Biktom: Jeder und Jede Siebte hat in der Beziehung bereits dauerhaft den Standort geteilt. Unter den 16- bis 29-Jährigen ist es sogar ein Viertel, weitere 35 Prozent können es sich vorstellen. 55 Prozent fühlen sich dadurch sicherer, etwa unterwegs oder nachts
Berlin/Germany, 02. Juni 2026. – Die Motive wissen zu wollen wo sich jemand befindet sind vielfältig. Angefangen von Neugier und Voyeurismus, über Angst, Sorge oder einfach den Wunsch sich unterwegs, vielleicht wenn es Dunkel ist nicht alleine zu fühlen oder ggfl. Zügig um Hilfe rufen zu können. Wo früher kurz ein Anruf genügte, in etwa „Bin gut angekommen“, so hat sich die Kommunikation auf das Display des Smartphones verlagert. Die Verfolgung, der Live-Standort bietet einen tieferen Einblick. Er liefert so gleich die Atmosphäre, vielleicht ob Jemand in der Stadt, unterwegs oder irgendwo in der Pampa ist, mit. Das ganze ist dem Phänomen der Resonanz gewidmet (siehe Postskript).
14 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer haben ihren Standort in einer Beziehung bereits dauerhaft mit dem Partner oder der Partnerin geteilt, etwa über „Wo ist?“ von Apple, die Standortfreigabe von Google oder eine spezielle App. Weitere 23 Prozent können sich vorstellen, das künftig zu tun. Für gut die Hälfte kommt das allerdings nicht infrage: 54 Prozent sagen, sie können sich dauerhaftes Standort-Teilen in einer Beziehung nicht vorstellen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.449 Internetnutzerinnen und -nutzern in Deutschland ab 16 Jahren.
Mit jeder Generation vertieft sich das Bedürfnis nach intensiverem Zusammen sein und verlagert sich damit vom gemeinsamen Standort, vielleicht dort wo man aufgewachsen ist oder dort wo man jetzt lebt, hin zu einer wachsenden Mobilität und Unabhängigkeit. Der Schwerpunkt liegt in einer Dauerhaften Verbindung.
Dauerhaft in Verbindung zu stehen betrifft aber alle Generationen. Die Möglichkeiten der Kommunikation lösen das Verdrängen früherer Zeiten aus, in denen man sich so gerne gewünscht hätte erfahren zu dürfen wo sich jemand befindet. Die Scham, die aktuell viel niederschwelliger ist, ist in den vergangenen Generationen deutlich höher.
Besonders verbreitet ist demnach das Teilen des Live-Standorts unter Jüngeren: In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen hat fast jede und jeder Vierte den Standort in einer Beziehung bereits dauerhaft freigegeben (23 Prozent), weitere 35 Prozent können es sich künftig vorstellen. Bei den 30- bis 49-Jährigen haben 17 Prozent ihren Standort schon einmal dauerhaft geteilt, bei den 50- bis 59-Jährigen 13 Prozent und bei den über 60-Jährigen 6 Prozent.
Zwischen Männern und Frauen gibt es kaum Unterschiede: 14 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen haben ihren Standort bereits dauerhaft mit Partner oder Partnerin geteilt. „Wichtig ist: Standortfreigaben sollten bewusst eingerichtet, regelmäßig überprüft und genauso einfach wieder beendet werden können. Digitale Nähe funktioniert am besten, wenn beide Seiten wissen, was geteilt wird und die Kontrolle darüber behalten“, sagt Leah Schrimpf, Leiterin Digitale Gesellschaft beim Bitkom.
Dass Sicherheit das wichtigste Motiv ist, zeigt auch der Blick auf die Gründe: 55 Prozent derjenigen, die den Standort bereits dauerhaft mit Partner oder Partnerin geteilt haben, nennen ein Gefühl von Sicherheit, etwa unterwegs oder nachts. 49 Prozent sagen, sie hätten nichts zu verbergen. Für 47 Prozent ist das Standortteilen schlicht praktisch. 28 Prozent empfinden es als normal in ihrer Beziehung, 26 Prozent verbinden damit ein Gefühl von Nähe oder Verbundenheit. 23 Prozent finden, es sollte grundsätzlich normal in einer Beziehung sein. Deutlich seltener werden Erwartungsdruck oder Misstrauen genannt: 10 Prozent teilen den Standort, damit Partner oder Partnerin dies ebenfalls tut, 9 Prozent, weil Partner oder Partnerin es erwartet. 6 Prozent geben an, Sorge zu haben, sonst Misstrauen auszulösen.
Gleichzeitig sehen viele Menschen digitale Kommunikation in Beziehungen ambivalent: 44 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das Internet in Beziehungen zu mehr Misstrauen führt. 20 Prozent sagen, digitale Medien erleichtern es ihnen, Partner oder Partnerin zu kontrollieren. Unter den 16- bis 29-Jährigen liegen die Werte besonders hoch: 59 Prozent sehen durch das Internet mehr Misstrauen in Beziehungen, 30 Prozent finden, digitale Medien erleichtern Kontrolle.
So lässt sich der Standort teilen – und wieder beenden
Wer den eigenen Standort freigeben möchte, sollte dafür die integrierten Funktionen der Betriebssysteme oder Apps von seriösen Anbietern nutzen und genau festlegen, für wen und wie lange die Freigabe gelten soll. Wichtig ist außerdem, regelmäßig zu prüfen, welche Apps Zugriff auf den Standort haben.
