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Naturfasern


Eine der wenigen Fasern aus natürlichen Quellen wie Tieren oder Pflanzen ist die Seidenfaser. Sie ist ein Produkt der Seidenraupen und daher dem Filament zuzuordnen.

Pflanzenfasern

Samenfasern wie Baumwolle gehören zu den häufigsten Pflanzenfasern.

Bast- oder Stängelfasern sind Flachs, Leinen, Hanf, Ramie, Kennaf, Brennnessel und Jute.

Sisal und Abacá sind Blattfasern.

Kapok und Kokos sind Fruchtfasern.

Gemeinsame Eigenschaften von Pflanzenfasern sind

Vorteil

Saugfähgikeit, nassfest, wärmeleitend, gute Abriebsfestigkeit, antistatisch, gut zu färben und natürlich matt.

Nachteil

Färbungen sind eher dunkel und wenig farbecht, Schrumpfung bis ca. 5%, schwer in nassem Zustand, langsam trocknend, knitteranfällig, schimmel- und milbenanfällig. Leicht entzündbar, wenig elastisch und lichtempfindlich.

Zu bekannten Baumwollstoffen gehören,
Batist, Biber, Chintz, Cord, Damast, Denim, Gabardine, Nessel, Molton, Popeline, Samt, Renforcé, Frottier, Kretonne, Kattun, Feinripp, Oxford

Eigenschaften von Bast- oder Stängelfasern


Bast- oder Stängelfasern wie Flachs, Leinen oder Jute sind sehr saugfähig, nassfest, antistatisch, gut zu Färben, haben einen geringen Einsprung, sind leicht glänzend, meist Schimmelbeständig, antibakteriell und schneller trocknend als Baumwolle.

Vorteile

besonders abriebsfest, gute Färbbarkeit, hohe Reisfestigkeit.

Von Nachteil ist, sie sind sehr steif und haben einen rauen Griff.

Nachteile

Von Nachteil sind wenig Farbecht bei dunklen Färbungen, an Knickstellen leicht brüchig, brennbar, stark knitternd und unelastisch.

Sisal, Abacà oder Manilahanf sind Blattfasern.


Tierische Fasern (Proteine)

Bei den Fasern von Tieren unterscheidet man nach Wolle und feine Tierhaare.

Schurwolle gilt als hochwertige Wolle die vom lebenden Tier gewonnen wird. Ob es Merinowolle oder Crossbredwolle wird, das entscheidet die Schafrasse von der geschoren wird.

Eigenschaft tierischer Fasern

Allen tierischen Fasern ist gemeinsam

Vorteile


matt, gute Rückerholung (Faser springt wieder „in Form“), sehr gute Formbeständigkeit, sehr gute Feuchtigkeitsaufnahme, gute Färbbarkeit, gute Farbechtheit, gutes Wärmerückhaltevermögen

Nachteile

geringe Abriebfestigkeit, können ausbeulen, schrumpfanfällig, sehr schwer in nassem Zustand, langsam trocknend, mottenanfällig

Typische Wollstoffe sind, Filz, Flanell, Loden, Mousseline, Tuch, Tweed, Shetland, Bouclé, Cheviot, Donegal, Fresko

Feine Tierhaare


Angoraziege, Kamele, Alpakas oder Vikunja sind die Quelle feiner Tierbehaarung.

Eigenschaften von Mohair

leicht glänzend, gute Formbeständigkeit, feine Fasern und pillingarm.
Ein gravierender Nachteil ist das diese Stoffe sehr hochpreisig sind.


Eigenschaften von Kaschmir, Kamelhaar, Alpaka, Vikunja

Vorteile


sehr weicher Griff, leicht und wärmend, gute Färbbarkeit, gute Farbechtheit, formbeständig

Nachteile


hochpreisig, scheuerempfindlich, geringe Reißfestigkeit

Chemiefasern

Mit der industriellen Revolution und der damit verbundenen Massenfertigung ist der Bedarf von Stoffen gestiegen. Mit der Entstehung von Textilfabriken verbreitete sich der Zugang zu Stoffen und Bekleidung und damit auch die Bedarfe. Bekleidung in ihrer Grundform, die schützende Funktion beinhaltet und zu damaligen Zeiten auch den Status sozialer Schichten repräsentierte gehört aus Volkswirtschaftlicher Sichtweise zu den Defizitbedürfnissen. Damit wurde die Entwicklung durch die industrielle Revolution für Textilien ein Zeichen der nächsten Stufe zur Anpassung.

Zunächst wollte man mit Chemiefasern Seide nachahmen. Viskose, Acetat und Cupro sind daher der früheren Kunstseide zuzuordnen.

Chemiefasern werden als Stapelfasern hergestellt. Die fertigen Garne sind von natürlichen Fasern kaum mehr unterscheidbar.


Chemische Fasern sind untergliedert in regenerierende und synthetische Fasern.


Regenerierende Stapelfasern (Zellstoff und Lebensmittel)


Dazu gehören Viskose, Cupro, Acetat, Triacetat, Modal und Lyocell.


Eigenschaften von Regenerat-Stapelfasern

Positiv


matt bis glänzend, sehr weich, kühler Griff, sehr gut färbbar, gut farbecht, gut abriebfest, sehr saugfähig, antistatisch und meist preiswert.

Negativ


stark knitternd, geringe Nassfestigkeit (ausser Modall und Lyocell), bei niedrigen Temperaturen waschbar, ausgenommen Lyocell.


Synthetische Stapelfasern (aus Erdöl und Chemikalien)


Synthetische Stapelfasern werden aus Erdöl und Chemikalien produziert. Sie bilden die Gruppe der synthetischen Polymere. Es gibt sie als neue Fasern und teilweise auch in einer recycelten Version.


Fasergruppen


Eine der bekanntesten ist Polyester. Im gewöhnlichen Textilhandel wird man Polyester wohl nicht mehr bekommen, denn die Industrie hat hier ihre Hände drauf. Unter dem Begriff Polyester als Microfaser sind tausende Mischungen vereint, die sich unter anderem auch aus dem Regenrat ergeben, Altkleider, PET-Polyester aus Kunststoffflaschen, etc. Polyamid als Nylon, Polyacryl und Modacryl.

