Kognitive Erosion durch KI? Wenn Denken ausgelagert wird


Generative Künstliche Intelligenz (KI) verändert, wie Menschen suchen, lernen, schreiben und arbeiten. Sie macht nicht automatisch dümmer. KI kann Produktivität und Wissenszugang verbessern, zugleich aber Kompetenzen beeinträchtigen, wenn sie eigene Denkprozesse dauerhaft ersetzt. Ein neuer Faktencheck des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft ordnet Chancen und Risiken ein – auch für junge Generationen. www.arbeitswissenschaft.net/zdf-kognitive-erosion-durch-ki

Düsseldorf/Germany, 8. Oktober 2026. – Immer dann wenn es um ein Wachstum geht, das sich auf Gesellschaft auswirkt, tritt eine Art Müdigkeit in Kraft, die dazu neigt sich einfachere Wege zu suchen. Eine Expertin des ifaa sieht eine reflektierte KI-Nutzung als den Schlüssel um gegen eine Erosion anzugehen.

Die Tendenz das bei einem aussergewöhnlichen Wachstum der Weg des einfachsten gesucht wird, das ist nicht neu. Eher auffällig und traurigerweise auch immer mit der Entstehung neuer Zivilisationskrankheiten verbunden. Die allerdings wiederum einen Aufbau und Anpassung des Immunsystems mit sich bringen und damit auf ein nachfolgende Zeit höherer Belastung hinweisen.
Ein Kausaler Zusammenhang der bis heute nicht belegt werden kann. Dennoch sieht die Wissenschaftlerin Nora Johanna Schüth in der Künstlichen Intelligenz die Chance dieses abweichende Verhalten zusammenzuführen und damit auszuhebeln.

Das Bewusstsein das einer psychischen Belastung ein absehbares Ende bevorsteht, hilft in aller Regel die eigene Perspektive anders auszurichten. Ist aber weder ein Ziel vor Augen, noch ein Ende absehbar, gibt es keinen motivationalen Antrieb wieso sich Menschen einer Belastung aussetzen sollten.

Einzig die Erkenntnis gelernt zu haben, welche Mechanik dazu verhilft in die Charakteristik zu finden, Beharrlichkeit, Ausdauer oder Besonnenheit lernen zu können hilft in systemisches Denken zu finden. Daher ist es ein ausschließlicher Akt der Erziehung, der Kultivierung von Menschen etwas aus freien Stücken zu wollen, an dessen Ende ein Ergebnis stehen wird. KI kann hierbei eine Stütze bieten, in etwa wie eine Prothese für ein ausgefallenes Körperteil.

Nora Johanna Schüth, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifaa empfiehlt folgende Vorgehensweise:

1. Zunächst selbst denken: Die Aufgabe zuerst ohne KI bearbeiten und eigene Ideen, Lösungen oder Formulierungen entwickeln.

2. KI gezielt einsetzen: Die Anwendung anschließend um Rückmeldung, Gegenargumente, Erklärungen oder Hinweise auf Lücken bitten.

3. Ergebnis kritisch prüfen: Aussagen, Quellen und Schlussfolgerungen fachlich bewerten und die endgültige Lösung selbst verantworten.

Generative KI ist weder grundsätzliches Risiko noch universelle Lösung. Entscheidend ist nicht, ob sie genutzt wird, sondern wie: Sie sollte Effizienz und Wissenszugang verbessern, ohne Urteilsfähigkeit, Quellenkritik und eigenständiges Denken zu schwächen.

Was bedeutet kognitive Erosion? Von kognitiver Erosion kann gesprochen werden, wenn häufig ausgelagerte Denkaufgaben dazu führen, dass Fähigkeiten wie Erinnern, Formulieren, Prüfen oder Problemlösen seltener genutzt werden.

Junge Generationen besonders im Fokus

Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen: Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sind 2025 in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung gefallen. Besonders das Verständnis längerer und komplexer Texte bereitet vielen Jugendlichen Schwierigkeiten. Als mögliche Erklärung wird das schnelle Überfliegen kurzer Inhalte in sozialen Medien diskutiert; einen ursächlichen Zusammenhang kann PISA jedoch nicht belegen.

KI ist im Alltag junger Menschen angekommen

91 % der 12- bis 19-Jährigen nutzen laut den im Faktencheck dargestellten Studien mindestens eine KI-Anwendung, 70 % setzen sie zur Informationssuche ein – insbesondere bei Hausaufgaben.

„KI kann Menschen bei vielen Aufgaben wirksam unterstützen. Gleichzeitig bleibt die Fähigkeit, Informationen kritisch zu bewerten, eigenständig zu formulieren und fundierte Entscheidungen zu treffen, unverzichtbar“, sagt die Arbeitspsychologin Schüth.

Produktivität im Arbeitskontext steigt, aber nicht grenzenlos

Generative KI kann Bearbeitungszeiten verkürzen und Arbeitsprozesse unterstützen. Übersteigen Aufgaben jedoch die Leistungsgrenzen der Systeme, können Ergebnisse schlechter ausfallen als ohne KI. Fachexpertise und kritische Prüfung bleiben daher unverzichtbar.

KI kann Lernen fördern, wenn sie zum Mitdenken anregt

Der Faktencheck warnt nicht vor KI-Nutzung an sich. Lernförderlich ist diese, wenn Menschen zunächst selbst Lösungen oder Texte erarbeiten und KI anschließend für Rückmeldungen, Gegenargumente, Erklärungen oder Verständnishinweise einsetzen. So bleiben Sprache, Argumentation und Urteilsvermögen gefordert.

Wer Hausaufgaben, Berichte oder Präsentationen jedoch vollständig von KI erstellen lässt, spart zwar Zeit, verliert aber Lerngelegenheiten für Quellenkritik, Problemlösen und eigenes Formulieren. Sinnvoll sind Anwendungen, die Rückfragen stellen, Begründungen einfordern und eigene Schlussfolgerungen fördern. „KI ist besonders wertvoll, wenn sie Menschen beim Denken unterstützt, statt an ihrer Stelle zu denken. Die kognitive Eigenleistung bleibt der entscheidende Lernmotor“, so Schüth.

Herausforderungen für Unternehmen

Unternehmen sollten Data Literacy, Quellenbewertung und kritisches Denken fördern, klare Regeln für den KI-Einsatz schaffen und Aus- und Weiterbildung gezielt begleiten. Das ist besonders wichtig, weil KI zunehmend Tätigkeiten übernimmt, die Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern bisher als Lernschritte dienten. Schüth betont: „Beschäftigte müssen KI-Ergebnisse nachvollziehen und fachlich bewerten können. Zudem sollten sie in der Lage sein, Aufgaben bei Bedarf ohne KI weiterzubearbeiten.“
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