Das Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen University freut sich gemeinsam mit seinen Partnern, den Erhalt des Bewilligungsbescheids für unsere gemeinsame Initiative „Textilfabrik 7.0“ bekanntzugeben. Ziel des Projekts ist der Aufbau eines Technologie- und Entwicklungszentrums in Mönchengladbach. Unsere Vision: die Entwicklung eines Industrieparks der Zukunft. Die Partner sind das Forschungsinstitut für Textil und Bekleidung der Hochschule Niederrhein, der Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, der Verband der Rheinischen Textil- und Bekleidungsindustrie, der Textilakademie NRW sowie der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH.
Aachen/Germany, 3. Februar 2026. – Man stelle sich einmal vor, als Kunde betrete ich ein Ladenlokal. Ich kaufe mir etwas für die Freizeit, irgendetwas von der Stange, ein Pullover vielleicht. Der oder die Verkäuferin bietet mir an eine individuelle Signierung auf dem Pullover anzubringen. Vielleicht, weil mir das ganze Szenario bekannt ist, habe ich schon eine Grafik mitgebracht, die ich wie bei einem Tattoo an einer gut platzierten Stelle am Pullover anbringen lassen möchte, um diesem den individuellen Touch zu verleihen.
Die Gläserne Produktion im Ladengeschäft macht es möglich. Eine entsprechende Maschine stickt, näht, druckt, welche Technologie auch immer, das entsprechende Signet auf das Textil. Der Drucker, die Maschine befindet sich hinter einer Glasscheibe, ich kann dabei zusehen!
Eine Hose, vielleicht ganz in Weiß, ein Rohling wenn man so will. Erst nachdem ich entschieden habe, diese Hose passt, sitzt, die will ich, wird entschieden welche Textur oder Färbung der Stoff bekommen soll. Vielleicht auch ein bestimmtes Muster? Ein Design etwa, das einen verwegenen Eindruck hinterlässt, oder einfach nur eine homogene Farbgestaltung? So bin ich, das macht mich aus, ich transportiere diese Botschaft in mein Umfeld. Ganz individuell hergestellt. Dazu noch ein paar Sneaker, die direkt aus dem Druck kommen, individuell auf meine Füße zugeschnitten.
Für meine Begleitung, die Übergröße benötigt, wird in Analogie zu einem fertigen Design eine spezielle Übergröße massangefertigt. Aber, nicht etwa bei einer externen Schneiderei. Per biometrischem Scanner wird Kundschaft vermessen, der Stoff eingelegt und teilautomatisch vernäht.
Auch schnelle Reparaturen sind umsetzbar vor Ort, direkt. In meiner Jack oder Hose sind Funktionen, wie etwa Kühlung oder Heizung, Sensoren zur Aufnahme meiner Vitalwerte oder die Anzeige wie es um meinen Energiehaushalt bestellt ist. Die Empfehlung, ich sollte etwas essen oder trinken, denn meine Energie wird für das nächste Vorhaben nicht ausreichen, ohne das ich mich emotional verändere. Der Stromaufnehmer, der über Bewegung und Haut aufgenommen und versorgt wird, funktioniert nicht mehr richtig. Im Ladenlokal kann ein Serviceupdate arrangiert werden oder gar eine Steckverbindung getauscht werden, während ich einen Kaffee trinke.
In dieser vielleicht noch utopisch klingenden gläsernen Produktion, die einer Vision gleichkommen kann, ist der Verkaufsraum nicht mehr nur der ausschließliche Verkaufsraum. Hier wird produziert, speziell und individuell angepasst, repariert, Wünsche erfüllt, Bedürfnisse befriedigt. Vielleicht entstehen hier auch ganz neue kreative Ideen der Hersteller und Gründer, Join Ventures oder Collaborations, Verbindungen zwischen Unternehmen, Akteuren, Organisationen, die unterschiedlichste Bedürfnisse auf den Punkt bringen und anbieten. Schließlich benötigt es auch Fachpersonal die können und das Handwerk verstehen. Dafür ist dauerhafte Bildung unausweichlich, den die Zeit ist pulsierend, schnell, rasend!
Aber, es wird auch Unternehmen geben die bei ihrem System bleiben und damit einen erheblichen Markt bedienen werden. Den der traditionellen ursprünglichen Ideen. Denn je mehr Technologie und Fortschritt, desto intensiver auch der Bedarf, sich wieder auf das Grundlegende zu reduzieren, Dinge zu hinterfragen und eine Lebensweise zu gestalten, die nicht ausschließlich dem Fortschritt gewidmet ist. Zur Ausgewogenheit benötigt es immer Gegenspieler, ein Gegengewicht. Schon in wenigen Jahren werden solche Geschichten von Startups und Unternehmen die Medien fluten. Davon muss man ausgehen, damit muss man zumindest rechnen!
Mitte der 1970er Jahre wurde die gesamte Textilproduktion in Schwellenländer und Niedriglohnländer verlagert. Hier wäre das Kostentheorem von David Ricardo (Vgl. Lexikon, gate-communications) zum Einsatz gekommen, in dem man die Fähigkeiten der angesprochenen Nationen günstig produzieren zu können, ohne Nachteile zu haben, zum Tragen kommen können. Dennoch hat die Industrie auch zum Volkswirtschaftlichen Wachstum in diesen Ländern beigetragen.
