Am Beispiel einer spezialisierten Klinik zeigt sich wie kooperatives Führen zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit wird, das allen beteiligten zum Vorteil wird. Die Mischung eines guten Teams bildet wie in einer Demokratie das hervorstehende zu bewältigende gesellschaftliche Problem rund um die betroffenen Menschen ab. Vielmehr, die Menschen die dahinter stehen. Auf diese Weise entsteht ein Dienst am Menschen, der ihre Bedürfnisse zu befriedigen weis. Sind menschliche Bedürfnisse befriedigt, lösen diese sich darin auf und wachsen in den Fähigkeiten ihrer Verantwortung. Sie sind offen für neues und wollen mehr erfahren. Das Team für Intensivpflege am HDZ NRW beweist: Moderne Pflegeleitung als gemeinsamer, dynamischer Prozess hat viele Vorteile – vor allem für die Patientinnen und Patienten.
Bad Oeynhausen, 12. Oktober 2026. – Bereits vor über 15 Jahren hatte das damalige Startup Spotify mit einer besonderen Organisationsform geglänzt. Was zuvor Führung war wurde zur Schöpfung von Kreativität. Die Aufgabe von Führungen bestand darin, das Regeln und Gesetzmässigkeiten der unternehmerischen Kultur eingehalten wurden. Der Rest war für die angestellten kreative Freiheit (1).
Das spezialisierte Krankenhaus in Bad Oeynhausen vollzieht die Vorstellung kooperativer Führung und Organisation und stützt damit das Fundament demokratischer Gesellschaft. Herz- und Diabeteserkrankungen benötigen eine spezialisierte Versorgung – besonders bei schweren und komplexen Fällen auf der Intensivstation.
„Wir brauchen hochqualifizierte Teams, die sich selbst organisieren – bei klar verteilten Aufgaben“, sagt Christian Siegling, Pflegedirektor im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen. Das erfordere ein Umdenken: weg vom klassischen, hierarchisch geprägten Führungsstil. „Leitungen, die Zusammenarbeit aktiv vorleben und sich auf Augenhöhe unterstützen, werden immer wichtiger.“
Expertise allein reiche im Pflegealltag nicht aus. „So wie Top-Fußballspieler noch lange keine Mannschaft bilden, gilt es, vielfältige Pflegekompetenzen zukunftsfähig zu bündeln“, betont Siegling. „Niemand weiß mehr alles – aber jeder weiß etwas, das er einbringen kann. Teambildung ist eine dauerhafte Aufgabe.“
Dass Denis Beyer, Sarah Lohmeier und Anika Sanio auf der herzchirurgischen Intensivstation E0.1 im HDZ NRW ein Team bilden, sieht man auf den ersten Blick. Gemeinsam tragen sie die Verantwortung für die Organisation, Ausbildung, Evaluierung und Praxis aller pflegerelevanten Maßnahmen auf ihrer Station.
Stationsleiter Denis Beyer beschreibt das so: „Taucht bei mir eine Frage oder ein Verbesserungsvorschlag auf, gehen wir das gemeinsam an. Sarah recherchiert und bewertet Pflegeprozesse, Anika klärt den Schulungsbedarf, ich koordiniere die Abstimmung mit anderen Stationen. So entsteht ein gemeinschaftlich getragenes, evidenzbasiertes Konzept – mit echtem Mehrwert für alle.“
Im Leitungstrio wird die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt – bei klarer Rollen- und Aufgabenverteilung. „Indem wir etablierte Abläufe neu bewerten, theoretisches und praktisches Wissen zusammenführen, gewinnen wir noch dazu Raum, um über Innovationen nachzudenken“, sagen alle drei.
Denis Beyer, Sarah Lohmeier und Anika Sanio haben ihre Fachweiterbildungen und ein Studium mit jeweils individuellem Schwerpunkt abgeschlossen. Bei Beyer war es das Pflegemanagement, bei Lohmeier Pflegewissenschaft und bei Anika Sanio Pflegepädagogik. Erstmals sind sie nun als „Leitungs-Dreieck“ auf ihrer Station tätig. „Das war ein Prozess, an dem wir uns aktiv beteiligen durften“, so das Trio. Gleiche Strukturen sind bereits für weitere sechs Intensivstationen etabliert und in sechs weiteren Stationen und Funktionsbereichen in der Umsetzung.
