Rabatte, KI-gestützte Empfehlungen und Betrugsrisiken prägen das Einkaufsverhalten rund um den Prime Day. Quelle: Jan-Michael Rasimus. Copyright: DHBW KA//RM/DALL-E

Wie KonsumentInnen zwischen Rabatt, KI und Risiko den Überblick behalten


Psychologie hinter den Aktionstagen. Wissenschaftler Dualen Hochschule in Karlsruhe (DHBW) erklären was da im Kopf passiert.

Karlsruhe/Germany, 19. Juni 2026. – Der Amazon Prime Day findet 2026 erstmals bereits im Juni statt. Vom 23. bis 26. Juni lockt das viertägige Shopping-Event Prime-Mitglieder mit zahlreichen Angeboten. Für viele KonsumentInnen beginnt die Schnäppchenjagd aber bereits vor den Aktionstagen.

„Der Prime Day wirkt nicht erst dann, wenn Produkte reduziert sind. Psychologisch beginnt er schon mit der Erwartung auf mögliche Deals“, erklärt Jan Michael Rasimus, Leiter des Eye Tracking-Labors der DHBW Karlsruhe. Jan Michael Rasimus erklärt seit Jahren die Psychologie hinter den Verkaufsevents von Prime Day, Black Friday, Cyber Monday oder der Black Week.

Es ist vieles was die eigene Haltung beeinflusst und das System ist komplexer geworden. Letztlich ist es der Rabatt am Preis. Zeitdruck, Verknappung, Die Möglichkeit in Sekundenschnelle Preise zu vergleichen, die Macht der Signalfarben, Bewertungen, allem voran die Sorge und Angst ein gutes Angebot zu verpassen, bekannt als Fear of Missing Out (FOMO) beeinflussen die eigene Wahrnehmung. Rasimus erklärt, es kann Menschen dazu führen schneller zu entscheiden als gewöhnlich, oft wird auch weniger gründlich geprüft und man rechtfertigt den Preis vor sich selbst. Denn letztlich will man haben was man sieht.

Dennoch gibt es viele Menschen die solche Aktionstage vorbereiten. Sie informieren sich über Preisvergleichsportale, Preisverlaufs-Tools, Preiwecker, Wunschlisten oder Produkttests. Zuletzt werden auch KI-Tools verwendet um Angebote besser einzuordnen. KI kann vorausschauend wirken und befriedigt damit den Wunsch, das Bedürfnis eine Übersicht finden zu wollen. Amazon erweitert die digitale Einkaufsberatung per App-Funktionen und KI-gestützte Shopping-Assistenten.

„Spannend ist: Die Schnäppchenjagd wird auf beiden Seiten datengetriebener“, sagt Rasimus. „Kunden können Preise besser analysieren und sich vorab informieren. Gleichzeitig lernen Plattformen aus Suchanfragen, Warenkörben, Kaufabbrüchen und Klickmustern immer genauer, wann Menschen für bestimmte Angebote empfänglich sind.“

Das man über mehr Informationen generell auch bessere Entscheidungen treffen würde, das kann nicht bestätigt werden. Die Angepasstheit von Vorschlägen was zu jemandem gut passen kann oder würde hebelt den Werbeeffekt aus und ist deutlich nahbarer. Intelligente Werbung schafft es die Vorzüge und Eigenschaften von Konsumentinnen und Konsumenten anzugleichen und entsprechend vorzuheben. „Ein gutes Angebot ist heute nicht nur günstig. Es kommt im richtigen Moment, passt zum bisherigen Suchverhalten und fühlt sich dadurch persönlicher an. Genau das kann ungeplanten Konsum fördern“, so Rasimus.

Eine hilfreiche Frage lautet deshalb nicht nur: Ist das Produkt reduziert? Sondern auch: Warum wird mir dieses Angebot genau jetzt angezeigt? Habe ich danach gesucht, brauche ich es wirklich oder reagiere ich gerade auf einen gut platzierten Impuls?

Die Möglichkeiten der Verführung sind nicht nur Vielseitig, Fake-Angebote und Betrugsmaschen wachsen deutlich. Man ist eingeladen skeptisch zu sein, genauer zu prüfen und sich die Argumente anzuschauen. Grosse Shopping-Events ziehen Betrügende an. Fake Shops, Pishing-Mails, gefälschte Versandbenachrichtigungen oder angebliche Sonderangebote nutzen meist denselben psychologischen Hebel wie die echten Rabatte: Zeitdruck, Knappheit, bekannte Marken und die Angst, etwas zu verpassen.
„Betrug funktioniert besonders gut, wenn Menschen im „Deal-Modus“ sind. Dann sind sie fokussiert auf den vermeintlichen Vorteil und übersehen schneller Warnsignale“, so Rasimus. Entscheidend sei deshalb ein kurzer Stopp vor dem Klick: Ist der Preis realistisch? Ist der Händler seriös? Stimmen URL, Impressum, Zahlungsart und Bewertungen?

Vorschläge gibt Rasimus auch mit auf den Weg:
Souverän vorbereiten, Wunschliste erstellen bevor es losgeht, realistische Preisgrenzen festlegen, Preisverläufe prüfen, Rabatte kritisch hinterfragen und unbekannte Shops sorgfälltig prüfen.

KI-Tools können bei Produktvergleichen helfen, sollten aber nicht die eigene Bewertung ersetzen. Denn auch jeder Ersatz der durch KI gemacht wird, ent-sensibilisiert und verroht kritisches hinterfragen. Hilfreich ist auch die einfache Gegenfrage: Würde ich das Produkt auch kaufen, wenn es heute nicht reduziert wäre?



Der Prime Day 2026 macht sichtbar, wie stark Kaufentscheidungen inzwischen durch Psychologie, Plattformlogik, Daten, KI und digitale Täuschungsrisiken geprägt sind.
Zur Person: Jan Michael Rasimus leitet das Eye Tracking-Labor der DHBW Karlsruhe. Seine Schwerpunkte liegen in Neuromarketing, Wahrnehmungspsychologie, digitaler Medienkompetenz und der Frage, wie Menschen digitale Inhalte, Werbung, Nachrichten und Täuschungsversuche wahrnehmen und bewerten

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Rabatte, KI-gestützte Empfehlungen und Betrugsrisiken prägen das Einkaufsverhalten rund um den Prime Day. Quelle: Jan-Michael Rasimus. Copyright: DHBW KA//RM/DALL-E

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