Kick-off meeting in Denkendorf. Copyright: DITF

EU-Projekt ermöglicht zirkuläre und bedarfsgerechte Textilproduktion in Europa


Die Produktion von Textilien kann nachhaltig gestaltet werden, indem kurze Lieferketten genutzt werden und Überproduktion verhindert wird. Dies kann bereits heute erreicht werden, wenn bestehende Infrastrukturen intelligent vernetzt und effizient genutzt werden. Gleichzeitig wird die Produktion kreislauffähig, wenn innovative Technologien und Materialien eingesetzt werden, die eine hochwertige Wiederverwertung ermöglichen. Das Forschungsprojekt ALADIN schafft die Voraussetzung dafür. Es wurde im Mai 2026 gestartet und wird im Rahmen des Horizon Europe Programm von der EU mit 5 Millionen Euro kofinanziert.

Denkendorf/Germany, 14. Juli 2026. – In den 1970er Jahren wurden die Produktionen für Textil und Mode ins Ausland, vor allem auch ausserhalb Europas verlagert. Die Perspektiven, Schwerpunkte in der Wertschöpfung hatten sich verändert. Die Produktion von Textil und Mode in einer Volkswirtschaft gilt als ein Indikator für die Entwicklung eines Wohlstandes. Sie verspricht Wachstum und Beschäftigung. In den 1970er Jahren sah man Potenzial in der menschlichen Produktivität, den Arbeitskräften in Niedriglohn und Schwellenländern.

Bis heute war Technologie nicht soweit fortgeschritten, das ein gesamter Arbeits- und Produktionsprozess für die Herstellung eines Textil- und Modeproduktes durchgängig von einer Maschine umzusetzen gewesen wäre. Inzwischen hat sich einiges getan. So manches Unternehmen und Organisation haben Technologien auf den Weg gebracht und sind bereits Konsumtauglich. Zeitgleich schneiden sich der individuelle Anspruch und die technologischen Möglichkeiten Produkte individuell herstellen zu können. Individuelle 3D-Produktion, Biometrische Vermessung und Scan, Modellierung und Simulationssoftware, Zuschnitttechnologie und programmierbare wie computergesteuerte Nähmaschinen.

Allokation nennt sich die Möglichkeiten, wenn sich Unternehmen und Organisationen an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Erfüllung eines Zielvorhabens zusammen tun. Genauer, wenn mehrere Organisationen, je nach Definition des Schwerpunktes wie Bsw. Arbeit, Technologie oder Kapitalintensive Investitionen zur Nutzung gemeinsamer Ressourcen zusammen tun und ggfl. verschiedener Verwendungszwecke unterschiedlicher Nutzungen zuführen möchte. Das Projekt Aladin soll genau das realisieren.

Unter der Koordination der Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF) erarbeiten und integrieren die Projektpartner Plattformen, Technologien und tragfähige Geschäftsmodelle für eine zirkuläre Textilproduktion. ALADIN steht dabei für Advanced LocAl and Digital Innovation Network for Circular Garments und verfolgt das Ziel, tragfähige Geschäftsmodelle für eine zirkuläre Textilproduktion zu etablieren.

Das Konzept beruht auf vier Säulen:
• Digitale Plattform für Dienstleistungen von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU)
• Regionale Zusammenarbeit zur Förderung der lokalen Produktion
• Technologien für Recycling-Strategien
• Lokale und erneuerbare Rohstoffe

Die Projektpartner kommen aus den sechs Ländern Deutschland, Rumänien, Belgien, Frankreich, Tschechien und Italien. Sie bringen vielfältige Kompetenzen mit, zum Beispiel in den Bereichen Design, Sticken, Digitaldruck, Digitalisierung, Recycling, KI und Microfactory-Produktion. Diese unterschiedlichen Erfahrungen ermöglichen eine leistungsfähige digitale Infrastruktur für B2B- und B2B2C-Beziehungen.

Die Partner werden innovative Technologien wie ein Modul für einen digitalen Produktpass und einen KI-gestützten Ökodesign-Assistenten entwickeln. Ergänzend arbeiten sie an Bekleidungstextilien, darunter ringgesponnene Garne aus recycelter Baumwolle. Ein umfassender Transfer der Projektergebnisse sorgt für eine nachhaltige Wirkung. Es entsteht ein Netzwerk, das gemeinsam die Infrastruktur nutzt – vom Design über die Produktion bis hin zum Kundenservice und zum Recycling.

Zur Validierung des Ansatzes werden drei konkrete Anwendungsfälle umgesetzt: ein teilautomatisiert produziertes T‑Shirt, ein smarter Parka sowie ein zirkuläres, wandlungsfähiges Blazer‑Kleid.

Dabei kommen nachhaltige Materialien wie biobasierte Fasern und recycelte Textilien zum Einsatz, die so verarbeitet werden, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus leichter wiederverwertet werden können. Die Produktion erfolgt lokal in Microfactories, die Produkte sind maßgefertigt nach den Wünschen der Kunden.

Darüber hinaus werden klein- und mittelständische Unternehmen sowie Start-Ups aktiv in zwei offene Ausschreibungen eingebunden und Interessengruppen in die Gestaltung der Plattform einbezogen. Zusätzlich werden Innovationen im Ökosystem gefördert, etwa in den Bereichen Automatisierung, Produktionstechnologien und digitale Dienstleistungen.

Langfristig zielt das Projekt darauf ab, ein europaweites Netzwerk von Microfactories aufzubauen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und den Einsatz nachhaltiger Materialien deutlich zu steigern. Gleichzeitig sollen Abfälle reduziert und die regionale Wertschöpfung gestärkt werden.

ALADIN bringt dafür die Industrie, die Kunden, die Politik und die Wissenschaft an einen Tisch – für eine nachhaltige, kreislauffähige Textilproduktion. Auf diese Weise wird ALADIN auch Vorbild für ähnliche Netzwerke sein, wodurch sich die positiven Effekte für Markt und Umwelt vervielfachen.

Dieses Projekt wurde im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont Europa“ der Europäischen Union unter der Fördervereinbarung Nr. 101294463 finanziell unterstützt. Die darin zum Ausdruck gebrachten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Gesundheit und Digitalisierung (HADEA) wider. Weder die Europäische Union noch die Förderbehörde können dafür haftbar gemacht werden.

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