Springerpools im Krankenhaus: Flexible Arbeit braucht transparente Regeln


IAT-Studie liefert neue Erkenntnisse zur flexiblen Pflegearbeit. Gemeinsam mit dem Alfried Krupp Krankenhaus (AKK) Essen hat das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule untersucht, wie flexible Personaleinsatzmodelle im Krankenhaus beschäftigtenorientiert weiterentwickelt werden können. Die Ergebnisse zeigen: Für Poolbeschäftigte sind verlässliche Wunschdienstzeiten besonders wichtig, während Stationsteams transparente und nachvollziehbare Einsatzregeln erwarten. Im Projekt wurden dafür konkrete Verfahren und Instrumente zur Verbesserung der Verteilungstransparenz entwickelt.

Gelsenkirchen/Germany, 6. Oktober 2026. – Wer Ohren hat, der höre. So in etwa heisst es, wenn es darum geht Lösungen für diverse, vielleicht auch neuzeitliche Probleme zu finden. Und diese finden sich häufig auch in Branchen, die ihre Problemstrukturen an Stellen haben, die darin unterstützen von eigenen Problemen abzulenken. So in etwa wenn es um den ganz allgemeinen Fachkräftemangel in verschiedensten Branchen wie etwa dem Handwerk, dem Handel oder dem Dienstleistungssektor geht. Und oft zeigt sich in unserer heutigen Welt, die Lösung liegt meist in der Zusammenarbeit, im zusammenwirken, im Aufeinander zugehen, um vielleicht auch übergeordnete Ziele erreichen zu können. Berichte der Vergangenheit zeigen wachsend, Geld spielt zunehmend weniger die Rolle. Vielmehr sind Werte die zum eigenen, persönlichen, individuellen Wohlbefinden beitragen weitaus wertvoller geworden.

Lösungen zu finden braucht nicht immer Institutionen und Organisationen. Sondern oft die Bereitschaft einzelner sich zu finden. Dabei haben seit jeher Verbände oder Interessengemeinschaften eine grosse Rolle in der Vermittlung gespielt. Im Sektor Krankenhäuser sollen Springertools unterstützen, kurzfristige Personalausfälle aufzufangen. Und um solche Springertools mit noch mehr Wertigkeit und Attraktivität in den Arbeitsbedingungen zu bestücken sollen diese den dafür Beschäftigten Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten, wie es nur in Springertools möglich sein kann. Ein Alleinstellungsmerkmal entsteht.

Die dort Beschäftigten sind keiner festen Station zugeordnet, sondern werden je nach Bedarf in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Am AKK Essen hat das IAT im Rahmen des Projekts „Pflege:Pools – Flexibles Personalmanagement im Krankenhaus partizipativ entwickeln“ von November 2024 bis Februar 2026 untersucht, welche Anforderungen sich daraus für Beschäftigte und Stationsteams ergeben.

Arbeitszeitautonomie ist ein zentraler Anreiz

Bei den befragten Poolbeschäftigten spielen vor allem verlässliche Dienstpläne, Wunscharbeitszeiten und die Vereinbarkeit mit privaten Verpflichtungen eine wichtige Rolle. Hinzu kommen das Interesse an wechselnden Einsatzbereichen, die Erweiterung der eigenen Kompetenzen und die Möglichkeit, unabhängig von einem festen Stationsteam zu arbeiten. Finanzielle Anreize wie eine höhere Eingruppierung oder Zulagen wurden dagegen weniger stark gewichtet.

„Für die Beschäftigten geht es nicht nur um Flexibilität an sich, sondern um verlässliche Gestaltungsspielräume. Wer seine Arbeitszeit besser mit dem eigenen Leben vereinbaren kann, erlebt den Springerpool als attraktives Arbeitsmodell“, sagt Denise Becka, Wissenschaftlerin im Forschungsschwerpunkt Arbeit & Wandel des IAT.

Die Untersuchung des IAT zeigt zugleich die andere Seite dieser Flexibilität. Wenn Poolbeschäftigte durch Wunschdienstpläne nur eingeschränkt verfügbar sind, müssen Beschäftigte auf den Stationen Personalausfälle teilweise selbst kompensieren. In der Befragung wurde insbesondere die Verteilungsgerechtigkeit zwischen Stationen und Standorten kritisch beurteilt. Auch die Einarbeitung von Poolbeschäftigten kann für Stationsteams zusätzlichen Aufwand bedeuten.

