Eine Prunk-Palette aus Girza stellt einen Kuhkopf mit fünf Sternen dar (Kairo, JdE 34173). Copyright: Foto: David Sabel

Vom Sternbild zum Götterbild


Die Entstehungszeit der Religion. Die Erforschung einer Jungsteinzeitlichen Darstellung aus Ägyptologischer Perspektive bietet den Blick in eine Vergangenheit, an einen Ort an dem pyramidale Machtstrukturen entstanden. Eine Zeit in der Glaube in Menschen überging und die Verbreitung der Sprache durch die einfache Form der Nachahmung durchsetzte. Hierin zeigt sich auch wie mächtig die einfachste Form der Nachahmung ist und spricht erneut in das aktuelle Zeitgeschehen.

Bonn/Germany, 19. Februar 2026. – Geforscht wird gegenwärtig an einer Jungsteinzeitlichen Darstellung die einen ganz zentralen Gedankengang in der Zeit ägyptischer Kultur darstellt. Was diese wirklich verrät, wird zum einen Wissenschaftlich erforscht, zum anderen haben sich auch Autoren aus der Ecke der Psychoanalyse um ihre Bedeutungen bemüht und dabei so allerlei Informationen ermittelt, die bei weitem viel Aufschluss über die heutige Zeit liefern.

Ganz offensichtlich handelt es sich um eine Zeit inmitten der Entstehung von Religion. Die gesamte ägyptische Kultur war zur damaligen Zeit auf Macht ausgerichtet und damit auch das Leben nach dem Tod. Die Menschen waren überzeugenden Glaubens an ein Reich nach dem Tod. Dieser Glaube äussert sich schon alleine darin, das heutige archäologische Funde ein Bild der damaligen Zeit stärken, und daher einen Teil der Vergangenheit kollektiven Denkens heutiger Zivilisation freisetzen. Kurz gesagt – durch solche Funde und Aufarbeitung wissen wir einmal mehr, warum wir so sind wie wir sind.

Die Wiege der Zivilisation


Ägypten gilt als die Wiege der Zivilisation, den Ägypten hat fremde Kulturen aufgesogen wie ein Schwamm heisst es. Das erste konkrete Datum der Weltgeschichte geht auf eine Siedlung Namens On zurück, die laut Autoren am 19. Juli 4241 v. Chr. reicht. Das erste Datum das mittels Wissenschaft und Sternenkonstellation ermittelt werden konnte. Also eine Siedlung die auf 6000 Jahre vor unserer Zeit zurück reicht (Vgl. Stryjak, 2020, S. 19). Von beachtenswerter territorialer Kontinuität ist im alten Ägypten die Rede, was forschende dazu antreibt, diese Zeit genauer unter die Lupe nehmen zu wollen. Hier entstand der erste altägyptische König mit dem alleinigen Anspruch an den Sonnengott Aton und bildet damit den ersten Monotheismus der Menschheitsgeschichte. 1300 Jahre vor Christi Geburt (Vgl. Stryjak, 2020, S. 21). Was Ägypten so stark gemacht hat, die Wissenschaft rätselt zwischen der Entwicklung eines Staates der so stark war, um Fremdherrschaften zu widerstehen, oder aber das es fremde Mächte und deren Kulturen in die eigene Kultur integriert und ägyptifiziert habe (Vgl. Stryjak, 2020, S. 19).

