarmen, sind Teil der interpersonalen Einstellung und haben sich aus bestimmten Formen von Körperkontakten heraus entwickelt. Sie bringen auf ihren Formen eine Abneigung oder Zuneigung zum Ausdruck. So bedeutet in etwa das Verschränken der Arme eine Abwehrhaltung, geöffnete oder gar gestreckte Arme zeigen in der Interaktionssituation mehr Nähe oder Intimität.

Eine körperliche Unruhe wie bspw. das ständige Bewegen der Beine oder Hände gibt Aufschluss über das Verlassenlassenwollen der Situation. Konkret meint mein Psychoanalytiker, dass das bekannte Drehen des Eheringes Fluchtgedanken aus der Beziehung zum Ausdruck bringt. Was man also sieht und beobachtet, lässt sich überwiegend auf etwas sehr Konkretes beziehen. Und weil dies in uns biologisch, und psychisch angelegt ist, empfinden wir in aller Regel auch das richtige ohne wirklich zu wissen woher das Gefühl wirklich kommt. Im Zweifel gilt dabei sich auf das eigene Gefühl zu verlassen. Denn selbst wenn etwas nicht so zutrifft wie vermutet, Niederlagen, falsche Auffassungen sensibiliseren, in diesem Fall die Menschenkenntnis und geben einem in der späteren Situation recht.

Wer wenig bedrohlich wirkt, vor dem bleibt man meist ruhig und strahlt gelassenheit oder Souverenität aus. Aufgrund der Stereotypisierung als auch werturteilen beurteilt man Menschen in einen Status, was das eigene Empfinden als erhöhend repräsentiert, ein Gefühl der Erhabenheit beinhaltet oder man sich selbst abgewertet empfindet.

Das meiste dieser Bedeutungen bezieht sich aber auf Affekte. In kürzesten Augenblicken lassen sich viele weitere Deutungen dann manipulieren.

Dass man jemanden an seiner Körperbewegung erkennt, liegt an der Mischung zwischen Gestik und Persönlichkeit. Bewegungen variieren mit der Stimmung, das grundlegende Bewegungsrepertoire bleibt hingegen konstant. So hat fast jeder Mensch einen individuellen Gang und Bewegungsablauf, die jeweilige seelische und körperliche Verfassung bringt aber die entsprechende Abweichung zur Geltung. Dennoch erkennt man die unverwechselbare Grundhaltung.

Weitere Beeinflussung bringen Alter, Gesundheit und berufsmäßige Gewohnheiten mit sich. Interessant ist allerdings, dass, genauso wie sich die Stimmung auf die Körperhaltung auswirkt, dies auch umgekehrt der Fall ist, in gleichem Maße. Um es abzukürzen: Wenn es mir nicht sonderlich gut geht, dann muss man sich klarmachen, wie man sich fühlt, und eine andere Körperhaltung einnehmen, damit sich auch meine Stimmung wieder aufhellt. Es entspricht geradezu einer Selbstprophezeiung: Wenn ich mich hängen lasse und traurig in der Welt umhergehe, dann werde ich auch entsprechend behandelt und wahrgenommen, und es gibt meiner Haltung den nötigen Feinschliff, sich darin zu vertiefen. Es ist daher wichtig, auch wenn es anstrengend ist, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Der Ursprung menschlicher Beziehungen liegt in der Trennung und hat zur Folge, dass Beziehungen wirken wie ein Magnet. Dieses Magnet drückt sich in der Wechselwirkung und damit in interpersonalen Beziehungen, bzw. psychologischem Fachterminus Übertragung und Gegenübertragung, aus. Das, was ich ausstrahle, bekomme ich als eine Form der Spiegelung zurück. Bedauere ich mich selbst, werde ich bedauert.


Körperkontakt und räumliches verhalten

Gerade in den ersten Jahren ist Körperkontakt so wichtig wie Nahrung und Körperpflege. Im ersten Jahr eines Kleinkindes zeigt sich die Fähigkeit, sich angenommen fühlen zu können oder sich abgelehnt zu fühlen, am deutlichsten. In jedem Fall aber findet hier in der Regel das Höchstmaß an Einverleibung statt, eine der drei Identitätsstufen. Jegliche Störung zeigt sich in jedem weiteren Alter bis hin zum hohen Lebensalter immer wieder neu. Muster wiederholen sich und bekommen daher nicht nur eine Bedeutung. In aller Regel liegt hierin auch das höchste Potenzial, sofern überwindbar zur eigenen Persönlichkeit, Identität und Entfaltung. Egal wie das erste Jahr eines Menschen aussieht oder verläuft, Kulturen haben ihren eigenen Umgang damit. Letztlich ist es den Menschen aber aufgrund des Geburtsvorganges gegeben, Distanz auf irgendeine Weise zu überwinden. Sind Kontakte besonders herausragend, führt die Beziehung dazu, neuen Nachwuchs in die Welt zu bringen. Damit ist die Distanz maximal überwunden. Wie demnach unschwer zu erkennen ist, sind Menschen mit dem Ziel geboren, Distanz und Trennung im Leben generell zu überwinden. Trennendes und spaltendes geht daher eher auf negative Erfahrungen zurück und kann kein Ziel sein, das auf Dauer angelegt ist. Eine solche Nähe kann aber auch einseitig sein, und kann man die Einseitigkeit nicht überwinden, dann liegt eine Nachahmung bis zu einem bestimmten Grad sehr nahe.