- Bei Apple-Geräten lässt sich der Standort zum Beispiel über die App „Wo ist?“ teilen: App öffnen, unten auf „Personen“ tippen, „Standort teilen“ auswählen und den gewünschten Kontakt festlegen. Dabei kann ausgewählt werden, wie lange der Standort geteilt werden soll. Beenden lässt sich die Freigabe ebenfalls in „Wo ist?“: Unter „Personen“ den jeweiligen Kontakt auswählen, auf „Meinen Standort nicht mehr teilen“ tippen und anschließend „Standort nicht mehr teilen“ bestätigen. Wichtig: Das Löschen der App beendet eine bestehende Standortfreigabe nicht automatisch. Zusätzlich lässt sich unter Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Ortungsdienste prüfen und ändern, welche Apps Zugriff auf den Standort haben.
- Bei Android-Geräten funktioniert das Teilen des Standorts meist über Google Maps: Profilbild antippen, „Standortfreigabe“ auswählen, Dauer und Kontakt festlegen und die Freigabe starten. Beenden lässt sich die Freigabe an derselben Stelle über „Standortfreigabe“ und den jeweiligen Kontakt. In den Android-Einstellungen kann man außerdem unter Standort beziehungsweise App-Berechtigungen prüfen, welche Apps auf den Standort zugreifen dürfen.
- Auch Messenger und einzelne Apps bieten Standortfunktionen an. Hier gilt: Live-Standort ist nicht dasselbe wie ein einmalig gesendeter Standort. Wer nur mitteilen möchte, wo er oder sie gerade ist, sollte keinen dauerhaften Live-Standort aktivieren, zumal dies den Akku belasten kann. Sinnvoll ist zudem, Standortfreigaben nicht „für immer“ laufen zu lassen, sondern sie zeitlich zu begrenzen und nach Reisen, Verabredungen oder Ausnahmesituationen wieder auszuschalten.
Postskript Resonanz
Resonanz ist ein Phänomen das bereits in den ersten Monaten eines Kleinkindes angelegt wird und in späteren Jahren und in jeder späteren Generation noch deutlicher, noch intensiver wird. Dem liegt ein erster höchst intensiver kommunikativer Erstkontakt, die vielleicht menschlich intensivste Bindung im Leben zugrunde, das von Erik Erikson entdeckt und als Konflikt Ur-Vertrauen vs. Ur-Misstrauen beschrieben wurde.
Resonanz bedeutet die Fähigkeit in sich selbst blicken zu können, das innere ich zu erweitern (Wissensgesellschaft) und sich damit im anderen, in ebensolcher weise wieder zuerkennen, wiederentdecken zu können.
Mit der Eröffnung immer tieferen Schichten des Hineinblickens in andere Lebenswelten vergrössert sich das Bedürfnis, sich in der Lebenswelt des Gegenübers, wiederentdecken und erleben zu wollen. Es wirkt wie ein Spiegel in 3D, bei dem man nicht nur die Oberfläche sieht, sondern auch die Tiefe miteinbezieht. Was im anderen zu entdecken ist, bietet die Möglichkeit in sich selbst entdecken zu können, was zur eigentlichen Sehnsucht wird und, mittels Spiegelneuronen, eine intensive Bindung verursacht. Das Motiv der Angst lässt daher meist auf die Angst, Misstrauen schließen, die jemand in sich selbst sieht.
Spiegelung ist auch ein Phänomen das seit vielen Jahren nicht nur im Handel, im Verkauf stattfindet. Ganze Arbeitswelten wachsen zunehmen in das von Joachim Bauer erforschte Phänomen der Resonanz. In Verkauf und Handel bietet es die Chance dem Kunden gegenüber einfühlsamer zu sein, seine eigene Lebenswelt ggfl. zutreffender zu spiegeln, so als wäre man in ähnlicher Weise sozialisiert.
Ein Beispiel aus Verkäuferinnen, Verkäufersicht, jemand der genau das Produkt verkauft, damit Handelt für das er selbst steht, und darin seine ganze Leidenschaft hat, der wird mit wachsender Wahrscheinlichkeit die Lebenswelt der Kundschaft spiegeln. Das Beispiel aus Kundensicht, ich suche mir ein Geschäft das möglichst genau das anbietet was ich suche, was mit wachsender Spezialisierung der Märkte zutreffender wird. Dabei trifft man im günstigsten Fall dann auf Leidenschaftliche Verkäuferinnen und Verkäufer.
Quellen:
Bauer, Joachim; Wie wir werden, wer wir sind – Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz; 4. Auflage, 2019, Karl Blessing Verlag
Erikson, Erik Homburger; Der vollständige Lebenszyklus; 11. Auflage 2020, 1. Auflage 1988; Suhrkamp Taschenbuch Verlag
Über Bitkom e.V.
Der Bitkom e.V. ist der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche und wurde 1999 gegründet. Sein übergeordnetes Ziel ist es, Deutschland zu einem führenden Digitalstandort zu machen und die digitale Transformation von Wirtschaft und Verwaltung voranzutreiben. Bitkom vertritt mehr als 2.200 Mitgliedsunternehmen, darunter KMUs, innovative Tech-Startups und große Unternehmen, und setzt sich für digitale Souveränität und gesellschaftliche Teilhabe an digitalen Entwicklungen ein.
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