TH Köln und mehrere Partner haben eine AR-Software für den Einsatz in Betrieben entwickelt. Wenn Mitarbeitende ein Unternehmen verlassen, geht häufig wertvolles Fachwissen verloren. Die TH Köln hat in Zusammenarbeit mit zwei weiteren Hochschulen der Mittelstand-Digital Initiative und PraktikerInnen aus dem Handwerk eine Augmented-Reality-(AR)-Plattform geschaffen. Die Anwendung unterstützt AusbilderInnen, Lerninhalte und Know-how selbst aufzuzeichnen, zu speichern und zu Lehrzwecken einzusetzen. Rund 900 Auszubildende in Betrieben der SHK Innung Köln nutzen bereits die Software.
Köln/Germany, 2. Dezember 2025. – „In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel ist die Weitergabe von spezifischem Wissen ein entscheidender wirtschaftlicher Faktor für Unternehmen.“ Ein technologisches Produkt von allen Seiten betrachten, verbinden mit anderen Produkten oder gar in die Bestandteile zu zerlegen, sehen können wie Wasser oder Strom fließen, hilft einem Gedächtnis ein Verständnis für eine technologische Welt zu erkunden, erschließen zu können.
Welche Wirkung ein Kleidungsstück auf unterschiedliche Silhouetten haben kann, welche Accessoires oder Akzente etwas betonen oder gar zurück nehmen, unterstützt in der Verkaufsberatung ein Gefühl für Farben, Formen und Design an unterschiedlichsten Menschen und Körperformen zu bekommen. Über eine Augmented Reality kann eine Wohnungseinrichtung die man sich wünscht Realisiert werden, Details geplant um diese später zu beschaffen und so der eigenen Vorstellung im Leben ein Mehrwert vermittelt werden. Wenn Menschen in der Zukunft individueller werden, dann besteht der Wunsch etwas hervor zu heben oder gar weg zu nehmen, etwas zu betonen oder durch Akzente geheimnisvoll die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ideen die man hat können durch eine AR-Brille getestet werden.
Erfahrungswerte stehen nicht in Lehrbüchern und können nur praktisch erlernt und trainiert werden. Bereits erforschte Lebenszyklen machen deutlich, Erfahrungen werden in jeder Altersepoche anders hinterfragt. In jüngeren Zeiten mehr materialistischer Art. In späteren Zeiten mehr ideologischer Form. So sagte einmal John Locke, der als Vertreter des Empirismus galt: „Alles, was der Geist in sich selbst wahrnimmt oder was unmittelbares Objekt der Wahrnehmung, des Denkens oder des Verstandes ist, das nenne ich Idee.“ Für Kreativberufe, Kreativschaffende sind Ideen und abstraktes Denken ein Elixier.
Dort wo im Handwerk der Schwerpunkt an komplexen Details liegt, kann in der Mode und Design das I-Tüpfelchen entdeckt werden, das es benötigt um eine Gesamterscheinung auf aussergewöhnliche Weise wirken zu lassen.
Nicht nur durch die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz rückt die Individualität des Menschen in den Mittelpunkt des kollektiven Alltagsbewusstseins. Die zunehmende Diversität schärft und sensibilisiert den Blick und die Aufmerksamkeit der Menschen auf distinktive, also bedeutungsrelevante Merkmale von Menschen, die damit auch einen erweiterten kommunikativen Aspekt erhalten.
Jedes Wissen ist abhängig von der Erfahrung und unterliegt ihrer Kontrolle. In der künstlichen Intelligenz wird dieses Wissen durch Agenten in die Systeme gebracht. Eine AR-Software, entwickelt durch die TH Köln, Namens easyARguide ermöglicht es, diesen Wissensschatz zu konservieren und praxisorientiert zu nutzen“, sagt Leonard Grabow, Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Cologne Cobots Lab der TH Köln.
Es geht vielfach um junge Menschen. Aber, die Wechselwilligkeit ist nicht mehr nur bei jüngeren oder Menschen im jungen Erwachsenenalter bis zum mittleren Alter vorhanden. Die Arbeitsmärkte sind flexibler geworden und so sind auch die Angebote das bisherige zu überdenken reizvoller geworden. Viele Menschen nutzen fragwürdige Zeiten und Momente um sich im Job neu auszuprobieren. Quereinstieg ist eine Chance das bisherige Leben noch einmal infrage zu stellen wo es früher nicht möglich war. Um Menschen zu erreichen die den beruflichen Einstieg oder Umstieg erleben, für Quereinsteigende kann eine Ausbildung in Handwerk und Kreativberufen interessanter gestaltet und niederschwelliger zugänglich gemacht werden. Hier setzt die Lernplattform auf Augmented Reality. Über AR-Brillen sehen NutzerInnen die Umgebung und erhalten zusätzliche Informationen wie Bilder, Texte oder Animationen im Sichtfeld eingeblendet.