Eigenschaften und Entstehung von Elastan

Elastan (auch Elasthan; auch häufig bekannt als Spandex oder Lycra) ist eine synthetische Chemiefaser auf Erdölbasis. Sie wird anderen Fasern meist beigemischt, weil sie Textilien elastischer, formstabiler und bequemer macht.

Elastan besteht zu ca. 85 % aus segmentiertem Polyurethan. Die Faser lässt sich auf das mindestens 5-fache ihrer ungestreckten Länge dehnen und kehrt nach Dehnung sofort in die Ausgangsform zurück.

Segmentiert bedeutet, dass etwas in verschiedene Abschnitte gegliedert oder aufgeteilt wurde. Bei segmentiertem Polyurethan meint es die Molekülstruktur: Sie besteht aus sich abwechselnden flexiblen („weichen“) und starren („harten“) Segmenten (Abschnitten).

Der Wortteil „Elas-“ verweist auf die elastischen Eigenschaften des Materials.

In der Chemie beschreibt Elastizität die Fähigkeit eines Materials, sich zu verformen und anschließend wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren.

Der Wortteil „-tan“ steht im Zusammenhang mit Polyurethan, dem Kunststoff, auf dem Elastan basiert. Polyurethane gehören zur Gruppe der synthetischen Polymere und bestehen aus langen Molekülketten, die gezielt elastische Eigenschaften aufweisen können.

Der Begriff Elastan beschreibt keine chemische Zusammensetzung, sondern eine Eigenschaft: die Elastizität der Faser.

Ein dehnbarer Begriff: Die Formel für perfekten Sitz

Hinter dem Begriff Elastizität steckt ein einfaches Prinzip: Ein Material lässt sich dehnen und springt danach wieder in seine Form zurück. In der Textilwelt nennen wir diese Eigenschaft Stretch. Je nach Dehnbarkeit unterscheidet man verschiedene Stretch-Grade.

Softstretch (auch Komfortstretch genannt)
Hierbei wird nur ein geringer Prozentsatz Elastan (2 bis 4 %) in das Material eingebracht. So kann das Material nach der Dehnung wieder in den Ausgangszustand zurückkehren. Der Stoff leiert nicht au. sAnwendungsbeispiele: Bekleidungs- und Heimtextilien wie Unter­wäsche, Socken, Bezüge

Powerstretch

Sogenannter Powerstretch wird eingesetzt, um bei plötzlichen und starken Zugbelastungen eine hundertfache Dehnung des Materials zu erreichen.‌ Anwendungsbeispiele: Technische Textilien wie Sicherheitsseile.

Kompression

Bei der Kompression nutzt man die Rückstellkräfte elastischer Garne für medizinische oder funktionelle Druckeffekte bei einer Dehnung von einigen dutzend bis einigen hundert Prozent. Anwendungsbeispiele: Medizinische Textilien wie Verband­material, Kompressionsstrümpfe.

Um die gewünschte Dehnbarkeit zu erreichen, wird dem Stoff meist Elastan beigemischt.

In den folgenden Kapiteln erfährst du:

  • wie Polyurethan aus Erdöl hergestellt wird,
  • wie die weitere Verarbeitung zu Elastan abläuft,
  • welche besonderen Eigenschaften Elastan hat und
  • welche ökologischen Herausforderungen mit der Chemiefaser verbunden sind.

Vom Erdöl zum Elastan

Entstehung von Erdöl

Erdöl ist der Rohstoff, aus dem 97 % des weltweit verwendeten Elastans hergestellt werden. Die restlichen 3 % stammen zu etwa gleichen Teilen aus biobasierten Ressourcen und recyceltem Elastan. Das benötigte Erdöl wird mithilfe von Förderanlagen aus sogenannten Erdöllagerstätten tief im Boden gewonnen. Erdöl entsteht unter der Erdoberfläche. Manchmal tritt es von selbst aus dem Boden aus.


Vom Erdöl zum Rohöl

Erdöl entsteht aus den Überresten von Pflanzen und Tieren – deshalb ist es auch keine reine Substanz, sondern eine Mischung aus vielen verschiedenen Stoffen.

Bevor man das Öl weiterverwenden kann, müssen zuerst grobe Verunreinigungen entfernt werden, zum Beispiel Sand, Wasser oder Schweb­stoffe. Das Ergebnis nennt man Rohöl – und das ist die Grundlage für viele weitere Verarbeitungsschritte.

Trennung des Rohöls in seine Bestandteile
Auch nach der Reinigung besteht Rohöl noch aus vielen verschiedenen chemischen Stoffen. Um diese voneinander zu trennen, nutzt man ein Verfahren namens fraktionierte Destillation.

Dabei wird das Rohöl erhitzt. Weil jeder enthaltene Stoff bei einer anderen Temperatur verdampft, steigen sie nacheinander auf und lassen sich so nach Siedepunkt sortiert auffangen. Durch die fraktionierte Destillation entstehen zahlreiche chemische Stoffe, darunter Leichtbenzin (Naphtha). 

Naphtha bildet den Ausgangstoff für die Herstellung von Polyurethan. Über ein komplexes mehrstufiges Verfahren werden aus dem Rohstoff die drei Grundbausteine für Polyurethan gewonnen: Makrodiole, Diisocyanate und Diamine.


Wie ist Polyurethan aufgebaut? ‌‌

Die Basis von Elastan bildet das segmentierte Polyurethan. Dieses entsteht, indem die drei Grundbausteine (Makrodiole, Diisocyanate und Diamine) in einem zweistufigen chemischen Prozess (die sogenannte Polyaddition) zu großen Kettenmolekülen reagieren. Auf molekularer Ebene entsteht so eine clevere Struktur, in der sich harte und weiche Segmente abwechseln.


Der molekulare Aufbau von Elastan folgt einem grundsätzlichen Prinzip: dem ständigen Wechsel zwischen harten Segmenten und weichen Segmenten. Auch wenn die chemische Zusammen­setzung für verschiedene Fasereigenschaften variieren kann, bleibt dieses Zusammenspiel aus Stabilität und Flexibilität immer gleich.

