Dr. Jakob Kullik ist promovierter Politikwissenschaftler und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Internationale Politik der TU Chemnitz. Er forscht zu Rohstoffmärkten und Rohstoffpolitik mit einem Schwerpunkt auf Seltene Erden. Quelle: Foto: privat

Der globale Kampf um die Rohstoffe


Dr. Jakob Kullik, Experte für Rohstoffpolitik von der Professur Internationale Politik der TU Chemnitz, veröffentlicht populärwissenschaftliches Sachbuch zur Geopolitik sogenannter Seltener Erden, den Schlüsselrohstoffen des 21. Jahrhunderts.

Chemnitz/Germany, 26. Mai 2026. – Seltene Erden sind nicht selten, wie der Begriff zu verstehen gibt. „Selten“ bezieht sich nicht auf das Material aus der Erdkruste, sondern die punktuelle Menge an den Ausgrabungsorten ist in der Regel selten. In dem Zusammenhang ist die Bergung oder der Abbau aufwändiger und, sie erlangen dadurch auch Exklusivität, weil sie nicht in Reinform vorkommen. Sie kommen in Gemischen vor, als Teil von Mineralien und müssen daher aufbereitet werden.

Man könnte auch behaupten, so selten und spezifisch wie seltene Erden in modernen Technologien, Computer, Elektronik, gemessen an anderen Bauteilen eingesetzt werden, genauso selten und spezifisch ist der Abbau aus der Erdkruste. Denn in der Technologie, auf Platinen, besetzen Bauteile aus diesen Materialien meist Schlüsselpositionen. Ihre Eigenschaften sind für Extreme gemacht, wie starke Hitze, Kälte oder Leitfähigkeit. Sie sind meist relativ weich, reaktionsfreudig und mit magnetischen Fähigkeiten ausgestattet. Diese 17 Elemente des Periodensystems aus der Gruppe der Lanthanoide sind unentbehrlich für erneuerbare Energietechnologien (Windkraft, Solar), Konsumelektronik, aber auch für Militär und Rüstung.

Rohstoffe waren und bleiben in der Zukunft strategische Elemente für den Wohlstand und Sicherheit. Sind Rohstoffe aber knapp, dann stellt dieser aber nicht nur den Sicherheitsaspekt in Frage, vielmehr streiten sich Menschen und Konfliktparteien um deren Nutzen. Das Ziel, die kollektive, globale Sicherheit muss wieder hergestellt werden. Dieser Zustand, bzw. Umstand sagt daher auch viel über den gegenwärtigen Stand, aus Perspektive der Bedürfnisse (Sicherheit ist eines der Defizitbedürfnisse, die immer wieder hergestellt werden muss) der jeweiligen Volkswirtschaften aus. Man kann an den Rohstoffen also gut ablesen wie es um die Weltgemeinschaft bestellt ist. Ebenso wo die Schwachstellen der jeweiligen Nationen oder Staatengemeinschaften liegen. Werden Rohstoffe knapp, werden die Schwächen deutlich. Eröffnen sich hingegen Perspektiven kehrt zunehmend Ruhe ein, jeder und alle sind mit sich selbst beschäftigt, allem voran Nationen in deren Böden die Stoffe lagern. Welche Nation mit welchen Bodenschätzen ausgestattet ist, und wohin sich die Welt in der Zukunft bewegt, bestimmt gegenwärtig noch die Beziehungen bzw. Konflikte.

Man kann auch eine gewisse Trägheit ablesen. Spätestens seit den 1970er Jahren, mit der Öl- und Energiekrise müssten die Alarmglocken geklingelt haben. Damit auch, die Überlegungen an Ersatzstoffe kommen zu können, zu entwickeln. Doch dann folgte, wie schon zu Zeiten des Wirtschaftswunders, in den 1980er Jahren erneut ein Wohlstandsschub. Und alle Sorgen schienen vergessen. Nur die Armut in der Welt wurde sichtbarer. Man sah schlichtweg keine Notwendigkeit, weil schon damals des Öfteren berichtet wurde, das die Rohstoffe noch viele Jahrzehnte genügen würden.

