Warum findet ein mögliches Nutzungsverbot sozialer Medien für unter 16-Jährige eine so breite Unterstützung in der Bevölkerung – obwohl der wissenschaftliche Forschungsstand zu den Wirkungen sozialer Medien ein differenziertes Bild zeichnet? Die Mannheimer Kommunikationswissenschaftlerin Sarah Geber bekommt 600.000 Euro, um den Einfluss medialer Berichterstattung rund um das mögliche Nutzungsverbot zu untersuchen.
Mannheim/Germany, 31. Juli 2026. – Ab September 2026 startet die Mannheimer Kommunikationswissenschatlerin Prof. Dr. Sarah Geber ein Forschungsprojekt, das sich im Zuge der SocialMedia-Verbote mit den Fragen der Rolle der Medien beschäftigt. Sie untersucht wie eine weit verbreitete Haltung entstanden ist und welche Position den Nachrichtenmedien dabei zukommt.
Die Anwendung der Algorithmen durch SocialMedia-Plattformen verlangt von allen Nutzern die Fähigkeit sich selbst schützen zu können. Und genau das wird in einem tieferen Verständnis durch deren Geschäftspraktiken ausgehebelt.
Weiterhin hat auch die Darstellung, wie Berichterstattung erfolgt und genutzt wird, erheeblichen Einfluß. Oft wird in beiden Fällen so bedient, wie die Erwartung ist, also eine selektive Wahrnehmung – man sieht das was man glaubt über die Welt zu wissen, zu verstehen. Eine Form der Wechselwirkung. Die Orientierung an der Wahrheit, also daran wie sich die Wirklichkeit abzeichnet ist auch bei offiziellen und stattlich organisierten Nachrichtensender schwierig genug. Es soll also nicht gezeigt und dargestellt werden wie sich die Meinung in einem Land hält, obwohl beides der Wahrheit entsprechen könnte. Medienkompetenz anzueignen wäre eine mögliche Massnahme, würde aber ein Eigenengagement erfordern.
Die angelegten Algorithmen und die damit verbundenen Geschäftspraktiken der SocialMedia-Plattformen sind nicht nur für junge Menschen problematisch. Es scheint ein hohes Mass an Reife erforderlich zu sein um die Wirkungen reflektieren und einordnen zu können. Hinzukommt, das Transparenz und klare Aufklärung über die Anwendung der Algorithmen von Seiten der Anbieter wichtig und hilfreich wäre.
Einmal der Problematik ausgesetzt, bleiben junge Menschen unter Umständen ein Leben lang in der Situation sich auch später selbst nicht mehr ausreichend schützen zu können. Zu lernen, Gefahren einschätzen zu können und selbst in der Lage sein diese entsprechend abzuwehren, wird hierbei ausgehebelt.
Australien, Großbritannien oder Indonesien. Die Anzahl der Länder die ein socialMedia-Verbot für unter 16-Jährige einführen oder darüber diskutieren wächst. Menschen teilen die Auffassung, dass soziale Medien Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf soziale Beziehungen, psychische Gesundheit oder deren Wohlbfinden auf Dauer schaden können. Dieses Verhalten ist dem Gedanken nach Fürsorge gewidmet. Noch Unabhängig voneinander tritt er in verschiedenen Ländern mit verschiedenen Kulturen auf. Die Wissenschaftlerin untersucht wie diese weit verbreitete Haltung entstanden ist, welche Rolle dabei Nachrichtenmedien spielen.
Das Projekt, „Moralische Panik als kommunikativer Frame: Dynamiken der Meinungsbildung zur SocialMedia-Regulierung“ untersucht wie bsw. Zeitungsartikel oder Online-Nachrichten zur Wahrnehmung soziale Medien beitragen.
„Wir wollen verstehen, wie öffentliche Meinungen zur Regulierung sozialer Medien in Deutschland entstehen und welche Rolle die mediale Berichterstattung dabei spielt“, sagt Geber. „In der öffentlichen Debatte wird häufig davon ausgegangen, dass soziale Medien für alle Kinder und Jugendlichen gleichermaßen schädlich sind. Doch der aktuelle Forschungsstand zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild. Er zeigt sowohl Risiken als auch Potenziale sozialer Medien und weist auf Unterschiede zwischen Jugendlichen und ihrer Nutzung hin.“
„Immer wieder werden soziale Medien und ihre Wirkungen mit Drogen verglichen “, erklärt die Forscherin. Solche Darstellungen könnten dazu beitragen, gesellschaftliche Ängste zu verstärken und Dynamiken moralischer Panik zu begünstigen. Positive Aspekte sozialer Medien, etwa für die soziale Vernetzung oder den Zugang zu Informationen, finden hingegen kaum Eingang in die Debatte.
Ziel des Projektes ist es, Grundlagen für sachlichere und stärker wissenschaftlich fundiertere öffentliche Debatten zu ermöglichen. „Gerade bei komplexen Themen sollte die wissenschaftliche Evidenz den Aushandlungsprozess stärker prägen“, so die Wissenschaftlerin.
Bildquelle
Erik lucatero Pixabay
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