Spinnprozess: Trockenspinnverfahren
Elastanfasern können mit verschiedenen Herstellungsverfahren produziert werden. Rund 80 % werden im Trocken­spinnverfahren (Trockenspinnen mit Lösungsmittel) hergestellt.‌ Hierbei handelt es sich um eine schematische Darstellung, die den Trockenspinnprozess stark vereinfacht wiedergibt.


1. Spinnlösung


Alle Komponenten für das Verspinnen von Elastan liegen zunächst in flüssiger Form vor. Um die ideale Viskosität zu erreichen, wird die Mischung mithilfe des Lösungsmittels DMAc auf einen Feststoffgehalt von 18 bis 40 % eingestellt. Zudem werden an dieser Stelle Funktions­verbesserer wie etwa UV-Schutzmittel zugegeben.


2. Spinnpumpe


Damit die Fasern gleichmäßig hergestellt werden, regelt die Spinn­pumpe die zeitabge­passte Dosierung der Spinnlösung.

3. Pressen


Die Spinnlösung wird durch eine sogenannte Spinndüse gepresst. Das ist eine Edelstahl­platte mit vielen kleinen Bohrlöchern mit einem Durchmesser von 0,01-1 mm. Durch die Spinndüse wird die Spinnlösung quasi in viele dünne Stränge, die Filamente, aufgeteilt.

4. Verfestigen


Um das noch weiche Filament nutzen zu können, muss es direkt verfestigt werden. Die austretenden Filamente durchlaufen einen heißen senkrechten Spinnschacht (4 bis 5 m lang), in dem das Lösungsmittel verdampft und rückgewonnen wird. 99 % davon können so in den Herstellungs­kreislauf wieder zurückgeführt werden.

5. Verstrecken (Langziehen)

Die formbaren Filamente werden anschließend zu einem Multifilament zusammengefasst, über mehrere Walzen­paare geführt und dabei stark in die Länge gezogen. Durch diesen Prozessschritt werden die Molekülketten in den Filamenten geordnet und so die Reißfestigkeit, Robustheit und elastische Dehnung erhöht. Um hierbei die elektrostatische Aufladung der Filamente zu reduzieren, wird ihre Oberfläche mit einem Spin Finish, z. B. Öl, benetzt.


6. Aufwickeln


Abschließend werden die Multifilament­garne für die weitere Verarbeitung auf Spulen gewickelt. Es ist ein gleichmäßiger glatter Verbund von Filamenten entstanden.


3 Eigenschaften und Anwendungen

Elastan – Spannung, die hält und Form bewahrt. Elastan zeichnet sich durch eine außergewöhnlich hohe Dehnbarkeit aus und durch die Fähigkeit, nach der Dehnung wieder seine Ausgangsform anzunehmen. Diese Eigenschaften entstehen durch seine spezielle molekulare Struktur und sorgen dafür, dass sich Textilien mit Elastananteil flexibel an den Körper anpassen und ihre Form behalten. Neben der charakteristischen Elastizität hat Elastan noch weitere wichtige Eigenschaften.


Dehnung / Elastizität

Aufgrund seiner Poly­urethan-Struktur besitzt Elastan eine hohe Reißfestig­keit und kann sich je nach. Ausführung um etwa 200 bis 800 % seiner ursprünglichen Länge dehnen. Charakteristisch ist zudem, dass Elastan auch nach starker Dehnung weitgehend wieder in seine Ursprungsform zurückkehrt.


Feuchtigkeits­aufnahme
Aufgrund der glatten Oberfläche und der hydrophoben Beschaffenheit nimmt die Elastanfaser lediglich 1 bis 1,5 % Feuchtigkeit auf (im Vergleich dazu speichert Baumwolle rund 18 %). Diese minimale Aufnahme sorgt dafür, dass das Material extrem schnell trocknet und selbst in nassem Zustand sein geringes Eigengewicht behält, während die Feuchtigkeit aktiv nach außen abgeleitet wird.


Chemikalien­beständigkeit

Generell ist Elastan sehr beständig gegenüber Säuren, Laugen, Ozon (wodurch Outdoor- und Sport­kleidung an der Luft nicht so schnell spröde wird) und Reduktionsmitteln (wie sie in Entfärbern oder Farb­auffrischern vorkommen). Nur bei sehr hoch konzentrierten Laugen und Säuren kann Elastan seine elastischen Eigenschaften einbüßen, insbesondere bei gleichzeitiger Hitzezufuhr. Gegenüber gechlortem Wasser sind nur bestimmte Elastane beständig. Die Elastan­hersteller bieten spezielle Elastantypen an, die sich für die Herstellung von Bademoden eignen.


Lichtempfindlichkeit

Elastan ist extrem lichtempfindlich und reagiert besonders negativ auf UV-Strahlung. Die Strahlung zerstört die Molekülketten, wodurch die Faser brüchig wird und ihre Dehnbarkeit verliert – das Kleidungsstück „leiert aus“. Ein weiteres Anzeichen für diese Schädigung ist die Vergilbung des Materials, welche durch Faktoren wie Hitze, Chlor oder Körperöle zusätzlich verstärkt wird. Pures Elastan ist zwar empfindlich gegenüber UV-Strahlung, ist aber z. B. im Badeanzug durch die umgebenden Fasern sehr gut geschützt, sodass Badebekleidung und Wäsche ohne Probleme längere Zeit in der Sonne verbleiben können.


Hitzebeständigkeit

Im hohen Temperaturbereich zeigt Elastan aufgrund seiner Struktur eine breite Spanne: Elastan beginnt je nach Typ bei 170 bis 290 °C zu schmelzen. Eine hitzebedingte Schädigung der Faser kann demnach ab 170 °C einsetzen. Allerdings können Kleidungsstücke mit Elastananteilen ohne Probleme nach Vorgabe im Etikett gebügelt werden, denn das Elastan ist im ungedehnten Zustand gut durch die umgebenden Fasern geschützt.


Tieftemperaturverhalten

Elastan ist bereits bei niedrigen Temperaturen weich und elastisch, da die Glastemperatur mit -60 °C extrem niedrig ist. Dadurch bleiben die weichen Segmente der Polymer­struktur beweglich und ermöglichen selbst bei klirrender Kälte eine hohe Dehnbarkeit. Das Material wird bei Kälte nicht hart oder spröde, was Outdoorsport-Aktivisten maximale Bewegungs­freiheit bei winterlichen Bedingungen garantiert.


