Was Hänschen lernt, kann auch Hans lernen


Was Hänschen lernt, kann auch Hans lernen: Jüngere wie ältere Erwachsene sind gleichermaßen in der Lage, sich neue sozio-emotionale Verhaltensweisen anzueignen. Aus einer Persönlichkeitsintervention, mit der ein anderer Umgang mit Stress und herausfordernden sozialen Situationen trainiert wird, ziehen auch Menschen im höheren Alter ihren Nutzen. Das zeigt eine Studie der psychologischen Alternsforschung, die Forscherinnen aus Deutschland und der Schweiz unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Wrzus (Universität Heidelberg) und Prof. Dr. Corina Aguilar-Raab (Universität Mannheim) durchgeführt haben.

Heidelberg/Germany, 17. Februar 2026. – Unter sozio-emotionalen Verhaltensweisen versteht man die Fähigkeit von Menschen, eigene Gefühle wahrnehmen, soziale Beziehungen zu erkennen, zum Ausdruck zu bringen und zu regulieren. Wie Menschen in bestimmten Situationen sich typisch verhalten, denken oder fühlen hängt sehr stark von den persönlichen Eigenschaften ab. Forschungen früherer Zeit, so Prof. Wrzus, deuten darauf hin, dass sich Persönlichkeitsmerkmale nach dem jungen Erwachsenenalter weniger stark entwickeln.
Der Grund dafür ist genauso unbekannt wie auf dem Gebiet Forschung in den Alterskohorten betrieben wurde. Diese Prozesse sind bis heute noch wenig verstanden. Die meisten Menschen kennen es aber, das System in dem man sich gegenwärtig befindet begünstigt die Lebensgestaltung nicht unbedingt in der Form, eigene, der Lebensqualität erhaltende Massnahmen aufrecht erhalten zu wollen, bzw. die Entwicklung so beizubehalten wie sie in früheren Zeiten vor einer entsprechenden Reife stattgefunden hatten.
Im Beispiel kann ich als Autor dieser Zeilen klar stellen, die Lebensweise auf ein qualitativ besseres Niveau zu stellen und sich dabei an einer früheren Zeit zu orientieren hat zwischen 10 bis 15 Jahren gedauert. Damit verbunden die Frage nach Standortwahl für Wohnen und Arbeit, Gewohnheiten, sportliche Aktivitäten, dem Organismus förderlicher Ernährung, infragestellen der Nutzung von Lebenszeit und vielem weiteren, was individuell für richtig und notwendig gehalten wird.

So bsw. sind die Bedürfnisse nach Familie und Eigenheim so dominierend, das die eigentliche Ziele des Menschen nahezu ganz verdrängt werden. Dazu gehören die Charakterbildung, Resilienz, Gestaltung nachhaltiger Lebenswerke oder in diesem Zuge auch, – dort wo der Wohlstand weit genug entwickelt ist – Selbstverwirklichung. Interventionsstudien haben selten Altersunterschiede untersucht und damit diese Forschung an den Rand des erforderlichen geschoben, so Prof. Wrzus: „Vielfach beschränken sich Untersuchungen auf junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren.“

Die neue Studie zeigt nun, jüngere wie ältere Erwachsene sind gleichermassen in der Lage, sich neue sozio-emotionale Verhaltensweisen anzueignen. Aus einer Persönlichkeitsintervention, mit der ein anderer Umgang mit Stress und herausfordernden sozialen Situationen trainiert wird, ziehen auch Menschen im höheren Alter ihren Nutzen. Die entsprechende Studie zur psychologischen Alternsforschung wurden von Forschenden aus Schweiz und Deutschland unter Leitung von Prof. Dr. Cornelia Wrzus (Universität Heidelberg) und Prof. Dr. Corina Aguilar-Raab (Universität Mannheim) durchgeführt.

Erfasst wurden dazu die Effekte eines Interventionsprogramms bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedlichen Alters. Danach profitieren Ältere ebenso wie Jüngere von einem Training ihrer Fähigkeiten im sozialen und emotionalen Bereich.
Im Rahmen der aktuellen Studie haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in wöchentlichen Sitzungen und Aufgaben für den Alltag trainiert, wie sie besser als bisher mit Stress und herausfordernden sozialen Situationen umgehen können. An dem achtwöchigen Training in Präsenz nahmen 165 Probandinnen und Probanden teil – junge Erwachsene überwiegend in ihren Zwanzigern und ältere Erwachsene zwischen 60 und 80 Jahren. Welche Effekte das Interventionsprogramm zeigt, haben die Forscherinnen aus Heidelberg, Mannheim, Hamburg und Zürich (Schweiz) mit einem multi-methodischen Ansatz erfasst. Vor, während und im Anschluss an das Training sowie bis zu einem Jahr nach dem Ende des Programms wurden die Wirkungen auf die Persönlichkeitsbereiche „Emotionale Stabilität“ und „Extraversion“ mit Fragebögen und einem indirekten, computerbasierten Test erfasst.

Die Auswertungen haben gezeigt, es gibt in beiden Altersgruppen kaum unterschiede bezüglich der durchschnittlichen Veränderung bei sozio-emotionalen Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmalen.

