Wie Plattformen die Stadt verändern


Weizenbaum-Institut lädt zur Keynote „The City and the Platform“ am 30. September an der TU Berlin ein. Digitalisierung erweitert menschliche Fähigkeit. An keinem anderen Ort als in Städten findet eine so hohe konzentrierte Informationsdichte für die Masse statt und vollzieht solchermassen Verhaltenstransformationen.

Berlin/Germany, 25. September 2026. – Durch Digitalisierung gewinnen Städte an Raum und Information. Wie jedes bisherige andere Werkzeug auch, das eine Erweiterung des Handlungsspielraums für Menschen wurde, ist auch die Digitalisierung eine Möglichkeit, Fähigkeiten und Eigenschaften von Menschen zu erweitern. Aus heutiger Perspektive mag Digitalisierung wie eine Fremdkörper wirken. Doch sie vervollkommnet Menschen und sie bietet Möglichkeiten die aktuell vielleicht noch absurd erscheinen. Eine digitale Welt ermöglicht an Ort und Stelle Informationen wahrzunehmen wo heute nur Gegenstände in Form von Repräsentationen sind.

An keinem anderen Platz als in der Dichte der Städte kann Information so vielfältig sein. Das Argument, Information würde überlasten, ist für eine moderne Zeit insofern nicht zutreffend, weil Menschen die für sich relevanten Informationen aus einem reichhaltigen Angebot aussuchen müssen. Nicht alles was angeboten wird ist gut für mich. Aber eine Menge und Masse an Informationen macht es einfacher, das für sich und sein Wachstum relevante heraus zu filtern. Wenn Informationen einmal so viele werden und das Angebot so reichhaltig, wächst damit auch die Erkenntnis über die Vorteile praktizierenden Verzichts. Verzicht, oder besser beschrieben als Selektion ist eine Fähigkeit des Gehirns die heute nur in Teilen Anwendung findet. Die Wahrnehmungsfähigkeit verändert sich und transformiert Gesellschaft in fein bzw. kleiner strukturierte Gruppen.

Der Hippocampus im Gehirn des Menschen steht in engem Zusammenhang mit Wahrnehmung und Lernen. Er ist eine Verbindungsstelle zwischen Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis. Das bedeutet, Vorgänge die sich permanent wiederholen werden gelernt und strukturiert. In Städten ist das Ordnungs- und Orientierungssystem unter Belastung angesprochen. Hier fließen Sinneseindrücke zusammen. Wächst die Informationsvielfalt und mit ihr die Schnelllebigkeit, geht aus den Städten eine Veränderung hervor, die wie Fahrzeuge über die Strassen die Veränderung in die Welt, in die Dörfer und das Landleben nach aussen trägt. Nirgendwo anders entsteht durch die Struktur der Städte eine Umformung menschlicher Verhaltensaspekte.

Wie Menschen mittels Digitalisierung Orte wahrnehmen und sich mit dem Umfeld austauschen, damit beschäftigt sich „The City and the Platform“ an der TU Berlin am 30. September. Der Stadtgeograf Professor Justus Uitermark von der Universität Amsterdam und die Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Daniela Stoltenberg vom Weizenbaum-Institut diskutieren, wie digitale Plattformen städtisches Leben verändern – und wie Städte und ihre BewohnerInnen darauf reagieren.

Justus Uitermark stellt in seinem Beitrag „Will Cities Survive Platforms?“ das Konzept des „Plattform-Urbanismus“ infrage. Städte und digitale Plattformen seien grundverschiedene komplexe Systeme, die strukturell in Spannung zueinander stehen. Anhand von TikTok, Google Maps und Instagram zeigt Uitermark, wie Plattformlogiken urbane Orte und Netzwerke verändern und unter Druck setzen. Zugleich geht er der Frage nach, wie Städte und ihre BewohnerInnen damit umgehen – etwa durch kollektiven Widerstand oder alltägliche Praktiken, mit denen sie sich den Vorgaben der Plattformen entziehen.

Daniela Stoltenberg forscht an der DFG-geförderten Nachwuchsgruppe „Local Digital Public Spheres“ des Weizenbaum-Instituts zu lokaler politischer Kommunikation in sozialen Medien. Sie untersucht unter anderem Wohnraum-Diskurse, Formen des digitalen Aktivismus und Auseinandersetzungen um politisch umkämpfte Orte. Im Zentrum steht das Konzept der „Platform Affordances“: die Frage, wie technische Möglichkeiten digitaler Plattformen und die Praktiken ihrer NutzerInnen zusammenwirken und die Bedeutung digitaler Medien für das lokale Zusammenleben beeinflussen.



The City and the Platform – Keynote im Dialog
Wann: 30. September 2026, 17:00–18:30 Uhr
Wo: TU Berlin, Fraunhoferstraße 33–36, 10587 Berlin, Raum FH 804
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt und ist öffentlich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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