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Zombie Leadership: Was ein veralteter Führungsstil anrichten kann


Der australische Psychologieprofessor Alexander Haslam spricht zum Start der Kollegforschungsgruppe „Goethe Leadership Center“ an der Goethe-Universität. Haslams These, eine Art „Zombie-Führung“ untergräbt Demokratie und mit heroischen Vorstellungen mache man die Allgemeinheit zu machtlosen Zuschauern.

Frankfurt a.M./Germany, 19. Oktober 2026. – Ein neues Phänomen hat die Runde gemacht und besitzt schon einen Namen – Zombie! Prof. Alexander Haslams These: Gesellschaft, Organisation und Politik werde von einer „Zombie-Führung“ dominiert, die auf veralteten Denkweise und Mustern dominiere und sich hartnäckig hielten.

Die Ausgangslage: Wenn man das Handwerkszeug zum Führen nicht gelernt hat, dann schaut man naheliegendst dort ab wo geführt wurde. Die Grundlagen dazu wie man Personen betrachtet die führen, hängt zuallererst davon ab, wie man selbst erzogen wurde. Denn das Bild das man von Erziehungsberechtigten oder Eltern kennt, ist der Blick, mit dem man spätestens im Job auf Führung schaut. Schon diese Ausgangslage verlangt von der sich zu unterscheidenden Führung im Betrieb eine recht klare Haltung. Und wie der Psychoanalytiker Erik Erikson schon einmal deutlich machte, die Anfänge des Lebens starten aus einer Position die mit dem Blick nach oben gerichtet ist. Daraus leite der Mensch ab das man Zeit seines Lebens gelernt habe an anderen hochschauen zu wollen oder zu müssen. Die Erziehung lehrt uns dies entweder beizubehalten, sich zu emanzipieren, im besten Fall irgendwann die Seiten gewechselt zu haben. Die Entwicklung des Menschen verlangt die Seiten zu wechseln und selbst zu etwas zu werden an dem man eines Tages hochschauen wird können. Der Auftrag des Lebens.

Die etablierten grundlegenden Führungsstile sind bis heute kooperativ/demokratisch, autoritär/Autokratisch und Laissez-faire. Entsprechend dem demokratischen Grundsatz, „Die Macht dem Volke“ unterstellt man jedem Menschen die Freiheit seinen Beitrag in die Gesellschaft einzubringen, unabhängig der Größe von Gruppen, Gremien, Organisationen. Die Transformation zu mehr Selbstbestimmung und mehr Selbstverantwortung wächst auch damit, dass Unterdrückung zurückgeht und sie braucht ihre Zeit und Kämpfe. Mit ihr die Transformation aus der Autokratie hin zur Demokratie. Und wie bei allem wird immer ein Anteil von allem bestehen bleiben und das notwendige Gleichgewicht bestellen. Es bedeutet lediglich eine Konsequenz aus einem demokratischen Staat die Umsetzung bis auf Ebene kleiner Gruppen zu vollziehen.

Als kleinste politische Einheit galt und gilt bislang noch immer die Familie. Betrieb und Unternehmen sind Zellen einer Wirtschaft. Das ganze ergibt bei Umsetzung etwas Vergleichbares in der Vorstellung, wie die eines physischen Körpers den es zu erschaffen gilt. Sofern dem ein sinnhafter Plan zugrunde liegt, wie unsere Väter und Mütter, – man denke nur an die „unsichtbare Hand“ von Adam Smith – in der Vergangenheit bereits herausgearbeitet hatten.

Wie aber verändert sich eine Gesellschaft, wenn eine Form der „Erziehung“ in den Betrieben, im Sinne von Narrativen umgesetzt, bzw. kultiviert werden soll? Wenn Menschen, mitarbeitende und das Kollektiv auf gemeinsame Ziele eingeschworen werden sollen? Welche Rolle spielt der Führungsstil in einer Zeit in der Qualifikation nachlässt und frei nach angelsächsischer Art autodidaktisch gelernt wird was erforderlich und notwendig erscheint. Unternehmen bieten zum Teil entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten. Doch Statusdenken und das „Haben“-wollenprinzip überwiegt in allem. Führung zu verkörpern muss nicht ein Wort darüber verlieren das es Führung ist. Man lebt es im Sinne eines „Seins“, einer Verkörperung mit dem Bewusstsein und der nachhaltigen Verantwortung der Wirkung auf geführte, die Notwendigkeit von Führung. Wenn Führung unbedeutend wurde, die am wenigsten wichtige Person wird und am wenigsten heraussticht, dann wird alles richtig gemacht, wie unlängst ein Neurowissenschaftler von sich gab.

