Das Modell Schulz von Thun baut auf dem Modell von Paul Watzlawick auf. Man könnte sagen, es wird darin vertieft.
Bei Schulz von Thun ist die Inhaltsebene als Sachebene bezeichnet. Die Beziehungsebene aus Watzlawicks Kommunikationstheorie wird bei Schulz von Thun weiter ausdifferenziert. Aus der Beziehung wird nun die Selbstoffenbarung und der Appell woraus dann insgesamt ein Kommuniktionsquader entstanden ist.

Aus der Perspektive der durch Paul Watzlawick benannten Metakommunikation blickt man jetzt bei Schulz von Thun auf ein Nachrichtenquadrat das aufgeteilt ist in einen Sachinhalt und einen Beziehungsinhalt. Der Sender offenbart sich und führt über die Nachricht einen Appell an den Empfänger. Betrachtet man den Kommunikationskomplex als Metakommunikation, wird die Rückkopplung erforderlich.
Im kommunikativen Dialog geht es darum, das man mittels der Metakommunikation alle Informationen einer Nachricht entdeckt, wahrnimmt und entsprechend darauf reagiert. Man verlangt demnach nicht mehr einfach nur ein Gespräch abzuwickeln, sondern alle Informationen der Kommunikation während eines Dialogs zu berücksichtigen.
Für diesen Zweck ist die Rückkopplung erforderlich, weil erst dadurch Korrekturen im Gesprächsverlauf vorgenommen werden können.

Die vier Seiten

Üblicherweise verwendet Schulz von Tun ein Beispiel in dem ein Paar im Fahrzeug sitzt und einen üblichen klassischen Dialog führt. In diesem Dialog geht es darum diese vier Seiten zu identifizieren und im Gesprächsverlauf richtig zu interpretieren.

Die Geschichte

Das Ehepaar fährt mit einem Fahrzeug. Die Frau ist am Steuer. Der Mann zeigt auf die entfernte Ampel und weist mit einem Satz auf die Ampel hin: „Du, da vorne ist Grün!“
Die Frau antwortet: „Fährst du oder fahre ich?“

Sachinhalt


Aus Perspektive des Sachinhaltes handelt es sich hierbei um eine reine Information. Eine Nachricht.

Beziehung


Wie das Paar zueinander steht, wird, von aussen betrachtet erst deutlich, wenn sämtliche Aspekte der Kommunikation, also auch die nonverbalen Signale miteinbezogen werden. Das Paar selbst handelt den Dialog üblicherweise routiniert ab, mit allen Störungen die es bis zu diesem Beziehungszeitpunkt gab. Korrekturen sind kaum denkbar. Das erinnert sehr an die Interpunktion der Ereignisfolgen von Paul Watzlawick.


Selbstoffenbarung


Aus Sicht der Selbstoffenbarung macht der Mann deutlich worin ihn der Schuh zudrücken scheint. Der Mann könnte es eilig haben, steht unter Druck, oder hat möglicherweise kein Vertrauen in seine Partnerin.

Appell


Der Appell ging aus dem Dialog bereits deutlich hervor. Der Sender wirkt auf den Empfänger ein und will offensichtlich auffordern das die Partnerin noch die Grüne Ampel erreicht.

Die vier Ohren

Sachohr

Das Sachohr hört ausschließlich den sachlichen Bezug. Um was genau geht es in der Sache?

„Die Ampel ist grün!“

Beziehungsohr


Das Beziehungsohr hört weniger den Sachinhalt, als vielmehr die Aspekte die auf die Beziehung hinweisen. „Du, da vorne ist Grün!“. Die Botschaft ist vermutlich schon jetzt übersteigert, weil die Notwendigkeit darauf hinzuweisen schon zu viel gewesen sein könnte. Der Rest kann alles sein, ausser der Botschaft an sich!


Selbstoffenbahrungsohr


Koppelt man die Beziehung des Wir aus, dann hört man nur noch das was etwas über den Zustand des Senders aussagt. Interessant hierbei ist, wenn sich jemand angegriffen fühlt, erfolgt in der Regel eine Affektreaktion die Schuld von sich weist. Hat man sich auf ein grundsätzliches Schuldeingeständnis konditioniert um Affektreaktionen auszuhebeln, besteht die Chance das man den Gesprächsverlauf so versteht wie dieser Abgeschickt wurde. Man hört tatsächlich die mögliche Selbstoffenbarung.


Appellohr


Mit dem Appellohr schließlich hört man die Information die als Beziehung verstanden werden soll.


Die vier Schnäbel


Die vier Schnäbel sind selbsterklärender Weise auf der anderen Seite zu finden. Der Empfänger hört nicht nur mit den vier Aspekten der Ohren, sondern kann entsprechend den vier Anteilen auch die eigene Seite kommunizieren, mit genau denselben vier Botschaftsmöglichkeiten.


