Untersuchung eines bronzezeitlichen Schwertes unter Messgerät

Was ein Bronzeschwert aus der Vergangenheit weis


Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) hat ein besonderes Fundstück aus der mittleren Bronzezeit nach Berlin geschickt, um es zerstörungsfrei zu untersuchen: Es handelt sich um ein mehr als 3400 Jahre altes Bronzeschwert, das 2023 im schwäbischen Nördlingen bei Grabungen zutage trat. Die Expertinnen und Experten konnten herausfinden, wie Griff und Klinge miteinander verbunden sind und wie die gut erhaltenen Verzierungen am Knauf angefertigt wurden – und sich so den Handwerkstechniken im Süddeutschland der Bronzezeit annähern. Zum Einsatz kamen verschiedene Röntgenmethoden am HZB und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) an der Berliner Röntgenquelle BESSY II.

Berlin/Germany, 12. Februar 2026. – Nördlingen im Bayrischen Schwaben Süddeutschlands dürfte um die Zeit des Fundstücks noch nicht den Namen getragen den es heute besitzt. Denn Nördlingen wurde erstmalig um ca. 900 nach Chr. urkundlich erwähnt. Bekanntheit hat das Nördlinger Ries durch einen Asteroideneinschlag, der unserer Zeit ein paar Millionen Jahre voraus ging, dessen Spuren aber nach wie vor bis heute Sichtbar sind. Spätere Bekanntheit erreichte Nördlingen als Schnittpunkt zweier nicht ganz unbedeutender Handelsstrassen von Mitteldeutschland zum Süden hin. Das man gerade hier auf ein Schwert stossen könnte ist aufgrund der Handelsrouten durchaus nachvollziehbar. Bestehende Handelsrouten weißen vor allem aber auch darauf hin, das hier bereits eine Teilweise Sesshaftigkeit bestanden haben wird. Die Sesshaftwerdung vollzog sich über mehrere Tausende Jahre und brachte auch die Entstehung sozialer Formen mit sich. Es kam zu Wechselwirkungen zwischen Nomaden und Sesshaftigkeiten aufgrund der natürlichen Ressourcen wie der Nutzung von Weideland und Wasserquellen (Vgl. Delius, Geschichte der Welt, S. 30, 2005) . Die Zucht oder Domestizierung von Tieren und Vieh sowohl für Landwirtschaft als auch zum Transport waren zu dieser Zeit, wie Erich Fromm bereits ermittelt hatte, noch eine starke symbolische Kraft und standen daher für Fruchtbarkeit und Stärke, was zur Bildung und Entstehung der Religion beitrug.

Nördlingen ist für so manches spektakuläre Fundstück bekannt, und wie das Wissenschaftsmagazin Terra x des Zweiten Deutschen Fernsehens zu berichten wusste, haben sich hier irgendwo einmal der Neandertaler und der Homo Sapiens gekreuzt, sind aufeinander getroffen. Unterschiede meist in der Intelligenz, Körperbau, bzw. Anatomie und durch den Umgang mit den Ressourcen. Der eigentliche Fund liegt schon etwas zurück. Doch die Messtechnologien fördern zutage was vor wenigen Jahren noch nicht denkbar gewesen wäre.

Nun war ein reichlich verziertes Achtkantenschwert aus der mittleren Bronzezeit zu Gast im Messlabor der Materialforschungsanstalt Berlin bei Dr. Johann-Friedrich Tolksdorf und seiner Kollegin, der Restauratorin Beate Herbold. Erste Proben geben die Gewissheit, es ist mehr als 3400 Jahre alt und einem Grab in Nördlingen entnommen. Das ein Schwert sich nicht so schnell unterkriegen lässt ist Augenscheinlich an diversen Stellen zu erkennen die noch glänzend sind. Dazu ist die Klinge noch scharf, der Knauf wie auch die Knaufplatte sind aufwendig verziert. Die beiden forschenden hatten zum Kunstschatz konkret Fragen die zu klären sein sollten.

„Wir hatten mehrere konkrete Fragen, die wir mit drei unterschiedlichen Methoden am HZB und mit Hilfe der BAM untersuchen wollten“, erklärt Dr. Johann-Friedrich Tolksdorf. Restauratorin Beate Herbold erläutert: „Es war sehr aufwändig, solche Schwerter herzustellen. Wir wollten gern herausfinden, wie damals der Griff mit der Klinge verbunden wurde und wie die erkennbaren Muster eingearbeitet wurden.“ Diese Frage untersuchten sie im HZB-Computertomographie-Labor, wo Dr. Nikolay Kardjilov und sein Team ein dreidimensionales Röntgenbild des Schwerts erstellten. „Die CT-Aufnahme zeigt, dass die Klinge mit einer Griffzunge, also einer Verlängerung der Klinge, in den Griff eingeklemmt und vernietet wurde. Die Auflösung des CT ist so hoch, dass wir sogar das Material und die Werkspuren der Verzierungsarbeiten untersuchen können“, sagt Tolksdorf.

Der Knauf selbst als auch die Knaufplatte zeigen ein geometrisches Muster das mit tiefen Rillen verziert ist. In die Rillen war ein anderes Material eingebracht, das noch nicht geklärt werden konnte. Dr. Martin Radtke von der BAM untersuchte das Schwert mit der Methode der Röntgenfluoreszenzspektroskopie. „Wir bestrahlen die Oberflächen am Knauf mit intensiver Synchrotronstrahlung. Dadurch werden Atome im Material angeregt und senden elementspezifische Röntgenstrahlung aus, die wir messen. So können wir selbst winzigste Spuren von Elementen nachweisen“, sagt Radtke. Die ersten Ergebnisse zeigen: Die Einlagearbeiten am Knauf und an der Knaufplatte bestanden aus Kupferdrähten, die aneinander gestückelt waren. „Ich habe eigentlich nach dem Aussehen eher erwartet, dass Zinn verwendet wurde für diese Verzierungen, denn Zinn ist weicher und leichter zu verarbeiten als Kupfer. Das war also eine Überraschung, die auch zeigt, wie hoch entwickelt die Handwerkskunst damals schon war“, sagt Beate Herbold. Spuren von Zinn und stellenweise auch etwas Blei, die vermutlich aus der Bronzelegierung stammten, waren ebenfalls nachweisbar. „Wir kennen solche Einlegearbeiten von Kupferdrähten in Bronze von anderen Fundstücken“, sagt Tolksdorf. „Damit sich das rötliche Kupfer farblich besser von der goldfarbenen Bronze abhebt, hat man es möglicherweise patiniert, also chemisch geschwärzt, beispielsweise mit Urin.“

Dr. Manueal Klaus untersuchte im Röntgen-Labor die handwerklichen Bearbeitungsschritte auf Eigenspannungsanalyse wie Zug und Druck. „Das gibt Aufschluss über die Fertigungsprozesse, denn sowohl beim Erhitzen, Abschrecken, Gießen als auch beim Hämmern und Schmieden entstehen typische Veränderungen in den kristallinen Strukturen“, sagt Manuela Klaus.

Ausblick:

Die gründliche Auswertung der Messdaten wird noch eine Weile dauern, im Anschluss planen die Expertinnen und Experten eine Publikation. „Wir hoffen, dass wir auch rekonstruieren können, ob dieses Schwert zum Beispiel in einer bestimmten Werkstatt angefertigt wurde – bislang liegt lediglich nahe, dass es in Süddeutschland hergestellt wurde, einem der beiden Verbreitungsschwerpunkte von Achtkantschwertern in der Bronzezeit in Deutschland“, sagt Tolksdorf.

„Die Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrums Berlin und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung war sehr fruchtbringend. Durch modernste Messmethoden können wir nachvollziehen, wie vor knapp dreieinhalb Jahrtausenden Metall bearbeitet wurde, mit erstaunlicher Präzision und hochentwickelten Fertigkeiten. So vielbeachtet schon der Fund des Nördlinger Bronzeschwertes war – noch bedeutender wird es für uns durch seine wissenschaftliche Untersuchung. Denn erst dann wird aus einem faszinierenden Fundstück eine wertvolle Wissensquelle“, sagt Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des BLfD.

arö/HZB/BAM/BlfD

Weitere Informationen:

https://www.helmholtz-berlin.de/pubbin/news_seite?nid=32626&sprache=de&seitenid=1
finden Sie auch ein kurzes Video zur Messkampagne

Nördlinger Ries
https://www.bayerisch-schwaben.de/region-highlights/region-naturraeume/ries

Delius, Peter (Hrsg.); Die Geschichte der Welt – Eine spektakuläre Reise durch die Geschichte; Peter Delius Verlag Berlin, 2005;

Das Funkeln der Vergangenheit, 2023
https://www.weltkunst.de/kunstwissen/2023/06/noerdlingen-schwert-bronzezeit-fund-archaeologie


Bildquelle
Beate Herbold und Johann Friedrich Tolksdorf, beide BLfD, beim Positionieren des Schwertes für die Messung an der BAMline an BESSY II. Quelle: Kevin Fuchs Copyright: Kevin Fuchs/HZB


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