Menschen im mittleren und höheren Erwachsenenalter in Deutschland sind gegenüber gesellschaftlichen Krisen nicht dauerhaft widerstandsfähig. Eine neue Studie auf Basis des Deutschen Alterssurveys zeigt: Während frühere Krisen nur vorübergehende oder geringe Spuren im psychosozialen Wohlbefinden hinterließen, haben sich zentrale Wohlbefindensindikatoren seit 2021 deutlich verschlechtert.
Berlin/Germany, 3. Juli 2026. – Vielleicht ist es einer gesunden Beobachtungsgabe jüngerer Menschen gewidmet sich vor potenziellen gesellschaftlichen Problemen zu schützen. Den Schutz im Ausland zu finden. Anders als es den leicht älteren Zeitgenossen zu gehen scheint. Denn die Abwanderung aus Deutschland hat gegenwärtig einen Höchststand erreicht, wie eine jüngste Studie zeigt. Während die Grundfunktionen der Gegenwart und Zukunft wie bsw. Medien, Nachrichten, Vernetzung, Hybrides Arbeiten auf Internationalismus und Globalisierung ausgerichtet sind, sucht Politik und Teile der Gesellschaft eine Rückkehr zu autarken Staaten.
Als Polykrisen bezeichnet man die Überlagerung mehrerer gesellschaftlicher Krisen zu gleichen Zeitpunkten. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Altersforschung hat depressive Symptome, Lebenszufriedenheit und Einsamkeit bei Menschen ab 40 Jahren in Deutschland untersucht. Im Ergebnis zeigte sich, zwischen 2014 und 2017 sind deren Indikatoren relativ stabil geblieben, was ebenso nach der ersten Phase der Pandemie der Fall war. Hier zeigten sich sogar ersten Hinweise auf Erholung. Nach 2021 sind Lebenszufriedenheit gesunken, Einsamkeit hat zugenommen und depressive Symptome deutlich gestiegen. 2024 zeigt sich dann ein starker Anstieg, stärker als die Jahre zuvor.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, Energieunsicherheit, Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und politische Polarisierung. Solche Belastungen bleiben nicht auf Politik und Wirtschaft beschränkt. Sie können den Alltag vieler Menschen prägen, Zukunftssorgen verstärken und psychische wie soziale Bewältigungsressourcen beanspruchen.
„Die Polykrise ist nicht nur eine Abfolge politischer und wirtschaftlicher Probleme. Sie kann zu einer dauerhaften Belastung des Alltags werden“, sagt Erstautor Oliver Huxhold. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Dauerbelastung inzwischen auch im psychosozialen Wohlbefinden sichtbar wird. Das ist gesellschaftlich bedeutsam: Wenn depressive Symptome zunehmen, Lebenszufriedenheit sinkt und Einsamkeit wächst, betrifft das nicht nur einzelne Personen. Es kann auch soziale Teilhabe, Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen.“
Originalpublikation:
Huxhold, O., Klasen, L. J., Bünning, M., Gerstorf, D., Kelle, N. (2026). Psychosocial Trajectories in Germany Across a Decade of Societal Crises. The Journals of Gerontology, Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, https://doi.org/10.1093/geronb/gbag125
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