Heerlener Fluchtafel mit einer auf Altgriechisch verfassten Anrufung von Gottheiten und Dämonen im ägyptischen Stil. Copyright: © Elke Fuchs, Institut für Papyrologie, Universität Heidelberg

Magisches Artefakt – Forscher entziffern antike Fluchtafel


Das archäologische Fundstück diente einst der Anrufung von Gottheiten und Dämonen, um einem Gegner Schaden zuzufügen: Forscher der Universität Heidelberg haben die Inschrift einer antiken Fluchtafel entziffert. Gefunden wurde das „magische“ Artefakt aus der römischen Provinz Niedergermanien bei Ausgrabungen, die in der niederländischen Gemeinde Heerlen durchgeführt wurden. Die Tafel aus Blei, die aus dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung stammt, zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Sie trägt keinen lateinischen, sondern einen altgriechischen Text im ägyptischen Stil, wie Dr. Rodney Ast, Akademischer Direktor am Institut für Papyrologie, erläutert.

Heidelberg/Germany, 17. Juni 2026. – Auch wenn man der Auffassung sei, das frühe geschichtliche Ereignisse mit der heutigen Zeit, und vor allem mit dem individuellen Menschen nicht unbedingt vieles gemeinsam haben, der täuscht durchaus. Der Fund eines Artefaktes aus der späten Antike entpuppt sich als Anleitung, wie Menschen mit Boshaftigkeit zu bekämpfen seien. Darüber hinaus bestehen Indizes für die Entstehung des Bedürfnisses nach Boshaftigkeit. Die Darstellung, wonach Gottheiten angerufen werden sollten, macht deutlich, das Menschen hilfesuchend gegen scheinbare Übermächte waren. Auch heute bestimmt den Takt der Ereignisse boshaftes Handeln, und das ganz offiziell, die Welt reagiert darauf mit scheinbarer Lähmung.


Zum einen wiederholen sich Ereignisse der Vergangenheit, mit dem Unterschied zu jeder fortschreitenden Generation deutlich ausdifferenzierter. Dort wo im Buchhandel zu frühen Zeiten ein Geschichtsbuch zu finden war, da finden sich mit wachsender Zeit ausdifferenzierte Geschichtsbücher, z.B. das Mittelalter, Ägypten, Griechenland, oder auch lokalgeschichtliche Differenzierungen, etc. Es eröffnet sich ein Kontinuum der Zeitgeschichte, die in der Zukunft in immer noch tiefere Gefilde vordringt und damit vor allem in unser geistiges Erbe, in unser Gehirn. Den jedes Ereignis, gerade dieser geschichtlichen Entwicklung wirkt wie ein Trigger, der aus den tiefen unseres Gedächtnisses erlebtes hervorruft. Diese Entwicklung mitzuverfolgen bedeutet gleichsam am aktuellsten Zeitgeschehen zu – förmlich zu kleben!

Weiterhin, jedes Ereignis der Vergangenheit deckt gleichsam auch ein menschliches Bedürfnis auf, dessen Urgrund in der heutigen Zeit noch eine Unbestimmbarkeit zu haben scheint, bis es geschichtlich entdeckt wurde. Der nachfolgende Fund liefert hier den Hinweis auf die Entstehung der Boshaftigkeit. Ägypten ist in besonderer weise bekannt dafür, das dort die Vorstellung von Macht entwickelt wurde. Was durch den Mangel an Funden nicht aktiv nachweisbar ist, wird psychoanalytisch konstruiert. In der frühen Ägyptischen Zeit wurde, anders wie heute, mit der Vorstellung eines Lebens nach dem Tod Geld verdient. Was heute das schwarze Gold ist, war damals „Das Leben nach dem Tod“. Die Wirtschaft war danach ausgerichtet. Der Bezug zu Machtentstehung! Die Wirtschaft florierte auf dieser Basis, so Berner forschende. Mit dem entstehen von Macht geht deutlich Unterdrückung einher. Hilflose suchen sich Rat in der Vorstellung von Religionen und Götzendiensten (1).