Typische Anwendungsbereiche ‌

Elastan wird in der Regel in Kombination mit anderen Faserarten verarbeitet, wodurch Textilien aus Fasermischungen entstehen. So beeinflusst Elastan mit seinen Eigenschaften auch das Materialverhalten des Produkts.

Elastan findet oft Verwendung in medizinischen Produkten wie elastischem Verbandmaterial und Bandagen, aber auch in Alltagsbekleidung. Bei Sport- und Freizeitkleidung sorgt z. B. die Elastizität vom Elastan dafür, dass die Kleidungsstücke bequemer, reißfester und formbeständiger sind. Je mehr Elastan ein Stoff enthält, desto mehr Rücksprungkraft hat er.

Typische Elastan-Anteile in Textilien hängen von der Textilart ab und lauten wie folgt:

Unterwäsche 2-5%
Eng anliegende Kleidung, 2-5%
Denim 2-8%
Strumpfwaren, 2-12%
Spannbettlaken, 3-5%
Dessous 10 – 45%
Bade- und Sportartikel, 12-20%
Kompressionsstrümpfe, 35 – 50%


4 Marktverbreitung von Elastan

Geringer Produktionsanteil – große Marktbedeutung!

Obwohl Elastan weltweit nur etwa 1 % der gesamten Faser- und Garn­produktion ausmacht, spielt es im Markt für elastische Textilien eine zentrale Rolle: Rund 69 % aller eingesetzten Stretch-Materialien basieren auf Elastan (während die restlichen 31 % auf Alternativen wie Naturkautschuk entfallen).

In der Praxis wird Elastan meist mit anderen Fasern wie Polyester, Polyamid, Baumwolle oder Viskose kombiniert, wobei insbesondere Mischungen aus Polyamid und Elastan wegen ihrer hohen Festig­keit, Elastizität und ihres Tragekomforts verbreitet sind.

Trends & Nachfrage

Der globale Trend hin zu höheren Stretch­anteilen bis hin zu Kompressions­eigenschaften hat längst die Nischen des Medizinbereichs verlassen und prägt heute massiv die Sportswear, aber auch die gesamte Modeindustrie. Dies führt zu einer wachsenden globalen Nachfrage nach Chemiefasern.

Weltweit steigende Nachfrage nach Elastan. Die Nachfrage nach Elastan ist überall auf der Welt stark angestiegen und die Prognosen sagen eine Fortsetzung dieses Trends voraus.


5 Nachhaltigkeit

Geringer Anteil – große Wirkung mit Folgen für Umwelt und Recycling

Elastan verbessert die Bewegungsfreiheit und den Komfort von Kleidung erheblich. Gleichzeitig ist die Faser aus ökologischer Sicht problematisch: Sie wird aus Erdöl hergestellt, ist kaum recycelbar und erschwert die Kreislaufwirtschaft von Textilien. 

Dank seiner hohen Elastizität bietet Elastan großen funktionalen Nutzen. Zugleich stehen ökologische Herausforderungen wie Recycling und fehlende biologische Abbaubarkeit verstärkt im Mittelpunkt.

Der folgende Abschnitt beleuchtet die wesentlichen Herausforderungen bei der Herstellung, Nutzung, Entsorgung und dem Recycling von Elastan.

Nach DIN EN 13432 ist genau festgelegt, was biologische Abbaubarkeit bedeutet, nämlich „dass sich ein Material nach einer festgeschriebenen Zeit unter definierten Temperatur-, Sauerstoff- und Feuchtebedingungen in der Anwesenheit von Mikroorganismen oder Pilzen zu mehr als 90 % zu Wasser, Kohlendioxid (CO2) und Biomasse abgebaut haben muss.
(Quelle Umweltbundesamt.de
https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/5750/publikationen/210722_fachbrosch_5_bf.pdf)


Risiken in der Herstellung von Elastan

Die Produktion nutzt krebserregende Diisocyanate und giftige Lösungs­mittel (Dimethylacetamid). Diese können über Haut und Atemwege aufgenommen werden und unter anderem chronisches Asthma verursachen.‌

European Commission. Commission Regulation (EU) 2020/1149 of 3 August 2020 amending Annex XVII to Regulation (EC) No 1907/2006 of the European Parliament and of the Council concerning the Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals (REACH) as regards diisocyanates (Text with EEA relevance),. The Official Journal of the European Union. 2020; Available at: Link (Accessed: 22. Oktober 2025).

Elastan hat eine der schlechtesten Ökobilanzen aller Chemiefasern
Natascha van der Velden, Martin Patel & Joost Vogtländer. LCA benchmarking study on textiles made of cotton, polyester, nylon, acryl, or elastane. Int J Life Cycle Assess. 04. September 2013; 19: 331-356. DOI: 10.1007/s11367-013-0626-9.

Die Herstellung basiert auf Erdöl, ist extrem energieintensiv und setzt klimaschädliche Treibhaus­gase frei Nessi, S., Sinkko, T., Bulgheroni, C., Garcia-Gutierrez, P., Giuntoli, J., Konti, A., Sanye Mengual, E., Tonini, D., Pant, R., Marelli, L. and Ardente, F. Life Cycle Assessment (LCA) of alternative feedstocks for plastic production. Luxembourg, Publications Office of the European Union. 2021; Available at: Link (Accessed: 24. März 2025). DOI: 10.2760/693062.

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Wegen der hohen Toxizität sind aufwendige Schutzmaßnahmen (Health, Safety and Environmental Requirements, HSE) zwingend erforderlich; zudem ist das

Herausforderungen beim Recycling

Elastan erschwert das Recycling von Textilien erheblich: Seine stabile molekulare Struktur ist biologisch nicht abbaubar und gilt in vielen Recyclingverfahren als Verunreinigung
Pilar Chavez-Linares, Sandrine Hoppe & Isabelle Chevalot. Recycling and Degradation Pathways of Synthetic Textile Fibers such as Polyamide and Elastane. Global Challenges. 2025; 9 (4): DOI: 10.1002/gch2.202400163.