So manches Mal kennt ein Gegenüber nicht die Grenze. Sehr gut zu beobachten in Zeiten großer gesellschaftlicher Vereinsamung. Menschen, die alleine oder sozial kaum mehr integriert sind, kommen einer anderen Person oft sehr viel näher, als man das wünscht. Hier zeigen sich Empfindungsgrenzen.

Beim räumlichen Verhalten spielen der Abstand, der Winkel, wie sich Gesprächspartner gegenüberstehen, und die Höhe zueinander eine Rolle.

Wenn Zuneigung oder Statusgleichheit herrscht, empfindet man eher das Gefühl, enger zusammenzustehen. Seite an Seite spricht für Nähe und Kooperation. Entspannte Gespräche oder auch Verhandlungen sind im Winkel von gut 90° vorteilhaft. Das rührt daher, dass sich die Blicke nicht zwangsläufig treffen müssen, jeder hat die Chance, auszuweichen, Konflikte werden so eher gemieden. Positionen, die gegenüber platziert sind, deuten auf Konkurrenzsituationen hin und führen schneller zu Machtgerangel.

Distanzregeln sind aus der Verhaltensforschung entstanden und haben damit zu definierten Distanzzonen geführt, die empfohlen sind. Wer sein Gefühl allerdings wahrnehmen kann, der wird die Distanzen selbst fühlen und empfinden können.

Die Abstände dazu sind in vier Zonen aufgeteilt. Gewöhnlich variieren diese in der jeweiligen Kultur oder Persönlichkeit.


Intimzone


Die engste Zone wird dabei als Intimzone bezeichnet. In diese Zone lassen wir in der Regel nur uns sehr vertraute Personen. Überschreitet eine uns unbekannte Person diese Distanz, wirkt das auf uns bedrohlich. Die Intimzone ist von den Revierzonen her abgeleitet. Hier zeigt sich der Mensch ganz als Primat. Die Bedrohung äußert sich in einem schnelleren Herzschlag, das Adrenalin steigt an, man will gewöhnlich aus der Situation bzw. weicht instinktiv zurück. Der Kommunikationskanal sind Geruchssinn und meist Tastsinn.


Persönlichkeitszone


Der Umfang beträgt 120 cm, ca. Gute Bekannte oder Gesprächspartner sind in der Regel in dieser Zone anzutreffen. Kommunikationskanäle sind ein vermindert möglicher Körpergeruch, der Gesprächspartner ist greifbar nahe, aber auch in der Lage, sich schnell zu distanzieren, sowohl verbal als auch räumlich körperlich.


Gesellschaftliche Zone


120 bis 360 cm sind ein Distanzbereich, den die Verhaltensforschenden als eine Distanz identifiziert haben, bei der Beziehungen weniger freundschaftlich oder vertrauensvoll sind. Vielmehr der Sachlage dienend. Oft gehören dazu Kolleginnen und Kollegen oder gar Vorgesetzte.


Öffentliche Zone


Ab 360 cm spricht man dann von einer respektablen Zone. Man kennt sich nicht und hat nichts miteinander zu tun. Die Sprache ist meist förmlicher, lauter und distanzierter. Man kann sowohl würdevoll als auch distanzierter miteinander hadern.


Vokal-auditive Signale

Nonverbale Laute wie Tonfall, Stimmhöhe oder Lautstärke sind Kommunikationsmittel, über die Stimmungen und interpersonale Einstellungen oder auch charakterliche Aspekte transportiert werden können.

Solche nonverbale vokale Signale lassen sich unterscheiden in mit dem Sprechen verbundene und vom Sprechen unabhängige Signale. Gefühle werden bsw. Über Tempo, Tonhöhe und Lautstärke decodiert. Schnelles Tempo weist auf Vergnügen oder hohe Aktivität hin, kann aber ebenso Ärger oder Furcht bedeuten. Ein hoher Ton transportiert Überraschung oder Stärke. Ist der Ton niedrig, wird Vergnügen, Langeweile oder Trauer transportiert. Grundsätzlich zeigen sich im Tonfall Furcht und Zorn am deutlichsten. Liebe und Traurigkeit oder Stolz und Zufriedenheit weniger.