In der mehr als 5000 Jährigen Geschichte haben sich die Machtplätze in der Welt immer wieder verschoben. Auch heute ringen Kontinente ganz aktuell um die Macht in der Welt, und wo der nächste Platz dafür sei. Jede Macht der Zeit, oder jede Zeit der Macht hat ihr Thema. Der Historiker Christopher Clark beschreibt diese Zusammenhänge in „Von Zeit und Macht“. Wie gross horizontale Bindungsmacht ist, also nachmachen durch abschauen, das zeigt sich spätestens in den Nachrichten, wenn ein Land zum anderen die Vergleiche und Analogien zieht. Heute ringen Kontinente, so wie es immer war, gegenseitig um den Machtanspruch in der Welt. Wird es Europa sein? China, USA oder Russland? In ebendieser Weise bestand der zentrale Punkt für die Entwicklung und die Entstehung der Religion im Nahen Osten. Und weil wir bis heute ständig von einander abschauen, entwickeln sich die Zentren für ein dem Zeitgeist entsprechendem Thema wie eine Kopie auch an anderen Orten. Vom Ursprung der jeweiligen Macht bestimmenden Zentren bleibt man daher nie wirklich weit entfernt und hat oft mehr gemeinsam als man zu Vermuten hoffen würde. Wie die Entstehung in der Macht in Ägypten, oder die Philosophie in Griechenland so ist auch die Religion im Nahen Osten Global exponiert und im kollektiven Gedächtnis der Menschen eingegeben. Ein perfider Gegenspieler von Religion ist Boshaftigkeit.

Man will es also kaum für möglich halten, aber der Fund einer Fluchttafel wurde zu Antiken Zeiten dazu verwendet, um Gottheiten und Dämonen anzurufen. Der Zweck, Gottheiten und Dämonen sollten anderen Schaden zufügen. Wie häufig am Tag wünschen sich Menschen, das jemand anderes für das bestraft werden solle was er da täte oder getan hätte. Kurz, das Artefakt dürfte also gewiss ein früher Nachweis vom offiziellen Umgang mit Boshaftigkeit sein. Das in der heutigen aktuellen Zeit auf höchster Ebene der Weltpolitik Handlungen aus Boshaftigkeit das Geschehen bestimmen, das zeigt auch hier deutlich eine Zyklisierung der Geschichte. Auch heute bestimmt Boshaftigkeit ganz deutlich das politische Weltgeschehen.

Forschende haben nun diese antike Fluchttafel entziffert. Die Besonderheit, das Stück aus dem römischen Niedergermanien trägt eine seltene griechische Inschrift mit einem Bindezauber gegen Feinde. Gefunden wurde das „magische“ Artefakt aus der römischen Provinz Niedergermanien bei Ausgrabungen, die in der niederländischen Gemeinde Heerlen durchgeführt wurden. Die Tafel aus Blei, die aus dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung stammt, zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Sie trägt keinen lateinischen, sondern einen altgriechischen Text im ägyptischen Stil, wie Dr. Rodney Ast, Akademischer Direktor am Institut für Papyrologie, erläutert.

Fluchtafeln aus der Antike, genannt defixiones auf Lateinisch oder katadesmoi auf Griechisch, bestanden meist aus Blei – einem schweren, sich kalt anfühlenden Material, das sich gut bearbeiten ließ und dem darüber hinaus „bindende“ Eigenschaften zugeschrieben wurden. Diese kleinen Tafeln wurden, so Rodney Ast, mit Zaubersprüchen in Form von Bindezaubern versehen und anschließend vergraben, um etwa Gegner bei Gerichtsprozessen, sportliche Kontrahenten oder Rivalen in der Liebe mithilfe des darauf eingeritzten Schadenzaubers zu beeinflussen oder zu „binden“.