„Hier gemeinsam auch neue Pflegekonzepte für unsere Patienten zu entwickeln, ist ein guter Weg“, findet Sarah Lohmeier. „Das erhöht die Zufriedenheit im Team, und genau das möchten wir weitergeben.“ Neue gemeinsame Vorhaben und Schulungen plant Anika Sanio als Expertin für die didaktische Umsetzung für alle Beschäftigten der Station systematisch: „Wir füllen den Beruf mit Leben. Entscheidungen gemeinsam zu tragen und jeden Tag mit voller Aufmerksamkeit für unsere Patientinnen und Patienten da zu sein – was könnte es Schöneres geben?“
Hintergrundinfo:
Kollektive Kompetenz statt Alleinverantwortung
Als Reaktion auf akuten Personalmangel entstanden bereits Anfang der 1980er-Jahre in den USA erste Konzepte, um Führungs- und Entscheidungskompetenzen im Pflegealltag auf die operativen Teams zu übertragen. Es entwickelten sich flache Hierarchien, gemeinsame Entscheidungsfindung und entsprechende Gremien für Dienstplanung, Qualitätsstandards und Pflegemethoden (Shared Governance/Shared Decision Making). Ab 2003 etablierte sich der Begriff „Shared Leadership“, der ab 2010 von der Organisationspsychologie in das Pflegemanagement übertragen wurde.
Im Gegensatz zu traditionellen Modellen bündelt Shared Leadership die Leitungsverantwortung nicht bei einer einzelnen Person. Stattdessen teilen sich mehrere Führungskräfte die Verantwortung – mit klar definierten fachlichen Schwerpunkten, gemeinsamen Entscheidungen und verbindlicher Gesamtverantwortung.
Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 43.000 Patientinnen und Patienten jährlich, davon 14.800 in stationärer Behandlung, sowie 1.300 ambulanten Operationen zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.
Aktuell sind mehr als 2.800 Mitarbeitende, davon 1.600 Pflege- und Funktionskräfte, am HDZ NRW beschäftigt. Im Einklang mit moderner Hochleistungsmedizin und menschlicher Nähe wird im interdisziplinären Einvernehmen eine Behandlung sichergestellt, die langfristig die bestmögliche Lebensqualität verspricht. Maßstäbe für die hohe Pflegequalität sind etablierte Standards aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie ein qualitätsorientiertes Aus-, Fort- und Weiterbildungskonzept.
Der Soziologe Herbert Spencer erforschte Ende des 19 Jhd. (1800-1899) die Transformation der damaligen Gesellschaft. In seinem Grundlagenwerk konnte feststellen, das in einer homogenen Gesellschaft durch zwangsläufig wachsende Spezialisierung eine Form gegenseitiger Abhängigkeit entsteht, die im inneren zu mehr Kooperation, Arbeitsteilung und damit Produktivität führt. Die Menschen spürten ein wachsende Selbstbewusstsein das man mit den eigenen Händen, dem eigenen Handwerk seinen Lebensunterhalt bestreiten kann und wussten damit auch zu schätzen was sie nicht hatten, von ihren anderen Mitlebenden (Mitgestaltenden) und bestreitenden durch Tausch erwerben konnten.
Muss man Menschen unterdrücken, weil man darin Führung versteht, so wird ein menschlicher Reifeprozess unterdrückt. Jede Unterdrückung bringt ein vielfaches an Krankheiten hervor, letztlich insbesondere psychischer Natur. Erik Erikson hat sich mit seinen psychosozialen Stadien und damit der Erforschung des menschlichen Lebenszyklus einen Namen gemacht. Dementsprechend muss der Entwicklung und Entfaltung dieser Lebensphasen der notwendige Raum gegeben werden, um sich vollständig und gesund entwickeln zu können. Daraus geht aber auch hervor, das Menschen bis zu bestimmtem Alter (Biologisch, Chronologisch, persönliche Reife) auch nur einen gewissen Reifegrad erreicht haben könnten. In solchen Stadien stellen sich Menschen über einen gewissen Zeitraum ihrem Alter und reife entsprechend individuelle und die Gesellschaft betreffende Fragen für die sie die richtige Lösung suchen (Kern-Konflikte).
Eine Bewertung menschlicher Fähigkeiten muss den Fokus auf dieser Entwicklung haben und keinesfalls auf Missbrauch von Machtstrukturen die den Blick auf Unterdrückung haben.
Das Wissen und der sich aus solch einer kooperativen Führung ergebende Erfolg ändert Perspektive und Sichtweise und macht deutlich das diese menschlichen Ordnungen in der Gesellschaft, in den Menschen bereits vorhanden sind.
Infos und Quellen
1 Oesterreich, Bernd, Claudia Schröder, Agile Organisationsentwicklung, Handbuch zum Aufbau anpassungsfähiger Organisationen, 2019, Verlag Franz Vahlen GmbH, München
Bildquelle
Zusammen arbeiten, zusammen führen: Das Leitungstrio der herzchirurgischen Intensivstation E0.1 am HDZ NRW mit (v.l.) Anika Sanio (Pflegepädagogik), Stationsleiter Denis Beyer (Pflegemanagement) und Sarah Lohmeier (Pflegewissenschaft). Quelle: (Foto: Finn Lehrke). Copyright: HDZ NRW
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