Transparenz bei der Personalverteilung

Im Projekt rückte deshalb die Frage in den Mittelpunkt, nach welchen Regeln Poolbeschäftigte auf Stationen verteilt werden und wie diese Entscheidungen für Beschäftigte nachvollziehbarer werden können. Gemeinsam mit Pflegedirektion, Betriebsrat und Mitarbeitendenvertretung, Führungskräften sowie Beschäftigten wurden an den beiden Standorten des AKK unterschiedliche Lösungen entwickelt.

In Essen-Steele entstand ein Kaskadenmodell, in Essen-Rüttenscheid ein Prozessmodell zur Darstellung der Verteilungswege. Ergänzt wurde dies durch eine Informationsmappe mit Eckdaten zum Springerpool und einer regelmäßig aktualisierten Ausleihstatistik. Sie macht sichtbar, auf welche Stationen Poolbeschäftigte eingesetzt werden und wie Personal zwischen Stationen ausgeliehen wird. Die Übersicht soll quartalsweise aktualisiert und zusätzlich in Teambesprechungen aufgegriffen werden.

Michaela Evans-Borchers, Direktorin des Forschungsschwerpunktes Arbeit & Wandel, erklärt, worauf es ankommt: „Springerpools können Beschäftigte entlasten und gleichzeitig neue Gerechtigkeitsfragen aufwerfen. Entscheidend ist deshalb, dass Verteilungsentscheidungen transparent sind und Beschäftigte nachvollziehen können, wie sie zustande kommen.“

Interviews und Befragung am Alfried Krupp Krankenhaus

Grundlage der Untersuchung ist eine betriebliche Fallstudie. Das IAT führte zunächst zwölf leitfadengestützte Interviews mit Pool- und Stationsleitungen, Mitgliedern der betrieblichen Interessenvertretungen und der Pflegedirektion. Darauf aufbauend folgte im Sommer 2025 eine schriftliche Beschäftigtenbefragung. Insgesamt nahmen 58 Personen teil, darunter 15 Springerinnen und Springer sowie 43 Stationsbeschäftigte. Die Ergebnisse wurden anschließend in einer Steuerungsgruppe und in standortspezifischen Arbeitsgruppen weiterbearbeitet.

Die Befunde machen deutlich, dass Springerpool-Modelle keine Standardlösung sind, die sich unverändert auf andere Krankenhäuser übertragen lässt. Organisationsstrukturen, Arbeitskultur und die Interessen unterschiedlicher Beschäftigtengruppen müssen bei ihrer Gestaltung berücksichtigt werden. Der am AKK erprobte Ansatz zeigt, wie bereits bestehende Modelle gemeinsam mit Beschäftigten und Interessenvertretungen weiterentwickelt werden können.

Springerpools gewinnen an Bedeutung

Krankenhäuser nutzen Springerpools, um kurzfristige Personalausfälle abzufedern, den Rückgriff auf kostenintensive Leiharbeit zu verringern und Personal zu gewinnen und zu binden. Die Beschäftigten sind beim Krankenhaus selbst angestellt, arbeiten aber nicht dauerhaft auf einer festen Station. Springerpool-Modelle können von einer sozialpartnerschaftlichen Zusammenarbeit profitieren, um einerseits attraktive Modelle für Beschäftigte zu entwickeln, und andererseits Herausforderungen in der praktischen Umsetzung frühzeitig zu erkennen und zu bearbeiten.

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Pflegepersonalmangels und der Veränderungen in der Krankenhauslandschaft dürfte die Gestaltung solcher flexiblen Personaleinsatzmodelle weiter an Bedeutung gewinnen. Aktuelle gesundheitspolitische Reformen sollten auch berücksichtigen, welche Auswirkungen diese auf die (finanziellen) Spielräume der Kliniken zur Umsetzung von Springerpool-Modellen haben können.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Forschungsförderung Working Paper Nr. 422 der Hans-Böckler-Stiftung erschienen. „Springerpools im Krankenhaus – Betriebliche Flexibilisierung von Pflegearbeit als Handlungsarena organisationaler Gerechtigkeit“ wurde von Denise Becka, Christoph Bräutigam und Michaela Evans-Borchers verfasst. Das zugrunde liegende Projekt „Pflege:Pools – Flexibles Personalmanagement im Krankenhaus partizipativ entwickeln“ lief von November 2024 bis Februar 2026 und wurde in der Förderlinie „Transformation“ der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.

Die Publikation ist kostenlos als Download verfügbar unter: https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009475

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