Im Projekt HistoVeaR entwickeln die World of VR GmbH, die Universität Paderborn und die TH Köln neue Verfahren, um historische Kleidung mittels Künstlicher Intelligenz in Virtual Reality erlebbar zu machen. Das Bild zeigt eine gerenderte Szene. Copyright: Ilja Burzev / Cologne Game Lab

Historische Kleidung in Virtual Reality erleben


Ein Forschungsprojekt der World of VR GmbH, Universität Paderborn und TH Köln entwickelt gemeinsam Produktionsprozess zur Realitätsnahen wiederherstellung historischer Kleidung.

Köln/Germany, 22. Juni 2026. – Die Symbolik, die sich aus einer Idee, aus einer Schöpfung ergibt, ist das Grundmotiv, das als Botschaft transportiert wird. Das Motiv das von einer Botschaft ausgeht kommt bei Empfängern an. Doch nicht immer hat das Bewusstsein bei Sender und oder Empfänger den Zugang zu den Grundinformationen. Die Auswahl von Kleidung, über die Informationen transportiert werden, geschieht meist Intuitiv. Doch Kleidung prägt Identität, vermittelt soziale Zugehörigkeit und spiegelt gesellschaftliche als auch kulturelle Entwicklungen wider. Kleidung kann bewusst gewählt werden, genauso wie sie oft unbewusst getragen wird. Kleidung vermittelt Botschaft. Und heutzutage kann es durchaus ein Vorteil sein, wenn man durch Kleidung seine Identität preisgibt, ohne bewusst darauf zu achten. Eine Form des Seins, des Hier und Jetzt.

Wissen und Bewusstsein über Kleidung, vor allem aus dem historischen Hintergrund ihrer Entstehung, bedeutet sich darin aufzulösen. Man wird Teil der Momente ihrer Entstehung. Das bewusste Aufgreifen einer Zeit versetzt in die Lage ihrer Entstehung. Das man sich in naher Zukunft in andere Zeitzonen begeben kann, wie das einmal durch die Werbung zum „Metavers“ deutlich gemacht wurde, wird ein moderner Meilenstein sein. Der Zugang zu historischen Kleidungsstücken ist dabei allerdings durchaus problematisch, der Aufwand, reisen, und wissen wo diese zu finden wären, ggfl. gross. Weiterhin sind so manche Stoffe und Objekte fragil. Können nicht mehr transportiert werden oder sind auch nicht mehr vollständig erhalten.

Die Entstehung der virtuellen Welt macht auch hier keinen Halt. Ein digitales Verfahren namens „HistoVeaR“ ist Gegenstand eines Forschungsprojektes, das historische Kleidung realistisch rekonstruieren will, simulieren und in einer Virtual Reality Zugang finden will. Digital rekonstruierte Kleidungsstücke sollen dabei für Anwendungen in Games und Visual Effects für Filme und im Fernsehen aufbereitet werden.


„Kleidung entfaltet ihre Wirkung erst im Zusammenspiel mit dem menschlichen Körper – durch Bewegung, Materialverhalten und Form“, sagt Prof. Dr. Kerstin Kraft von der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn. „Genau diese Dimension geht in Museen, aber auch in digitalen Produktionen wie Spielen oder Filmen häufig verloren.“ Ziel des Projekts HistoVeaR sei es daher, historische Kleidungsstücke auf Basis von Originalobjekten als digitale Zwillinge umzusetzen, die sich in Echtzeit bewegen, physikalisch korrekt reagieren und interaktiv genutzt werden können.

Die Besonderheit des Projektes liegt nun nicht darin, die Objekte ausschließlich zu scannen und in die digitale Welt zu integrieren. Vielmehr, soll eine Art Produktionsprozess entstehen, bei dem eine kontaktlose Digitalisierung, KI-gestützte Simulation und Animation historischer Kleidung ermöglicht wird. Schnitte und Optik, Materialeigenschaften, Gewicht, auch wie ein Stoff fällt, seine Steifigkeit oder dessen Faltenwurf sollen realitätsnah darstellbar werden. „Eine besondere Herausforderung stellt die Kollisionserkennung dar – also das realistische Zusammenspiel zwischen Körper und Kleidung sowie zwischen mehreren Stofflagen, etwa bei Unterkonstruktionen oder mehrteiligen Gewändern“, so Prof. Dr. Arnulph Fuhrmann vom Institut für Medien- und Phototechnik der TH Köln.


