Drei Jahrzehnte, nachdem David Chalmers mit seinem Werk „The Conscious Mind: In Search of a Fundamental Theory“ die Grenzen der Philosophie des Geistes neu gezogen hat, versammeln sich am 18. und 19. Juni 2026 einige der weltweit einflussreichsten PhilosophInnen und NeurowissenschaftlerInnen in Bochum, um zu erörtern, was das Fachgebiet gelernt hat, was nach wie vor hartnäckig unerreichbar bleibt und wohin sich die Wissenschaft des Bewusstseins als Nächstes entwickelt. David Chalmers wird selbst anwesend sein. Die Konferenz „The Conscious Mind at 30“ findet auf Einladung von Prof. Dr. Tobias Schlicht und Prof. Dr. Lucia Melloni im Kunstmuseum Bochum statt.
Bochum/Germany, 26. Mai 2026. – Im Zuge der Künstlichen Intelligenz stellt sich zunehmend auch die Frage nach dem Bewusstsein des Menschen. Vor etwas mehr als 100 Jahren erforschte Sigmund Freud das Unterbewusste des Menschen und seinem Einfluss auf das Bewusstsein. Mit der Theorie das ein „Ich“ nicht zwangsläufig das Selbst des Menschen bedeutet, sondern das zunächst die biologischen und psychologischen Triebe aus dem Lustprinzip und damit aus dem Erbe zu entnehmen sind, brachte Sigmund Freud das Bewusstsein für die dritte grosse Kränkung auf den Weg. Etwas mehr als 100 Jahre nach dieser Zeit besteht nicht unbegründet Diskussionsbedarf um die Frage des menschlichen Bewusstseins.
Als Chalmers’ Buch 1996 erschien, bestand die Hoffnung, dass die Neurowissenschaften das Bewusstsein erklären würden. 30 Jahre später hat die Wissenschaft erheblich aufgeholt: Bildgebende Verfahren erlauben es, dem Gehirn bei der Arbeit zuzuschauen. Groß angelegte Forschungskooperationen zum Vergleich konkurrierender Theorien des Bewusstseins und die rasante Entwicklung der KI verändern die empirische Landschaft grundlegend und werfen neue Fragen zu künstlichem Bewusstsein auf. Insofern ist es passend, dass die Konferenz mit dem 70. Jahrestag der berühmten Dartmouth-Konferenz am 18. Juni 1956 zusammenfällt, auf der der Begriff „Künstliche Intelligenz“ geprägt wurde. Doch das von Chalmers aufgeworfene „schwierige Problem“ – warum physikalische Prozesse überhaupt subjektive Erfahrungen hervorbringen – bleibt bisher ungelöst.
Bewusstseinsforschung am Wendepunkt
„Die Bewusstseinsforschung befindet sich an einem Wendepunkt. Wir sind nun in der Lage, Experimente durchzuführen, bei denen verschiedene Theorien gegeneinander abgewogen werden, ernsthafte Fragen zum Bewusstsein bei Säuglingen, Tieren und KI-Systemen zu stellen und uns mit der von Chalmers 1996 dargelegten philosophischen Grundlage mit neuer Präzision auseinanderzusetzen. Bei dieser Konferenz geht es darum, ehrlich Bilanz zu ziehen und die Agenda für das kommende Jahrzehnt festzulegen“, so Lucia Melloni und Tobias Schlicht, die Organisatoren der Konferenz.
Die Konferenz „The Conscious Mind at 30“ bringt Chalmers mit namhaften Persönlichkeiten zusammen, die das Fachgebiet aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln geprägt haben, darunter Anil Seth, Liad Mudrik, Keith Frankish, Axel Cleeremans, Christian List, Martine Nida-Rümelin, Hedda Hassel Mørch, François Kammerer, Johannes Kleiner, Tobias Schlicht und Lucia Melloni. Zudem werden eine Reihe junger Forschender in Form von Postern ihre eigenen philosophischen und empirischen Ergebnisse präsentieren. Das Programm endet mit einer Podiumsdiskussion, in der Chalmers im Dialog mit KritikerInnen und Mitwirkenden auf diese Fragen eingeht.
Weitere Informationen:
Alle Infos und Anmeldung (bis 12. Juni 2026): https://luciamelloni.github.io/conscious-mind-at-30/
Bildquelle
David Chalmers besucht Bochum 30 Jahre nach der Veröffentlichung seines berühmt gewordenen Buchs. Copyright: © Veranstalter
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