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Eine wirtschaftlich tragfähige Recyclingmethode existiert bislang nicht. Textilien mit Elastananteil landen daher meist in der Verbrennung oder auf Deponien. Obwohl Elastan oft nur in geringen Mengen enthalten ist, macht es Mischtextilien weitgehend unrecycelbar und bremst den Aufbau funktionierender Kreislaufsysteme Jan Thiel und Thomas Gries. Elastic Yarns and Textiles. 1st ed. Carl Hanser Verlag; 2025; ISBN: 978-1-56990-161-8.


Grenzen bestehender Recyclingverfahren

Das mechanische Recycling, oft auch als Faserrecycling bezeichnet, basiert auf der Aufbereitung textiler Flächen. Diese werden in verschiedenen Schritten immer weiter zerkleinert, bis wieder reine Fasern gewonnen sind. Die aufbereiteten Fasern können anschließend zu neuen Garnen versponnen oder als Ausgangsmaterial für Vliesstoffe genutzt werden.

Allerdings ist dieses mechanische Recycling in der Regel nur möglich, wenn der Elastananteil unter 5 % liegt, da die elastischen Fasern sonst die Maschinen blockieren können.

Beim chemischen Recycling wird grundsätzlich zwischen zwei Verfahren unterschieden: dem Polymerrecycling und dem Monomerrecycling. Beim Polymer­recycling wird die Faser zerstört, während die Polymere intakt bleiben – entweder durch das Schmelzen oder durch das Auflösen der Faser. Das Monomerrecycling hingegen zerlegt das Material durch einen chemischen Prozess so weit, bis es nur noch als Monomer vorliegt, welches dann als Ausgangsstoff für neue Polymere dient.

Chemisches Recycling ist problematisch, da Elastan nicht vollständig abgebaut werden kann und potenziell schädliche Abbau­produkte entstehen.‌

Das thermomechanische Recycling ist ein effizientes und kostengünstiges Verfahren, bei dem thermoplastische Kunststoffe (z. B. PET) oder Textilien durch Hitze aufgeschmolzen und zu neuem Granulat (Regranulat) verarbeitet werden. Obwohl es die Polymerstruktur erhält und umwelt­freundlicher als das chemische Recycling ist, erfordert es eine hohe Materialreinheit.

Aus diesem Grund ist das thermo­mechanische Recycling für Elastan nicht geeignet: Da Elastan nicht schmelzbar ist, kann es bei den hohen Prozess­temperaturen zu Verstopfungen oder schweren Schäden an den Anlagen führen.‌

Physikochemische Verfahren dienen als Oberbegriff für Prozesse, bei denen Abfälle mithilfe physikalischer und/oder chemischer Vorgänge in verwertbare Stoffe umgewandelt werden. Dazu zählen beispielsweise Löseverfahren, die Depolymerisation oder die chemische Aufbereitung. Solche lösungsmittel­basierten Verfahren können Elastan theoretisch gezielt aus Mischgeweben entfernen. In der Praxis befinden sie sich jedoch noch in der Forschungsphase und sind bislang nicht kommerziell nutzbar.‌

Wie kann sich die gewünschte Elastizität nachhaltiger erzeugen lassen?

Ein Blick auf neue Ansätze und Alternativen zeigt, welche Lösungen es bereits gibt.

Alternativen zu herkömmlichen Elastan

Elastizität lässt sich auch ohne Elastan realisieren. In Bereichen, in denen hochelastische Eigenschaften unverzichtbar bleiben, etwa in der Medizin oder im Profisport, werden alternative Rohstoffe erforscht.

Biobasiertes Elastan

Der südkoreanische Hersteller Hyosung hat mit regen™ BIO Max Spandex eine weitgehend biobasierte Elastanfaser entwickelt, die im Vergleich zu konventionellem Elastan weniger CO₂-Emissionen verursacht.‌ Da sie jedoch weiterhin fossile Bestandteile enthält, ist sie nicht biologisch abbaubar und schwer zu recyceln.
Hyosung. Company Introduction. 2025; Available at: Link (Accessed: 21. Juli 2026).

mpany plant mit LYCRA® EcoMade eine biobasierte Faser, die zu 70 % aus Mais bestehen soll und den CO₂-Ausstoß deutlich reduziert. Diese Faser ist jedoch ebenfalls nicht biologisch abbaubar.
Biobasierte Elastanfasern sind damit umweltschonender in der Herstellung, stellen jedoch keine nachhaltige Lösung dar.
Biologisch abbaubares Elastan ‌
Asahi Kasei. ROICA TM Eco-Smart Family. Roica™ V550. 2022; Available at: Link (Accessed: 30. Oktober 2025). Das japanische Unternehmen Asahi Kasei hat mit Roica™ V550 das erste biologisch abbaubare Elastan entwickelt. Im Erdboden verrottet die Faser innerhalb von zwei Jahren zu etwa 50 %. An der Luft baut sie sich komplett zu Wasser und CO₂ ab, was auch offiziell zertifiziert ist. Roica™ V550 basiert zwar auf dem gleichen Grundstoff wie normales Elastan, dank einer neuen Zusammensetzung kann sie aber verrotten. Das macht sie deutlich umweltfreundlicher. Roica™ V550 eignet sich gut für Mischungen mit Nylon, aber weniger für Polyester oder große Hitze beim Färben. Es ist teurer als herkömmliches Elastan. Ob man es später überhaupt recyceln kann, ist bisher noch unklar.

Um Roica™ V550 optimal zu nutzen, müssen nun auch andere, passende Stoffe entwickelt werden, die sich ebenfalls biologisch abbauen lassen.


Elastan mittels Schmelzspinn­verfahren ‌

Jan Thiel. Industrielles Schmelzspinnen nachhaltiger elastischer Garne aus CO2-enthaltenden thermoplastischen Polyurethanen. Universitätsbibliothek der RWTH Aachen. 2024; Available at: Link (Accessed: 09. März 2026).