Was tut man? Man schaut ab wie es die anderen tun, die sogenannten Imitatoren. Imitatoren/Innen kürzen den Lernweg kurzerhand ab. Es entstehen Lücken und wenn es um Lösungen geht kann man improvisieren. Es fehlt in der Lücke, dem wie, warum und woher kommt das ganze! Nur so kann man einer Verrohung entgegenwirken. Nur wenige sind Initiatoren/Innen und kennen das erforderliche Handwerk für die Anwendung. Jemand der die Strukturen kennt, das Grundwerkzeug, der erkennt auch die Art und Weise wie geführt wird, kann gegensteuern oder unterstützen.

Die „Zombie-Führung“ basiere auf Denkweisen, die schon häufig widerlegt worden seien, sich aber hartnäckig hielten. Führungspersonen würden bestimmte individuelle Eigenschaften zugesprochen, es gebe heroische Vorstellungen von Einfluss und Macht, die mit Führungsaufgaben verbunden seien. Dieses Bild lebe deshalb weiter, weil es den Eliten schmeichele und ihre besondere Position betone, ebenso den Netzwerken um sie herum. „Zombie-Führung“ untergräbt nach seiner Auffassung jedoch die Zusammenarbeit und die Demokratie, indem sie die Allgemeinheit zu machtlosen Zuschauern macht. Alex Haslam stellt Identity Leadership als Gegenmittel zur „Zombie-Führung“ vor. Diese moderne Führungskonzeption hebt auf gemeinsame soziale Identität, gruppenbasierte Beziehungen und kollektive Ziele ab.

Zum 1. Oktober hat die Kolleg-Forschungsgruppe „Goethe Leadership Centre“ die Arbeit aufgenommen. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für zunächst vier Jahre geförderte interdisziplinäre Verbund aus Psychologie und Wirtschaftswissenschaften untersucht, welche Rolle der Führungsstil von Vorgesetzten für die gesamtgesellschaftliche Stimmung und die Demokratie spielen kann und wie er in Form von „Identity Leadership“ (identitätsbasierte Führung) in deren Interesse zu verbessern wäre.

Zum Auftakt lädt das Kolleg zum öffentlichen Vortrag eines der Pioniere dieser Forschungsrichtung: Prof. Alexander Haslam von der University of Queensland spricht am

Mittwoch, 28. Oktober, um 16:15 Uhr
im Hörsaal A im Gebäude Sprach- und Kulturwissenschaften
(Rostocker Straße 1) am Campus Westend

zum Thema „Zombie Leadership: Dead ideas that pander to elites, cultivate powerlessness and erode democracy“ („Zombie-Führung: Veraltete Ideen, die den Eliten nach dem Mund reden, Ohnmacht fördern und die Demokratie untergraben“). Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Alex Haslam ist Professor für Psychologie und Laureate Fellow an der University of Queensland. Er hat 16 Bücher und mehr als 350 Artikel verfasst, in denen er den Beitrag von Gruppen- und Identitätsprozessen zum sozialen und organisatorischen Funktionieren untersucht – mit einem besonderen Augenmerk auf Führung und Gesundheit. Seine jüngsten Veröffentlichungen: „The New Psychology of Leadership: Identity, Influence and Power“, „The New Psychology of Health: Unlocking the Social Cure“ und „The New Psychology of Sport and Exercise“. Alex Haslam hat zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen erhalten. Im Jahr 2022 wurde er für seine Verdienste um die Psychologie zum Mitglied des Order of Australia ernannt.

Die Kolleg-Forschungsgruppe „Führung neu denken: Identitätsbasierte Führung als gruppenorientiertes Instrument zur Analyse und Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit“ oder eben Goethe Leadership Centre wurde gemeinsam von dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Michael Kosfeld und dem Psychologen Prof. Rolf van Dick beantragt, letzterer ist derzeit auch Sprecher des Verbundes. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Führungskräfte das Gemeinschaftsgefühl der Beschäftigten fördern können, um so Kooperationsbereitschaft, Wohlbefinden und Resilienz zu verbessern. Die Forschungen bauen auf umfangreichen Vorarbeiten der beiden Sprecher auf.

Das Projekt umfasst ein Fellowship-Programm mit Rudolf Kerschreiter (FU Berlin) und Axel Haslam als dauerhaften Fellows, 20 weiteren Senior- und Juniorfellows sowie 60 Kurzzeitgästen. Drei neue Postdoc-Stellen sind bereits besetzt, eine W1-Professur (mit Tenure Track) zur Entlastung von Prof. van Dick von Lehraufgaben ist ausgeschrieben. Die Mitglieder der Kolleg-Forschungsgruppe werden am 9. und 10. November im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg zusammenkommen, um am gemeinsamen Forschungskonzept zu arbeiten. Für 2027 und 2028 ist jeweils eine Konferenz geplant. Und im Jahr 2029 soll eine umfangreiche internationale Studie durchgeführt werden, die Identity Leadership unter dem Aspekt unterschiedlicher Kulturen, Disziplinen und Methoden in den Blick nehmen wird. Auch öffentliche Vorträge und eine Kooperation mit dem Museum Giersch der Goethe-Universität gehören fest zum Programm.

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