Ich muss demütig sein können um vernunftbegabt denken zu können. Das bedeutet Objektiv denken zu können. Demut ist eine emotionale innere Haltung. Als junger Mensch will man allwissend und allmächtig sein, ein Kindheitstraum, was man an dem Drang dieses Ziel erreichen zu wollen erkennt. Oft von Übereifer und Narzissmus geprägt.
Der Mensch ist von außen wie von innen durch Macht geprägt, der Körper ist durch Macht geformt. Ich muss mich daher in jeder Situation um Objektivität bemühen und mich dafür sensibilisieren. Die objektive Sichtweise auf einen anderen Menschen erkenne ich daran wie er frei von meinen Interessen, Bedürfnissen und Ängsten existiert. Wenn ein Mensch liebt, dann liebt dieser alle Menschen auf die gleiche weise. Das entspricht dem weiblichen Teil des Denkens eines Menschen, das aus der Produktivität des Geschlechts entsprungen ist. Das dauerhafte, in Wechselwirkung stehende sich Herausformen aus dem narzisstischen Denken ist vom permanentem loslösen einer fast inzestuösen Bindung an die Mutter und die Sippe geprägt.
Das Ziel eines produktiv orientierten Wachstums ist, das ich meine Perspektive aus dem Ich-Bezug heraus über das Ich der Vorfahren, dem Über-Ich stelle, als auch über das Es, das Es als der gesellschaftliche Anteil in mir, in die Situation komme meine Perspektive und die der Gesellschaft auf mich transformieren kann.
Dieser Prozess ist auf natürlichem weg ausschließlich durch Glauben erreichbar. Letztlich forme ich einen Charakter aus mir der mich transzendiert. Dadurch erreiche ich ein übergeordnetes Ziel, in dem ich mich, aus der Sicht des männlichen in die Nachwelt transzendiere, aus Sicht des weiblichen in ein Nachkommen kopiere. Die Voraussetzung lieben zu können benötigt daher den Glauben.
Auf der einen Seite verfolge ich einen irrationalen Glauben, z.B. eine Idee oder eine Person, bei der ich mich einer irrationalen Autorität unterwerfe. Der irrationale Glaube ist von der Macht und Erfordernis einer Unterwerfung geprägt, die überwältigend stark, allwissend und allmächtig empfunden wird. Sie beruht darauf auf die eigene Kraft und Stärke zu verzichten. Es ist der eigene Mangel und unzureichende Glaube der den Schluss aus den eigenen Beobachtungen und damit des eigenen Denkens zulässt und wesentlicher Teil unseres Denkens ohne eine produktive Orientierung am rationalen Glauben mit sich bringt. Grundlage des rationalen Glaubens ist daher Produktivität.
Der rationale Glaube ist eine Überzeugung dessen was dem eigenen Denken und dem eigenen Fühlen verwurzelt ist. Die Besonderheit des rationalen Glaubens mündet in einer unerschütterlichen Gewissheit, deren überzeugende Wirkung auch vor scheinbar unüberwindbaren Hindernissen keine Grenzen zu kennen scheint. Letztlich wird diese Handlung aus dem Glauben heraus die Vollendung einer Charakterleistung der meine gesamte Persönlichkeit beherrscht.
Der irrationale Glaube hat die Tendenz auch an vergängliches zu glauben und darin die Orientierung verlieren zu können. Ich kann, ohne das ich selbst Autorität habe, kraft meines Amtes zu Autorität gelangen.
Der rationale Glaube ist die Voraussetzung für eine Produktivität die mich dazu bewegt aus Überzeugung etwas zu bewirken. Das Motiv mich aus der Ruhe in Produktivität zu bringen. Viele Menschen die zu Pionieren und Legenden wurden haben aus solcher Art des Glaubens gehandelt. Nicola Tesla ist bsw. ein gutes Beispiel. Denn nicht jeder Wissenschaftler erfährt so viel Gegenwehr und scheiterte so häufig und blieb seinem Glauben trotzdem Treu. Unzählige Frauen und Männer haben die Welt durch den rationalen Glauben gewandelt. Weiteres Beispiel die im Glauben an die Vernunft gewandelt sind, Kopernikus, Kepler, Galilei oder Newton.
Glaube ist eine Voraussetzung der menschlichen Existenz. Denn, als Mensch werde ich durch die Fähigkeit etwas versprechen zu können definiert. Und dieses Versprechen mündet aus dem Glauben an sich selbst. Und dieser Glaube an sich selbst ist eine Voraussetzung, benötigt die Identitätsentwicklung aus einer Selbstverliebtheit hin zu einer Identität der Liebe an alle Menschen und damit meiner eigenen Wandelbarkeit. Die Entwicklung meiner Persönlichkeit findet in der Konstante des ausgereiften Charakters seine Unsterblichkeit und Transzendierbarkeit.
Die Voraussetzung ist der Glaube an die eigene Liebe, der Glaube an die Fähigkeit aus der eigenen Liebe eine Liebe für andere zu Formen und damit auch an ihre Verlässlichkeit.
Die Fähigkeit diese Endziele erreichen zu können benötigt die Erziehung. Die Erziehung zu Beginn durch die erziehenden, später in Wechselwirkung durch und mit der Gesellschaft. Der Begriff der Erziehung ist dem lateinischen e-ducere für Education entnommen und steht für das Herausführen. Education steht auch für Bildung und zeigt damit das eine Form der Kultivierung erforderlich ist um sich zu transzendieren.
Manipulation ist der Anteil einer Kultivierung der außerhalb der Erziehung stattfindet. Die Unfähigkeit des Glaubens das ein Mensch sich produktiv entwickeln könnte. Der Anteil der Menschen die Erziehung dazu nutzen das zu kultivieren, was sie selbst für wünschenswert halten, wird durch die Kultur eines Glaubens an eine transzendente Sinnhaftigkeit, also an ein Leben nach dem Tod entmachtet. Dieser Glaube an einen transzendenten Gott bringt Grundsätze der Gleichheit, Gerechtigkeit und einer Gesellschaftsordnung hervor, die für alle eine Gültigkeit besitzen sollen, um darin ihren Glauben an ein gesellschaftlich funktionierendes Miteinander zu begründen. Solange dies nicht gegeben ist, sind seine Motive vom Glauben, seine Natur und seine Grundsätze geprägt diese Ziele anzustreben.
Der Glaube an die Macht und die Ausübung von Macht ist das Gegenteil von Glauben. Macht ist Haben wollen, Glaube ist Sein wollen und sollen.
Die Irrationalität der Macht beruht und ihren Voraussagen beruht auf der kalkulatorischen Unzulänglichkeit menschlicher Möglichkeiten und des menschlichen Wachstums.
Man kann sich bei einer Macht nur unterwerfen, solange es Menschen gibt die auf ihre Macht vertrauen. Glauben hingegen erfordert Mut etwas gegen selbsternannte Macht unternehmen zu können. Liebe bringt mit sich das ich eine gesteigerte Wachheit und Vitalität besitze, die aus meiner Produktivität und Orientierung meiner Lebensbereiche resultiert.
(Aus Erich Fromm, „Die Kunst der Liebe“, Abraham Maslow „Motivation und Persönlichkeit“, Byung Chul Han „Macht“, Heinz Abels „Einführung in die Soziologie“)
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