Es klingt schon tatsächlich perfide. Dass man wirklich etwas vielleicht positives aus dem Krieg entnehmen kann. Nicht ein Mensch könnte sich dagegen zur Wehr setzten, was die Zukunft mit sich bringt. Auch dann nicht, wenn die Tendenz im aktuellen Zeitgeschehen die ist, das Menschen sich wieder in die Vergangenheit zurückwünschen, wie man an so vielen populistischen Wahlergebnissen beobachten kann. Es ist also nur schwer annehmbar, und zu begreifen, man kann Kriegen durchaus etwas Positives abgewinnen. Nichts Schönredendes, sondern ein Ändern der Perspektive hilft vielleicht zu verstehen!
Während im, meines Erachtens schlimmsten aller Kriege, dem des 2. Weltkrieges wurde der Wille des individuellen Menschen bereits im Keim erstickt. Immer dann, wenn der ursprüngliche Trieb des Menschen aufkam, was naturgegebenen ist, wurde dieser auf die perfide Art und Weise zurückgedrängt, in dem die „Häftlinge“, Menschen aus Fleisch und Blut gegeneinander aufgehetzt wurden. Du musst gegen deinen eigenen Willen, gegen deinen nächsten wirken, weil du selbst sonst mit deinem Leben bezahlst.
Und das, obwohl du weißt, das du selbst wenige Minuten später selbst opfer werden könntest, so oder so! Zwischen mir und meinem Nächsten wirkt nur noch fundamentale grundlegende Hoffnung auf Leben, von Moment zu Moment.
Was später zum Posttrauma wird, wie man weis, wird viele Jahre, Jahrzehnte und vererbt in spätere Generationen übergehen. Ein hohes Maß an Achtsamkeit! Aber erst nachdem in späteren Generationen die Übertragung noch einmal stattgefunden hat, lässt das Posttrauma nach und aus der zwanghaften Achtsamkeit wird eine Achtsamkeit wie man diese im Alltag vorteilhaft nutzt.
Was in Kriegen am lebenden Leib erfahren wird ist im Grunde auch, das was während einer Geburt des Menschen erfahren wird, bei der Weitergabe der Traumata. Bezeichnet als transgenerationale Übertragung. Ein Teil dessen was Abraham Maslow als Transzendenz beschrieb. Im Hinblick auf seine Bedürfnispyramide, anderen oberstem Ziel die Charakterdarstellung des Individuums steht, im Sinne eines selbstzuverwirklichenden Lebens, der Übergang nach der Selbstverwirklichung in ein neues Leben. Ein Zustand den nur Otto Rank in einem der in Psychologiekreisen mit höchster Auszeichnung belegten Must-Have-Büchern, „Das Trauma der Geburt“. Hierin beschreibt Otto Rank die grundlegenden Entstehungen einzelner Strömungen, ob vererbt wie bsw. Kriegstraumata, oder auch die Entstehung von Urängsten und dergleichen. Was hier im innersten einer werdenden Mutter passiert, das passiert in der Realität häufig auch bei Kriegen. Es geht daraus so betrachtet neues Leben hervor. Und neues Leben ist immer mit Kampf besehen. Man muss und will das neue Leben annehmen können und dürfen. Doch viele wünschen sich auch immer wieder in die Zuflucht der Geborgenheit zurück. Und diesen Kampf leben auch wir global im Augenblick. Menschen, Politiker, Akteure spielen mit dem Leben der Menschen die Angst vor der neuen Welt haben. Andere hingegen sind lange Zeit schon mündig und schauen mit viel Spannung auf das neue Leben.
Was Kriege aber mit sich bringen, das beschreibt Daniel Goldman in seinem Klassiker und zu einem der Jahrhundertbücher ernannten Bestseller „Emotionale Intelligenz“. Er beschreibt Achtsamkeit, im Sinne des Begriffes „Mindfulness“ als eine fortwährende Wahrnehmung der eigenen inneren Zustände. „Achtsamkeit ist weit mehr als nur Aufmerksamkeit. Achtsamkeit bezeichnet ein selbst reflektierendes Wahrnehmen, dessen Gegenstand, die Erfahrung selbst einschließlich der Emotionen vom Geist beobachtet und erforscht wird“ (Zitat, Golemann, 1996, S. 68).
Die Psychologen Sternberg und Salovey haben den Begriff der Intelligenz weiter gefasst als er bis damals Bekanntheit erlangt hatte. Intelligenz mit Festlegung in einer Werteskala hatte gerade einmal für die Bildungsentwicklung junger heranwachsender Menschen und Professoren bestand. Beide Psychologen arbeiteten aber weiter daran den Begriff weiter ausbauen und damit den Versuch zu wagen, was benötigt der Geist des Menschen um ein gelungenes Leben führen zu können und zu dürfen?
Sie stellten ein paar zentrale Punkte zusammen nach deren Auffassung ein möglichst gesundes Leben zu erreichen sei (Goleman, 1995, S. 65).
- die eigenen Emotionen kennen, Selbstwahrnehmung – das Erkennen der eigenen Gefühle während des Auftretens – gilt als die Grundlage emotionaler Intelligenz.
- Emotionen handhaben, so das diese angemessen sind. Sich selbst beruhigend können, Angst, Schwermut oder Gereiztheit zu kontrollieren verstehen. Das Beherrschen der Emotionen vor diesem Hintergrund hilft dem Menschen selbst sich besser und schneller von Rückschlägen und Aufregungen zu erholen.
