1980 The Winner Takes it All – Abba
Scheidung und viel Herzschmerz als Inspiration
1980 war der Disco-Backlash weit über die halbfesten Tanzclubs in New York City hinaus zu spüren. Es überrascht nicht, dass die schwedische Band Abba, die schon immer zu den trendbewussten Künstlern gehörte, beschloss, sich von der tanzorientierten Musik von Voulez-Vous (1979) abzuwenden und mit Super Trouper einen moderneren Pop-Sound zu entwickeln.
Die Band erlebte ihre eigene Seifenoper, als sie in die schwedischen Polar Studios ging, um mit den Aufnahmen zu beginnen. Björn Ilvaeus und Agnetha Fältskog hatten sich im Jahr zuvor scheiden lassen, und die Fans fragten sich, wie sich das wohl im Studio auswirken würde. Was weithin als die Antwort auf diese Frage angesehen wurde, kam mit „The Winner Takes It All“ – ein verzweifeltes Klagelied, das Monate vor dem eigentlichen Album veröffentlicht wurde.
Ulvaeus behauptete, der Song sei nicht autobiografisch und erklärte, dass es in unserer [Scheidung] weder einen Gewinner noch einen Verlierer gab“. Fältskrogs Gesang, voller Herzschmerz und Reue, erzählt eine andere Geschichte. Wenn man ihr zuhört, wie sie sich durch die schmerzhaften Zeilen wühlt – vor allem „But tell me does she kiss / like i used to kiss you? / Does it feel the same / when she calls your name?“ – ist es schwer zu glauben, dass sie etwas anderes tut, als sich von eigenen Erfahrungen inspirieren zu lassen. Anderson, der seinen Part im betrunkenen Zustand schrieb, gab später zu: „Ich weiß noch, wie ich ihn den Mädchen präsentierte, und es gab Tränen.“
Super Trouper brachte fünf weitere Singles hervor, darunter den Titelsong und „Happy New Year“, aber keine erreichte den Welterfolg und das Durchhaltevermögen von „The Winner Takes it All“. Der Song gilt heute als einer der besten von Abba und spielt eine wichtige Rolle in dem Musical Mamma Mia! und dessen Verfilmung.
1980 Blondie – Rapture
Blondie – Rapture (Official Music Video)
Did The Sugarhill Gang shake their fists in frustration when their new wave pals Blondie hit the hip-hop jackpot and „Rapture“ became the genre`s first No. 1? With their firs stab at rap, the New York hipsters thrust into the mainstream a scene that was skirting the fringes with Kurtis Blow and The Sugarhill Gang.
„Rapture,“ the second single to be released from Autoamerican (after „The Tide Is High“), started as a parody, with a self-conscious pun in the title, but the song`s relevance and brilliance – with ethereal come-ons from Debbie Harry, coquettisch chimes, grinding guitar – made it a standout in the games. Another string to its bow? It was a rap with Fast Freddie, the rapper, duetting with Debbie … After we cut that track, we felt it should be faster, peppier.“ Saxophonist Tom Scott „added the final funk punch.“
Students of Hip-hop history will find treasures in the rap. Debbie retooled the „Rappers deligh" lyric "Hip-hop you don
t stop“ into „You dont stop...punk rock," and namecheckend DJs Fab 5 Freddy and Grandmaster Flash (the accompanying video went one better by feauring New York artist Jean-michel Basquiat). The invading Martian theme marked the song as a sequel to "he Attack of the Giant Ants" on 1976
`s Blondie.
„Rapture“ signaled the last hurrah of Blondie`s hitmaking in the Eighties (bar their sunken „Islands of Lost Souls,“ released in April 1982). But the breadth of its influence – from rock to rap – ensured that the group remained very much the beating heart of pop.
(Source 1000 Songs, Up Around the bend, (1980), S. 459)
1981 Girls on Film – Duran Duran
Den Zeitgeist einfangen
Es gibt viele Möglichkeiten sich inspirieren zu lassen oder gar inspiriert zu werden. Simon Le Bon berichtet, „wir treffen uns in unserem Raum, jammern ein bisschen bis dann irgendjemand etwas zu spielen beginnt“ berichtet der Frontman von Duran Duran unlängst gegenüber dem Tagesspiegel.