Die Bleitafel aus Heerlen, der früheren römischen Militärsiedlung Coriovallum, wurde von einem niederländischen Team von Archäologen in einer Grube unter dem Rathausplatz entdeckt. Das 9,3 mal 4,8 Zentimeter große Fundstück enthält drei verschiedene Gruppen von Schriftzeichen, wie eine am Institut für Papyrologie durchgeführte Untersuchung mithilfe des Reflectance Transformation Imaging (RTI) ergeben hat. Bei diesem computergestützten Verfahren der Fotografie werden mit variabler Beleuchtung verschiedene Aufnahmen der Inschrift gemacht. Am Computer können sie anschließend zu einem einzigen Bild mit veränderbarer Lichtquelle zusammengefügt werden, sodass selbst kleinste Oberflächenmerkmale hervortreten.

Bemerkenswert an der Tafel ist insbesondere die auf Altgriechisch angefertigte Anrufung verschiedener Gottheiten und Dämonen im ägyptischen Stil, denn die meisten in Nordeuropa gefundenen Fluchtafeln sind auf Latein verfasst. Darüber hinaus enthält die Heerlener Fluchtafel eine Gruppe von drei magischen Symbolen, sogenannte „Characteres“. Nach Angaben von Dr. Ast dienten sie wahrscheinlich dazu, die gewünschte Botschaft an die übernatürlichen Mächte zu übermitteln. Darauf folgen die Namen von zwei Männern und zwei Frauen, die als Mitsklaven bezeichnet werden. „Die Tafel diente entweder als Fluch gegen diese vier Sklaven oder als Fluch in ihrem Namen gegen eine ungenannte Person“, so der Heidelberger Papyrologe.

Auch die Zusammensetzung der Personengruppe auf der Tafel ist nach den Worten des Wissenschaftlers ungewöhnlich, weil sie zwei Männer mit lateinischen Namen und zwei Frauen mit griechischen Namen umfasst. „Es ist nicht auszuschließen, dass eine der beiden Frauen die Verfasserin der Inschrift war und die vermeintliche Fähigkeit, über solche Flüche mit göttlichen Mächten zu kommunizieren, aus dem römischen Ägypten mitgebracht hatte“, erläutert Dr. Julia Lougovaya, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Papyrologie.

In der Hochkultur am Nil spielte Magie eine wichtige Rolle, wie Prof. Dr. Joachim Quack, Direktor des Instituts für Ägyptologie der Universität Heidelberg, hervorhebt. Manche Praktiken, insbesondere solche für Schutz und Heilung, waren offiziell anerkannt und unproblematischer Bestandteil des religiösen Lebens. Andere, in denen die eigenen Interessen zum Nachteil anderer durchgesetzt werden sollten, wurden eher unter der Hand durchgeführt. „In den frühen nachchristlichen Jahrhunderten verschmolzen vorderasiatische, ägyptische, jüdische und gelegentlich sogar christliche Traditionen zunehmend miteinander und verbreiteten sich über das gesamte damalige römische Reich – eine Entwicklung, die der Fund aus Heerlen eindrucksvoll unterstreicht“, so der Ägyptologe (2).

Die Fluchtafel soll künftig im Heerlener Museum ausgestellt werden. Die am Institut für Papyrologie der Universität Heidelberg entzifferte Inschrift wird im Rahmen einer wissenschaftlichen Veröffentlichung zugänglich gemacht und steht damit der Forschung für weitere Untersuchungen zur Verfügung.


Weitere Informationen:

https://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/philosophie/zaw/papy – Institut für Papyrologie
https://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/philosophie/zaw/aegy – Institut für Ägyptologie

Clark, Christopher; Von Zeit und Macht – Herrschaft und Geschichtsbild vom großen Kurfürsten bis zu den Nationalsozialisten; Deutsche Verlagsanstalt, 5. Auflage 2018;

1 Ägypten Welt der Pharaonen Pyramiden, Terra X Doku, Juni 2022
(https://www.youtube.com/watch?v=BXFdZgVEFdo)

2 Auf den Spuren alter Kulte Terra X Doku, 2022
https://www.youtube.com/watch?v=6oi8YQ1EJYQ

Bildquelle
Heerlener Fluchtafel mit einer auf Altgriechisch verfassten Anrufung von Gottheiten und Dämonen im ägyptischen Stil. Copyright: © Elke Fuchs, Institut für Papyrologie, Universität Heidelberg

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