Jan Thiel vom Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen University erforscht, wie sich das Schmelzspinn­verfahren für Elastan vermehrt nutzen lässt. Bei seinem Verfahren wird Kohlenstoff aus CO₂-Abgasen als Grundlage zur Herstellung verwendet.

Kohlendioxid (CO₂) ist ein leicht verfügbares und günstiges Ausgangsmaterial, um Kunststoffe herzustellen. Erste elastische Garne aus diesem CO₂-basierten Material wurden schon im kleinen Maßstab produziert und in Textilien eingesetzt. Allerdings sind diese Garne noch etwas „klebrig“. Das macht die Weiterverarbeitung schwierig und verhindert bisher eine breite Nutzung in der Industrie. Am Ende sollen sie einfach auf bestehenden Maschinen zu Textilien verarbeitet werden können. Um das zu erreichen, werden die Herstellungsverfahren verbessert. Dafür werden die Spinnanlagen angepasst, damit ein stabiles und zuverlässiges Produktionsverfahren entsteht.

Das lösungsmittelfrei Schmelzspinnen ist eine vielversprechende Alternative, an der bereits intensiv geforscht wird.


Elastizität auf Basis von Naturkautschuk

Verschaffe dir einen Überblick über die verschiedenen Produkte, indem du auf die Tabs klickst. 

Die YULASTIC®-Faser vom US-amerikanischen Unternehmen Yulex ist eine zu 100 % biobasierte Alternative zu herkömmlichem Elastan und wird aus Naturkautschuk gewonnen, der aus streng kontrollierter, nachhaltiger Forstwirtschaft stammt.

Durch die Nutzung von Naturkautschuk statt Erdöl werden die CO₂-Emissionen um 80 % reduziert. Als Nachteil von Naturkautschuk gelten die allergie­auslösende Proteine. Dem begegnet Yulex mit einem speziellen Verfahren, dass fast alle allergieauslösenden Proteine entfernt. Das macht YULEX PURE-Latex besonders rein. 

Das Material zeigt vergleichbare oder bessere elastische Eigenschaften als herkömmliches Elastan und wird bereits in Produkten wie Socken, Jeans und Gummibändern verwendet.

Erste Tests zeigen, dass das Material in der Natur zerfällt. Experten gehen davon aus, dass es unter industriellen Bedingungen in 1–2 Jahren vollständig abgebaut ist.‌

YULEX. Unnatural Performance From a Natural Source. Available at: Link (Accessed: 05. Dezember 2025).

CharLe – premium haberdashery stellt Gummibänder aus zertifizierten regenerativen Fasern her. Dazu gehören Bio-Baumwolle, TENCEL™ Lyocell, Leinen und Naturkautschuk. Diese Bänder sind kompostierbar und können in Kleidung eingenäht oder direkt auf der Haut getragen werden. Beispiele für Anwendungen sind Verschlüsse in Kleidung, Haargummis, Jackensäume und mehr.

Die Herstellung dieser Bänder ist aufwendiger als die von synthetischen Bändern. Natürliche Fasern sind oft weniger reißfest. Zudem entsteht bei der Verarbeitung viel Staub, was die Maschinenwartung erschwert.

Mit COREVA™ wurde eine von Candiani patentierte Technologie entwickelt, die elastische Jeans ganz ohne Elastan ermöglicht. Ein neu entwickelter Naturkautschuk trägt zur Lösung des seit Langem bestehenden Problems der Kreislaufwirtschaft von Stretch-Denim bei. Dieses Garn, aus dem das Material gewebt wird, besteht aus einem elastischen Kern aus Naturkautschuk, der mit Bio-Baumwolle ummantelt ist. 

Da der Stoff rein biobasiert ist und ohne erdölbasierte Ressourcen auskommt, setzt er kein Mikroplastik frei. Er ist nach der EU-Norm EN 13432 zertifiziert und baut sich in weniger als sechs Monaten biologisch ab.

Trotz der Kompostierbarkeit bleiben Elastizität und Haltbarkeit der Jeans voll erhalten. Am Ende ihrer Lebensdauer lässt sie sich dadurch wesentlich einfacher recyceln als konventionelle Stretch-Modelle.


Elastizität durch Flächenherstellung

Beim Natural Stretch werden Stoffe so verarbeitet, dass sie von Natur aus dehnbar sind. Die Elastizität entsteht dabei allein durch Web-, Schnitt- und Verarbeitungstechniken. Entsprechende Materialien kommen bereits in Yoga-Kleidung, Unterwäsche sowie in Baumwoll-Oberteilen, -Hosen und vereinzelt auch in Jeans zum Einsatz. Da diese Stoffe meist aus 100 % Baumwolle bestehen, sind sie biologisch abbaubar. 

Diese rein mechanische Elastizität ist nicht mit der Materialelastizität chemischer Fasern vergleichbar. Ein solches Textil bietet zwar Bewegungsfreiheit, kann jedoch keine Kompressionseigenschaften ersetzen.


Elastizität dank texturierter Garne

Als Texturierung wird ein Verfahren in der Textilindustrie bezeichnet, das die Eigenschaften von Filamentgarnen gezielt verbessert. Da diese Garne von Natur aus einen glatten und seifigen Griff haben, wird ihnen durch die Texturierung eine Kräuselstruktur verliehen. Das Material wird dadurch „bauschiger“, „natürlicher“ oder „wolliger“.

Im sächsischen Flöha wird dieser Prozess von der Otex Textilveredlung GmbH für verschiedenste Strumpfwarenhersteller durchgeführt.

Filamentgarn vor und nach dem Texturieren

Durch das Texturieren lässt sich eine Garn-Elastizität von bis zu 40 % erreichen. Bei der richtigen Verarbeitung im Gestrick oder Gewebe sorgt das auch ganz ohne Elastan für eine angenehme Dehnbarkeit und gute Bewegungsfreiheit.

Da diese Elastizität rein mechanisch durch die Kräuselung entsteht, hat sie Grenzen: Das Material ist weniger formstabil und leiert schneller aus als Stoffe, bei denen hochelastisches Elastan mit eingearbeitet (umwunden) wurde. Diese mechanische Dehnbarkeit kann daher keine echten Kompressionseigenschaften – wie sie zum Beispiel für Stützstrümpfe nötig wären – ersetzen.