Störungen der vier Seiten


Hinderliche Aspekte bei der Sachseite

In einem Dialog können bereits mittels der Sachseite, also ein Gesprächsaufbau bei dem es neutral um eine sachliche Angelegenheit geht, erkannt werden das die Beziehung vorbelastet ist. Wird eine Unstimmigkeit auf der Meta-Ebene entdeckt, besteht die Chance das man das Beziehungsthema anspricht um damit die Beziehung zu klären.

Bei ernsthaften Auseinandersetzungen und Ungeklärtheiten, wie bsw. in geschäftlichen Dialogen ist man gut beraten die Vernunft walten zu lassen und eine Schlichtung in Erwägung zu ziehen. Das kann unter Umständen ein neutrale Person sein die in der Lage ist die Wogen zu glätten, die Störungsanteile zu erkennen und anzusprechen.


Störungspotenzial der Beziehungs-Seite

Man kann durchaus behaupten, das es einwenig auch vom geschulten Gehör oder aber vom Intellekt abhängt, wie auf Informationen zwischen Sach- und Beziehungsebene reagiert wird oder werden kann. In der Regel nimmt man Beziehungsaspekte stärker war als die reine Sachinformation. Beziehungsaspekte sind umfangreicher und komplexer als die reine Sachinformation.

Es trägt sich an, das eigene Anliegen so zu verpacken das eine Botschaft in der entsprechenden Priorität beim Empfänger zu begreifen sein kann. Auf diese Weise kann der Empfänger die Anteile bewerten, die ihn zu einer Entscheidung darüber bringen mit dem gegenwärtigen Umstand umzugehen.


Gefahren der Selbstoffenbahrung

Bei der Selbstoffenbahrung spielt eine Tatsache bis heute noch eine grosse Rolle. Eine fehlende Fehlerkultur führt dazu das die meisten Menschen sich im besten Lichte zeigen wollen. Oft wird nichts gesagt, weil man um seine Selbstoffenbahrung bangt. Dieser Aspekt der Selbstoffenbahrung steht noch immer über vielem. Umgekehrt kann eine Selbstoffenbahrung natürlich auch vorsätzlich erfolgen, wenn ich meinem Gegenüber etwas klar machen möchte, die Information daher vielleicht sogar unnötig oder belanglos war oder gewesen sein könnte.

Eine gesunde Fehlerkultur trägt in aller Regel dazu bei, das eine Selbstoffenbahrung etwas über den Zustand aussagt, und damit Bedürfnisse und Erwartungen freisetzt!

Bei der Selbstoffenbahrung kommen wieder die bereits bei Paul Watzlawick erwähnten möglichen Selbstdarstellungstechniken zum Einsatz. Imponiergehabe und Fassadentechnik.


Schwierigkeiten Appell-Seite

Die Auffälligkeit beim Appell ist, häufig wird nicht ausgesprochen was man wirklich will. Man sagt etwas durch die Blume, oder liefert im Sinne einer Salamitaktik – Scheibenweise. Bei der Selbstoffenbahrung macht man sich häufig kleiner und hilfloser als man eigentlich ist. Diese Haltung kann beim Appell dann verstanden und entsprechend reagiert werden. Es sollte helfen anzusprechen was man meint verstanden zu haben, was durch die Blume gesagt sein sollte. Man wiederholt und fragt bestätigend ob etwas so oder anders richtig verstanden wurde. Auf diese Weise hilft man dem Gegenüber sich aus seiner hilflosen Position zu lösen und den Sachverhalt richtig zu stellen.

Es benötigt ganz sicher eine Atmosphäre der Toleranz und gesunder Fehlerkultur. Wenn ich nicht in der Lage bin einen klaren Appell an jemand richten zu dürfen, dann stimmt etwas im System nicht.

Gegenwärtig wird stark um den Erhalt der Demokratie geworben, bei der dies ein ähnlicher Fall ist. Meinungen und Haltungen in der Gesellschaft müssen ausgehalten und sich in Toleranz gegenüber anderen geübt werden. Wenn man meint keinen Grund zu haben, so kann man entsprechend dem System des Altruismus, bzw. Abwehrmechanismen wie Übertragungen und Projektionen davon ausgegangen werden, das man an eigenen Verfehlungen irgendwann in der Zukunft selbst daran gemessen wird. Und das erfolgt in der Regel immer zu einem sehr ungeeigneten Zeitpunkt.


Hilfreiche Haltungen für eine gute Kommunikation

Kongruenz


Der Begriff Kongruenz ist der Gesprächspsychotherapie von Carl Rogers entnommen. Kongruenz meint die Echtheit die ein Mensch ausstrahlt und trifft dann zu, wenn das innere Erleben, das Bewusstsein und die Kommunikation eines Menschen übereinstimmen.


Ich- und du Botschaft

Die Ich- und Du-Botschaft könnte man als einen der wichtigsten Positionen in einer Kommunikation betrachten. Denn, ein sehr grosser Anteil von Gesprächen lenkt von sich selbst ab und sieht, beobachtet und beschuldigt sogar andere für das was beobachtet wurde.