Das Traditionshaus, und in den 1950er und 1960er Jahren absolutes Trendsetterunternehmen C&A, gehört seit wenigen Jahren zu einem der anfänglich ersten Zentren, die ihre Produktion für Textil wieder nach Europa brachten. Diese Veränderungen, dieser Trend ist so tiefgreifend, das damit natürlich auch die Frage nach dem Standort und der damit verbundenen Agglomerationen, eine Art gemeinsamer Ressourcennutzung, allgemein neu aufgelegt wird. Einem kollektiven Grundbedarf, wie der von oder bei Kleidung, eine neue Ausrichtung oder Orientierung zu geben, gibt auch eine Aussage zur volkswirtschaftlichen Neugestaltung.
Ohne es übertreiben zu wollen, möglicherweise erkennt man auch hier den Beginn einer neuen Epoche.
Die Textile Produktion, wie sie einst die Industrie seit den 1845er Jahren (in Nordrhein-Westfalen als auch in England) zu revolutionieren begann, das heisst aus dem „individuellen Handwerk“ und Landwirtschaft heraus, hin zur Industrie, hat zu seiner Zeit auch die Gesellschaft intensiv verändert. Menschen gingen in die Fabriken um Familien zu ernähren. Davor zwar kaum anders, aber die Berufe wurden dahingehend in Landwirtschaft als auch Handwerk traditionell in den Familien übertragen. Mit der Industrialisierung veränderte sich Gesellschaft erheblich, Familienstrukturen, Menschen zogen für die Arbeit in die Städte. Eine vielleicht erste Form von Wohlstand kam auf. Als eines dieser industriellen Zentren zogen sehr viele Menschen nach Elberfeld und Barmen, heute als Wuppertal bekannt, dorthin wo Arbeit war. Und noch heute sind „Barmer Stoffe“ bekannt. Das weiche Wasser der Wupper, das zur industriellen Fertigung genutzt wurde, zog zahlreiche Menschen an, brachte Arbeit, trieb die Geister der Philosophie und Ökonomie in eine neue Ausrichtung. Es gab politisch viel zu regeln, zu klären, Arbeitszeit, Arbeitsmoral. Man denke nur an Karl Marx und den Barmer Friedrich Engels. Und genauso darf man auch heute einen solchen Trend erwarten.
Standort, Verkehr und Logistik, Ressourcenverteilung als auch die Kundennachfrage und der Kundenbedarf regulieren das System Wirtschaft an der Stelle neu. Vielleicht keimt wieder die Frage nach regionaler Landwirtschaft bezüglich der Rohstoffe zur Fertigung wieder. So wie das Augsburger Sozialunternehmen „Manomama“ es als Grundidee, als Grundwert auf den Markt brachte. Stoffe aus regionalem Anbau könnten wieder In werden, gerade dann wenn man es unter dem Aspekt biotechnologischer Entwicklungen sieht, in denen ebenso neue Stoffe und neue Verbindungen geschaffen werden – wie im richtigen Leben!
Mit dem Projekt Textilfabrik 7.0 wird ein bedeutender Beitrag mit einer nachhaltigen Attraktivität und Produktivität für die regionale, textile Produktion ermöglicht. Technologien werden nicht mehr abgekoppelt betrachtet, sondern als eine kombinierte Textilfabrik 7.0 die Energieeffizienz, KI und Robotik als auch Biotechnologie im Sinne einer technologischen Agglomeration zum funktionstüchtigen Textil-Reallabor am Traditionsstandort im Nordrhein-Westfälischen Mönchengladbach ermöglicht. Forschung und Industrie arbeiten hier künftig gemeinsam an der Innovation regionale Produktion. Die moderne T7-Factory wird neue Arbeitsplätze schaffen und entwickeln, als auch die innovative Textilforschung am Standort gestärkt.
Am 19. März 2026 startet die T7-Factory mit einer Kick-Off, wobei alle Interessenten herzlich eingeladen sind.
Anmeldung unter:
https://events.rheinisches-revier.de/qr2/event.php?vnr=126-10a.
Bei dieser Netzwerkveranstaltung erarbeiten Industrieakteure gemeinsame Fragestellungen rund um die künftigen Themen der T7-Factory: On-Demand-Fertigung, MicroFactory Engineering, Digital Textiles und Biosphere. FachexpertInnen des ITA werden dort für die Themengebiete MicroFactory Engineering und Digital Textiles als AnsprechpartnerInnen bereitstehen.
Gefördert wird das Vorhaben durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) der BRD. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren Partnern: dem Forschungsinstitut für Textil und Bekleidung der Hochschule Niederrhein, dem Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, dem Verband der Rheinischen Textil- und Bekleidungsindustrie, der Textilakademie NRW sowie der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH lässt die RTWH Aachen wissen.
Interessenten an Kooperationen oder Einblicken in den Projektfortschritt sind gebeten Verantwortliche auf der Veranstaltung anzusprechen. Der Dank geht an die Fördergeber!
Bildquelle
Textilfabrik 7.0 – Vision eines vernetzten, emissionsfreien Industrieparks der Zukunft für die Stadt Mönchengladbach. Copyright: Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen University AAchen University



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