Den recherchen Otto Ranks, der seine Perspektive aus Sicht eines Psychoanalytikers herzuleiten vermochte, entstand die Religion in den Köpfen der Menschen infolge der Assoziationen und Ableitungen der Zusammenhänge durch Sonne, Tiere als auch der eigenen schöpferischen Kraft durch Handwerken und der möglichen Sichtweisen, der Menschen zur damaligen Zeit. Was sich auch immer wieder an ganz anderen Stellen der heutigen Zeit zeigt (Vgl. Ohne intakte Natur werden wir unseren Wohlstand nicht halten können…2025). Dem mussten Bedürfnisse vorausgehen, zu denen Otto Rank beschreibt, „Die letzte Tendenz aller Religionsbildung liegt in der Schaffung eines helfenden und schützenden Urwesens, in dessen Schoss man aus allen Nöten und Gefahren flüchten kann, und zu dem man schließlich in ein jenseitiges, zukünftiges Leben zurückkehrt, welches das getreue, wenn auch stark sublimierte Abbild des einmal verlassenen Paradieses ist.„ (Vgl. Zitat Rank, 2007, S. 28).

Weiterhin wichtig für diesen Hintergrund ist auch zu wissen, das zur damaligen Zeit noch nicht die biologische Vererbung durch männliche Vererbungsstrukturen dominierten. In dieser Zeit muss ein Wechsel im Gange gewesen sein, von der Vererbung des weiblichen hin zur biologischen Vererbung. Im Basiswissen Judentum heisst es hierzu, „dem jüdischen Religionsgesetz zufolge ist jemand jüdisch, der eine jüdische Mutter hat oder formell ins Judentum aufgenommen worden ist. Demnach ist ein ehemaliger Sowjetbürger, in dessen Pass als Nationalität „jüdisch“ eingetragen war, nach der Selbstdefinition des Judentums nicht unbedingt Jude, denn die patrilineare Herkunft, die Definition über den Vater, wird in traditionell ausgerichteten jüdischen Gemeinden nicht anerkannt“ (et al Nachama, 2018, S. 22). Zu dieser Zeit sind auch die drei weiteren grundlegenden Religionen entstanden!

Charaktereigenschaften

Die Situation heute lädt dazu ein, die Perspektiven etwas anders anzusetzen als es bisher der Fall war. Nämlich dahingehend, das die Entstehung des Patriarchats so etwas ist wie die Entwicklung des Menschen im Schwerpunkt mit der Charakteristik zum Heldentum darstellt. In aller Regel kündigen sich Phänomene vorher mehrfach an. So besingen Künstlerinnen und Künstler häufig Songs mit „Hero“ um dessen Eigenschaften zu transportieren und Sehnsüchte der Menschen abzudecken (Vgl. Sakralisierung – wie Held in die Welt kam, 2025). Wenn Menschen ein grosses kollektives Bedürfnis haben, dann bringen sie etwas neues hervor und dieser Umstand ist zutreffend auf die Zeit des Übergangs vom Polytheismus zum Monotheismus. Mit dem heutigen Unterschied dazu, sich nicht mehr selbst zu verherrlichen, sondern die Opferbereitschaft in den Vordergrund zu stellen. Wenn ich als Mensch ausgereift bin, dann kann und will ich nur noch weiterwachsen, in dem ich anderen etwas von dem gebe was mich selbst ausgemacht hat. Darüber hinaus wird geboten Talente zu erkennen, zu entdecken und diese zu fördern (Vgl. Wer nichts hat, glaubt nicht an seine Talente, 2023), (Vgl. Studie zeigt – Talente entwickeln sich anders als gedacht, 2025). Wenn die Welt, wie heute nach Führung schreit, dann mit Nichten nach solchen, die der Menschheit nicht dienen wollend gegenüber stehen, sondern sich selbst in den Mittelpunkt stellen wollen, wie unschwer zu sehen ist (Vgl. Servant Leadership – wenn Chefs dem Team dienen, 2025), (Vgl. Wenn Führungskräfte nach oben buckeln und nach unten treten, 2023).
In der Darstellung zur Entwicklung des Patriarchats ging es weltgeschichtlich offensichtlich darum, in der Vorstellung, eines durch die Geschichte entwickelten überdimensionalen Menschen hin ein Charakteristisches Merkmal heraus zuarbeiten, die Heldenfigur! Dem steht nun die weibliche Figur gegenüber, die in verschiedenen Aspekten als die Göttin dargestellt wird. Frage ist natürlich ob beide Gemeinsam eine Vorstellung eines göttlichen Wesens als zutreffend markieren können. Sehen wir weiter!