Wenn ich eine Beobachtung mache, dann bin ich die Person die diese Beobachtung gemacht hat. Nicht mein Gegenüber. Es steht mir auch nicht das Recht zu, bzw. nur sehr bedingt, darüber zu urteilen ob ein Sachverhalt so richtig, gut oder ähnliches ist. Im zweifel also trenne ich die Botschaft vom Urteil und stelle klar, es ist meine Position, meine Haltung, meine Beobachtung.

Der Unterschied dürfte in der Freiheit der oder des Einzelnen liegen. Die Freiheit im Rahmen von gesellschaftlichen Bedingungen des Miteinanders das zu tun was immer man möchte. Wenn ich der Auffassung bin das jemand etwas anders tun sollte, dann darf ich das in der Formulierung des Ichs gerne tun. Sätze wie bsw. „das darfst du nicht, oder du machst das falsch“ sind potenzielle Konflikttreiber.
Alternativ könnte man Sätze nutzen wie, „das ist ganz offensichtlich deine Methode, ich würde es anders machen oder habe eine andere Methodik…“

Loyalität

Dazu vielleicht noch der Hinweis auf eine Loyale Sachlage.
In einer Gruppe macht irgendjemand etwas falsch. Das fällt zunächst nicht weiter auf. In der Verkettung aber verstärken sich diese Fehler und werden irgendwann deutlich. Dort wo es auffällt, wird sofort die angebliche Person kritisiert und getadelt.

Loyalität bedeutet, ich nehme den Fehler, der irgendwo in der Gruppe entstanden ist auf mich, weil, egal welche Fehler oder was für ein Fehler passieren oder geschehen sind, dieser oder dafür ein anderer Fehler hätte mir genauso widerfahren können. Um den Zusammenhalt in der Gruppe und gegen äussere Eingriffe zu stärken, bsw. im Verkauf oder auch im Krankenhaus, wenn Pflegekräfte im Team zusammenarbeiten. Wichtig ist, mittels Loyalität Geschlossenheit zu zeigen, weil potenzielle „Eindringlinge“ solche Lücken ausnutzen könnten.


Rückmeldung geben ? Feedback


Feedbacks sind absolut wichtig, damit Menschen sich als Spiegel erkennen können, in der Lage sind sich zu verbessern oder sich gar stabilisieren können.


Aktiv zuhören

Die Besonderheit des Aktiven zuhörens besteht in aller Regel darin, das man werturteilsfrei anhört was jemand sagt. Diese Darstellung ist ebenfalls vom Gesprächstherapeuten Carl Rogers.

In erster Linie stiftet man damit aktive Wertschätzung. Durch aktives Zuhören entsteht zunächst ein Potenzial für mögliche Sympathie und möglicherweise wird entdeckt das man auf einer Welle schwimmt.

Dazu gehört auch, wenn sich der Moment ergibt das man eine kurze Sequenz der Erzählung wiederholt um zu verdeutlichen das oder ob man den Sachverhalt richtig verstanden habe.


Hilfsregeln für Gespräche nach der themenzentrierten Interaktion

Ruth Cohn hat Regeln erarbeitet die helfen sollen die Kommunikation zu verbessern. Ruth Cohn gilt als Mitbegründerin der humanistischen Psychologie.

Dabei ist das Thema über das kommuniziert wird im Mittelpunkt des Interesses. Man versucht mittels Gespür eine bewusste Balance zwischen der einzelnen Sache, der Interaktion und Beziehung zu anderen Teilnehmern, sowie des Sachthemas und vor dem Hintergrund des Kontextes das Gleichgewicht zu halten.
Wie man hier gut erkennen kann trifft dieser Umstand auf die „Wolke“ von Daniel Shapiro zu, bei der man in einer geeigneten Atmosphäre versucht die Stimmung auf gutem Fundament zu halten. In meinem Beispiel hatte ich den Verkaufsraum genannt. Man versucht unter Berücksichtigung der Umstände eine positive Grundstimmung aufrechtzuerhalten.


Körpersignale


Das bewusste beachten der eigenen Körpersignale kann oftmals helfen sich im Sinne einer Metakommunikation selbst zu beobachten. Im schlimmsten Fall zu korrigieren. Es hilft aber durchaus sich darüber bewusst zu sein was man selbst sendet oder auch das was man an Signalen wahrnimmt. In der Regel nehmen Menschen immer Signale war.


Ich statt man oder wir


Es ist gut wenn man konkret ist. Klare Aussagen und Darstellungen darüber welche Position man hat oder einnehmen möchte, helfen dem Kontext eines Dialogs, eine Stabilität zu vermittelt. Wenn man sich eine Botschaft verallgemeinert, im Sinne des Wir und nicht von sich selbst ausgeht der diese Botschaft meint, nimmt man ihr, je nach Kontext in der Regel auch eine Autorität.