Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersucht an MMA-Kämpfern biologische Alterungsprozesse. Ziel der Studie ist es, die epigenetische Uhr des Alterns genauer zu entschlüsseln.
Hannover/Germany, 13. Mai 2026. – Wer ein Auge, vielmehr einen Sinn dafür hat, der nimmt die Unterschiede in der Alterung von Menschen, vielleicht auch schon im Alltag war. Wie sich die Alterung im inneren vollzieht bleibt zunächst im verborgenen. Da sich Substanz und Wachstum meist nur über die Proteine zeigen, sieht man den Teil der Ernährung viel unmittelbarer als das was im Körper vor sich geht. Erst über viele Jahre hinweg ässuert sich dann das was im inneren vor sich ging. Es sind Oxidationsprozesse im Körper welche die Alterung beschleunigen. Der gesamte Lebensstil spielt aber in erheblichem Masse zusammen, so das sich am Ende einer Zeit die Einzelfaktoren Multiplizieren und gar auch als Beschleuniger einsetzen. Ernährung, Bewegung oder Stressfaktoren. Auch die Resilienzfähigkeit eines Organismus entscheidet darüber wie gut Oxidationen verarbeitet werden können.
Für manche ist der eigene Alterungsprozess weniger erheblich, für andere hingegen schon. Es bleibt aber ein Fakt, je schneller ein Körper altert, desto grösser summiert sich im Alter der Nachteil in der Lebensqualität. Es geht dabei also weniger um einen Schönheitsaspekt, sondern um die Qualität eines Lebens, das sich am Ende zu einem leidvollen Tagesablauf gestalten kann. Insgesamt kann man aber schon sagen, die Alterungsprozesse haben sich im vergangenen Jahrhundert deutlich entschleunigt.
Um zu erfahren wie es um einen bestellt ist, fragt man schon seit vielen Jahren nach Möglichkeiten der biologischen Bestimmung. Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat nun mittels einer Studie die biologischen Altersuhren von Kampfsportlern untersucht. Beim Sport handelt es sich um die Vollkontakt Sportart Mixed Martial Arts (MMA). Die Studie sucht nach zuverlässigen Markern mittels denen das biologische Alter bestimmt werden kann.
„Bislang gibt es keinen eindeutigen Messwert für das biologische Alter“, erklärt Studienleiterin Dr. Kirsten Jahn, PhD, aus der Arbeitsgruppe Molekulare Neurowissenschaften in der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie. „In unserer Studie möchten wir biologische Altersuhren identifizieren, die den Gesundheitszustand eines Menschen präzise abbilden können.“ Solche Marker könnten präventive Diagnosen und Behandlungen ermöglichen.
Epigenetische Muster als Maß für das Alter
Noch fehlt ein wissenschaftlicher Konsens darüber, wie das biologische Alter genau bestimmt werden kann. Ein vielversprechender Ansatz ist die sogenannte DNA-Methylierung. Dieser biochemische Prozess beeinflusst, welche Gene aktiv sind und welche nicht. Dafür heften Zellen kleine chemische Markierungen – sogenannte Methylgruppen – an die DNA, die wie feine Regler wirken. Sie verändern nicht den genetischen Code selbst, sondern dessen Nutzbarkeit. Diese epigenetischen Muster verändern sich im Lauf des Lebens. Forschende nutzen diese Veränderungen, um Rückschlüsse auf das biologische Alter eines Menschen zu ziehen.
Das MHH-Team setzt auf eine neue Technologie, die alle relevanten DNA-Abschnitte gleichzeitig analysiert, die durch Methylierung die Aktivität von Genen steuern können – etwa 28 Millionen sogenannte CpG-Stellen. „Damit können wir das Methylierungsmuster erstmals umfassend bewerten und die epigenetische Uhr des Alterns genauer entschlüsseln“, erklärt Dr. Jahn.
Ein ungewöhnliches, aber sehr gut geeignetes Modell für die Forschung zum biologischen Alter liefern MMA-Kämpfer. Sie durchlaufen Phasen mit stark wechselnden körperlichen und psychischen Belastungen – von moderatem Training über intensive Wettkampfvorbereitung bis hin zu extremem Stress vor und während eines Kampfes. „MMA-Kämpfer sind gesunde Menschen, die zeitweise sehr starken Einflüssen ausgesetzt sind, die sich epigenetisch auf das biologische Alter auswirken könnten“, so Dr. Jahn.
Während der Erholungsphase wirken eher alterungshemmende Faktoren wie leichtes Training und normale Ernährung. In der Wettkampfphase dominieren alterungsfördernde Faktoren wie intensive Trainingsbelastungen und Diäten. In den Tagen vor dem Wettkampf verzichten die Kämpfer sogar auf Flüssigkeit, um die ideale Gewichtsklasse zu erreichen. Die Forschenden vermuten, dass sich die wechselnden Belastungen direkt auf biologische Altersuhren auswirken: In der Erholungsphase könnten sie langsamer, in der Wettkampfphase schneller ticken – und in wiederholten Blutanalysen sichtbar werden.
„Als Ringarzt begleite ich seit vielen Jahren MMA- und andere Kampfsportler unter sehr unterschiedlichen körperlichen und psychischen Belastungen“, sagt der in der deutschen und europäischen MMA-Szene bekannte Facharzt für Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Panagiotis Karachalios. „Die Studie bietet die Chance, besser zu verstehen, wie sich diese Belastungen langfristig auf Gesundheit und Regeneration auswirken, welche Rückschlüsse daraus gezogen und wie wir die medizinische Betreuung von Athleten künftig weiter verbessern können.“
Die Studienteilnehmer können vor und nach Kämpfen MRT-Aufnahmen ihres Kopfes anfertigen lassen. Damit wollen die Forschenden mögliche Verletzungen und Veränderungen der Hirnalterung untersuchen. Zusätzlich erhoben werden Daten zu Wohlbefinden, Proteinen und Stoffwechselprodukten. Diese Ergebnisse vergleicht das Forschungsteam mit Daten von Hobby-MMA-Sportlern ohne Wettkampfteilnahme sowie von gesunden älteren Menschen. Dabei fließen auch bisherige Altersmarker in die Analyse ein, darunter einige, weniger umfassende „Age Clocks“ sowie die Telomerlängen, also die Länge der Schutzkappen an den Enden der Chromosomen. Das Team untersucht außerdem, ob der Kampfsport die psychische Widerstandskraft (Resilienz) stärkt.
Bildquelle
Blutabnahme im Gym: Die forschende Ärztin Dr. Kirsten Jahn, PhD, nimmt Hugo Vach Blut ab für ihre Studie. Der MMA-Kämpfer der Fightschool Hannover tritt am Sonnabend (16. Mai 2026) beim Kampfsportevent OKTAGON 88 in Hannover in den Ring. Quelle: Inka Burow, Copyright: MHH/Inka Burow
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