Eine Studie aus dem IAAEU zeigt, dass Enkelkinder überraschenderweise nicht dazu führen, dass Menschen sich mehr um die Zukunft des Planeten sorgen.
Trier/Germany, 30. September 2026. – In einer Studie der Universität Trier, „UK Understanding Society“ wurden Menschen befragt, wie diese über die Betroffenheit nachfolgender Generationen besorgt seien. Die Studie vom Institut für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Union an der Universität Trier wurde unter der Leitung Dr. Lieke Voorintholt mit den KollegInnen und KoautorInnen Prof. Dr. Gerard van den Berg und Prof. Dr. Adriaan Soetevent von der Rijksuniversiteit Groningen durchgeführt.
Die Welt so hinterlassen wie man sie angetroffen hat, das gilt als gerecht, als Generationengerechtigkeit! Wobei in der westlichen Welt eine Generation mit 30 Jahren festgelegt ist. Man kann es als Auftrag oder gar als Orientierung begreifen. Es gehört aber auch eine ordentliche Portion Intuition dazu, sich diesen Umstand unter Bedingungen zur Orientierung machen zu können, sofern der grundsätzliche Lebensverlauf nicht ersichtlich ist. An dieser naturgegebenen menschlichen Unzulänglichkeit, vor allem aber auch zu betonenden Form von Menschlichkeit ist die geistige Unreife des Menschen im jeweiligen Zeitgeist deutlich sichtbar.
Erst mit der Weitsicht entsteht auch die Fähigkeit um die Sorge. Irgendwann, in einer der Phasen des Erwachsenwerdens taucht der Innerpsychische Prozess, vielmehr Kernkonflikt auf, bei dem es um die Frage geht, Generativ vs. Stagnation. Sein Erfinder, Erik Homburger Erikson unterscheidet darin die sich entwickelnde Fähigkeit im Menschen, in und für Generationen zu denken oder aber im Denken zu stagnieren.
Spätestens zum Zeitpunkt wenn Nachwuchs in die Welt kommt, kann man unterstellen, das man ein egozentrisches Weltbild aufgibt oder wenigstens erheblich mildert, und Opferbereitschaft für den Nachwuchs entsteht. Gedanken der Fürsorge, Gedanken zur Übernahme von Verantwortung. Gedanken darum, sich die Arbeit zu machen, sich zu mühen, sich zu engagieren eine Atmosphäre zu erschaffen, in der ein Mensch aufwachsen und sich gesund und stabil entwickeln kann. Ich gehe in Politik, begleite ein Ehrenamt, engagiere mich in der örtlichen Feuerwehr oder gebe anderweitig der Gesellschaft das zurück, was ich einmal selbst erfahren habe. Auf diese Weise setze ich eine solche Atmosphäre durch. Hierin liegen die Grundlagen natürlichen Altruismus. Raus aus dem Helfen-wollen-Syndrom, rein in das geistige Ordnungssystem des Altruismus, der Gesellschaft meinen Anteil zu geben denn ich aus selbiger Atmosphäre erworben habe. Das Motiv meiner Existenz entscheidet hier über diesen Verlauf!
Die Phase eines Menschen sich mit der polarisierenden Frage auseinander zu setzen, „denke ich zuerst an mich“ oder „denke ich zuerst an meine Kinder“ bezeichnet Erikson als einen Prozess menschlichen Denkens, der sich solange aufrecht erhält bis sich der Mensch frei, intuitiv für das generative Denken entscheiden kann. Kann er dies nicht, bleibt dieser Innerpsychische Konflikt weiterhin aufrecht. Je nach Ausgangslage hatten Freud und Erikson dies als überlicherweise infantil – „kindlich geblieben“ bezeichnet. Wenn die geistige Reife stagnierend ist.
Das Denken stagniert an der Stelle, wenn ich keine Empfindung für den Nachwuchs, für die nächste Generation als Bestandteil meiner Identität aufbauen kann. Gewöhnlich fällt dieses Problem mit der nach Sigmund Freud benannten „Gefühlserbschaft“ zusammen. Im Fachjargon als „Transgenerationale Übertragung“ bezeichnet.
Die Frage der Generationengerechtigkeit ist damit eine Botschaft die zu kommunizieren ist. Sie muss über Generationen kultiviert werden. Für Menschen ist dies eine Herausforderung aufgrund des exponentiellen Wachstums. Spätestens seit den 1980er Jahren (1970-1979) hat sich Technologie so stark entwickelt, das man bis zum heutigen Zeitpunkt, dem Moment als Künstliche Intelligenz als absehbarem Eintritt von hochentwickelter Technologie, das dieses exponentielle Wachstum mutmasslich erst in wenigen Jahren für die Allgemeinheit ersichtlich, erkennbar werden wird. Diese Fähigkeit zu lernen und zu verstehen wie sich die Welt verändert, in Relation zur Vergangenheit zu setzen, zu den Veränderungen in Korrelation zu bringen, weitet den Blick erheblich und bedeutet einen weitere Schritt menschlichen Denkens im Zeitgeist. Ein neuer Reifeprozess!
