Eisfischer, ausgestattet mit Equipment. Copyright: Petri T. Niemelä

Was Eisangel-Wettbewerbe über menschliche Entscheidungen verraten


Ob beim Beeren sammeln, bei der Jagd oder beim Angeln – Menschen auf der Suche nach Nahrung treffen Entscheidungen nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch mit Blick auf andere. Ein internationales Team des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, dem Exzellenzcluster „Science of Intelligence” der TU Berlin und der Universität Ostfinnland in Joensuu hat in einer großangelegten Feldstudie mit finnischen EisfischerInnen untersucht, wie soziale Informationen das Verhalten bei der Nahrungssuche beeinflussen. Die Ergebnisse sind nun im Fachjournal Science erschienen.

Berlin/Germany, 29. Januar 2026. – Wie Eisfischen eine Analogie in der Verhaltensforschung zeigt. Wie schon so oft zitiert, berichtet Thomas Hobbes darüber, das Bedürfnisse die Mutter aller Erfindungen sei (Vgl. Leviathan, 2019). Man kann nicht gerade sagen das sich die Forschung über Beziehungen und soziale Bindungen erhöht hätte, sofern es keine Statistik gäbe. Doch gerade dann wenn aller Orts um den Erhalt von Demokratie gekämpft wird, so liegt es nahe das diese Frage zunehmend Raum einnimmt.

Als Abraham Maslow seine Bedürfnispyramide entwickelte, fügte er dem in „Motivation und Persönlichkeit“ hinzu, das es über die Verhaltensweise in den Wachstumsbedürfnissen, also Bedürfnissen die sich nach der Bildung als Median dem Wohlstand gewidmet sind, der Selbstverwirklichung, aber auch das Ziel verfolgen ein Lebenswerk zu erschaffen um seiner Identität gerecht zu werden, da berichtete dieser bereits davon das diese Umstände unzureichend erforscht seien. Jedoch konnte er auf eines Hinweisen.
Die Macht lässt in den Wachstumsbedürfnissen nach, was allerdings durch Beziehungsgeflechte kompensiert wird, so seine Darstellung. D.h., wenn es um Defizite geht die Menschen befriedigen müssen, Nahrung, Luft, Sexualität uw. Dann sind dies zur Erhaltung einer Existenz die mächtigsten Bedürfnisse. Dem gegenüber ist nachvollziehbar das Bedürfnisse die der Selbstverwirklichung dienen dem gegenüber ein Luxusgut wären. Hier aber berichtet Maslow eben davon, das Menschen in dieser Ebene auch stärker dazu neigen sich zu vernetzten, zu kommunizieren, sich gegenseitig zu unterstützen. Sie bilden damit den Ausgleich gegenüber den Defizitbedürfnissen, in denen Menschen tatsächlich häufiger dazu neigen sich disruptiv oder trennend zu verhalten. Das spricht ggfl. Auch für Charakterliche Schwächen oder Defizite wie bsw. Besonnen zu sein oder zu bleiben. Kein Zwietracht sähen wollend, oder auch Barmherzigkeit, Klugheit oder Trägheit. Sie sind in den Defizitbedürfnissen häufiger anzutreffen als in den Wachstumsbedürfnissen. Da nun aber jeder Mensch sich ernähren muss, Luft zum atmen benötigt und auch gerade Sexualität als mächtigstes aller Bedürfnisse, fallen auch alle Arten von Menschen in diese Kategorien.

Aus diesem Grund weisst dieser Sachverhalt daraufhin, das diese Regeln für das Wirtschaften wie dann auch für Volkswirtschaften gelten. Man kann also davon ausgehen, das jede Epoche in der sich Volkswirtschaften und deren Menschen die diese mitbilden und mitgestalten ein Durchlauf von den Defiziten hin zu den Wachstumsbedürfnissen vollzieht, und wie Maslow zuletzt erkannte, bis hinaus über die Transzendenz – Tod und Wiedergeburt – mündet. Dieser Durchlauf passiert so häufig bis gesamte Volkswirtschaften in einem gewissen Wohlstand leben, diesen erfahren. Schaut man in diese Welt, dann ist dieser Wohlstand durchaus gut erkennbar, zumal Kriege und schwere Konflikte als Gegenaktion genau das aufzeigen.

Die Nachfolgend erwähnte Studie veranschaulicht ein Defizit, das dann häufig vorkommend ist, wenn ich Not habe mir Essen beschaffen zu wollen, wenn ich Not habe saubere Luft zu atmen oder gar wenn Beziehungen zerbrechen oder zerbrochen sind. Häufig bleibt ein Schaden psychischer Natur der zu behandeln ist. Aus Schwellenländern heisst es noch heute sehr häufig, es gäbe Bestrebungen für Nahrungssicherheit zu sorgen. Ein Mensch der nichts zu Essen hat wird Erfinderisch in wegen der Nahrungsbeschaffung.
Bei diesem Defizit zeigen Menschen die Tendenz zum Verhalten sich zu verstreiten. Man schaut mehr auf das oder den anderen als auf sich selbst. Was, wie die Studie zeigt, damit verknüpft ist vor einer Menge wenige erfolgreich zu erscheinen als es für sich selbst vielleicht genügsam sein könnte oder sollte. Erfahrung lehrt dabei eben auch die Anpassung des eigenen Selbstvertrauens. Menschen die erfolgreich waren könnten dazu neigen in Krisenzeiten mehr auf sich selbst zu vertrauen als Menschen denen grundsätzlich Vertrauen und vielleicht auch Erfolgserlebnisse fehlen.

