Forschende des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) haben untersucht, wie Konflikte um die Nutzung von Flächen in Interviews mit Expertinnen und Experten und in der lokalen Presse dargestellt werden. Die Studie wurde im „Journal of Environmental Planning and Management“ veröffentlicht. Das Ergebnis: Expertinnen und Experten sowie lokale Zeitungen berichten teilweise über völlig unterschiedliche Konflikte – obwohl es um dieselbe Region geht.
Müncheberg/Germany, 30. Oktober 2026. – Wie sich Demokratie allmählich in der Gesellschaft transformiert, zeigt sich in einer jüngsten Studie zur Berichterstattung über Konfliktherde, die sich auf die Flächennutzung in Region und Gemeinden beziehen, bzw. diese zeigen.
Sensationsmeldungen wirken, als könne man Menschen beleben, die im Alltagstrott ihren Seelenfrieden gefunden haben. Oder wie Karl Marx vom Opium des Volkes sprach, im Zusammenhang mit der angeblichen Illusion durch Religion. Die Stimulation, einen höheren Sinn hinter so vielem erkennen zu können. In der Tat sind die Dinge in der Welt so ausgelegt, dass man auf Sensationsmeldungen entsprechend impulsiv reagiert, reagieren kann. Dabei bietet Presse neben Aufklärung vor allem auch die Chance, Zusammenhänge zu verdeutlichen. Gerade dort, wo diese unübersichtlich erscheinen.
Was bspw. die Wirkung von Politik auf menschliches Alltagsleben bedeutet und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, müsste man sich als Individuum erarbeiten. Während Politik des Öfteren die internen Debatten gerne in der Öffentlichkeit diskutiert und sich dadurch zur Schau stellt. Nur zum Zeitpunkt von Wahlwerbung steht dann im Mittelpunkt, „Die Ziele für Bürgerinnen und Bürger“.
Das Motiv von Politik ist Gesetzgebung, ihr Ziel Macht. Der politische Körper oder Apparat ist in seinen Grundfesten so angelegt, das man daraus eine Debattenstruktur erkennen kann, so wie man im Alltag diskutiert. Vielleicht nur etwas professioneller. Erkennen könnte, sofern sie nicht von sich ablenkt oder sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Also Demokratisch. Im Plenum werden verschiedene Meinungen diskutiert bis es unter verschiedenen Schritten dann zu einer Einigung kommen müsste. Und was im grossen Massstab gilt, das gilt auch im kleinen. Man sollte aus den Diskussionen der Politik ablesen können wie man das Alltagsleben bestreitet. Doch das funktioniert offensichtlich nicht!
Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und Medien haben die Aufgabe, die Pflicht, Bürgerinnen und Bürger zu informieren. Was in der Politik passiert, steht aber auch im Zusammenhang mit den Konfliktherden in der Welt, als auch mit den Dingen, die vor Ort, im Alltagsleben, passieren. Das Leibniz-Institut für Agrarlandforschung hat exemplarisch die Region Cottbus in Brandenburg dazu untersucht, wie unterschiedlich die Darstellung von Konfliktherden in der öffentlichen Diskussion aufbereitet wird und wie diese dargestellt werden
Dr. Meike Fienitz vom ZALF erklärt dazu: „Expertinnen und Experten konzentrieren sich auf grosse, regionale Herausforderungen wie den Strukturwandel nach dem Kohleausstieg. Die lokale Presse hingegen berichtet über das, was Menschen im Alltag betrifft – etwa eine fehlende Bushaltestelle oder einen Streit um einen Spielplatz. Die Ergebnisse zeigen, wie stark das Bild der Konflikte davon abhängt, welche Informationsquellen man heranzieht.“
Die Studie hebt das Problem hervor, dass politische Debatten sich aus dem Alltagsleben zu sehr entfremden. Es fehlt der Bezug auf die lokalen Sachthemen und Alltagsprobleme. Aufzuzeigen, was in welchem Zusammenhang steht. Hinzu kommt: Bei längerfristigen Themen, die ausgehandelt werden müssen, handelt es sich oft auch um Themen, die einen grösseren Zeitbogen umspannen. Auch hier benötigt es den Bezug auf zeitliche Perspektiven. Reformvorhaben bspw. benötigen eine mittel- bis langfristige Auseinandersetzung. Kann diese aber erfolgreich zu Ende gebracht werden, verändert sich in aller Regel die nachfolgende Zeit zum Teil fundamental. Probleme regional, im Alltagsleben verschwinden, neue entstehen an anderer Stelle.
In der Diskussion, so zeigt es die Studie, fehlt die Brücke zum Bezug zwischen der grösseren Diskussion und ihrer Wirkung, Umsetzung auf die Konflikte mit dem unmittelbaren lokalen Bezug und Einfluss.