Fazit

Derzeit gibt es noch keine ideale Alternative zu Elastan aus fossilen Ressourcen. Viele Ansätze sind nur eingeschränkt einsetzbar oder noch nicht ausreichend erforscht. Um die tatsächliche Umweltwirkung besser bewerten zu können, sind umfassende Analysen entlang aller Schritte von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Nutzung bis zur Entsorgung nötig.

Quellen

Hauptquelle dieses Textes ist textil-trainer.de. Bitte nutze diese Einrichtung. Immer aktuell, auf dem neusten stand, fundamentiert und dafür gedacht am Ball zu bleiben! KundInnen und KollegInnen werden es dir danken!
(https://textil-trainer.de/de/)

Veit, Dieter. Fasern: Geschichte, Erzeugung, Eigenschaften, Markt, Heidelberg. Heidelberg, Springer Vieweg Berlin. 2023; DOI: 10.1007/978-3-662-64469-0.

Spandex Nachfrage nach Region

Quelle: eigene Darstellung nach ‌

Jan Thiel und Thomas Gries. Elastic Yarns and Textiles. 1st ed. Carl Hanser Verlag; 2025; ISBN: 978-1-56990-161-8.

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Eigenschaften von Polyester-Stapelfasern

Vorteile


sehr schnell trocknend, sehr saugfähig, sehr abrieb- und reißfest, verschiedene Funktionsfasern möglich, einlaufsicher, pflegeleicht, gut mischbar, recycelbar, lichtbeständig, schimmel- und mottenbeständig, sehr gut formbeständig

Nachteile

laden sich statisch auf, im Faserinnern keine Feuchtigkeitsaufnahme, schmilzt bei hohen Temperaturen, Pillingneigung
Bei PET-Polyester: Mischung mit Frischfasern nötig für höhere Reißfestigkeit


Eigenschaften von Polyamid-Stapelfasern

Vorteile


sehr gute Reißfestigkeit, besonders abriebfest, pflegeleicht und einlaufsicher, recycelbar, sehr gute Formbeständigkeit, mottensicher

Nachteile


recht steif, keine Feuchtigkeitsaufnahme, nur bei niedrigen Temperaturen waschbar, UV-Strahlung beeinträchtigt Festigkeit


Eigenschaften von Acryl-Stapelfasern

Vorteile


ähneln Wolle, geringe Knitteranfälligkeit, pflegeleicht, gute Abriebfestigkeit

Nachteile


keine Feuchtigkeitsaufnahme, Pillingneigung, sehr hitzeempfindlich, nicht recycelbar

Fasermischungen

Garne und Stoffe sind oft Mischungen aus zwei oder mehr verschiedenen Fasern.
Die Eigenschaften der einzelnen Fasern sollen sich so vorteilhaft ergänzen.

Gibt man beispielsweise Baumwolle einen geringen Anteil Wolle bei, wird sie dadurch weniger knitteranfällig, kann aber beim Waschen einlaufen.

Bei einer Baumwoll-Polyester-Mischung wird die Baumwolle auch ohne die Gefahr einzulaufen weniger knitteranfällig.


Arten von Fasernmischungen


Mischfasern


Die Fasern werden schon vor dem Verspinnen vermischt, etwa Baumwollfasern mit Polyester-Stapelfasern.


Mischgarn


Garne aus unterschiedlichen Fasern verspinnt man zu einem Zwirn, zum Beispiel ein Baumwollgarn, ein Elasthangarn und ein Polyestergarn.


Mischgewebe


Garne aus unterschiedlichen Rohstoffen werden zum Weben verwendet.


Filamente

Filamente sind Endlosfasern, also endlos lange einzelne Fäden.

Chemische Fasern produziert man zunächst immer als Filamente, während Seide als die einzige natürliche Endlosfaser gilt.

Der Spinnvorgang von Seidenraupen und auch Spinnen, die sehr lange und geschmeidige Fäden für ihre Kokons und Spinnennetze herstellen, ist Vorbild für die Herstellung von Chemiefasern.

Meist sind sie feiner und fester als Stapelfasern, ihr Verwendungszweck bestimmt die erforderliche Qualität.


Spinnverfahren

Bei der Herstellung chemischer Filamente wird eine Spinnflüssigkeit durch die feinen Öffnungen einer Spinndüse gepresst.

Die Öffnungen bestimmen Durchmesser und Querschnitt des Filaments, die wiederum für Griff, Gewicht und Eigenschaften des späteren Stoffes verantwortlich sind.

Ein runder Faserquerschnitt ergibt etwa eine glänzende, geschmeidige Faser, ein hohler Querschnitt eine leichte Faser, ein gezahnter Querschnitt eine matte, strukturierte Faser und ein gelappter Querschnitt eine helle Farbwirkung.



Der Durchmesser von Mikrofilamenten ist kleiner als bei Naturseide, sie sind deshalb besonders geschmeidig und für leichte und weich fallende Stoffe geeignet.


Regeneratfilamente (Zellulose und Lösungsmittel)

Faserrohstoffe für die Regeneratfilamente sind pflanzlichen Ursprungs. Natürliche Polymere. Sie werden hergestellt aus Zellulose und Lösungsmittel. Weitere regenerierte Fasern werden ständig neu entwickelt, auch neue Herstellungsverfahren können die Eigenschaften von Fasern verändern.

Zellulosefilamente sind:

Acetatfilament

Viskosefilament

Lyocellfilament

Bambusviskose

PLA (aus Pflanzen und glucosehaltigen Pflanzenabfällen, z.B. Mais)

Sojaproteinfaser (Nebenprodukt der Lebensmittelherstellung, schwer erhältlich)


Eigenschaften von Zellulosefilamenten


Vorteile:


glänzend und seidenähnlich, weicher, kühler Griff, gut färbbar, lichtbeständig, antistatisch, gut abriebfest, saugfähig


Nachteile:

knitteranfällig, hitzeempfindlich, nur Feinwäsche, teilweise geringe Nassfestigkeit, nicht recycelbar

Zellulosefasern herzustellen erfordert einen hohen Aufwand an Energie und Chemikalien und ist deshalb umweltbelastend.
Die Forschung sucht aber nach umweltfreundlicheren Technologien.