- Emotionen in die Tat umsetzen, in den Dienst eines Zieles setzen. Selbstmotivation und Kreativität freisetzen, emotionale Selbstbeherrschung begreifen, Impulsivität unterdrücken, in einem fließenden Zustand zu versetzen macht Menschen produktiver und effektiver. Im übrigen ist das Unterdrücken bestimmter Verhaltensmuster die unterste Form zur Kanalisierung. Kanalisierung kann helfen, menschliche Abwehrmechanismen wieder in Gang zu bekommen, zurückführung von Sublimierung, Verschiebung oder Verdrängung!
- Empathie, die Fähigkeit zu wissen und zu fühlen, was andere fühlen. Eine Fähigkeit die auf Selbstwahrnehmung aufbaut. Empathie bringt aber noch zwei weitere Dinge mit sich. Zum einen sei erwähnt, was Erich Fromm bereits darzustellen wusste, der Mensch müsse sich ein Leben lang immer in Objektivität üben, eine Art Dauerzustand. Denn Objektivität ist das Gegenteil von Narzissmus. Und wenn man den Neurowissenschaftler Manfred Spitzer zu Rate zieht dann wird nach seinen Worten schnell klar, „Der Mensch ist intern so stark vernetzt, das er Probleme hat seine Außenwelt wirklich annehmen zu können, sich in die Lage anderer zu versetzen“ (Spitzer, Lernen, 2003). Diese Darstellung unterstreicht Erich Fromms Herausarbeitung sich in allem in Objektivismus zu trainieren.
Weiterhin ist Empathie auch die Grundlage für Altruismus. Denn Empathie ruft Altruismus hervor. Wer Einfühlsam ist, vernimmt eher die versteckten sozialen Signale, die einem anzeigen, was ein anderer braucht oder erwünscht. - Umgang mit Beziehungen ist letzter Punkt in den Grundlagen um emotional klug zu handeln. Die Kunst der Beziehung ist die Kunst mit den Emotionen anderer Menschen umgehen zu können. Die Kompetenz oder Inkompetenz entscheidet darüber wie wir mit Beliebtheit, Führung und interpersonaler Effektivität umgehen.
Für all das genügt reine Aufmerksamkeit nicht. Es benötigt Achtsamkeit. Für Jon Kabat-Zinn von der Massachusetts Medical School ist Achtsamkeit auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein, absichtlich, im gegenwärtigen Moment zu sein, nicht urteilend. Eine solche Aufmerksamkeit verzeichnet alles, was die Wahrnehmung durchläuft, mit Unvoreingenommenheit, als interessierter, aber unbeteiligter Zeuge. Im besten Fall ermöglicht, so schreibt Goleman, „… ist Achtsamkeit gerade ein solches gleichmütiges Wahrnehmen leidenschaftlicher oder stürmischer Gefühle. Mindestens äußert sie sich in einem gewissen Heraustreten aus dem Erleben, einem parallelen Bewusstseinsstrom, der meta ist – also über oder neben dem Hauptstrom schwebt – und das Geschehen wahrnimmt, statt darin eingetaucht und verloren zu sein.“ (Goleman, 1995, S. 68).
Menschen, die Achtsam sind, nehmen ihre eigenen Stimmungen wahr und zeigen verständlicherweise eine gewisse Kultiviertheit im Umgang mit ihrem Gefühlsleben. Sie sind autonom und ihrer eigenen Grenzen bewusst, seelisch gesund und haben meistens eine positive Lebenseinstellung. Ihre Achtsamkeit hilft ihnen mit ihnen, mit ihren Emotionen fertig zu werden (Goleman, 1995, S. 69).
Der Bezug zum Krieg als Geburtshelfer ist hier deutlich. Der Übergang in eine neue modernere Welt als bisher geht aus einer Anpassungsleistung hervor, die weit mehr ist als ein gewöhnliches Leben oder erleben es bieten kann. Menschen sind Intelligent und so gehen wir in eine neue moderne Welt. Wir werden dazu befähigt durch eine Form von Schaden in der zur gleichen Zeit auch die Freiheit zu wohnen scheint.
Doch wird der Zweifel an einen Gott groß wenn die Welt, die mir nicht nur die Liebsten nimmt, sondern du penetriert wirst von einer großen Angst, von einer großen Ungewissheit. Fromm bezeichnete dies in „Haben oder Sein“ als die Situation der völligen Gottlosigkeit. Wenn kein Glaube und keine Hoffnung mehr zu sein scheint, wie dies von den Nationalsozialisten gehandhabt wurde. Wenn Menschen ganz ohne Gott zu sein scheinen, ganz ohne glauben wären, dann wären sie in Todesangst. Man sieht, wozu der Glaube nicht nur wichtig und erforderlich ist, er ist auch fundamentaler in uns Menschen verankert als wir es vielleicht wahr haben wollen.
Vielmehr wird man sich fragen wie eine Form des Holocaust in Anbetracht des Glaubens an einen Gott möglich war. Viele bezeichneten dieser Akt als einen Gang zu Golgatha, also einer moderneren Form und in ausdifferenzierter Weise Kreuzigung, zweitausend Jahre später nach dem eigentlichen Ereignis. Auch hier hat die Welt erst viele Jahre später zunehmend erkannt was sie mit ihrem Unverständnis angerichtet hat. Auf der einen Seite haben wir den Schaden, auf der anderen Seite eine neue Welt. Eine Paradoxe Situation. Doch ist bekannt, aus Konflikten geht eine Kraft hervor, ein Antrieb. Nur damit lässt sich erklären das man mit zwiespältigen Gedanken genötigt ist aus einem Spannungsfeld eine Motorik zu entwickeln, Motive um mit neuem Blick in eine neue Welt zu gehen.
Bildquelle
Archiv, Pexels Pixabay, charakteristisches Merkmal, Achtsamkeit durch Katzenaugen und weit geöffnete Augen verdeutlicht