Das internationale Forscherteam nutzte GPS-Uhren und tragbare Kameras, um das Verhalten von 74 erfahrenen EisanglerInnen bei Wettkämpfen in Ostfinnland zu beobachten. Bei insgesamt 477 Angeltripsauf zehn unterschiedlichen Seen erfassten sie mehr als 16.000 Entscheidungen, an welchem Ort geangelt und wann ein Standort verlassen wird. Mit diesen hochaufgelösten Bewegungs- und Kontextdaten erstellten die Forschenden computergestützte Modelle, um die zugrundeliegenden
Entscheidungsprozesse zu verstehen.

Soziale Information als Kompass – aber nicht immer
Die Auswertung zeigt: EisanglerInnen kombinieren drei Arten von Informationen – persönliche Fangerfahrungen, Verhalten anderer Teilnehmender sowie ökologische Merkmale wie die Beschaffenheit des Seegrunds.

„Ob Menschen sich eher auf andere oder auf sich selbst verlassen, hängt zu einem gewissen Grad von ihrem eigenen Erfolg ab“, sagt Erstautor Alexander Schakowski, Postdoktorand am Forschungsbereich Adaptive Rationalität des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Wer Fische fängt, verlässt sich eher auf sein eigenes Wissen; wer erfolglos bleibt, orientiert sich stärker an anderen Angelnden.

Nach einem Fang suchen AnglerInnen verstärkt in der direkten Umgebung („area-restricted search“). In Gebieten mit hoher Teilnehmerdichte verstärkt sich dieser Effekt. Die Entscheidung, einen Platz zu verlassen, folgt meist simplen Regeln: Jemand, der schon lange keinen Fisch mehr gefangen hat, wird eher weiterziehen. Auch hier erkennt man die sinnvolle Gestaltung der möglichen Wanderung. In einem Umfeld das mir keinen Erfolg versprechen kann, oder das andere vielleicht die Erfahrung gemacht haben könnten, hier gibt es nichts zu holen, zu gewinnen, wäre menschlich. Im Gegenzug bleiben Menschen meist ein Leben lang dort wo sie Vertrautheit spüren, auch dann wenn sie das Gefühl haben eine Herausforderung kann erfolgsversprechend sein.

Unterschiede zwischen Alter und Geschlecht
Teilnehmende unterschieden sich stabil darin, wie stark sie soziale Informationen nutzen und erfolglose Bereiche meiden. Beispielsweise verließen sich Frauen stärker auf soziale Informationen als Männer, während ältere Teilnehmende länger an Orten blieben und erfolglose Gebiete weniger mieden. Fischreiche Seen veranlassten Angelnde dazu, schneller den Standort zu wechseln.

Bedeutung für Forschung und Praxis
Die Herangehensweise – hochpräzise Feldmessungen kombiniert mit simulationsbasierten Entscheidungsmodellen – bietet zudem eine Blaupause für künftige Untersuchungen menschlicher Kognition unter realen Bedingungen. „Wir wollten raus aus dem Labor. Die in der kognitiven Psychologie üblicherweise verwendeten Methoden lassen sich nur schwer auf große, reale soziale Kontexte übertragen. Deshalb haben wir uns von Studien zum kollektiven Verhalten von Tieren inspirieren lassen, bei denen routinemäßig Kameras zur automatischen Aufzeichnung des Verhaltens und GPS zur kontinuierlichen Erfassung der Bewegungsdaten großer Tiergruppen eingesetzt werden“, sagt Projektleiter Ralf Kurvers. Er ist Senior Research Scientist am Forschungsbereich Adaptive Rationalität des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und Principal Investigator am Exzellenzcluster „Science of Intelligence“ der TU Berlin.

„Unsere Ergebnisse helfen uns nicht nur, das menschliches Suchverhalten in komplexen Umgebungen zu verstehen, sondern unsere Methode könnte auch im Ressourcen- und Naturschutzmanagement getestet werden – beispielsweise um zu verstehen, wie sich ‚Hotspots‘ bilden und wie eine Übernutzung – in diesem Fall Überfischung – möglicherweise verhindert werden kann“, ergänzt Co-Autor Raine Kortet, Professor für Gewässerökologie an der Universität Ostfinnland in Joensuu.



Originalpublikation:
Schakowski, A., Deffner, D., Kortet, R., Niemelä, P. T., Kavelaars, M. M., Monk, C. T., Pykälä, M., & Kurvers, R. H. J. M. (2026). High-precision tracking of human foragers reveals adaptive social information use in the wild. Science, 391(6784), Article eady1055. https://doi.org/10.1126/science.ady1055

Weitere Informationen:
https://github.com/aschakowski/Social-Foraging Daten und Code sind frei zugänglich unter:
https://www.mpib-berlin.mpg.de/newsroom/meldung/ice-fishing Einen ausführlicheren Artikel zum Thema finden

Bildquelle
Eisfischer, ausgestattet mit Equipment. Copyright: Petri T. Niemelä


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