Das Vorhaben wird vom Kölner XR-Unternehmen World of VR, der TH Köln und der Universität Paderborn umgesetzt, welche die textile und kulturhistorische Expertise einbringt und unter anderem die originalen Kleidungsstücke auswählt, Schnittmuster erstellt sowie die Grundlage für die digitale Rekonstruktion legt. Die World of VR GmbH entwickelt ein modulares, kontaktloses Scansystem sowie ein 3D-Scanverfahren zur Erfassung von Geometrie, Oberflächenstruktur und Farbigkeit der Kleidungsstücke sowie der dazugehörigen Avatare. An der TH Köln wird ein echtzeitfähiges, KI-basiertes Simulations-, Anpassungs- und Animationssystem entstehen, das die Integration der digital erfassten Kleidung in VR-, Spiele- und Filmumgebungen ermöglicht.

Ziel des Projekts ist es, historische Kleidungsstücke auf Basis von Originalobjekten als digitale Zwillinge umzusetzen, die sich in Echtzeit bewegen, physikalisch korrekt reagieren und interaktiv genutzt werden können. Copyright: Besim Mazhiqi / Universität Paderborn
Ziel des Projekts ist es, historische Kleidungsstücke auf Basis von Originalobjekten als digitale Zwillinge umzusetzen, die sich in Echtzeit bewegen, physikalisch korrekt reagieren und interaktiv genutzt werden können. Copyright: Besim Mazhiqi / Universität Paderborn



Die Vergangenheit zu bewahren, zu erhalten, sogar zu rekonstruieren hat einen Stellenwert der weit über Kleidung, Identität und Kommunikation hinaus geht. Die Rekonstruktion von Geschichte komprimiert sich im Denken von Menschen und macht Wissen weit – über viele Generationen hinweg geschlossen durchgängig. Vorstellungsvermögen über Zusammenhänge können Lückenlos dargestellt werden. Diese Form der Darstellung wird ganz neue Kulturräume entwickeln. „Mit HistoVeaR wollen wir einen Beitrag dazu leisten, kulturelles Erbe besser zugänglich zu machen und gleichzeitig neue Werkzeuge für kreative Industrien bereitstellen“, erklärt Prof. Björn Bartholdy vom Cologne Game Lab der TH Köln. „Das geplante System soll flexibel einsetzbar sein und qualitativ hochwertige Ergebnisse bei möglichst geringem manuellem Aufwand ermöglichen – für potenzielle NutzerInnen also niedrigschwellig anwendbar sein.“ In einem Museum könnten sich BesucherInnen beispielsweise mit Hilfe einer VR-Brille in einer virtuellen Simulationsumgebung historische Kleidungsstücke anziehen, sich im Spiegel ansehen und im Raum bewegen, wie Bartholdy weiter erläutert.



Über das Projekt

Das Forschungsprojekt „KI-rekonstruierte historische Kleidung in Virtual Reality für Museen, Spiele und Filmproduktionen“ (HistoVeaR) wird unter der Konsortialleitung des Kölner Mixed Reality Spezialisten World of VR GmbH realisiert (Projektleitung: Tobias Kemper). Zum Konsortium gehören Prof. Dr. Arnulph Fuhrmann vom Institut für Medien- und Phototechnik, Prof. Björn Bartholdy vom Cologne Game Lab (beide TH Köln) und Prof. Dr. Kerstin Kraft von der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn.

Das Vorhaben wird im Rahmen des Innovationswettbewerbs „NEXT.IN.NRW“ vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen bis Ende Mai 2028 mit rund 1,5 Millionen Euro gefördert und von der Europäischen Union kofinanziert.

Die TH Köln zählt zu den innovativsten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Sie bietet Studierenden sowie Wissenschaftler*innen aus dem In- und Ausland ein inspirierendes Lern-, Arbeits- und Forschungsumfeld in den Sozial-, Kultur-, Gesellschafts-, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Zurzeit sind über 21.000 Studierende in mehr als 90 Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben. Die TH Köln gestaltet Soziale Innovation – mit diesem Anspruch begegnen wir den Herausforderungen der Gesellschaft. Unser interdisziplinäres Denken und Handeln, unsere regionalen, nationalen und internationalen Aktivitäten machen uns in vielen Bereichen zur geschätzten Kooperationspartnerin und Wegbereiterin.

Bildquelle
Ziel des Projekts ist es, historische Kleidungsstücke auf Basis von Originalobjekten als digitale Zwillinge umzusetzen, die sich in Echtzeit bewegen, physikalisch korrekt reagieren und interaktiv genutzt werden können. Copyright: Besim Mazhiqi / Universität Paderborn

Im Projekt HistoVeaR entwickeln die World of VR GmbH, die Universität Paderborn und die TH Köln neue Verfahren, um historische Kleidung mittels Künstlicher Intelligenz in Virtual Reality erlebbar zu machen. Das Bild zeigt eine gerenderte Szene. Copyright: Ilja Burzev / Cologne Game Lab

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