Dabei spielt der Blick auf die Gesellschaft die massgebliche Rolle. Menschen nähren sich zwar von Besonderheiten im Alltag. Doch sind Bürgerinnen und Bürger nicht so stiefmütterlich wie das oft dargestellt wird. Wenn man jemanden einen Zusammenhang anschaulich darstellen kann, dann bewirkt auch das eine Bewusstseinserweiterung und hat noch nicht viel mit Intelligenz zu tun, die dem „mündigen“ Bürger gerne abgesprochen wird. Menschen wollen verstehen was in der Welt passiert. Aus dieser Position heraus, das jeder die gleiche Chance hat, Informationen als Bewertungsgrundlage ihrer eigenen Entscheidungen werden lassen, ist ein Fundament für eine Gesellschaft, die der Gerechtigkeit entgegenstreben kann und will. Das Streben nach Gerechtigkeit ist der Wunsch und Willen nach Freiheit gleichgesetzt. Jede Frage des Alltagslebens ist auch eine Frage darüber was als Gerecht gilt und was nicht.
Konkret zeigen die Forschenden: Während Expertinnen und Experten etwa über die Konkurrenz zwischen Solarparks und landwirtschaftlichen Flächen diskutieren, drehen sich lokale Debatten vielleicht um Radwege oder einen Supermarkt. Beides sind echte Konflikte – nur werden sie in unterschiedlichen Zusammenhängen diskutiert.
Das Forschungsteam um Meike Fienitz, Annelie Gütte und Rosemarie Siebert hat in der besagten Region 162 einzelne Konflikte um die Nutzung von Flächen identifiziert. Die ergab 12 verschiedene Themenbereiche – von Solarparks und Windkraftanlagen über Verkehrswege bis hin zu Spielplätzen und Parkplätzen.
Dafür kombinierten die Forschenden zwei Methoden: Sie führten 33 Interviews mit Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Politik und Verbänden. Zusätzlich analysierten sie 91 Artikel aus der regionalen Tagespresse. Das überraschende Ergebnis: Nur fünf Konflikte tauchten in beiden Quellen auf. Die übrigen 157 wurden jeweils nur von einer der beiden Seiten erwähnt.
Insgesamt waren die häufigsten Konfliktgründe nach den Ergebnissen der Forschenden die Beeinträchtigung der Lebensqualität (44 Fälle), negative Auswirkungen auf Natur und Klima (40 Fälle) sowie die Konkurrenz um verfügbare Flächen (34 Fälle). Auch die Verteilung von Kosten und Nutzen spielte bei 30 Konflikten eine Rolle.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Für die Praxis heißt das, dass Planungsbehörden unterschiedliche Perspektiven und Quellen einbeziehen sollten, um ein möglichst breites Bild der Konfliktlandschaft zu erhalten.
Für die weitere Forschung empfehlen die Forschenden, künftig zusätzliche Methoden zu testen – etwa die Auswertung sozialer Medien und von Gerichtsunterlagen oder groß angelegte Bevölkerungsbefragungen. Dies könnte helfen, noch mehr Konflikte frühzeitig zu erkennen, bevor sie eskalieren.
Die Studie hat jedoch auch Grenzen: Da es sich um eine qualitative Untersuchung handelt, sind die genannten Zahlen nicht als vollständige Erfassung aller Konflikte zu verstehen. Auch lässt sich aus der Medienberichterstattung allein nicht ableiten, welche Konflikte die Bevölkerung insgesamt besonders beschäftigen oder wie Anwohnerinnen und Anwohner diese bewerten.
Die Region um Cottbus eignet sich besonders für solche Untersuchungen, da sie gerade einen großen Strukturwandel durchläuft. Der Kohleausstieg und die damit verbundene Umgestaltung der Landschaft werfen viele neue Fragen zur Flächennutzung auf. Ähnliche Muster erwarten die Forschenden jedoch auch in anderen städtisch-ländlichen Regionen in Deutschland.
Fienitz, M., Gütte, A. & Siebert, R. (2026). Mapping the urban-rural conflict landscape: complementary insights from experts and print media in Cottbus, Germany. Journal of Environmental Planning and Management. DOI: https://doi.org/10.1080/09640568.2026.2716181, veröffentlicht unter der Lizenz CC BY 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.
Die Ursprüngliche Pressemitteilung wurde über die ZALF mittels Unterstützung von KI erstellt. Dabei wurden die KI-Regelungen unter den Gesichtspunkten der ZALF (Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Leibniz-Institut) sorgfältig überprüft und überarbeitet.
Originalpublikation:
https://doi.org/10.1080/09640568.2026.2716181
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