Beim Menschen gelten Frauen als das „schöne Geschlecht“, während in der Tierwelt oft die Männchen auffälliger sind. Copyright: Illustration: Paul Wontorra und Eugen Wassiliwizky (lizenzfreie Bilder von Pexels)

Frauengesichter weltweit attraktiver bewertet als Männergesichter


Unterschiede in der Gesichtsstruktur erklären wesentlichen Teil des Effekts. Warum gelten beim Menschen Frauen als das „schöne Geschlecht“, während in der Tierwelt oft die Männchen die auffälligeren und attraktiveren Merkmale zeigen? Diese Frage beschäftigt die Forschung seit Charles Darwin. Eine neue, groß angelegte Studie unter Leitung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) in Frankfurt am Main liefert nun erstmals klare empirische Befunde. Die Ergebnisse sind soeben in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B erschienen.

Frankfurt a.M./Germany, 27. Mai 2026. – Aus dem männlichen Geschlecht kommt das Informative, während beim weiblichen Geschlecht das sinnlich wahrnehmbare im Vordergrund steht. So kommt auch die gesamte Versorgung während der Schwangerschaft über die Frau. Eine Studie der Werbeagentur Grey aus dem Jahre 2011 betont deutlich den Einfluss der weiblichen Ästhetik und Sinnlichkeit auf das greifbare (1). Denn auch Sinnlichkeit ist ein biologisches Grundbedürfnis, das einen Ursprung haben muss, aus dem es immer wieder aufs neue produziert wird. Auch wenn oft davon ausgegangen wird, das es dieses oder jenes nicht mehr zum Anfassen geben wird, und nur noch alles digital erlebbar werden soll. Das sinnliche wird immer wieder zurück kommen und eingefordert werden.

Der Einfluss des sinnlichen zeigt sich durchaus drastisch darin, dass wenn Menschen eine Umgebung als negativ empfinden oder erleben, das der Körper, der Organismus dann entsprechend mit Stress reagiert. Er schwächt die Leistungsfähigkeit und Resilienz. Positive ästhetische Erfahrungen setzen ganze Kaskaden resilienzfördernder Prozesse in Gang und zeigen damit eine fundamentale Notwendigkeit.

Ein internationale Forschungsteam analysierte die Daten von über 28.500 StudienteilnehmerInnen mit insgesamt mehr als eineinhalb Millionen Bewertungen von Gesichtern aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Es zeigte sich, dass Gesichter von Frauen im Durchschnitt als attraktiver bewertet werden als die von Männern. Dieser Effekt, den die Autoren der Studie als „Gender Attractiveness Gap“ (GAP) bezeichnen, tritt unabhängig von Alter, kulturellem Hintergrund oder Herkunft auf.

„Besonders interessant ist, dass Frauen andere Frauen deutlich attraktiver bewerten als Männer, während männliche Gesichter von beiden Geschlechtern ähnlich – und insgesamt relativ niedrig – bewertet werden. Der Unterschied besteht also nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch innerhalb derselben Geschlechtsgruppe“, berichtet Erstautor Eugen Wassiliwizky vom MPIEA.

Das Team stellte auch fest, dass dieser Effekt verschwindet, wenn sich Menschen selbst bewerten: Männer und Frauen unterscheiden sich nicht in der Einschätzung ihrer eigenen Attraktivität. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Männer insgesamt kritischer urteilen als Frauen. Im Vergleich zum GAP ist dieser Effekt jedoch deutlich schwächer und abhängig von der kulturellen Sozialisierung.

Um die Ursachen des GAP-Musters besser zu verstehen, untersuchten die Forscher auch objektive Merkmale der Gesichter. Mithilfe morphometrischer Analysen – also quantitativer Verfahren zur Vermessung von Gesichtsstrukturen – bestimmten sie, wie feminin oder maskulin ein Gesicht ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Unterschiede in dieser geschlechtstypischen Gesichtsstruktur einen erheblichen Teil des GAP erklären.

„Der GAP ist kein Artefakt oder statistischer Zufall, sondern ein robustes und breit beobachtbares Phänomen“, resümiert Wassiliwizky. „Er lässt sich zum Teil durch Unterschiede in der Gesichtsstruktur erklären, geht in Summe aber darüber hinaus.“

Insgesamt zeigt die Studie, dass Attraktivitätsurteile beim Menschen nicht allein eine Frage individueller Vorlieben sind. Sie entstehen aus einem Zusammenspiel von biologischen Merkmalen, individuellen Bewertungsmustern und sozialen Einflüssen. Der GAP weist auf systematische Unterschiede in der Wahrnehmung von Männern und Frauen hin – ein Phänomen, das bislang zwar oft vermutet, aber nie empirisch belegt wurde. Die Ergebnisse zeigen nun erstmals ein globales Muster.

Die Studie basiert auf der bislang größten Datensammlung zur Bewertung von Gesichtsattraktivität weltweit. Um Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten und zukünftige Forschung zu unterstützen, stellen die Forscher alle Daten und Analysen öffentlich als Ressource zur Verfügung.

Originalpublikation:
Wassiliwizky, E., Zietsch, B. P., Kleisner, K., & Ullén, F. (2026). The Gender Attractiveness Gap. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 293(2071), Article 20260362. https://doi.org/10.1098/rspb.2026.0362


Die Zukunft ist weiblich…, 2021
http://de.gate-communications.com/die-zukunft-ist-weiblich/

Bildquelle
Beim Menschen gelten Frauen als das „schöne Geschlecht“, während in der Tierwelt oft die Männchen auffälliger sind. Copyright: Illustration: Paul Wontorra und Eugen Wassiliwizky (lizenzfreie Bilder von Pexels)

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