Bodyshaming ist kein neues Phänomen, wird durch soziale Medien jedoch sichtbarer und verstärkt. Besonders junge Menschen leiden unter unrealistischen Schönheitsidealen und abwertenden Kommentaren. Die Folgen reichen von vermindertem Selbstwertgefühl über Essstörungen bis hin zu Panikattacken und Schulangst. Prof. Dr. Sandra Mirbek betont die Bedeutung von Sensibilisierung, Selbstvertrauen und Vielfalt. Besonders Schule und Soziale Arbeit sind gefordert, Prävention fest zu verankern und Fachkräfte für einen respektvollen Umgang mit Körperbildern zu sensibilisieren.
Villingen-Schwenningen/Germany, 20. August 2026. – Immer mehr Menschen – insbesondere junge Erwachsene – leiden unter dem Druck, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. In den sozialen Medien kursieren makellose Körperbilder, die kaum etwas mit der Realität zu tun haben. Wer nicht in dieses Ideal passt, wird schnell zum Ziel von abwertenden Kommentaren oder subtilen Blicken – ein Phänomen, das als Bodyshaming bezeichnet wird. Doch was steckt dahinter, welche Folgen hat es für die Betroffenen – und was können Gesellschaft, Pädagogik und Soziale Arbeit dagegen tun? Damit beschäftigt sich Prof. Dr. Sandra Mirbek, Professorin für Soziale Arbeit an der DHBW Villingen-Schwenningen.
Dabei ist Bodyshaming kein neues Phänomen, sondern war bereits in der Antike ein Thema. Nur die Sichtbarkeit sei eine andere gewesen, erläutert Mirbek. Durch die sozialen Medien ergebe sich eine schnellere und umfassendere Darstellung des Themas – in einem ganz an-deren Ausmaß: „Social Media funktioniert da wie ein Brennglas“, sagt Mirbek.
In der Forschung werde viel über die Ursachen für Mobbing und Hetze im Internet diskutiert. Gerade die Corona-Pandemie habe eine große Auswirkung gehabt. Digitale Sucht und Online-Sucht wurden damals von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Diagnoseklassifikationssystem ICD-10 festgehalten und schließlich 2022 in ICD-11 überführt. Hier wurden digitale Süchte erstmals offiziell als eigenständige, klinisch relevante Störungen anerkannt – ein wichtiger Schritt hin zu klareren Diagnosen, mehr Forschung und gezielter Prävention.
Das ist auch in der Sozialen Arbeit ein Thema, besonders in der Schulsozialarbeit: „Dort gibt es immer wieder Projekte zum Thema Mobbing oder Online-Aufklärung“, so Prof. Dr. Sandra Mirbek. Das Interesse der Studierenden an der DHBW Villingen-Schwenningen sei groß – schließlich gelte es, dem Bedarf in der Praxis gerecht zu werden. Dabei profitieren die Studierenden an der DHBW besonders vom dualen Studienkonzept: Neben der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema sammeln sie bei ihren dualen Partnern frühzeitig praktische Erfahrungen und können das Gelernte direkt in der Praxis anwenden Hier müsse die Arbeit mit dem Thema gut aufgebaut und fest verankert werden.
Eine Sensibilisierung sei auch beim Fachpersonal immer wieder notwendig.
Sportlehrkräfte und Bodyshaming seien dabei ein besonderes Thema: „Was unbedachte Bemerkungen anrichten können, ist immens“, sagt Mirbek. Gemeinsam mit Prof. Dr. Frank Birk von der DHBW Villingen-Schwenningen hat sie den Aufsatz „Bodyshaming als Thema des Schulsports. Der Körper und Körperlichkeit im Fokus“ in der Zeitschrift Sportunterricht. Monatsschrift zur Wissenschaft und Praxis des Sports mit Lehrhilfen veröffentlicht.
„Als Hochschule sehen wir es als unsere Verantwortung, gesellschaftlich relevante Themen wie Bodyshaming nicht nur wissenschaftlich zu erforschen, sondern auch aktiv in die Praxis zu tragen. Unsere Studierenden werden gezielt darauf vorbereitet, sensibel, reflektiert und professionell mit solchen Herausforderungen umzugehen“, betont Rektor Prof. Dr.-Ing. Lars Meierling.
Im Schulbereich könne Bodyshaming besonders starke Auswirkungen haben – von Essstörungen über Panikattacken bis hin zur Angst, in die Schule zu gehen. Und was hilft? „Selbstvertrauen. Alles, was Kinder stützt und stärkt, Mut und Courage fördert“, sagt Mirbek. Allgemein sei jedoch mehr Sensibilität für das Thema wichtig. So habe sich lange die Vorstellung gehalten, dass sich an der körperlichen Erscheinung Aussagen über die Intelligenz einer Person ableiten ließen. Auch Strömungen, die mehr auf Gleichheit und Stärke aus Einheit und Norm setzen, seien immer ein Problem: „Vielfalt wird hier nicht als Ressource gesehen“, sagt Mirbek.
Die DHBW Villingen-Schwenningen verfügt in diesem Bereich über ausgewiesene Expertise: Prof. Dr. Sandra Mirbek und Prof. Dr. Frank Francesco Birk beschäftigen sich bereits seit vielen Jahren wissenschaftlich mit Körperbildern, Einflüssen sozialer Medien und deren Folgen für die Entwicklung junger Menschen. Ihre Arbeiten zeigen, dass Bodyshaming eine vielschichtige Form von Diskriminierung darstellt, die sich auf unterschiedlichste körperliche Merkmale beziehen kann und erhebliche Auswirkungen auf Selbstwert und psychische Gesundheit hat.
So wurde Professorin Prof. Dr. Sandra Mirbek von der Apotheken Umschau Eltern zu diesem Themenfeld interviewt. Der Beitrag beleuchtet, wie früh Kinder mit gesellschaftlichen Schönheitsnormen konfrontiert werden und welche Auswirkungen dies auf ihr Selbstbild haben kann: https://www.apotheken-umschau.de/print/el/el26-04/bin-ich-schoen-1493163.html
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