Mit dem Gegenstück des Heldentums ist es wiederum einfacher zu verstehen, weshalb zunehmend von Göttinnen als Gegenstück gesprochen wird. Denn auch zu diesem damaligen Zeitpunkt wurde das eigentliche Gottesbild diskutiert (et al. Nachama, 2018, S. 35). Funde wie der aktuelle aus der Jungsteinzeit, untermauern solche Thesen. Offen bleibt zunächst nur die Frage, ob der Mensch, sofern im klar und deutlich wird, das Religion aus und durch Menschen entstanden ist, womit auch erhebliches menschliches Leid entstanden war, überdess hinaus im Sinne einer Säkularisierung an einen existierenden allumfassenden Geist glauben kann und will, oder der Auffassung und Darstellung sind, das der Glaube aus dem Menschen selbst entstanden sei (Vgl. Krisenzeiten lösen Emotionen in und um Religion aus“- ein Akt der Säkularisierung?, 2022). Die heiligen Bücher sind Anleitungen, wie bekannt, doch umspannt eine Vorstellung eines allumfassenden mächtigen Wesens weit mehr als nur die Zeit des Patriarchats!

Wie der Glaube entstand

Was den Glauben im Kern ausmacht, ist die Tatsache das er damit auf das grundsätzlichste und verallgemeinernde reduziert wird. Erich Fromm vermenschlicht den Glauben derart, in dem er darstellen kann, das „Anstelle der Gewissheit, von der Mutter geliebt zu werden, ein intensiver Zweifel gegenüber dem Vater verbunden ist, entgegen aller Hoffnung von dem Vater bedingungslos geliebt zu werden“ (Vgl. Fromm, 2020, S. 92). Der innere Konflikt und Zweifel an einen Gott ist also hausgemacht. Nicht nur ein Merkmal das von zwei völlig sich unterscheidenden Charakteristiken spricht, sondern nach Fromm eben auch das hervorstechenste Merkmal des Glaubens sei. Und weil eine Gehirnhälfte des Menschen dem weiblichen Geschlecht zugeordnet wird, und eine dem männlichen, haben und führen Menschen beide Veranlagungen in sich. Weiblicher Charakter wie auch männlicher. Der Mangel den man in sich dabei empfindet ist auf den Mangel aus der Realität zurückzuführen. Nämlich dann, wenn ich den Teil des Gehirns nicht mit den Fähigkeiten füttere die er in Anspruch nehmen möchte (Vgl. Was unterscheidet das Gehirn von Frau und Mann? Im Fokus stehen Gliazellen, 2025). Darin zeigt sich wie viel Anteile weiblichen oder männlichen Geschlechts im Menschen stecken.

Doch auch hier steht dem Glauben vor, das dieser bereits eingegeben sein musste und die Evolution zeigt in zahlreichen Strukturen und Strategien, das sich wiederholende Muster eine Art von Zufall nahezu ausschließen. Je gewachsener und reifer der Mensch also ist, lässt dieser sich zunehmend im Glauben verstärken, was bis zu einer unbändigen Gewissheit führt. So soll ja nicht nur Aristoteles beschrieben haben „Nichts sei in der Welt was nicht zuvor in den Sinnen war“, sondern auch Fromm beschreibt, „Rationaler Glaube ist im produktiven, intellektuellen und emotionalen Tätigsein verwurzelt (Vgl. Fromm, 2020, S. 161). Das Moderne Lernen bedeutet verstehen, sagt der Neurowissenschaftler Henning Beck in „Das Neue Lernen heisst verstehen“ und zeigt damit nicht nur, sondern verbindet auch die sichtbare Schnittstelle zur Künstlichen Intelligenz und den Verbindungen zu Emotionen (Vgl. Beck, 2020, S. 69).

In Haben oder Sein macht Erich Fromm aber noch eine viel intensivere Erfahrung mit dem Glauben, in dem er bewusst macht, das es einen sehr zentralen Unterschied zwischen dem gibt was ich als meinen Besitz verstehen möchte, oder einem Zustand des Seins lebe. „In der Existenzweise des Habens ist Glaube der Besitz von Antworten, für die man keinen rationalen Beweis hat..[…].“ (Vgl. Fromm, 2019, S. 59). Glaube äussert sich als eine alles durchdringende Gewissheit, das eine Sache das ist was man glaubt.

Sublimierung der Religion

Im Hinblick auf Sternzeichen und Horoskope bildet der Glaube dann eine Brücke zu meiner Vorstellungskraft, wenn ich mir das nicht zu eigen mache. Der Psychoanalytiker Otto Rank beschreibt hierzu, die Sublimierung der Religion im Menschen, wonach dieser einen sich erklärbaren Kreislauf vorstellen konnte. Die gesamte antike Weltanschauung mit ihrer christlichen Mythologie sieht im Himmelsreich eine so reiche Bevölkerung, die dadurch zu einer Vermenschlichung führe, weil in der Nacht darin das weiterleben der Verstorbenen zu finden sei. Und mit dem Aufgang der Sonne der Mensch wieder zum Leben erweckt würde (Vgl. Leben nach dem Tod – digital unsterblich?, 2025). Die verstorbenen haben ihren Platz als Sterne am Himmel die beim Eintauchen in die Unterwelt zugleich am Nachthimmel wieder auftauchen. Mit der Vorstellung von Horoskopen bekommt auch dieser Blick eine ganz andere Dynamik. Geschichten wie diese gibt es, und gab es in allen Kulturen. Aus der Unterwelt wiederum entspringt alle Vegetation. So gilt die Unterwelt sogleich als ein Spiegelbild zur Fruchtbarkeit (Vgl. Rank, 2020, S. 115). Dem ging aber bereits voraus, das in der Sonne die erste Sublimierung zu einer Gottheit gesehen wurde, die durch die Verzehrung einer warmen Mahlzeit durch die geopferten Tiere in den Magen gelangten, und damit das Gefühl, einer Verbindung zwischen Sonne und Wärme entstanden sein soll, so Rank. Ein wohlwollendes Gefühl.

Auf diese Weisen ist im laufe der Jahrhunderte und schon auch Jahrtausende der Übergang einer Anpassungsleistung vollzogen worden, die über den Sonnenkult, das Herstellen und bereitstellen von Nahrung bis hin zur Hervorbringung handwerklicher Leistungen, der Glaube an sich selbst in Wechselwirkung zur beängstigenden Macht durch die Umwelt entwickelte, so Fromm (Vgl. Soziologe über den Umgang mit Katastrophen Schwere Naturereignisse überraschen die Gesellschaft immer wieder, 2024).

Seiner Darstellung nach geht die Entwicklung der menschlichen Spezies in einer ersten Stufe, auf die Loslösung des Menschen von der Natur, der Mutter von der Bindung an Boden und Blut hin zu einer weiteren Stufe, der Wiederverbindung und Versucht mit der Natur wieder eins zu werden. An der Stelle treten auch die Entwicklungen der Religion wieder ein (Vgl. Religionen sind bedeutend für den Umgang mit Klimawandel und Hunger“, 2024). Eine erneute Trennung findet zu dem Zeitpunkt statt, als sich der Mensch handwerkliche und künstlerische Fähigkeiten erwirbt, sich damit emanzipiert und auf nichts mehr angewiesen ist. Er sublimiert, schlussfolgert, das dass aus seinen eigenen Händen geschaffene der Fähigkeiten und Eigenschaften eines Gottes gleicht (Vgl. Bedeutung von Religion weltweit dramatisch abgenommen“, 2025).

Von hier an, so Fromm, beginnt die erste Verehrung um Götzenbilder aus Lehm, Silber und Gold (Vgl. Fromm, 2020, S. 89). Dem muss man aber hinzufügen, das die Repräsentationen des Gehirns um ein vielfaches weniger entwickelt waren als wir es heute erahnen könnten (Vgl. Wie das Gehirn lernt, 2025). Denn jedes äussere, jeder Kontakt mit und zur Aussenwelt repräsentiert sich nach neuzeitlichem Wissen im Gehirn. Je sensibler der Mensch wird, und das ergibt sich zwangsläufig im Verlauf der Evolution, desto genauer und präziser die ausgeprägte Darstellung im Gehirn. Was wiederum bedeutet das Menschen der damaligen Zeit keine so intensive Repräsentation vorfanden und, auch weniger Gefühl verspürten. Rezeptoren waren weit weniger Gefühlsstark.

Repräsentationen

Die Assoziationen zwischen „verschwommenen Vorstellungen“ in etwa wie Halbgötter oder die der Mythologien und Sagen kann nachvollziehbar sein und werden. Die etwas genauere Vorstellung transformiert dennoch diese Zeit in die heutige. Die aktuelle Zeitlage ist in vielerlei Hinsicht vergleichbar. So bsw. erschaffen wir Menschen die künstliche Intelligenz durch das was uns gegeben ist, und gehen grossteils davon aus, das sich darin unsere Vorstellung von uns selbst als Gott spiegelt, genauso wie zur damaligen Zeit, der Fähigkeit zu handwerken. Es braucht Zeit für den Menschen zu begreifen, das dies ein Akt der Sublimierung ist, also der Übergang eines allumfassenden Geistes wie aus dem Nichts entsprungen, oder der eigenwilligen Annahme es sei der Mensch selbst.

Die Vergangenheit hat jedenfalls gezeigt, in jeder Generation bietet die Welt neue Probleme und Herausforderungen an, die in aller Regel immer nur gemeinsam gelöst werden können. Ressourcen müssen gebündelt werden, effizienter gewirtschaftet, vom Selbstverliebten hin zur Objektivität gedacht werden. Resilienz muss entwickelt und entworfen werden. Die Bereitschaft Opfer zu bringen um gemeinsame Schnittstellen zu finden. Zumal dem gegenüber steht, das die ursprüngliche Trennung, die sich evolutionär ständig wiederholt, zu überwinden sein muss.

Praktizieren der Macht

In Ägypten jedenfalls wurde Macht praktiziert. Und ein Zeitgeist beschäftigt sich immer zwangsläufig auch mit den ihn umgebenden Themen. In den Köpfen der Menschen zur damaligen Zeit war Religion das allumfassende Thema. Und solange der Geist in den Menschen übergeht, solange kämpfen Menschen auch mit dem eigenen Selbstbewusstsein (Vgl. Selbstzugang unter Belastung und Stress, 2015) . Das konnte man schon im Leistungssport nachweisen, bei dem Menschen unter Belastung über diese mentale Leistung sprechen. Das kann man auch dann feststellen und erkennen, wenn ich mich intensiver mit einem Buch beschäftige und der Autor, die Autorin in mich übergeht, wenn sie sich mir erschließt. Es ist immer die Auseinandersetzung meines eigenen gewachsenen Geistes und dem eines anderen. Es wundert daher wenig, wenn Funde aus dieser Zeit der Entstehung von Religion auch im Kontext dieser Zeit betrachtet werden müssen.

Im vorliegenden Fall steht das wohl älteste und genauer zu bestimmende Stern-Bild der Menschheitsgeschichte im Fokus. Es stammt aus dem vierten Jahrtausend vor Christus und drückt die proto-ägyptische (Entstehungsgeschichte der Religion in Ägypten) Religion im Niltal aus.

Eine Prunk-Palette aus Girza stellt einen Kuhkopf mit fünf Sternen dar, und genau dieses Bildmotiv zeigen auch einige weitere frühe Bilder aus anderen Orten im Niltal. Diese Darstellungsweise ist sehr viel konkreter als andere, weil sie sowohl den Umriss zeigt als auch ganz deutlich die relevanten Haupt-Sterne angibt. Das Spezifikum bei dem Sternen-Kuhkopf ist, eine Gestalt in die Tausende Sterne am Nachthimmel hineinzusehen und auf diesem Weg Ordnung in die Vielfalt zu bringen. Über die Assoziation Sternen-Kuhkopf und Himmelsgöttin soll Sinn in die Welt der Erscheinungen gebracht werden. Parallel dazu kennen wir von anderen Bildern der Jungsteinzeit im Niltal das Bildmotiv Frauenkörper mit Sonne als Kopf.



Wie das Götterbild gedeutet wird!


Anders als es die Psychoanalytiker deuten wird diese Darstellung rein Wissenschaftlich und kulturhistorisch betrachtet interpretiert. Das jungsteinzeitliche Bild von der Himmelsgöttin hat zwei Seiten: den Taghimmel mit der Sonnenscheibe als “Sonnenfrau” und den Nachthimmel als “Sternenkuh”. Die Herausforderung an die Vorstellungskraft scheint mir der Wechsel zwischen Tag und Nacht gewesen zu sein, so der Autor. Dieser regelhaft wiederkehrende Wandel wurde götter-bildlich gedeutet als periodische Ablösung von Sonnen-Frau und Kuhkopf. Für die Deutung des Kuhkopfes als weiblich kommt uns die pharaonenzeitliche Bildwelt zu Hilfe, denn die Himmelsgöttin Hathor hatte eine Kuhgestalt.


Alle fünf Sterne zusammen bilden das Sternbild, das wir unter dem griechischen Namen Orion kennen. Dafür spricht die doch auffällige Konfiguration, zudem auch historisch, dass dieses Sternbild unter dem Namen „Zehe“ auch in der Astronomie und Astrologie der pharaonischen Zeit zu den wichtigsten Stern-Bildern gehörte. Die Sterne am Himmel waren dieselben, nur wurden sie in einer Denk- und Darstellungsrevolution der Pharaonenzeit zu einem anderen Stern-Bild gestaltet. Solcherart Veränderung von religiösen bildlichen Vorstellungen kennen wir zwischen dem 4. und dem 3. Jahrtausend mehrfach. Der Kuhkopf bietet eine für die Ägypter kulturell und sakral bedeutungsvolle Gestalt an, schafft also ein Ordnungsmuster am „Himmelszelt“.


Die Himmelsgöttin in beiderlei Gestalt (Sternen-Kuhkopf und Sonnen-Frau) eröffnet uns in bemerkenswerter Konkretheit ein Fenster in religiöse Vorstellungen und deren bildliche Gestaltung vor 5.500 Jahren und damit in eine Zeit, über deren religiöse Vorstellungen wir – im Vergleich zu unserem Wissen über die pharaonenzeitliche Religion mit ihren vielen Quellen – bisher nur sehr allgemeine Aussagen und Vermutungen treffen konnten. Tatsächlich bestätigt dies eine seinerzeit völlig spekulative Deutung des Kulturphilosophen Walter Benjamin: Demnach begann das Lesen sehr früh, noch ohne Sprache, aus Zeichen wie Sternen oder Tänzen. Später halfen Runen und Bilder. So entstand Sprache als höchste Form des Nachahmens und als großes Gedächtnis für Menschen.

Originalpublikation:

Ludwig D. Morenz: Vom Sternenbild zum Götterbild. Neuer Denkraum im spätneolithischen Niltal und ein urtiefer Mythos um die Himmelsgöttin, Hans-Bonnet-Studien zur Ägyptischen Religion 5, EBVerlag, 22,80 Euro

Stryjak, Jürgen, Ägypten – Ein Länderportrait, Sonderausgabe für bpb Bundeszentrale für politische Bildung, Chrstoph Links Verlag GmbH, Berlin 2020

Rank, Otto; Das Trauma der Geburt und seine Bedeutung für die Psychoanalyse, Psychosozialverlag Gießen, 2007

Nachama, Andreas; Homolka, Walter; Bomhoff, Hartmut; Basiswissen Judentum, Verlag Herder GmbH, 2018; Sonderausgabe der bpb Bundeszentrale für politische Bildung. 2018

Fromm, Erich; Die Kunst des Liebens, Verlagsgruppe Random House GmbH, München, 2020
Titel der englischen Ausgabe, „The Art of Loving“ 1956

Sakralisierung – wie Held in die Welt kam, 2025
http://de.gate-communications.com/sakralisierung-wie-held-in-die-welt-kam/

Servant Leadership – wenn Chefs dem Team dienen, 2025
http://de.gate-communications.com/servant-leadership-wenn-chefs-dem-team-dienen/

Wenn Führungskräfte nach oben buckeln und nach unten treten, 2023

http://de.gate-communications.com/wenn-fuehrungskraefte-nach-oben-buckeln-und-nach-unten-treten/

„Krisenzeiten lösen Emotionen in und um Religion aus“- ein Akt der Säkularisierung?
http://de.gate-communications.com/krisenzeiten-loesen-emotionen-in-und-um-religion-aus-ein-akt-der-saekularisierung/

Was unterscheidet das Gehirn von Frau und Mann? Im Fokus stehen Gliazellen, 2025
http://de.gate-communications.com/was-unterscheidet-das-gehirn-von-frau-und-mann-im-fokus-stehen-gliazellen/

Beck, Henning; Das Neue Lernen heißt Verstehen, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, 3. Auflage 2020

Fromm, Erich; Haben oder Sein, Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft; Verlagsgesellschaft München, Verlagsgruppe Random House GmbH, 46. Auflage 2019, Titel der amerikanischen Originalausgabe, „To have or to be“ 1976.

Leben nach dem Tod – digital unsterblich?, 2025
http://de.gate-communications.com/leben-nach-dem-tod-digital-unsterblich/

Soziologe über den Umgang mit Katastrophen Schwere Naturereignisse überraschen die Gesellschaft immer wieder, 2024
http://de.gate-communications.com/soziologe-ueber-den-umgang-mit-katastrophen-schwere-naturereignisse-ueberraschen-die-gesellschaft-immer-wieder/

„Religionen sind bedeutend für den Umgang mit Klimawandel und Hunger“, 2024
http://de.gate-communications.com/religionen-sind-bedeutend-fuer-den-umgang-mit-klimawandel-und-hunger/

„Bedeutung von Religion weltweit dramatisch abgenommen“, 2025
http://de.gate-communications.com/bedeutung-von-religion-weltweit-dramatisch-abgenommen/

Wie das Gehirn lernt, 2025
http://de.gate-communications.com/wie-das-gehirn-lernt/

Selbstzugang unter Belastung und Stress, 2015
https://mediatum.ub.tum.de/doc/1254673/document.pdf

Wer nichts hat, glaubt nicht an seine Talente, 2023
http://de.gate-communications.com/wer-nichts-hat-glaubt-nicht-an-seine-talente/

Studie zeigt – Talente entwickeln sich anders als gedacht, 2025
http://de.gate-communications.com/studie-zeigt-talente-entwickeln-sich-anders-als-gedacht/

Bildquelle
Eine Prunk-Palette aus Girza stellt einen Kuhkopf mit fünf Sternen dar (Kairo, JdE 34173). Copyright: Foto: David Sabel

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