In etwas früherer Zeit noch mussten Texte, Informationen jeglicher Art und bildhafte Vorstellungen mühselig erarbeitet werden. Hier lernt ein solches Gedächtnis heute wesentlich schneller und ist niederschwelliger im Zugang zum Verständnis. Das zeigt sich auch in der gegenwärtigen Entwicklung des Storytelling. Und das unterscheidet früherem zu heutigem Lernen.
Bilder und Textmaterialien, ein Verständnis über die Textur von Stoffen und Oberflächen, in ein Bild hineinzoomen und sehen, vor allem aber erfahren dürfen wie die Grundstruktur einer Form aufgebaut ist unterstützt die spätere empirische Erlebniserfahrung um ein Vielfaches. Selbiges gilt noch intensiver bei technologischen Produkten. „So können komplexe technische Abläufe direkt an Geräten oder Anlagen verständlich vermittelt werden“, erläutert Grabow.
Lerninhalte einfach und schnell programmieren
Der Prototyp der AR-Lösung basiert auf einem Lehr-Lern-Konzept der TU Darmstadt. Die technische Umsetzung der Software erfolgte durch Forschende der TH Köln und der HAW Hamburg. „Mit dem easyARguide können AusbilderInnen und Fachkräfte in einem einfach zu bedienenden Baukastenmodus direkt am realen Objekt detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen erstellen, anpassen und verwalten“ gibt Grabow einen Einblick in die Funktionsweise. „Hierbei können sie die physische Arbeitsumgebung mit digitalen Elementen wie 3D-Modellen, animierten Pfeilen, Textfeldern, Fotos und Videos anreichern.“
Darüber hinaus können Lernende die erstellte Anleitung über ihr Endgerät abrufen. An der vorgesehenen Stelle im realen Raum werden die zuvor erstellten digitalen Elemente eingeblendet und führen die Person schrittweise und multimedial durch den technischen Prozess. Die App ist auf AR-, MR- und XR-Brillen sowie auf Tablets und Smartphones nutzbar.
Erfolgreicher Praxiseinsatz und Weiterentwicklung der AR-Anwendung
Während der Erprobungsphase wurde kontinuierlich Feedback von Fachpersonal in Handwerksbetrieben eingeholt, um ein praxistaugliches Produkt präsentieren zu können. Mit Erfolg: Rund 900 Auszubildende in Betrieben der SHK Innung Köln setzen easyARguide bereits ein. Die Innung erhielt eine Innovationsförderung, um die Ausbildung durch moderne digitale Methoden aufzuwerten. „Mithilfe der Software können die angehenden HandwerkerInnen technische Abläufe realitätsnah und praxisorientiert erlernen – im eigenen Tempo und zeitlich flexibel. Die Lehrenden haben mehr Raum für individuelle Betreuung, die Unternehmen berichten von einer höheren Effizienz und kürzeren Anlernzeiten. Dies ist für uns die Bestätigung, dass unsere Anwendung von der Zielgruppe akzeptiert wird und den wirklichen Bedarf in der Praxis erfüllt“, berichtet Grabow.
In einem Folgeprojekt arbeitet das Konsortium an der Integration von Künstlicher Intelligenz. Ziel ist es, Lehrmaterialien automatisch in AR-Inhalte umzuwandeln. Durch die Veröffentlichung als Open Source soll eine breitere Nutzung der Software ermöglicht werden, beispielsweise in der Hochschullehre.
Weitere Informationen zur Software und zum Download finden sich unter diesem Link: https://digitalzentrum-hamburg.de/easyarguide-ar-mittelstand/
Über das Projekt
Ein Team des Cologne Cobots Lab der TH Köln unter der Leitung von Prof. Dr. Anja Richert und Prof. Dr. Valérie Varney koordinierte das Projekt „easyARguide“ und verantwortete die technische Umsetzung der AR-Software. Die Projektpartner aus der Wissenschaft waren die HAW Hamburg und die TU Darmstadt, aus der Praxis das ElbHandWerk, die SHK Innung Köln sowie World of VR. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie förderte das Projekt im Rahmen der Initiative Mittelstand-Digital mit rund 366.000 Euro.
Die TH Köln zählt zu den innovativsten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Sie bietet Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland ein inspirierendes Lern-, Arbeits- und Forschungsumfeld in den Sozial-, Kultur-, Gesellschafts-, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Zurzeit sind über 21.000 Studierende in mehr als 90 Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben. Die TH Köln gestaltet Soziale Innovation – mit diesem Anspruch begegnen wir den Herausforderungen der Gesellschaft. Unser interdisziplinäres Denken und Handeln, unsere regionalen, nationalen und internationalen Aktivitäten machen uns in vielen Bereichen zur geschätzten Kooperationspartnerin und Wegbereiterin.
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