Pferdehaar als nachhaltigen Rohstoff


Eine gemeinsame Forschungsarbeit des Campus Wieselburg der FH Wiener Neustadt, der Hochschule Hof und des Unternehmens Groz-Beckert zeigt: Selbst bislang entsorgte Pferdehaare aus dem saisonalen Fellwechsel der Tiere könnten künftig als nachhaltiger Rohstoff für textile Anwendungen genutzt werden.

Hof/Germany, 2026-06-08. – Im Rahmen einer Masterarbeit im Studiengang Ecodesign am Campus Wieselburg untersuchte Mag. Annabell Eder die „Rohstoffanalyse, Potentialabschätzung und textile Verarbeitung“ von Pferdehaaren zu Vliesstoffen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht die bereits vereinzelt genutzten Schweif- und Mähnenhaare, sondern die deutlich kürzeren Haare aus dem Fellwechsel. „Die Arbeit zeigt einen kreativen Ansatz, wie neue Faserquellen erschlossen und nachhaltige Produkte entwickelt werden können“, erklärt Prof. Dr. Claus-Ekkehard Koukal von der Hochschule Hof.

Für das Forschungsprojekt wurden im Vorfeld knapp 31 Kilogramm Rohfaser gesammelt. Unterstützt wurde die Sammlung von zahlreichen privaten Pferdehalterinnen und Pferdehaltern. Die Qualität der Haare variierte dabei stark – abhängig davon, ob die Haare direkt vom Pferd oder vom Boden gesammelt wurden, wie intensiv die Tiere gepflegt waren und wie sorgfältig die Sammlung erfolgte. Neben den Haaren enthielt das Material naturgemäß häufig auch Staub, Heu und weitere Verunreinigungen. Daher diskutierten die Forschenden bereits mögliche Verbesserungen für eine spätere industrielle Nutzung – darunter spezielle Sammelbürsten oder zentrale Sammelstellen an Reitsportzentren und im Landhandel. Die chemischen Analysen bestätigten dann aber die typische Zusammensetzung keratinbasierter Naturfasern und ordneten das Material eindeutig als tierischen Naturrohstoff ein.

Erste textile Versuche liefern vielversprechende Ergebnisse

Ein Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Frage, ob sich die Fellwechselhaare technisch zu Vliesstoffen verarbeiten lassen. Erste Musterfertigungen erfolgten beim Unternehmen Groz-Beckert. Dabei zeigte sich, dass die glatten und kaum gekräuselten Fasern nur schwer zu verarbeiten sind. An der Hochschule Hof wurden deshalb unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Claus-Ekkehard Koukal gezielte Versuche zur Vliesbildung durchgeführt. Dabei wurden die Pferdehaare mit anderen natürlichen beziehungsweise naturähnlichen Fasern kombiniert. Besonders aussichtsreich erwies sich die Einbettung der Pferdehaare zwischen zwei Wollvliesen mithilfe der bekannten Vernadelungstechnik. Daraus könnten künftig Anwendungen etwa im Bereich von Pferdedecken oder der Schallabsorption entstehen. „Die Ergebnisse zeigen, dass Pferdehaar grundsätzlich als nachhaltiger Textilrohstoff geeignet ist, auch wenn bei der sicheren Einbindung der Fasern noch weiterer Forschungsbedarf besteht“, so Koukal.

Nachhaltige Perspektiven für bisher ungenutzte Fasern

Auch Versuche mit Lyocellfasern sowie Verfahren wie Wasserstrahl- und Vernadelungstechnik führten bereits zu ersten funktionsfähigen Vliesstoffen. Die Forschenden sehen darin ein großes Potenzial für nachhaltige textile Anwendungen und neue Materialkonzepte im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Die Masterarbeit wurde von Mag. Annabell Eder in Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing. Dr. Emmerich Haimer und Prof. Dr. Claus-Ekkehard Koukal durchgeführt.

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