Bekleidet ist man, wenn man etwas zum Anziehen hat. Mode aber kann über Bekleidung hinaus vieles und alles sein und Mode greift bekanntermassen den Zeitgeist auf.
Die Mischung modisch zu sein und sich aus der Welt inspirieren zu lassen, den Zeitgeist einzufangen und in einer harmonischen Melodie wiederzugeben, das ist nicht nur Kunst, das ist der Band mit dem Stück „Girl on Film“ gelungen das am 13. Juli 1981 veröffentlicht wurde. Denn darin geht es um Mode, Glamour, und mit New Romantics um eine neue Musikrichtung in der auch Mode einen neuen Weg einschlagen würde.
Mit dem Beginn der 1980er ging die Zeit plötzlich etwas schneller. Ein weiteres Jahrzehnt in dem die Welt einmal mehr und schneller als zuvor eine Beschleunigung erleben sollte. Computer, Technologien, Medien und Telekommunikation brachten die Welt enger zusammen, damit entstanden auch ihre Gegenbewegungen, wie bsw. der Punk! Bei den 5 Jungs aus Birmingham ist alles Mode. Angefangen von ihren Outfits und Frisuren, ihrem Erscheinungsbild und der musischen Gestaltung. Sie wussten also, von was sie sprachen und sangen.
Viele Tracks hatten und haben oft prophetischen Charakter. Und so galt auch der erste Top-Hit der Band als solcher, dessen Frontsänger zu dieser Zeit noch Andy Wickett war und den Musikern damit den Weltruhm einbrachte. Auf Platz 5 der englischen Charts stürmte Duran Duran mit „Girls on Film“ in den Zeitgeist des Jahrzehnts. Das Thema gab dem Jahrzehnt den Ausblick, den es später wahrheitsgetreu auch bekommen sollte. Sie beschreiben im Song die Glamouröse Glitzerwelt der Mode und Models mit ihren Schattenseiten. Denn in kaum einer Zeit wie den 1980er Jahren war die Schere zwischen schöner heiler Welt und den sichtbar werdenden Abgründen so stark.
Das Video setze dem ganzen die Krone auf und zeigte deutlich wie es um die Dinge von nun an stehen würde. Tumulte mit anzüglich gekleideten Frauen, Schlammringen und einer etwas verwirrten Mimik von Duran Duran selbst. „Ein Mädchen mit einem Eiswürfel auf der Brustwarze war tatsächlich ein Gesprächsthema“, erinnerte sich Keyboradist Nick Rhodes 2007 gegenüber Q. „Heute wirkt es kurios und ziemlich geschmackvoll.“
„We knew exactly what we were doing with the „Girls on Film“ Video.“ Wir wussten genau, was wir mit dem Film bezweckten, meinte John Taylor später (Quelle: 1001 Songs)
Auch bei diesem Video und Song kam es zum Machtkampf zwischen der Band und der Musikindustrie. BBC lehnte das Video ab, während das gerade geborene TV-Musikmagazin MTV das Video stark bearbeiten musste. Erinnert sich Nick Rhodes gegenüber dem Rolling Stone Magazin.
Duran Duran wurde zum Synonym für üppiges Bildmaterial – eine perfekte Ergänzung zu einem schrillen Jahrzehnt. „Video ist für uns das, was Stereo für Pink Floyd war“, sagte Rhodes dem Rolling Stone. Andy Wickett wirkte seinerzeit kurzweilig an der Entstehung des Songs mit. Berichten zur Folge war gewünscht, das der Frontsänger eine Verzichtserklärung an den Rechten zum späteren Erfolgshit unterzeichnen musste. Die Vorahnung gab den Bandmitgliedern Recht. Nachdem Wickett die Band verließ und das Video abgedreht war, galt die Band fortan als Teil der globalen Medienwelt und aus dieser nicht mehr wegzudenken.
1983 Relax – Frankie goes to Hollywood
Frankie Goes To Hollywood – Relax (ORIGINAL VERSION) – The Tube – Jools Holland & Paula Yates
Die beste Entspannung
Der spätere weltweite Erfolgshit „Relax“ selbst, erschien am 10. Oktober 1983 und wurde auf der LP „Welcome to the Pleasuredom“ im Februar 1984 veröffentlicht. Im Song geht es ganz offensichtlich und unverhohlen um einen Orgasmus.
