Forschung zu selbstbestimmten digitalen Identitäten (Self-Sovereign Identity) als Instrument für mehr Kontrolle über die eigenen Daten: Frankfurt UAS zeichnet Dissertation von Dr. Simon Feulner mit Promotionspreis aus
Frankfurt a.M./Germany, 8. Oktober 2026. – Wer digitale Dienste nutzt, muss darauf vertrauen, dass Anbieter verantwortungsvoll mit Daten umgehen und Prozesse zuverlässig organisieren. Gleichzeitig zeigen Datenschutzverletzungen, Sicherheitsvorfälle und die zunehmende Konzentration von Daten und Kontrolle bei einzelnen Akteuren, wie anspruchsvoll es ist, Vertrauen im digitalen Raum aufzubauen. In seiner Dissertation untersucht Simon Feulner, wie Organisationen dezentrale Ansätze nutzen und damit Vertrauen stärken können.
Für seine herausragende Arbeit „Fostering Digital Trust in the Digital Age: On the Design and Management of Emerging Decentralized Information Systems“ wurde der frühere Promovend der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) nun mit dem Promotionspreis 2026 der Hochschule ausgezeichnet.
Die mit 3.000 Euro dotierte Ehrung durfte er am 29. September 2026 im Rahmen der Veranstaltung „Ausgezeichnet!“ entgegennehmen.
Im Zentrum von Feulners Forschung stehen Blockchain-Technologien und selbstbestimmte digitale Identitäten (Self-Sovereign Identity). Sie verfolgen das Ziel, Nutzenden mehr Kontrolle über ihre digitale Identität zu geben: Digitale Nachweise können in einer eigenen Wallet verwaltet und nur gezielt mit anderen Parteien geteilt werden.
In sieben Forschungsarbeiten entwickelte und evaluierte Feulner Frameworks, Architekturen und Gestaltungsprinzipien für solche Systeme. Zugleich untersuchte er, wie Organisationen deren Potenziale erkennen, geeignete Anwendungen entwickeln und dezentrale Systeme einführen und steuern können. Die untersuchten Anwendungsfelder reichen von Know-Your-Customer-Prozessen im Finanzbereich über Event-Ticketing und digitale Fahrzeugidentitäten bis hin zur öffentlichen Verwaltung.
Wie aktuell diese Forschung ist, zeigt die Anfang 2027 in Deutschland startende European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet), die zentrale Prinzipien selbstbestimmter digitaler Identitäten aufgreift: Nutzerkontrolle, Interoperabilität und vertrauenswürdige digitale Nachweise. „Dezentrale Ansätze können neue Wege schaffen, digitales Vertrauen zu stärken und Nutzenden mehr Kontrolle über ihre Daten zu geben. In meiner Forschung habe ich untersucht, welche Potenziale solche Ansätze in unterschiedlichen Anwendungsfeldern bieten. Umso mehr freut es mich, dass viele dieser Fragestellungen heute auch auf europäischer Ebene aufgegriffen und praktisch weiterentwickelt werden“, erklärt Feulner.
Seine wissenschaftliche Laufbahn hat Simon Feulner an der Universität Bayreuth begonnen. Dort absolvierte er seinen Bachelor und Master in Betriebswirtschaftslehre. Für einen weiteren Master in Wirtschaftsinformatik ist er 2018 an die Universität Bamberg gewechselt. Ab 2021 promovierte er kooperativ an der Frankfurt UAS und Universität Bayreuth und schloss die Arbeit 2025 mit Auszeichnung ab. Seine Ergebnisse hat er in verschiedenen renommierten Fachzeitschriften publiziert. Seit 2026 ist er als Referent des Vorstands bei der VEMA eG tätig, wo er an der Schnittstelle von Strategie, Digitalisierung und Innovation arbeitet. Zu seinen Themen zählen unter anderem generative KI und die European Digital Identity Wallet.
Weitere Informationen:
Bildquelle
Ausgezeichnet mit dem Promotionspreis: Dr. Simon Feulner (2. v. r.) mit Petra Rossbrey, Vorsitzende des Fördervereins, Doktorvater Prof. Dr. Nils Urbach (2. v. l.) und Hochschulpräsident Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke. Quelle: Benedikt Bieber. Copyright: Frankfurt UAS
Der Newsletter erscheint einmal pro Woche Freitags mit allen Inhalten der Woche