Könnte man nur die Verrohung und Erosion in der Welt bremsen, eine Stagnation im Verfall erreichen, wäre dazu bereits ein höchstmass an Leistung erforderlich. Um wie viel mehr und größer wird der Aufwand sein, einer weiteren Generation genau diese Welt zu hinterlassen wie man sie selbst angetroffen hat?
Nun ist aber allein durch den Erhalt desselbigen niemandem geholfen. Denn es sind gerade die Herausforderungen die sich durch Verrohung und natürliche Erosion ergeben, die ein menschliches Immunsystem aufbauen. Den menschlichen Organismus belastungsfähig gestalten und dafür sorgen, das Anpassungsfähigkeit entsteht. Das man Leidensfähigkeit als eine der wichtigsten menschlichen Fähigkeit zu nutzen begreift. Was Menschen daher benötigen ist eine stabile Atmosphäre, mindestens in den ersten 7 Jahren.
Wer in einer Atmosphäre aufgewachsen ist, die einem wohlgesonnen erschien, der wünscht dem Nachwuchs gewöhnlich selbiges. Ob dies auch dann der Fall ist wenn man in einer negativen Atmosphäre aufgewachsen ist, geht mutmasslich mit dem späteren Charakter einher.
Doch an einer Stelle in der Geschichte muss man einen Schnitt machen. Kriege bringen immer umfangreiches Leid mit sich, was sich auch über ganze Generationenverkettungen verteilt. Der zweite Weltkrieg gilt aufgrund seiner Strahlkraft und umfangreicher menschenverachtender Durchsetzung als Auslöser ein grossen Depression. Diese Depression konnte durch den Marshallplan, wenige Jahre nach dem Krieg, der zum Weltwirtschaftswunder führte ausser Kraft gesetzt werden. Doch was im verborgenen schlummert findet irgendwann seinen Weg ans Licht, an die Öffentlichkeit. Und so gesellt sich neben den vielleicht üblichen Depressionen auch noch diejenigen hinzu, die sich durch Vererbungen einer Generationenverkettung anschließen. Nie zuvor sind so viele Depressionen bekannt wie heute!
Dennoch kann man unterstellen, das gerade die Generation um das Ende des zweiten Weltkrieges herum ihren Kindern und Enkelkindern eine bessere Welt hinterlassen wollen würden. „Klima-Großeltern“ oder „Extinction Rebellion Grandparents“ stützten diese These in einer früheren Studie auch.
Nun fügt sich dem aber eine weitere Studie hinzu, die an der Universität Trier erstellt wurde.
„Wir konnten nicht feststellen, dass die Geburt von Enkelkindern im Durchschnitt dazu führt, dass sich die Großeltern mehr um den Klimawandel sorgen“, erklärt Voorintholt zu einer Befragung aus UK Understanding Society. In dieser umfangreichen Langzeitstudie werden im Vereinigten Königreich dieselben Menschen in regelmäßigen Abständen nach gesellschaftlichen Themen befragt und machen Angaben zu ihrer Familiensituation.
So konnten die Forschenden die Zustimmung zur Aussage „Die Auswirkungen des Klimawandels liegen zu weit in der Zukunft, um mir Sorgen zu machen“ vor und nach der Geburt von Enkelkindern untersuchen. Darin zeigte sich im Durchschnitt keine relevante Steigerung in den Klimasorgen. Auch bei Anwendung anderer statistischer Methoden waren die Ergebnisse übereinstimmend.
Reicht schon die Aussicht auf Enkelkinder?
„Weitere Forschung muss noch prüfen, ob ein Meinungsumschwung vielleicht schon vor der Geburt von Enkelkindern stattfindet, wenn die eigenen Kinder z. B. erwachsen und in einer festen Beziehung sind und so die Aussicht auf Großelternschaft besteht“, blickt Voorintholt in die Zukunft.
Eine weitere Einschränkung könnte in der Formulierung des Understanding Society Fragebogens liegen, wie die Forschenden in einer früheren Studie untersucht hatten. Demnach sinkt die Zustimmung zur oben genannten Aussage signifikant, wenn sie allgemeiner als „Die Auswirkungen des Klimawandels liegen zu weit in der Zukunft, um sich Sorgen zu machen“ formuliert wird.
Aktuell, so die Forschenden, müsse man aber davon ausgehen, dass es andere Strategien brauche als Verweise auf das Wohlergehen der nächsten Generationen, um ältere Menschen für aktiven Klimaschutz zu gewinnen.
Originalpublikation:
https://doi.org/10.1016/j.euroecorev.2026.105482
Bildquelle
Gerald Pixabay
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