Für die Forscherinnen ein „auffälliges und unerwartetes Ergebnis, da es für ältere Menschen schwieriger zu sein scheint, Neues zu lernen, etwa eine neue Sprache oder ein Musikinstrument“, so Prof. Wrzus. Im Rahmen der Studie wurde auch eine mögliche Erklärung getestet: Die Studienteilnehmer wurden dazu während des Programms befragt, wie intensiv sie sich mit den Aufgaben befasst haben.
Das Ergebnis: Ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich mehr mit den Trainingsmaterialien und wöchentlichen Aufgaben auseinandergesetzt, zeigten also ein etwas größeres Engagement.

Die Studie macht durchaus deutlich, was in der Philosophie mit Metaphysik beschrieben wird, zeigt sich in der Realität mit einer Reife im Altern. Mit wachsendem Alter steigen die Herausforderungen an die Bewältigung in der Verantwortung gegenüber dem eigenen Leben. Es kommt zu einem wachsenden globaleren Bild der Gesamtheit, Blick auf das Gesamte. Blickt man auf das Vergangene zurück und setzt dieses ins Verhältnis zur gegenwärtigen Entwicklung vereint man globaler das bisherige und ordnet es entsprechend bereinigt zu. Diese Tatsache ist dadurch untermauert das man zwischen kristalliner und fluider Intelligenz unterscheidet. Im Alter spielt diese Form der Intelligenz eine wichtige Rolle, denn sie steigt mit einer stabilen aber herausfordernden Biografie der Individuen.
Ein System, wie das bestehende, bei dem der Lebenszyklus durch die Etappen bestimmt wird, wie bsw. Abschluss der Ausbildung und Einstieg in das Berufsleben, damit verbunden Freiheit in der Mobilität durch Führerschein als auch eine ca. Festlegung durch Renteneintritt, entziehen die Möglichkeit sich mit dem Leben bewusster auseinander zu setzen.

Dies bestätigen auch die Axiome die zum Zeitpunkt des Weltwirtschaftswunders eintraten, wie auch der Eintritt ins Computerzeitalter in den 1980er Jahren. Zur Zeit des Wirtschaftswunders stieg auch die Möglichkeit der Mobilität, in vielen Nationen konnte im Alter von ca. 18 Jahren der Führerschein erworben werden und Haushalte bekamen zunehmend Fahrzeuge. Bewegung ging zurück, Herzinfarkte wurden Volkskrankheit. In den 1980er Jahren kam der Computer in die Büros, Arbeit wurde bequemer, in die Kinderzimmer kamen die Computerspiele. Ein weiterer Schub an Bewegungsmangel. Mitte der 1990er Jahren wurde Fettleibigkeit Zivilisationskrankheit Nr. 1.

Ein klarer Gegenspieler besteht in der Befriedigung von Bedürfnissen, so Vorteilhaft diese auch erscheinen. Die moderne Welt bietet nahezu alle erdenklichen Lösungen der Mängel an Bedürfnissen, bis zum Individualbedürfnis. So haben heute sehr viele Menschen die Chance bis in die von Abraham Maslow beschriebene Selbstverwirklichung zu finden. Jeder Mensch erhält damit die Chance auf die Freiheit, seine individuellen Bedürfnisse befriedigen zu können. Allerdings, mit jedem befriedigten Bedürfnis entsteht zeitgleich eine ganze Masse neuer Bedürfnisse die umso kleinteiliger sind und damit deutlich schwerer zu bewältigen. Es benötigt eine pädagogische Massnahmen, sich nicht allen Bedürfnisse ohne eine gewisse Karenzzeit hinzugeben, um die Qualität eines Lebens aufrechterhalten zu können. Stichwort Leidenszeit, Charaktereigenschaft Leidensfähigkeit!

„Unsere Studienergebnisse widersprechen in gewisser Weise dem Sprichwort ,Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr‘. Das ist eine positive Nachricht für älter werdende Gesellschaften. Wenn Menschen entsprechend motiviert sind, erhalten sie sich die Fähigkeit, sich zu verändern und Neues hinzuzulernen“, betont Cornelia Wrzus, die an der Universität Heidelberg zur sozio-emotionalen Entwicklung und zur Persönlichkeitsentwicklung im Erwachsenenalter und Alter forscht. An den Forschungsarbeiten mitgewirkt haben neben Prof. Wrzus und Prof. Aguilar-Raab auch Gabriela Küchler (Universität Heidelberg), Kira Borgdorf (Universität Mannheim), Prof. Dr. Wiebke Bleidorn (Universität Zürich) und Prof. Dr. Jenny Wagner (Universität Hamburg).

Die Forschungsarbeiten wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Communications Psychology“ erschienen.

Originalpublikation:

G. Küchler, K.S.A. Borgdorf, C. Aguilar-Raab, W. Bleidorn, J. Wagner & C. Wrzus: Personality intervention affects emotional stability and extraversion similarly in older and younger adults. Communications Psychology 3, 171 (published online 25 November 2025), https://doi.org/10.1038/s44271-025-00350-2

Weitere Informationen:

Cornelia Wrzus
https://www.psychologie.uni-heidelberg.de/person/cornelia-wrzus

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