Der Markt für Refurbished-Waren wächst auffallend stark und verschiebt nach Angaben des Nielsen Marktforschungsinstituts zunehmend das Kräfteverhältnis im Elektronikmarkt. Wiederaufbereitete Smartphones, Tablets, Wearables und Notebooks erzielten 2025 im Vergleich zum Vorjahr Wachstumsraten von jeweils über 30 Prozent in Umsatz und Absatz und entwickelten sich damit deutlich dynamischer als Neugeräte. Besonders umwelt- und preisbewusste Käufergruppen treiben diesen Trend an, doch auch Regularien wie die EU-Richtlinie „Right to Repair“ beeinflussen den Markt.
Nürnberg/Germany, 30. April 2026. – Wer es gewohnt ist und mit der Wegwerfgeneration aufgewachsen, der wird sich vielleicht noch etwas schwer tun, mit dem Gedanken Geräte wieder reparieren zu lassen. Umgekehrt freuen sich aber auch viele aus dieser Generation und denken an eine Zeit zurück, als nicht alles nur weg geworfen, sondern repariert wurde. Noch in den 1980er Jahren konnte man zu Namhaften Unternehmen wie bsw. zu AEG gehen und Bauteile für seine Weis, Braun oder Schwarzgeräte ab Werk abholen. Ressourcen werden knapper, wird zunehmend repariert wird dies zu einer allgemeinen Entspannung an den Märkten beitragen.
Der Absatz von Neugeräten bei Smartphone ist 2025 um 5% zurückgegangen, der Umsatz lag bei -3%. Bei reparierten Smartphones um 38% gestiegen, der Umsatz um +36% gewachsen. Schon das erste Quartal 2026 zeigt einen Absatztrend von knapp 40 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025.
Auch Wearables Refurbished steigerten das Wachstum erheblich auf 53%, der Umsatz stieg auf 49%. Tablets mit +46 Prozent im Absatz und +42 Prozent im Umsatz, Laptops mit +45 Prozent im Absatz und +31 Prozent im Umsatz (jeweils Januar bis Dezember 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Auch im ersten Quartal 2026 steigt der Umsatz weiter.
Insgesamt wächst der Refurbished-Markt um ein Umsatzplus von 47,9 Prozent gegenüber Q1 2025 und setzt damit ein deutliches Zeichen für einen positiven Trend. Parallel zum Wachstum gewinnt das Refurbished-Segment auch innerhalb der einzelnen Kategorien an Bedeutung. So wuchs der Markt für refurbished Smartphones 2025 von rund 7 auf 10 Prozent im Vergleich zum Neugerätevolumen. Bei Tablets erhöhte sich der Anteil von 8 auf 11 Prozent, bei Laptops von 5 auf 6 Prozent und bei Wearables von 2 auf 3 Prozent.
Ein zentraler Treiber bleiben Premium-Technologien
Die Entwicklungen zeigen, der Markt an Neugeräten geht etwas weniger in die Produkttiefe, während der Refurbished-Markt durch günstigere Preise in die breite Masse der Nachfragenden geht. Die globale Entwicklung macht es hierbei vor. Hochwertige Geräte wie Premium-Marken, Flaggschiff-Modelle und modernste Technologien treiben die Nachfrage.
Rund ein Drittel der 2025 verkauften refurbished Smartphones entfällt auf aktuelle Modelle oder deren unmittelbare Vorgängergeneration. Gleichzeitig spielt der Preis eine zentrale Rolle: Refurbished-Produkte sind im Schnitt rund 15 bis 25 Prozent günstiger als vergleichbare Neugeräte. Bei besonders gefragten Modellen kann der Preisvorteil auch darüber hinausgehen. Konsumenten erhalten so Zugang zu modernster Technik für kleine Preise.
Im Smartphone-Segment entfällt mehr als die Hälfte der Nachfrage auf Geräte im Preisbereich zwischen 200 und 400 Euro. Dieses Segment macht 54 Prozent der verkauften refurbished Smartphones im Jahr 2025 aus und umfasst überwiegend ältere Flaggschiff-Modelle.
Im Tablet-Segment zeigt sich eine Präferenz für höherwertige Geräte: Der durchschnittliche Verkaufspreis refurbished Tablets lag 2025 bei 463 Euro und damit über dem Durchschnittspreis von Neugeräten (402 Euro).
Online bleibt dominant, aber der stationäre handel gewinnt an Bedeutung
Wie schon so häufig erwähnt, Sinnlichkeit ist ein biologische Grundbedürfnis. Der Trend der Vereinsamung bringt den Gegentrend mit sich das Menschen auf andere Weise wieder in Kontakt kommen. Das zeigt sich auch daran das man Produkte durchaus wieder in die Hand nehmen möchte, ausprobieren. Eigene Erfahrungen testen.
Mit 90 Prozent wird die große Mehrheit von Refurbished-Käufen auf Online-Kanälen abgewickelt. Viele Hersteller gehen mittlerweile dazu über, ihre eigenen Produkte wiederaufzubereiten und in ihren Onlineshops anzubieten. Der stationäre Handel spielt hier bislang kaum eine Rolle.
Gleichzeitig zeigt sich in einzelnen Segmenten eine zunehmende Dynamik im stationären Handel: Im Notebook-Bereich hat sich der stationäre Absatz von 2024 auf 2025 mehr als verdoppelt. Der Anteil am Gesamtabsatz stieg im gleichen Zeitraum von 4,5 auf 8 Prozent.
„Refurbished-Produkte bedienen den Zeitgeist. Geräte werden länger benutzt, das schont die Umwelt“, erklärt Julia Kalkowski, Expertin für technische Konsumgüter bei NIQ. „Gleichzeitig sparen Konsumenten Geld beim Kauf, profitieren aber trotzdem von modernster Technik.“
Das Recht auf Reparatur
Auch regulatorische Entwicklungen unterstützen das Wachstum. Die EU-Richtlinie „Right to Repair“ geht Ende Juli 2026 auch in deutsches Recht über und sorgt dafür, dass für Tablets, Smartphones und andere elektronische Produkte auch nach der Gewährleistungsfrist ein Recht auf Reparatur gilt. Zusätzlich müssen Hersteller sicherstellen, dass Ersatzteile 5 bis 10 Jahre lang verfügbar sind und Verbraucher Zugang zu Informationen rund um die Reparierbarkeit ihrer Produkte erhalten. Auch Refurbisher profitieren von dem verbesserten Informationsangebot und der Ersatzteillage.
Die Nachfrage nach refurbished Elektronik dürfte auch künftig hoch bleiben. Steigende Preise für Neugeräte und die zunehmende Akzeptanz refurbished Produkte kurbeln das Wachstum an. Gleichzeitig bleibt die Verfügbarkeit geeigneter Gebrauchtgeräte ein zentraler Faktor für die weitere Marktentwicklung. Längere Nutzungszyklen bei Smartphones, Tablets und Laptops reduzieren das Angebot an jüngeren Geräten, die sich besonders gut für eine Wiederaufbereitung eignen.
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