Dennoch zelebriert er das offene Wesen seines Autors und Küsntlers Holly Johnson, der in den 1980er Jahren ganz freizügig und selbstbewusst mit seiner Homosexualität kokettierte und damit die gesamte Öffentlichkeit mit Skandalen auf sich zog.
Moderator Mike Read ist der Host im Studio 1 des BBC und moderiert die Breakfast Show am Portland Place. Frankie goes to Hollywood ist mit „Relax“ bereits auf Platz 3 der britischen Charts gelandet. Mike Read hatte diesen bis dato weder gehört noch abgespielt. Während er die Platte auflegt, schaut er sich das Cover an und bricht den potenziellen Hit ab. Er wird mit den Worten zitiert: “Ich habe mir gerade das Cover angeguckt, und ich finde es obszön. Diese Platte ist absolut obszön. Ich werde sie nicht spielen.“
Die Band „Frankie Goes to Hollywood“ um Holly Johnson starten 1980 ihre Karriere und zeigen sich modisch in schwarzen Outfits, Ledermützen, Sonnenbrille, Schnurrbärte und bauchfreien Hemden. Sie sind schwul, bringen ihre sexuelle Orientierung auf den Punkt – für die Presse und jeden sichtbar – was zu dieser Zeit ein Skandal ist. 1980 befindet sich Grossbritannien in einem Wechselbad sozialer und politischer Unruhen. Die moderne Musiktechnologie des Synthesizers begann. Zahlreiche Bands starteten vor diesem Hintergrund eine neue Musikrichtung. Kulturell wurde experimentell, Innovationen stützten Rebellion, Punks und nun – Wave ist entstanden. „Relax“ hatte nicht nur das Potenzial an die Spitze dieser Entwicklung. Der Inhalt des Songs beschreibt die Entwicklung zum Orgasmus mit detailliertem Vordringen und ablassen und treibt damit die Symbolik dieser wehenartig anmutenden entstehenden sexuellen Revolution der achtziger Jahre damit ins Zentrum der Polarisierung.
Seine Exponiertheit freizügig mit der Homosexualität umzugehen zeigt Holly Johnson in seinen Auftritten als selbstsicher und unbestreitbar. Der Skandal gewinnt mit der Meldung einer positiven HIV-Diagnose an Fahrt. Die Presse gab der sich unterdrückten prüden Gesellschaft eine Stimme. Tatsächlich ist Holly Johnson einer der wenigen Überlebenden der HIV-Pandemie in den 1980er Jahren. Ihre Auftritte waren der neue Status Quo. Jetzt musste sich die Band dem öffentlich polarisierenden Druck stellen. Obwohl Holly Johnson und seine Bandmitglieder eine klare Haltung zeigten, brachte die skandalöse Inszenierung der damaligen Zeit erhebliche Belastungen mit sich. Er wird mit den Worten zitiert:
„Everything that was written about us was ‚gay this and gay that‘, I think that’s why the Pet Shop Boys stayed in the closet during the 80s. „People had the eye on marketing and money.“ (Quelle: London Museum 2024)
„Alles was über uns geschrieben wurde, „schwul dies und schwul das“, ich denke deshalb blieben die Pet Shop Boys in den 80er Jahren eher lange im Verborgenen. Menschen hatten ihre Augen auf dem Marketing und Geld“.
Und weiter sagt er: “Damals wurde man zu Tode geschuftet. Es gab keine Vorstellung darüber, wie man mit Jungen Leuten wie uns umzugehen hatte. Es war vielmehr so: „Lasst uns sie melken, so viel sie haben“,“. „They worked you to death back in those days. There was no idea of looking after young people, it was very ‚let’s milk them for all they’ve got‘.“
Schon diese Aussage von Holly Johnson ist für die Verhältnisse in 1980er Jahren absolut prägend. Es gab nur wenige Zeiten in denen die Kluft zwischen Armut und Reichtum so deutlich war wie in diesem Jahrzehnt!
