Ein Status Quo der Selbstverwirklichung


Ein herausragendes Merkmal von Selbstverwirklichung ist der Gemeinschaftsgedanke! Die Zeit in der wir leben lässt aufgrund ihres Wohlstandes darauf schließen, das Selbstverwirklichung nicht nur für viele zugänglich ist oder wird, sondern das auch ein Grossteil der Menschen dies umsetzen kann. Was macht selbstverwirklichte Menschen aus? Woran könnte man sie erkennen. Ein Aspekt der zeigt das diese Entwicklung noch vor uns steht, wird durch 10 Jahre Brexit ins Rampenlicht gestellt. 10 Jahre nach dem Brexit zeigen sich die Nachteile für die Generation die aktuell in das Geschäftsleben eintaucht. Menschen, die schon damals zur Zeiten der Wahl nicht mehr gearbeitet haben, haben für sich entschieden, ohne die Berücksichtigung späterer Generationen. Wie sind diese Verhältnisse zu deuten, angesichts hochindustrialisierter Gesellschaftlicher Entwicklungen?

Neben einigen anderen Merkmalen sticht bei selbst verwirklichten Menschen der Kollektivgedanke hervor. Sie alle eint, sich für die Gesellschaft einbringen zu wollen. Selbstverwirklichte Menschen haben, so beschreibt es Abraham Maslow, in ihrem Wesen im Allgemeinen ein tiefes Gefühl für Identifikation, Sympathie und Zuneigung für Gesellschaft, für Menschen. Und das oft trotz allem gelegentlichen Ärger, Ungeduld oder Ekel. Es ist, als fühlten sich selbst verwirklichte Menschen alle als Mitglieder derselben Familie. Sie hegen den wahrhaftigen Wunsch, der menschlichen Rasse helfen zu wollen. Gewöhnlich ist das nicht auf ein Helfersyndrom zurückzuführen, d.h., punktuell dort zu helfen, worin man selbst betroffen und zu leiden hat. Sondern, auf Altruismus. Ein psychologisches Ordnungssystem, das sein Motiv in der Wechselwirkung, Reziprozität hat. Ich helfe dir, weil ich mir sicher bin, dass auch mir jemand (drittes) helfen wird, wenn mir etwas unzugänglich erscheint. Altruismus wird erworben und benötigt ein ständiges Arbeiten an sich selbst. Wo Altruismus vielleicht noch relativ einfach zu erwerben sei, beschreibt Maslow, die Arbeit eines Menschen an sich selbst gehört zu den härtesten Dingen die man im Leben tun kann. 

Nun würde man annehmen in einer hochindustrialisierten Welt, bei der jedes biologische oder psychologische Defizit zu beheben sei, und ein Alltag davon beschaffen sei, fehlendes ohne größeren Aufwand beschaffen zu können, das ein Status Quo von Selbstverwirklichung einer breiten Masse von Menschen zugänglich ist. Man würde dies in etwas so beschreiben, dass ein volkswirtschaftliches Kollektiv einen Status im Wohlstand erlebt hat, der eine grosse Anzahl von Menschen in einem Bedürfnisstadium fixiert, bis die nächste Herausforderung ansteht und jeder Mensch sich erneut in das nächste Level kämpfen muss. Zu Verdeutlichung, dem stehen Staaten gegenüber, die bei der Nahrungsbeschaffung oder Beschaffung von Kleidung, oder Dach über dem Kopf, psychologisch, moralisch stehen bleiben. Weil es ihnen nicht möglich ist, die Ernte ihrer eigenen Früchte einzunehmen und auf diese Weise einem Hungerdefizit zu entgehen. Bekannt sind die Folgen, solche Staaten sind erhöht kriminell, wer Hunger hat, riskiert sein Leben. Wer politisch verfolgt wird, riskiert sein Leben für Schutz und Sicherheit. Staaten geben daher an, sich von diesen Problemen lösen zu wollen. Die Verhaltensweisen sind klar. Die Medien berichten täglich. 

GrundbedürfnisseGüterkategorieBeispiel
SelbstverwirklichungHedonistische GüterKunst, Philosophie
Soziale AnerkennungPrestigegüterMarkenprodukte, Auszeichnungen
Soziale BeziehungInteraktionsgüterVereinsmitglied
SicherheitsbedürfnisseSicherheitsgüterRente, Versicherung
Biologische & Psychologische BedürfnisseExistenzielle GüterGrundnahrung, Kleidung

Quelle
Schnellhammer, Stephan; Marketingforschung im Luxussegment, Mechanismen, Märkte und Methoden, 2007

Heute sind wir, das kommt nun auch durch die Künstliche Intelligenz und den Problemlösungsgedanken zu Vorschein, so aufgestellt, dass es für jedes Problem einen Markt anbietenden gibt, der dieses Problem zu lösen weis. Denken wir nur an Start-ups, die teils einfache, aber brillante Ideen aufweisen. Man könnte also sagen, jedes menschliche Bedürfnis, jedes noch so kleine menschliche Problem kann gelöst werden.

Da der Mensch aber nur an Herausforderungen wachsen kann, wird schnell klar, offensichtlich stehen mit den bislang bekannten Problemen Bedürfnisbefriedigungen an, die ein höheres Maß an kognitiven Leistungen erfordern. Für die These kann man sogar Vorausstellen, im Zentrum zukünftigen Problembewältigens wird eines wohl sicher sein, dass Menschen nur noch gemeinsam Probleme lösen können. Und dass dies wohl die Wahrheit sein müsste (d.h., Auswirkungen in die sichtbare, sinlich, greifbare Welt kommen), das sieht man im „Angriff“ derer, die Versuchen zu spalten. Derer  versuchen, die Demokratie zu untergraben, zu unterwandern. Die nächste Stufe der vor uns liegenden Zeit provoziert geradezu den Status Quo heraus, sich selbst zu verwirklichen. Dass dies, auch wenn nicht persönlich gewünscht, nicht zu verhindern sein wird, das zeigt sich anschaulich bei einer kürzlichen Reportage über 10 Jahre Brexit.

10 Jahre nach dem Brexit erwägen die Britinnen und Briten eine Rückkehr in die EU. Der Jungunternehmer bringt es auf den Punkt. Als er aufgrund seiner Mündigkeit noch nicht zur Wahl gehen konnte, haben Menschen für ihn die Zukunft entschieden, die einzig den Blick auf ihr eigenes „Hier-und-Jetzt“ hatten. Menschen, die bereits aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Sie haben das Schicksal der nächsten Generation und derer danach bereits besiegelt!

Bedeutung für die nächste Generation, Arte Journal 23.06.2026

Und es gibt auch Autoren, die so ziemlich dasselbe ausdrücken, aber keiner so gut und speziell wie der renommierte traditionelle Ulmer Gehirnforscher, Philosoph und Psychologe Dr. Manfred Spitzer. „Wir sind intern so engmaschig vernetzt, dass wir mehr darum kämpfen müssten, aus uns herauszuwandeln, als uns nur mit uns selbst zu beschäftigen“, so sinngemäß in einem seiner mehreren Werke „Selbstbestimmt“. Was unsere Kultur, unsere christlichen Werte erwarten und verlangen, auch wenn man sie verleugnen würde, ist genau das, was Sigmund Freud „In fragen der Gesellschaft…“ als Doppelmoral bezeichnet hatte.

Denn das Bedürfnis, sich mit anderen zu verbinden, sich zu vernetzen, ist schon biologischer Natur. Was also entzweit Menschen derart, dass man selbst den eigenen Kindern den Boden unter den Füßen wegzuziehen bereit sein kann, wie es der Brexit deutlich macht?
Generationengerechtigkeit bedeutet, die Welt mindestens so zu hinterlassen, wie man sie vorgefunden hat. Generationenkonflikt entsteht daraus, Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts völlig undifferenziert und unberücksichtigt gleichwertig zu betrachten. Diese Unfähigkeit geht tatsächlich neben einem Mangel an Wissen vor allem auf die von Freud benannten Gefühlserbschaften zurück. Meist torpediert durch Trauma, Kriegstrauma! 

Erich Fromm sagt, die Lösung dazu, sich im täglichen Objektivismus zu üben, hilft, sich vom dauerhaften Gedanken des „Ich“ zu lösen. Doch Spitzer fügt dem noch einen wesentlichen Satz hinzu. Wer sich verändert, riskiert seine Identität und das ist es, was Menschen Angst und Sorge macht.

Grund genug also, wenn Zeiten unübersichtlich und herausfordernd zu werden scheinen, dann zieht man sich zurück und schaut, dass es einem selbst gut geht. In Zeiten von Krisen und Kriegen rettet jeder seine eigene Haut. Das allerdings gilt nur für einen Teil der Menschen. Die anderen, zumindest die an der Front, auch das zeigen die Medien bestätigend, wissen, sie überleben diesen Kampf nur, wenn sie zusammen helfen.

Die fehlende Selbstverwirklichung beim Brexit zeigt oder macht deutlich, dass der Sinn für Objektivität keinesfalls vorhanden gewesen sein konnte. Die vorherrschende Generation hatte ausschließlich das eigene Wohl und die eigenen Vorteile im Brennpunkt. Also auch dann, wenn es die eigenen Kinder sind.

Die eigentliche Opfergabe selbst verwirklichter Menschen ist die, was man für zu persönlich, zu intim hält, nach außen zu tragen. Wenn Menschen etwas verbindet, dann sich mit einem Schicksal zu identifizieren oder zu distanzieren.

Bei Gedanken an selbstverwirklichten Menschen muss man sich vom Gedanken lösen, es seien nur hochrangige, reiche, besonders begabte, oder andere Weise hervorstechende Menschen. Dazu muss man noch nicht einmal eine Führungspersönlichkeit sein. Erik Erikson hat einmal beschrieben, das Organwachstum verlangt eine so genau und akribische Ordnung im Wachstum, das es von Natur aus nicht gewünscht sein kann das Menschen perfekt zur Welt kommen und aufwachsen. Vielmehr muss es umgekehrt der Fall sein. Im unfertigen, unperfekten und fehlerhaften steckt das gesamte Potenzial was den Menschen ausmacht und was es zu entwickeln, zu exponieren gilt! Ein gewisses Maß an Perfektionismus sei Menschen vorbehalten deren Job entsprechendes erforderlich macht!

Sich selbst zu verwirklichen ist ein menschliches Ziel, von dem einzig der Charakter übrig bleibt. Jede Opfergabe, etwas Intimes, etwas, das man nicht der Öffentlichkeit preisgeben möchte, das wird geopfert. Dieses unfreiwillige Opfer, das in der Regel mit tiefer Scham einhergeht, bildet den eigentlichen Zugang in die Selbstverwirklichung. Man trägt nicht nur seinen persönlichen Dreck, seine Unzulänglichkeit nach aussen. Vielmehr wird bis in mehrere Generationen nach Kriegen versucht zu vertuschen, was zu vertuschen möglich wird und ist. Oft ist ein Drang nach aussergewöhnlicher Ordnung und übermässiges Putzen Ausdruck solcher Neurosen. 

Über einen Menschen, den man nur über öffentliche Medien wie TV kennt, oder auf einer Bühne gesehen hat, oder anders wo in der Öffentlichkeit, von dem kann man genauso behaupten wie vom kleinen Mann, der kleinen Frau, sie sei in ihrer Art so oder so. Diese Meinung ist Subjektiv. Kann man aber einen Charakter beim Namen nennen, der allgemeinverbindlich ist, dann deshalb, weil ein selbstverwirklichter Mensch einen Charakter ausgebildet hat. Bestenfalls natürlich mehrere. Das Ausbilden ist die Sprosse der Leiter auf dem Weg an die Spitze der nach Maslow erforschten Bedürfnispyramide. Ein Charakter, der in der Ausbildung steht, dessen Gedanken zweifeln, wachsen, zwischen zweien maximalen Schwankend, löst sich dann in einer Ebene von Bedürfnissen auf, die durchlebt wurden. Am Ende steht ein fertiger Charakter, der diesen Menschen auszeichnet und Teil eines Kollektivs von Menschen, die ebenfalls über diesen Charakter verfügen. Im gemeinsamen Wirken unter diesen Menschen weis man, man kann sich auf diese Menschen verlassen, weil sie diese Charaktereigenschaft aufweisen und nicht mehr verlieren werden. Sie sind darin konsequent. Durch dieses Herausbilden wird man Teil der Gesellschaft und ist um dieses Maß angepasst. Dieser Charakter geht nach dem körperlichen Ableben über in eine nächste Generation, der Nährboden unserer Gesellschaft. Menschen, die um etwas gekämpft haben bieten der nächsten Generation darauf aufzubauen. 

Die Intimität, die im Sinne einer Selbstverwirklichung nach außen getragen werden soll, ist der Grund, warum es so schwer ist, diesen Status zu erreichen. Es liegt nahe, zu versuchen, die Gesellschaft zu täuschen, um dieser Prozedur der Selbstverwirklichung zu entgehen. Niemand möchte vor den eigenen moralischen Dogmatismen, Maßstäben gesellschaftlich schlecht da stehen, was immer auch die Gesellschaft wirklich denkt. Schon hier offenbart man sich, geht man nach den Regeln der Kommunikationstheorie nach Fritz von Thun. 

Gegenwärtig sind politisch engagierte Menschen an der Macht, von denen man behaupten kann, sie manipulieren diese Haltung. Denn in der Vergangenheit gab es auch Menschen, die ganz andere Haltungen an den Tag legten. Wie bereits oben beschrieben, ein weiteres und auch essenzielles Merkmal ist, dass man andere Generationen, die vor einem liegen, als auch die, die nach einem kommen, mit einbezieht in gesellschaftliche Entwicklungen, Transformationen.

Menschen die ihren Horizont ausschließlich auf ihre Generation gerichtet haben, können sich perse nicht selbstverwirklichen. Interessanterweise hat Maslow offensichtlich seinem Tod nahend die Selbstverwirklichung um einen Aspekt erweitert. Nämlich dem der Transzendenz. Der größte Streitfall zwischen ihm und der Frankfurter Schule, Institut für Soziologie, aber eigentlich vielmehr zu Sigmund Freud, war der, unterschiedlicher Meinung über die Motive zu sein. Maslow war der Auffassung das Motive ohne Vererbung entstehen. Sigmund Freud ist für die Theorie der Gefühlsvererbungen, im Fachjargoung Transgenerationale Übertragungen genannt bekannt. Und letztere bekommen durch die Künstliche Intelligenz eine neue Dimension.

Wenn Menschen nur in ihren Generationen denken, ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit oder ohne zu berücksichtigen wie und woher Dinge entstanden sind, dann beweist das lediglich die Notwendigkeit eines Heldentums. Denn dieser grundsätzliche Charakter ist das Wesen fortschrittlichen Wirkens, auf das Menschen angewiesen sind.

Quellen

Narzissmus in Familien ist überwiegend genetisch bedingt, 2026
http://de.gate-communications.com/narzissmus-in-familien-ist-ueberwiegend-genetisch-bedingt/

Altruismus und Compliance – was dem Überleben dient, 2025
http://de.gate-communications.com/altruismus-und-compliance-was-dem-ueberleben-dient/

Bedeutung für die nächste Generation, Arte Journal 23.06.2026
https://youtu.be/vSNuF8qgfGA?si=bRf9e9FKuMg2AP_m

Freud, Sigmund; Studienausgabe, Fragen der Gesellschaft, Ursprünge der Religion, Band 10, 1. Auflage 1974; S. Fischer Verlag

Spitzer, Manfred; Lernen – Gehirnforschung und Schule des Lebens; Heidelberg, Spektrum Verlag 2002

Spitzer, Manfred; Selbstbestimmen – Gehirnforschung und die Frage, was sollen wir tun? Spektrum Verlag Heidelberg; 1. Auflage 2004;

Fromm, Erich; Die Kunst des Liebens, Verlagsgruppe Random House GmbH, München, 2020, Titel der englischen Ausgabe, „The Art of Loving“ 1956

Erikson, Erik, H.; Identität und Lebenszyklus; 1. Auflage 1973; Suhrkamp Taschenbuchverlag

Maslow, Abraham, H.; A Theory of Human Motivation; BN Publishing, 2015;

Maslow, H. Abraham; Motivation und Persönlichkeit, Deutsch von Paul Kruntorad, Originalausgabe „Motivation and Personality“ by Harper and Row Publishers New York, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 15. Auflage 2018

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