Das im Nahen Osten aber einer der Kernkonflikte zu finden sei, das ist ebenfalls schon länger deutlich. Allem voran aufgrund von Engstellen wie dem Suezkanal und nun erneut die Strasse von Hormus. Nun sind diese Konflikte wie bei einem schlummernden Vulkan erneut aufgeflammt. Ursächlich dürfte dafür die Verknappung der Rohstoffe verantwortlich sein. Nicht aufgrund der Position in Nahen Osten, sondern aufgrund der verschieden und grundlegenden Themen wie dem Klima, Fluchtbewegungen und Energieverknappung bei zeitgleichem Anstieg des Verbrauchs an Energie. Und was nur schwer zu greifen ist, die allgemeine Beschleunigung. Mit einer wachsend globaleren Vernetzung, sowie dem technologischen Fortschritt, geht eine bisher bestehende Beschleunigung genauso in die Tiefe, wie zu Zeiten der Renaissance. Der Fortschritt und die Technologisierung finden jetzt nicht mehr nur durch die globale Vernetzung statt, sondern zeigen sich, zumindest dort wo ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, auch in den Staaten und Nationen selbst. Auf dieser Ebene (Tiefe) findet nun die neue Kommunikation in den Beziehungen, unter den Staaten statt. Dem ganzen folgt wachsend, ein globales Ringen um sogenannte „kritische“ und „strategische“ mineralische und metallische Rohstoffe wie Seltene Erden.

„Staaten und Unternehmen ringen um die Kontrolle von Lagerstätten und globale Lieferketten – sprichwörtlich vom Erz zum Elektroauto beziehungsweise vom Mineral zur Munition. Letztes Jahr mussten die USA und die Europäische Union schmerzhaft erfahren, dass China den globalen Markt für Seltene Erden fast vollständig kontrolliert und am längeren Hebel sitzt. Seltene Erden zählen mittlerweile wie Öl und Gas zum geopolitischen Instrumentarium der Großmächte“, sagt Dr. Jakob Kullik, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Internationale Politik der Technischen Universität Chemnitz.

Doch wie kam es, dass China zur führenden Rohstoffmacht wurde? Und welche Optionen haben die USA, die EU und andere Industriestaaten, sich aus dieser Dominanz Pekings zu befreien? Können Seltene Erden künftig in Europa, womöglich sogar im rohstoffreichen sächsischen Erzgebirge, gefördert und weiterverarbeitet werden? In seinem neuen Sachbuch „Seltene Erden. Der globale Kampf um die Rohstoffe der Zukunft“, das am 1. Juni 2026 im Verlag Quadriga erscheint, beantwortet Kullik in allgemeinverständlicher Weise diese und weitere Fragen rund um die Rohstoffgruppe, die auch in den nächsten Jahrzehnten relevant bleiben wird.

„Der globale Bedarf nach Seltenen Erden wächst und allein durch Recycling wird der Rohstoffhunger künftig nicht zu stillen sein. Deutschland und die Europäische Union sind in diesem globalen Rohstoffrennen bislang abgeschlagen. Zu lang wurde auf den Weltmarkt und friedliche Handelsbeziehungen gesetzt. Dies rächt sich nun. Die USA, China, Russland und weitere Akteure haben längst Boden gut gemacht und lukrative Projekte erschlossen. Die deutsche Wirtschaft muss sich verstärkt um ihre Rohstoffversorgung kümmern und ist auf Unterstützung durch die Politik angewiesen“, so Kullik.



Bibliografische Angaben: Jakob Kullik: Seltene Erden. Der globale Kampf um die Rohstoffe der Zukunft, 2026, Quadriga, 400 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-3-86995-167-6

Die große Beschleunigung – „The Great Acceleration“ https://www.bpb.de/themen/umwelt/anthropozaen/216918/texte-und-grafiken-zur-grossen-beschleunigung-the-great-acceleration

Bildquelle
Dr. Jakob Kullik ist promovierter Politikwissenschaftler und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Internationale Politik der TU Chemnitz. Er forscht zu Rohstoffmärkten und Rohstoffpolitik mit einem Schwerpunkt auf Seltene Erden. Quelle: Foto: privat

Der Newsletter erscheint einmal pro Woche Freitags mit allen Inhalten der Woche


Beitrag veröffentlicht

in

von

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert