Synchronisation als sozialer Klebstoff für Gemeinschaften
Wien/Austria, 5. November 2025. – Medien und Nachrichtenberichte zeigen häufig Situationen die für Menschen trennen wirken. Doch jedes Schicksal fügt Menschen im Kern zusammen und so gehen Generation für Generation Wandel durch die gesellschaftlichen Bindungskräfte. Eine grundsätzliche Bindungskraft besteht in der vertikalen Vererbung, von Generation zu Generation. Eine weitere in der Horizontalen Vererbung. Letztere zeigt sich spätestens in Verbindung mit dem Aufkommen zu social media, wenn Menschen sich gleichen oder ähnlichen Meinungen anschließen. Z.B. durch das Teilen, und damit das Anerkennen das auch ich das vertrete was jemand von sich gegeben hat, von Inhalten oder dem Anschluss überregionaler Interessengemeinschaften. Vor allem aber kommen auch Menschen auf globaler Ebene aufgrund gemeinsamer Interessen zusammen wo zuvor noch kaum Möglichkeiten Bestanden. Das noch immer bestehende Geoblocking ist ein Beispiel das Internationalismus und Globalisierung torpediert.
Dort wo aber Menschen neu zusammen kommen, dort trennen sich andere was meist Konfliktpotenzial mit sich bringt. Engmaschige Kommunikation verbindet Menschen, während Momente die nicht kommuniziert werden zumindest Raum zur Spekulation geben oder letztlich trennend sein können.
Bevor ein Wort gesprochen wurde, entscheidet auch Sympathie oder Antipathie über die vielleicht ersten Schritte. Rein optisch betrachtet kann mir schon jemand aufgrund seiner Art sich zu kleiden positiv oder negativ auf mich wirken. Im weiteren Verlauf sind es dann vielleicht nonverbale Signale wie Verhaltensmuster, Gesichtsausdruck, Mimik oder bei näherem Hinsehen dann vielleicht auch Mikroexpression welche die einzelnen Momente zu einem späteren Gesamtbildnis heranreifen lassen. Im besten Fall aber wirkt das gemeinsame Arbeiten und Wirken darauf Bindungskräfte in Gruppen aufgebaut werden und man in einem Team zusammen wachsen kann, was mittel- bis langfristige Planungen begünstigen kann.
Nun hat ein Team von Forschenden herausgefunden das auch Synchronisation als Bindemittel von Gruppen Kräfte dominiert. Ein Team von SportwissenschafterInnen und KognitionsbiologInnen der Universität Wien zeigt in einer Studie, dass das gemeinsame Lösen einer Aufgabe die spontane Bewegungssynchronisation fördern kann. Eine solche Synchronisation fungiert als eine Art „sozialer Klebstoff“ und ist wichtig für funktionierende Gemeinschaften. Um diesem Mechanismus auf den Grund zu gehen, untersuchten die ForscherInnen, wie sich gemeinsames Arbeiten an einem Puzzle auf die Synchronisation beim Trampolinspringen auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass Paare, die gemeinsam an einem Puzzle arbeiteten, später eine höhere Synchronisation beim Trampolinspringen aufwiesen als Paare, die das Puzzle individuell lösten. Auch anfängliche Sympathie hatte einen positiven Effekt. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlicht.
Die Tatsache, dass gemeinsame Handlungen eine Verbindung zwischen Menschen herstellen, ist von zentraler Bedeutung für das Funktionieren von Gemeinschaften. Synchronisation, also die zeitliche Abstimmung von Handlungen oder Bewegungen von zwei oder mehreren Menschen, wird dabei als eine Art „sozialer Klebstoff“ betrachtet. Bisherige Forschung zeigt, dass synchrone Tätigkeiten das Gefühl von Zusammengehörigkeit, sowie das Empfinden von Ähnlichkeit und Verbundenheit stärken. ForscherInnen interessiert aber schon lange, ob auch der Umkehrschluss möglich ist: Können gemeinsame Erlebnisse unsere unbewusste Abstimmung – die Bewegungssynchronisation – mit anderen Menschen fördern? Hier setzt die aktuelle Studie an und liefert neue Erkenntnisse darüber, wie Zusammenarbeit und soziale Bindung spontane Synchronisation beeinflussen können. Mit den neuen Ergebnissen liefern die WissenschafterInnen einen wichtigen Beitrag für Alltagsbereiche wie Bildung und Therapie, aber auch für Teambuilding und die Leistungsfähigkeit etwa eines Sportteams.
Über die Studie: 68 StudienteilnehmerInnen lösten Puzzles und sprangen Trampolin
Um der Ausgangsfrage nachzugehen, kamen Puzzles und Trampoline zum Einsatz: Die ForscherInnen testeten, wie sich die Zusammenarbeit beim gemeinsamen Puzzeln auf eine spätere Bewegungssynchronisation beim Trampolinspringen auswirkt. Die Studie wurde mit insgesamt 68 TeilnehmerInnen durchgeführt, die in gleichgeschlechtliche Paare aufgeteilt wurden. Diese Paare wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeordnet. In der ersten Gruppe arbeiteten die Paare gemeinsam an einem Puzzle, während in der zweiten Gruppe die TeilnehmerInnen das Puzzle individuell lösen mussten. Nach der Puzzle-Phase sprangen die Paare auf zwei Trampolinen. Ihre Bewegungen wurden mithilfe von Beschleunigungssensoren aufgezeichnet. Zusätzlich wurden vor und nach dem Experiment Fragebögen ausgefüllt, um die Stimmung der TeilnehmerInnen sowie ihre Sympathie gegenüber der anderen Person zu erfassen.
Höhere Synchronisation nach gemeinsamem Puzzeln
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Paare, die gemeinsam an einem Puzzle gearbeitet hatten, eine signifikant höhere Synchronisation beim Trampolinspringen erreichten als Paare, die das Puzzle individuell lösten“, sagt Erstautorin Clara Scheer von der Abteilung für Sportpsychologie der Universität Wien. „Besonders bemerkenswert war, dass auch die anfängliche Sympathie zwischen den TeilnehmerInnen einen starken positiven Einfluss auf die spätere Synchronisation hatte“, so Scheer weiter. Darüber hinaus konnte die WissenschafterInnen feststellen, dass sich die Stimmung der TeilnehmerInnen verbesserte – jedoch nur bei jenen, die gemeinsam am Puzzle gearbeitet hatten.
Diese Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse darüber, wie kooperative Interaktionen nicht nur die soziale Bindung stärken, sondern auch die Fähigkeit zur spontanen Bewegungssynchronisation in anderen Aufgaben fördern können. Dies verdeutlicht die zentrale Rolle von gemeinsamen Interaktionen bei der Entwicklung von zwischenmenschlicher Synchronisation, die als essenziell für erfolgreiche Zusammenarbeit und sozialen Zusammenhalt angesehen wird.
„Die Ergebnisse unterstreichen, dass soziale Verbundenheit und Kooperation eng miteinander verwoben sind. Wenn Menschen gemeinsam handeln, stärkt das nicht nur ihr Miteinander, sondern auch ihr natürliches Gespür füreinander – eine wesentliche Grundlage für ein gelingendes Miteinander“, fasst Scheer zusammen.
Originalpublikation:
Scheer, C., Bowling, D. L., Hungerländer, N. A., Fitch, W. T., & Horn, L. (in press). Work together, move together – Cooperation and rapport promote interpersonal synchrony. In PLOS One.
DOI: 10.1371/journal.pone.0333709
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0333709
Bildquelle
Pixabay



Schreibe einen Kommentar