„Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit“: Diesen Titel trug der Festvortrag, mit dem Prof. Jürgen Habermas die Goethe-Universität anlässlich seines 90. Geburtstages beehrte. Quelle: Uwe Dettmar, Copyright: Goethe-Universität Frankfurt

Jürgen Habermas – Philosoph und Eurpäer


Am Wochenende ist der Philosoph Jürgen Habermas in seinem Haus in Starnberg verstorben. Die Goethe-Universität trauert um ihren Emeritus, der der Universität von 1964 bis 1971 als Nachfolger von Max Horkheimer auf dem Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie und, nach seiner Zeit als Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg, erneut von 1983 bis zu seiner Emeritierung 1994 als Professor für Philosophie angehörte.

Frankfurt a.M/Germany, 16. März 2026. – Der Philosoph Jürgen Habermas verstarb im März 2026 in seinem Haus in Starnberg. Jürgen Habermas, Jahrgang 1929, hat Philosophie, Geschichte, Psychologie, Literatur und Ökonomie in Göttingen, Zürich und Bonn studiert. 1956 kam er als Forschungsstipendiat am Institut für Sozialforschung mit den Protagonisten der der Frankfurter Schule in Kontakt, insbesondere mit Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse. Nach Stationen in Marburg, Bonn und Heidelberg kehrte er 1964 nach Frankfurt am Main zurück, wo er als Nachfolger von Max Horkheimer eine Professur für Philosophie und Soziologie übernahm. Diese Position hatte er bis 1971 inne. In dieser Zeit prägte er maßgeblich die zweite Generation der Kritischen Theorie. 1983 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994 lehrte er erneut an der Goethe-Universität und hatte eine Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Sozial- und Geschichtsphilosophie inne. Habermas ist einer der weltweit meistrezipierten Philosophen und Soziologen der Gegenwart. Er gehörte der zweiten Generation der „Frankfurter Schule“ an und führte die prägenden Theorien von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Zugleich war Jürgen Habermas der einflussreichste öffentliche Intellektuelle der Bundesrepublik Deutschland, dessen Stimme auch im wiedervereinigten Deutschland nach 1990 und weit über Deutschland hinaus wahrgenommen wurde.

„Habermas‘ Beiträge zu einer philosophischen Theorie kommunikativer Vernunft, zur Grundlegung einer Theorie vernünftiger Freiheit und gesellschaftlicher Gerechtigkeit, zur Normativität und Institutionalisierung des Rechts und zur Rolle von Religion in säkular-pluralistischen Gesellschaften haben zu einer weltweiten Rezeption und zu lebendigen Debatten eingeladen, die an der Goethe-Universität Frankfurt bis auf den heutigen Tag weitergeführt werden“, sagte Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff im März anlässlich der Würdigung des Verstorbenen. „So wirken seine bahnbrechenden Arbeiten, aber auch seine persönliche Präsenz an der Universität und seine vertrauensvolle Nähe zu vielen Mitgliedern unserer Universität weit über die Lebensspanne dieses außerordentlichen Forschers und einzigartigen Hochschullehrers hinaus. Sie werden die Forschung und Lehre an der Goethe-Universität Frankfurt auch in Zukunft im Verbund der Rhein-Main-Universitäten weiterhin nachhaltig prägen.“

Habermas hatte bereits 2011 einen Teil seines Vorlasses der Goethe-Universität übergeben. Ende 2025 übergab er sein Alma Mater, seine geistige Heimat – den zweiten Teil seines Vorlasses, die Schriften und Korrespondenzen aus der zeit nach 1994 enthalten der Geothe Universität. Vorlasses – so bezeichnet man ein zu Lebzeiten an eine Institution übergebene Materialsammlung einer prominenten Persönlichkeit

Damit ist die Forschung zu seinem Werk primär in Frankfurt verortet, dem Schwerpunkt seines Werdens und Wirkens. Jürgen Habermas hat den Diskurs über Demokratie, Gesellschaft und Medien in der Bundesrepublik entscheidend mitgeprägt.

„Die Vernetzung aller Informationen wird für die vielfältige und differenzierte Wahrnehmung und Würdigung von Jürgen Habermas eines Tages von hohem Wert sein. Gerade die Korrespondenz macht das internationale Netzwerk von Beziehungen deutlich, in dem Habermas agiert“, sagt Mathias Jehn.

Zur Frankfurter Schule
Die Philosophen der ersten Generation wollen die kritische Theorie des Kapitalismus, die durch Karl Marx Eingang fand, erneuern. Das Ziel, eine Gesellschaft freier mündiger Menschen zu schaffen. In den 1950er Jahren stellt Erich Fromm eine Verbindung zwischen Psychoanalyse und Marxismus her. Ein zivilisatorisches Modell das im Namen des Fortschritts auf Innovation statt auf Tradition setzt. In der zweiten Generation, Jürgen Habermas, hinterfragt die philosophischen und ideologischen Grundfesten der Moderne. Die dritte Generation der Frankfurter Schule um ihren Leiter Axel Hornet beschäftigt sich mit sozialer Dynamik und der Bedeutung von Anerkennung. Das Ziel der Frankfurter Schule bleibt dabei immer dasselbe, die Konturen der Moderne umreisen.

Jürgen Habermas – Philosoph und Europäer, Arte Dokumentation, 2021
(https://youtu.be/HFQKUR1LTzk)

Bildquelle
„Noch einmal: Zum Verhältnis von Moralität und Sittlichkeit“: Diesen Titel trug der Festvortrag, mit dem Prof. Jürgen Habermas die Goethe-Universität anlässlich seines 90. Geburtstages beehrte. Quelle: Uwe Dettmar, Copyright: Goethe-Universität Frankfurt

Der Newsletter erscheint einmal pro Woche Freitags mit allen Inhalten der Woche


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert