Neben der klassischen Geburt der Mensch und Tierwelt gibt es auch noch eine mentale, philosophische Geburt. Dabei bezieht sich die philosophische Geburt mehr einer Form der Geburt durch die uns umgebende Umwelt. Wenn man etwa sagt, „die Welt liegt in Wehen“ dann meint man damit meist die Beschreibung oder Umschreibung einer Beobachtung sich wiederholender und beschleunigender Ereignisse.
Mit wenig philosophischer Vorkenntnis aber der Tätigkeit in einem Nischenmarkt für Halbleitertechnologie konnte ich die Beobachtung solcher philosophischer Geburten an einer Stelle der Technologie nutzen die als der wesentlichste Treiber gelten sollte. Es ging um Entwicklungssysteme für Mikrocontroller, die mit zunehmender Zeit immer kleiner werden und damit immer mehr Produkte auf diese Weise elektronisch erschlossen werden können. Es ergab sich dabei die Beobachtung, das die Unternehmen, die man gerne als Schlüsselunternehmen einer Branche betrachten kann, bei uns nach Neuigkeiten anfragten, oder aber bestimmte Funktionen besser begreifen wollten, bevor es um die Festlegung geht, mit welchem System ein Produkt entwickelt werden sollte. Die Aufgabe dieser Position ist es, aus den Gesprächen mit den Kunden neue Bedarfe zu erkennen und weltweit Produkte zu finden, die das ermittelte Problem lösen. Meine Verwunderung lag in der Synchronität in der Sache. Die Unternehmen bildeten unabhängig davon, das man voneinander wusste, gleiche Verhaltensmuster. Und so konnte ich im Kontext zum Jahresverlauf erkennen, das entspricht einem evolutionären Kollektivverhalten. Noch mehr, ich konnte diesen Zeitpunkt als eine Geburt identifizieren, die sich Jahr um Jahr wiederholte und die Fragen wurden immer spezifischer.
Es lag also nahe, hier den Ansatz fürs jetzt zu wählen und nach vielen Jahren meines Wunsches endlich das Werk von Otto Rank „Das Trauma der Geburt“ zu lesen. Es gilt als eines der fundamentalsten Bücher der Psychologie. Und so wie ich jetzt beurteilen möchte, ganz sicher auch nicht grundlos. Im Buch beschreibt Otto Rank aus unterschiedlichsten Perspektiven, allem voran aber psychoanalytisch was es mit dem Wesen der Geburt auf sich hat.
Einstieg zum Coaching

Es geht um die Frage, was ist oder macht die Geburt bei mir aus?
Die für mich wesentlichste Erkenntnis ist die, dass es durch eine menschliche Geburt zu Neurosen kommt. Diese Neurose ist die Schnittstelle zwischen bis zu erheblichen psychischen Problemen bis hin zum Potenzial der Persönlichkeitsentfaltung.
Neurosen sagt man heute nur noch in der Umgangssprache. Heute unterliegt der Ursprüngliche Begriff einem sehr ausdifferenzierten Katalog an Klassifizierungen, was genau Ursachen und Probleme der einzelnen Fälle sind. Genau dieser Katalog an Klassifizierungen aber ist das Potenzial das die Persönlichkeitsentwicklung vorhält. Darum gehen Coaching und Psychotherapie auch einher.
Meine Ziele haben sich irgendwann darin entwickelt, mich grundsätzlich mit Künstlicher Intelligenz zu beschäftigen, mit Persönlichkeitsentwicklung oder Entfaltung, was später dann im Zusammenhang mit Bekleidung, seiner Kommunikation und Verbindung zwischen dem Ich als Individuum, als auch dem modernen Zusammenhalt menschlicher Natur in Form von Gruppen vorkommt.
Gerade die Psychoanalytik der Geburt sieht zwei Themen vor.
– das eine, die Zeit des Übergangs vom Polytheismus hin zum Monotheismus scheint einer Geburt dieses Ausmaßes zu entsprechen. Sie mündet dort wohin in der Gesellschaft gerade die Diskussion geht, dem Ende des Patriarchats und der Entstehung egalitärer Gesellschaften
– das andere, spricht ein Thema an, im Hinblick auf die Persönlichkeitsentfaltung, dass man auf zwei weitere Unterbereiche aufteilen muss.
Innerhalb der Persönlichkeitsentfaltung teile ich bislang auf,
– Zum einen, die Überwindung der Neurose, ich bleibe bei diesem Begriff, in welchem das “Ich” das “Es” zu überwinden habe.
– zum anderen, offensichtlich muss der Mensch zeit seines Lebens seinen Narzissmus überwinden.
Als ich beides nicht nur gelesen, sondern auch erschlossen habe, konnte ich es bei eigener Betrachtung sofort unterstreichen.
Interessant wäre sicherlich, ob auch andere Menschen das Gleiche bei sich erkennen können.
Die Neurose entsteht im Zuge der Geburt und kann, analog zur anatomischen Bewegung als Gegenspieler eines Muskelzusammenspiels betrachtet werden. Bei Bewegungen gibt es einen Agonisten, einen Antagonisten und Synergisten. Agonist ist der Muskel, der neurologisch über das Nervensystem der bestimmende Muskel ist, für, ich drücke es so aus, das spätere produktive Verhalten. Das bewusste tun wollen oder bereits automatisierte Verhalten. Der Gegenspieler (Antagonist) sorgt für die Ausgewogenheit und wirkt dem Agonisten entgegen. Die Synergisten sind im Grunde Hilfsmuskeln, die selbst Agonist, oder Antagonist werden können, aber im Fall des Agonisten diesen unterstützen.
Neurosen sind also Gegenspieler, hemmendes Verhalten für den Menschen. Sie versuchen das zu vermeiden, was der Mensch will.
Neurosen, und das war für mich in besonderer Weise interessant, ich hoffe, das wird es auch für den Leser, unterstützen infantiles Verhalten bei der menschlichen Entwicklung. Infantil heißt im Geiste Kind geblieben, auf geistiger Entwicklungsstufe zurückgeblieben. Das Infantile entsteht ebenfalls während der Geburt, und geht, so Otto Rank, auf einen unzureichenden Denkprozess zurück.
Ich konnte hier einen interessanten Zusammenhang herstellen.
Sehr vieles geht aus dem Leben der ErzeugerInnen über die Geburt in das nächste Leben über.
Wenn also ein Mensch Defizite und Unzulänglichkeiten in seinem gewöhnlichen Leben aufweist, und bekommt dann Kinder, dann geht diese Unzulänglichkeit über die Geburt in das Kind über, den neuen Menschen. Während des Geburtsvorganges sorgt die Entstehung der Neurose dafür, dass diese Hemmung bestehen bleibt und so wird das Kind geboren.
Der Punkt an der Sache ist nun im Ansatz des lebenden Menschen, aus dem das spätere Kind entsteht aufzugreifen. Der Psychoanalytiker Erik Erikson hatte in einem seiner Werke beschrieben, dass der Mensch sich an seiner Gesundheit orientieren sollte, genauer an der Gesundung seiner Organe. Seiner Darstellung nach sollte der Mensch sich also nicht daran orientieren, ausschließlich seine Stärken zu stärken und aus betriebswirtschaftlicher Sicht immer weiterzuwachsen, sondern, auf die Ausgewogenheit der Organe zu achten. Den Zusammenhang von Organen zur Orientierung muss ich in einem anderen Artikel weiter ausführen.
Aber, ich hoffe, die Leserinnen- und Leserschaft erkennt jetzt bereits den Zusammenhang. Diesen möchte ich noch durch den oft erwähnten Beitrag von Abraham Maslow ergänzen, der einmal sagte, wie schwer es für Menschen sei, an sich zu arbeiten.
Man muss erkennen, wo die eigenen Defizite sind und dann kommt es zur eigentlichen Phasenverschiebung, die ich meist mit dem klassischen Beispiel versuche zu verdeutlichen. Bevor du dir das neuste Handy kaufst, um dein Geltungsbedürfnis vor Menschengruppen zu befriedigen, bedenke immer, ob du dir morgen noch ein Brot, Lebensmittel kaufen kannst.
Die eigene Entscheidungsgewalt darüber, wie die Mächtigkeit der Bedürfnisse anzuordnen sind, entspricht der eigenen inneren Ordnung, bzw. eben auch, der eigenen inneren Mächtigkeit.
Hier rühren noch zwei weitere Themen mit ein.
– die Fähigkeit ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, und,
– die Tatsache, das man Autorität und Mächtigkeit auseinander halten muss.
Wie mächtig ein Mensch ist, ist eine Frage der inneren Ordnung. Und selbst die angeblich mächtigsten Menschen dieser Welt, nehmen wir Marc Zuckerberg, kann in umgekehrter Richtung mächtig sein, in dem, wenn er ein Spiegelbild der inneren Unordnung der Menschen ist, die seine Kundschaft ausmachen. Mächtigkeit kann sich ganz auf Geltungsbedürfnis konzentrieren, oder ein anderes Defizit. Der Mensch tut dann nichts anderes, als auf die Dinge zu reagieren, die ihm Geltung verschaffen.
Während ein Mensch der in seiner inneren Ordnung steht, sein ganzes Wesen in einer Ausgewogenheit behalten kann. Ich kaufe dann nicht Produkte, die meinen Geltungsdrang befriedigen, sondern Produkte, die meine menschlichen Bedürfnisse befriedigen und mich als Mensch komplettieren, ausgewogen machen und halten.
Und hier kommt die Autorität ins Spiel. Die Autorität eines Menschen ist die Fähigkeit, die Elemente in sich selbst so zu ordnen, dass sie der Mächtigkeit nach angeordnet werden können. Die Fähigkeit, aus Unordnung Ordnung herzustellen.
Z.B. Sexualität hat eine höhere Mächtigkeit als alle andere Bedürfnisse, weil sie zur Fortpflanzung dient. Essen ist mächtiger als Wohnen oder Sicherheit, weil es ein lebenserhaltendes Defizitbedürfnis ist. Jedes gottgegebene Bedürfnis hat auf diese Weise seine Mächtigkeit, angefangen mit seiner Entstehung. Und so ist das Farbsehen des Menschen in der Wechselwirkung mit der Pflanzenwelt entstanden. Die Pflanzen mussten zuerst da sein. Die Autorität kennt diese Unterschiede. Und genauso wie es das Element der Autorität in der Welt gibt, so muss der Mensch in Wechselwirkung lernen die Autorität in sich übergehen zu lassen. Dieser Vorgang ist sicherlich gleichzusetzen mit der biblischen Darstellung, das Gott den Menschen als Ebenbild schuf.
Die Fähigkeit ein selbstbestimmtes Leben führen zu können oder im Grunde ein Knecht von anderen zu sein, geht dabei wiederum zurück auf die Überwindung der “Ich-Es”-Konstellation. Und auf diese Weise schließt sich hier ein Kreis.
Im Zuge der Künstlichen Intelligenz wird damit zu rechnen sein, dass hier ganz klar der Narzissmus des Menschen beansprucht werden wird und damit stellt sich auch erneut die Frage nach der Existenz Gottes, bzw. inwiefern habe ich für mich die Verpflichtung ein Spiegelbild zu werden.
Bildquelle
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Quelle
| Rank, Otto; Das Trauma der Geburt und seine Bedeutung für die Psychoanalyse, Psychosozialverlag Gießen, 2007 |
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