1983 werden Frankie Goes to Hollywood ins britische Fernsehen eingeladen. Neu und noch ohne Plattenvertrag spielen sie eine Rohversion ihres Songs “Relax”, der damals noch den “Untertitel” und die Textzeile “In Heaven Everything Is Fine” beinhaltet.
Der bis dahin bereits erfolgreiche aber noch wenig bekannte Musikproduzent Trevor Horn sieht den Auftritt und weis sofort, das wird ein Hit! Trevor nimmt die Junge und skandalträchtige Band unter Vertrag und verlangt den Song nach seiner Vorstellung zu performen.
Mittels damals modernem Drumcomputer kreierte er eine eigene Hightech Pop-Idee und führte diesen den Jungs um Holly Johnson vor. 1980er Moderator und Musikjournalist Peter Illmann ist überzeugt, der Skandal um die Band und den Song war ein kalkulierter Schachzug von Trevor Horn, der in der Provokation den Durchbruch zum Hit sieht. (Quelle: 80s80s Peter Illmann)
Die Band ist jedenfalls begeistert von der neuen Version. Und während der Song noch auf Platz 3 der britischen Charts war, musste sich nun auch der Moderator geschlagen geben. Mike Read von BBC spielte den Hit und begründete den ursprünglichen Abbruch beim ersten Mal damit, dass es eine zu lange Version gewesen sei, die aufgrund der Länge abgebrochen werden musste. „Relax“ ist jetzt die Position auf Platz 1 sicher, wird weltweit ein Hit, hält sich über mehrere Wochen in den Charts (Quelle 1001 Songs).
Auf dem Weg zu den Proben sei ihm der Song in den Sinn gekommen, wird Holly Johnson beschrieben. Er habe sich keine Gedanken gemacht, war entspannt, was die Anmutung zulässt, das sich seine innere Haltung der offenen sexuellen Orientierung und Kultur durchsetzen konnte.
Was Potenzial für eine Revolution hatte, wurde zu einem Meilenstein der 1980er Jahre und gab der sexuellen Orientierung die Freiheit auf die sich viele Leute heute und in Zukunft stützen können werden.
Selbst die Entstehungsgeschichte, die deutlich macht, wie sich der Song über Umwege durchsetzen konnte hebt hervor, die Musikindustrie musste sich dem Druck der Öffentlichkeit beugen, wenn sie Teil dieser Geschichte werden wollte und der Branche eine Wende geben sollte.
1984 Scorpions – Rock You like a Hurricane
Kein Hit, es muss rocken
07. Februar, 1984. Die Scorpions waren weit mehr als eine Parodie. Als wären Titel wie „Rock You Like a Hurricane“ nicht schon Hinweis genug, trug das 1986er Soloalbum von Schlagzeuger und Co-Autor Herman Rarebell den Titel Herman ze German and Friends.
Unter der Leitung von Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudy Schenker (Bruder von Michael, der auch bei den Scorpions spielte) fasste die Band in den 1970er Jahren in Europa und Japan Fuß. Anfang 1984 – mit Rarebell, dem Bassisten Francis Buchholz und dem Gitarristen Matthias Jabs – hatten sie in den Vereinigten Staaten mit Blackout Gold (und Platin) gewonnen.
Diese beneidenswerte Entwicklung, gepaart mit einem beeindruckenden Live-Ruf, machte Love at First Sting zu einer sicheren Sache. Das Glück der Band wurde durch eine der Metal-Hymnen der achtziger Jahre – „Rock You Like a Hurricane“ – kaum beeinträchtigt. Der Hit wurde durch ein unterhaltsam albernes Video unterstützt, das den Zorn der Musikzensurbehörde Parents Music Resource Center erregte.
„Wir sind nicht auf der Suche nach Hitsingles…“ so Meine gegenüber Circus. „Wir wollen gute Songs und es muss rau bleiben … Es ist wichtig, dass es rockt, dass es wild ist und dass die Fans es im Konzert sehen können. Wir suchen nicht nach etwas, das im amerikanischen Radio gespielt wird.“ Nichtsdestotrotz entstand eine Hymne, die für den Äther ebenso geeignet war wie für Arenashows und Sportveranstaltungen – und die im letzten Vierteljahrhundert nichts von ihrer Kraft verloren hat.