Synthetische Filamente


Die Eigenschaften der synthetischen Filamente entsprechen grundsätzlich denen der synthetischen Stapelfasern. Die Herstellung der Filamente richtet sich nach den Anforderungen, die an das fertige Produkt gestellt werden.


Übersicht über synthetische Filamente


Polyesterfilament: neue oder recycelte Fasern

Triexta (bisher PTT): besteht teilweise aus Pflanzen, recycelbar
Das hat einen positiven Einfluss auf Ressourcen und Umwelt.

Polyamidfilament

Elastische Filamente: sehr dehnbar und reißfest

Metallfilament

Carbonfasern: besonders leicht, reißfest, elektrisch leitfähig, teuer in der Produktion


Weiterverarbeitung

Synthetische Filamente werden durch verschiedene Verfahren weiterverarbeitet.

Durch Texturieren kräuselt man glatte Filamente. So werden sie elastischer und erhalten Wolle oder Baumwolle ähnliche Eigenschaften.

Wenn zwei unterschiedliche Spinnflüssigkeiten zusammen zu einem Filament ausgesponnen werden, entsteht eine Bikomponentenfaser. Setzt man die Hitze aus, schrumpfen die Komponenten auf unterschiedliche Weise, ein Kräuseleffekt entsteht. Auch andere Effekte kann man so erzielen.

In gewissen Grenzen können die Fasereigenschaften durch Ausrüstung verändert werden. So kann man etwa den Feuchtigkeitstransport verbessern und Fasern antibakteriell, schrumpffest oder Schmutz abweisend ausrüsten.


Recyclingfasern

Alle Polyesterfasern und einige Polyamidfasern sind recyclingfähig.

Polyester macht etwa vierzig Prozent der Weltfaserproduktion aus, größter Rohstoffanteil ist dabei Erdöl, ein nicht nachwachsender Rohstoff.
Polyester kann jedoch als Faser, Garn, Stoff, als Bekleidung und in Form von PET-Flaschen wiederverwertet werden, meist muss allerdings neues Material zugefügt werden.

Und letzten Endes, trotz allen Recyclings: Kunststoff bleibt Kunststoff, der sogar in der Waschmaschine ständig Mikropartikel an die Umwelt abgibt!

Naturfasern wieder zu verwerten ist leider schwieriger.

Bei Baumwolle müssen neue Fasern beigemengt werden, um den recycelten Fasern genügend Stabilität zu geben. Auch Wolle kann wieder verwertet werden (Reißwolle).


Natürliche Filamente

Seide von Raupen ist das einzige natürliche Filament.

Welche Eigenschaften eine Seide letztendlich hat, hängt neben der Verarbeitungsart und Bindung des Stoffes ab von der Raupenart (Maulbeerseide oder Wildseide), der Faserart, der Verarbeitung (Haspelseide, Schappeseide, Bouretteseide) und von der jeweiligen Verarbeitungsstufe (Rohseide, entbastete Seide, erschwerte Seide).


Eigenschaften von Seide

Positive:


glänzend, sehr weich und geschmeidig, wenig knitteranfällig, gute Feuchtigkeitsaufnahme, gut färbbar, sehr gute Dehnbarkeit


Negative:


teuer, geringe Farbechtheit, lichtempfindlich, geringe Abriebfestigkeit, schweißempfindlich

Deo, Parfüm und Schweiß greifen Seide an.
Sie kann brüchig werden und unter Flecken oder Farbveränderungen leiden.
Dagegen hilft, zum Schutz ein Futter und Armblätter unter den Achseln einzunähen.


Typische Seidenstoffe

Bourette, Chiffon, Crêpe de Chine, Crêpe Georgette, Crêpe Satin, Duchesse, Organza, Pongé, Satin, Taft, Twill, Dupionside, Honan, Shantung

Spinnenseide ist besonders elastisch und reißfest, sehr leicht und elektrisch leitfähig.
Dieses natürliche Filament wird noch erforscht, es ist zur Kleidungsherstellung zumindest bisher nicht relevant.


Maulbeerseide

Der Maulbeerspinner, die gezüchtete Seidenraupe, ernährt sich von Blättern des Maulbeerbaumes.

Zum Einspinnen in den etwa taubeneigroßen Kokon spinnt der Maulbeerspinner in drei Tagen einen etwa 3000 Meter langen Doppelfaden aus Fibroin (Protein) und Serizin (Seidenleim).

Neben dem Maulbeerspinner gibt es viele wilde Seidenraupen.

Der Tussahspinner ist die wichtigste. Eine Zucht des Tussahspinners in Europa ist bisher nicht geglückt.


Seidengewinnung

Nach etwa 14 Tagen würden die Schmetterlinge die Kokonwand auflösen und schlüpfen.

Die Züchter brauchen zur Seidenproduktion allerdings den unbeschädigten Kokon, um Haspelseide (Reale Seide) zu gewinnen.

Heißer Dampf oder trockene Hitze tötet die Raupen ab.

Heißes Wasser löst den Seidenleim, die Fadenanfänge der Kokons werden gesucht und abgehaspelt, also abgespult.


Abhaspeln

Dabei fasst man sieben bis zehn Kokonfäden zu einem Rohseidenfaden (Grège) zusammen, ein einzelner Faden wäre zu fein. Man erhält so Haspelseide, die etwa 1000 Meter lange „endlose“ Seide vom Kokon-Mittelteil, aus der feine Gewebe produziert werden.

Die Kokonteile, die nicht mehr abhaspelbar sind, ergeben Schappeseide, längere Seidenfasern, die glatte Schappeseidengarne ergeben.

Bei ihrer Verarbeitung fallen kurze Fasern ab, die zur gröberen, unregelmäßigen Bouretteseide verarbeitet werden.


Wildseide

Auch die Seide der wildlebenden Tussahspinner wird „geerntet“, die Kokons werden gesammelt.

Sie lassen sich meist nicht abhaspeln und nur schwer vom Seidenleim säubern und so behält die Tussahseide ihre natürliche bräunliche oder rötliche Färbung.

Die Fäden der Wildseide sind sehr unregelmäßig in ihrer Feinheit.


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