Selbstbewusste und/oder durchsetzungsstarke Menschen haben eine betontere Intonation, eine größere Tonhöhe und eine schnellere Geschwindigkeit.


Kongruenz

In der aktuellen Zeit gewinnt dieser Ausdruck zunehmend an Bedeutung. Während viele Menschen zurück zur Authentizität wollen, steht die Herausforderung durch ein Höchstmaß an Täuschung gegenüber. Das wundert wenig, denn wir leben in einer Zeit hohen Wohlstands, der die grundsätzliche Sinnfrage gegenübersteht. Die Sinnfrage untergräbt den Wert der Dinge, oder um es kurz zu sagen: Wir stehen am Beginn einer Zeit des Seins, während wir gerade aus einer Zeit des Habenwollens kommen. Tugenden gewinnen wieder an Fahrt, ehrenwerte Charakterzüge sind wieder trendy.

Kongruenz ist die Echtheit, die jemand ausstrahlt. Wenn alle Kanäle, nonverbale wie verbale, Inhalte in Beziehung zum Partner und Gesprächsinhalt einheitlich transportiert werden, dann ist der Gesprächspartner in einem Zustand der Klarheit. Das Gegenstück ist die Inkongruenz.
Zur Kongruenz der Echtheit gehören vor allem Tugenden wie bspw. zu seinen Schwächen zu stehen, klarzustellen, wenn man etwas nicht weiß, eine innere Haltung wie bsw. Weniger Stolz als mehr Dankbarkeit, eine gesunde Fehlerkultur. Auch der schmale Grad zwischen Selbstbewusstsein und Narzissmus, das Überzeugtsein von dem Überzeugtsein, was man tut, immer aber auch am Rande des Skeptizismus, sind existenzielle Ausdrucksweisen dieses Verhaltens. Gerade weil solches Verhalten schwer in Einklang zu bringen ist, ist es auch schwer, Kongruenz zu erlangen. Meist geht daher auch Attraktivität einher, was viele Menschen mit einer inneren Schönheit in Verbindung bringen, die sie äußerlich mittels Schönheits-OPs zu kaschieren versuchen.


Symmetrie


Man sieht durchaus, wenn eine Körperhaltung symmetrisch wirkt. Die Haltung spiegelt dann eine innere Zufriedenheit wider, eine aufrechte Haltung zeigt sich über die Schultern, Arme und Beine und verführt das Gegenüber zur selbigen Haltung. Symmetrie findet statt in einem Zustand zwischen Konzentration und Entspanntheit.


Synchronizität von Bewegungen


Sind sich Gesprächspartner sympathisch, verhalten diese sich meist synchron zueinander. Sie machen ähnliche Körperbewegungen. Beide sind oder fühlen sich vertraut oder finden sich nett. Über dieses Maß hinaus ist eine aktive Gesprächshaltung mehrheitlich ein Initiator, andere mitzunehmen oder mitzureisen. Auch dadurch wird oft Synchronizität erreicht. Denn ein Überschuss an Energie aus Begeisterung kann durchaus auf andere übertragen werden. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass in der aktuellen Zeitphase Emotionen und Authentizität eine größere Rolle spielen als in Epochen zuvor, was in aller Regel auch dafür sorgt, dass Menschen viel unmittelbarer erreicht werden können. Bei wem die Energie kaum überschwappt, könnte im Thema schon falsch sein. Etwas mit einer Geste zu unterstreichen, zu untermauern, ist vornehmlich ein kongruentes Verhalten und animiert dazu, überzeugt zu sein.

Fazit

Grundsätzlich muss man sich vor Augen halten, dass sowohl am Telefon ohne Bild als auch mit Bild, oder wenn über digitale Kanäle kommuniziert wird, bestimmte Kanäle fehlen. Diese holt man sich oft auf anderen Wegen zurück, weil zumindest das Feedback, in Form der Rückkopplung, wie es schon Watzlawick beschrieben hat, ein Grundbedürfnis des Menschen ist.

Weiterhin gilt in der nonverbalen Auseinandersetzung, dass es immer förderlich ist, sich auch die Metainformationen deutlich zu machen. D.h., welche Wirkung hat welches Verhalten? Die Reflexion dahingehend, die eigene Kommunikation zu verbessern, unterstreicht den eigenen Wunsch und Willen, was mit Kommunikation erreicht werden soll. Kommunikation kann Türen verschließen, vor allem aber auch öffnen und Konflikte vermeiden. Meta in der nonverbalen Kommunikation bedeutet, sich darüber bewusst zu sein, welche Nebensächlichkeiten das Kommunizieren mit Hand und Fuß sowie Gestik und Mimik mit sich bringen.