Mit dem Aufkommen des Filialhandels um den Beginn des 20. Jahrhunderts herum wuchs die Zahl der angestellten Verkäuferinnen. Dr. Daniela Rüther hat in einem Projekt am Historischen Institut der Ruhr-Universität Bochum ihre Geschichte recherchiert: Wie waren die Arbeitsbedingungen? Was prägte ihr Leben, was ihr öffentliches Ansehen? Unter anderem konnte sie dafür auf Archivmaterial der Lebensmittelketten Kaisers und Tengelmann zurückgreifen. Ihre Erkenntnisse hat sie im Buch „Verkäuferinnen. Die Geschichte der Frauen hinter der Ladentheke“ im Dietz-Verlag veröffentlicht.
Bochum/Germany, 23. Oktober 2026. – Als Onlineshopping gestartet war, ging damit auch die Diskussion los ob der klassische Handel aussterben würde. Aber wie der Philosoph Thomas Hobbes schon zeigen konnte, alles kommt irgendwann wieder zurück. Denn die Dinge stünden in Wechselwirkung zueinander. Und so werden auch die grundlegenden Erfahrungen wie „anfassen wollen“ als Teil haptischer, sinnlicher Erfahrung genauso wenig verschwinden oder untergehen wie das persönliche Beratungsgespräch! Vielleicht kann es eine Frage der ökonomischen Effizienz werden. Eine Studie um Prof. Dr. Maren Lorenz und Erstautorin Daniela Rüther vom Historischen Institut der Ruhr-Universität Bochum belegt neben der Geschichte zum Filialbetrieb, das der Verkauf auch eine Geschlechtergeschichte ist.
Die Jüngsten Tendenzen die vor allem im Zusammenhang mit der künstlichen Intelligenz stehen wollen glauben machen das auch die traditionellsten Themen verschwinden werden oder könnten. Und so besteht auch die Sorge darum ob irgendwann einmal auch der Mensch hinter der Ladentheke verschwinden wird.
Daniela Rüther veröffentlichte nun ihre Studie „Verkäuferinnen. Die Geschichte der Frauen hinter der Ladentheke“.
Sie zeigt und beschreibt darin die historische Geschichte, die Keimzelle in der der Lebensmitteleinzelhandel entstanden war. Daraus geht die Durchsetzung der heutigen Großfilialbetriebe hervor. Die Ladentheke hatte dabei die eigentliche zentrale Rolle gespielt. Ihr kam beim Verkauf über die Theke die entscheidende Schlüsselfunktion zu. In den 1950er und 60er Jahren kamen die Selbstbedienungen hinzu. Schon damals entschied der Verkauf hinter der Theke, die Kompetenz der Verkäuferinnen darüber wie Produkte gekauft und abgenommen wurden.
Die Selbstbedienung die dann später entstand, tat dem aber keinen Abriss. Die Forschungsergebnisse haben gezeigt, das auch mit der Einführung der Selbstbedienung die Bedeutung des Verkaufs im stationären Handel nicht verloren ging. Das Forschungsteam hatte zu diesem Zweck Unternehmensakten der Firmen Tengelmann und Kaiser´s genutzt. Als auch weitere zeitgenössische Dokumente herangezogen, die bislang nicht berücksichtigt waren.
„Das Projekt zeigt, dass es sich lohnt, Unternehmensgeschichte als Geschlechtergeschichte zu betreiben“, so Prof. Dr. Maren Lorenz vom Historischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. An ihrem Lehrstuhl war das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungsprojekt angesiedelt. „Die innovativen Ergebnisse der Studie sind ein Beleg dafür, dass die Kategorie Geschlecht in unterschiedlichen Bereichen zu anschlussfähigen Forschungsimpulsen führen kann, wie hier unter anderem in den Bereichen Körpergeschichte, Geschichte des Alters und in der historischen Sozialpolitikforschung“.
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über drei Jahre mit rund 300.000 Euro geförderte Projekt „Die andere Seite der Ladentheke. Verkäuferinnen in den Großbetrieben des Lebensmitteleinzelhandels in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts“ wurde geleitet von Daniela Rüther. Die an der Ruhr-Universität Bochum ausgebildete Historikerin ist im Forschungsfeld der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, insbesondere des Einzelhandels, und der Ernährungspolitik im zwanzigsten Jahrhundert ebenso ausgewiesen wie in der Frauen- und Geschlechtergeschichte.
Originalpublikation:
Daniela Rüther: Verkäuferinnen. Die Geschichte der Frauen hinter der Ladentheke, Dietz-Verlag, Bonn 2026, 432 Seiten, ISBN 9783801207298
Bildquelle
Pixabay bernswaelz
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