Zwischen Menopause, Testosteronmangel, Sehnsüchten und mutigen Neustarts erleben Menschen in der Lebensmitte den besten Sex ihres Lebens – wenn sie sich trauen, alte Muster zu sprengen. Die NANO Doku „Sex mit 40 plus – Freiheitsbooster oder Lustkiller?“ beschäftigt sich am Donnerstag, 8. Januar, um 20.15 Uhr, mit der Frage: Was weiß die Forschung über Sexualität in der Lebensmitte? Im Anschluss, um 21.00 Uhr, spricht Alena Buyx im NANO Talk: „Pornogesellschaft – Wie Porno unseren Sex beeinflusst“ darüber, was die allgegenwärtige Pornografie mit uns macht: Wo endet Befreiung, wo beginnt Überforderung?
Mainz/Germany, 7. Januar 2026. – Sexualität gilt als das mächtigste aller Bedürfnisse und übersteigt den eigenen Willen des Menschen. Der Grund dafür ist simpel, es dient der Überlebensfähigkeit.
Seine Potenz, später in diesem Zusammenhang seine Mächtigkeit (Kardinalität), was sich in den späteren Herausforderungen des Lebens zeigt, der Entwicklung von Eigenschaften und Charakter, Verantwortungsbereitschaft und Willen ergibt sich durch das Maximum zweier sich liebender Menschen beim Geschlechtsakt, wie einst der Sexualforscher Wilhelm Reich erforscht hatte. Genauso wie man sich beim Geschlechtsakt gegenseitig hochschaukelt, genauso ist ein Hochschaukeln auch im Leben von Menschen in Alltagssituation gedacht, wenn es darum geht, wo der Kritische Punkt von Entscheidungen ansteht. So geht es aus der Psychoanalyse hervor. Dies entspricht auch der Grenze um die moralische Kultivierung. Den körperlich, somatischer Trieb steht im Gegensatz zur Morallehre wie sie durch die Religion tief im innersten des Menschen eingegeben ist. Es gilt möglichst an die Grenzen zu gehen, weil man nur in diesem kleinen Zeitfenster den Raum findet sich selbst zu entdecken, sich selbst vor sich selbst zu rechtfertigen alles versucht zu haben. Alles andere ausserhalb belastet das Gewissen und macht den Menschen unfrei und unfähig in der Wahrheit.
Wilhelm Reich war davon überzeugt, das die Unterdrückung der geschlechtlichen Triebe zu Neurosen führt. Er ging noch wesentlich weiter und schreibt dem Fundamentale Entstehungen von Krankheiten zu wie bsw. dem Krebs. Zum Teil einig mit Sigmund Freud konnte dieser Wiederum feststellen, das die Unterdrückung der sexuellen Energie bis zur absoluten Bewegungsunfähigkeit führen könne. Allerdings, der liebende Geist reduziert die Triebhaftigkeit des Menschen weil er durch die Liebe eine Fülle erlebt die nur durch die Liebe zu anderen erfüllt werden kann, wie Erich Fromm es in die Kunst der Liebe beschrieben hat. Menschen denen die Erfüllung durch wahrhaftige Liebe fehlt sind kaum in der Lage die Triebhaftigkeit zu drosseln.
Auch hier besteht eine gewisse dynamische Grenze. Denn jede sexuelle Regung die über die reine Fortpflanzung hinausginge sei, so Freud das was in die Gesellschaft übergeht. Einerseits diene dies der Bildung, bzw. Bindung der Gesellschaft, zum anderen aber geht auch der Missbrauch darin einher. Was unterdrückt wird, fördert die Perversion von Gedanken. Alles andere wird zur Bindung mit anderen Menschen verwendet, angefangen vom Imponiergehabe und affektiven Verhaltensweisen.
Aus diesen Grundprinzipien kann man sich in den unterschiedlichen Lebensperspektiven und Lebensentwürfen auch ausmalen welche Bedürfnisse zu welchen Zeitpunkten des Lebens relevant sein werden. Jemand der eine Familie gründen will, wird sein Leben anders gestalten als jemand der dies bereits hinter sich gebracht hat. Andere haben diese Wünsche irgendwann zur Seite gelegt und andere Pläne geschmiedet.
Auch hier hatte Sigmund Freud einmal mittels seiner therapeutischen Arbeit feststellen können, das wenn einmal Partner gefunden ist und Kinder in die Welt gesetzt wurden, der Blick auf die eigentlichen Bedürfnisse freisetzen würde und so mancher Mensch versucht die Ehe irgendwie durch das Leben zu bringen oder sucht sich gleich eine ganz andere Partnerschaft. Erich Fromm fügt dem das übrige hinzu in dem dieser in den 1980er Jahren festgestellt hatte das wir ganz offensichtlich verlernt haben zu lieben.
In späteren Jahren kommen neue biologische Phänomene auf. Bei Frauen führen die Wechseljahre oft zu einer neuen Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen. Doch auch Männer hinterfragen bisherige Vorlieben und Praktiken, zum Beispiel, wenn vermehrt sexuelle Funktionsstörungen auftreten. Die „NANO Doku: Sex mit 40 plus – Freiheitsbooster oder Lustkiller?“ beleuchtet Sexualität in der zweiten Lebenshälfte aus wissenschaftlicher Sicht. Die Soziologin Barbara Rothmüller erforscht an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien, wie sich sexuelle Identität, Fantasien und Ausmaß der Lust im Lebensverlauf verändern. Das Beispiel von Heike und Frederic aus Wien ‒ beide Ende 40 und erst seit einem Jahr zusammen ‒ bestätigt das Ergebnis wissenschaftlicher Befragungen: Frisch verliebte ältere Paare können ein weitaus aktiveres Sexualleben haben als junge Paare in Langzeitbeziehungen. Bettina Toth, Leiterin der Innsbrucker Uniklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, unterstützt Patientinnen in der Perimenopause. Ihr Ziel ist es, dass Frauen gesund alt werden, und dazu gehört eine erfüllende Sexualität. Genauso wichtig wie die Unterstützung durch Expertinnen und Experten ist ein offener Austausch über die bisherigen Erfahrungen und das persönliche Erleben. Der fällt den über Vierzigjährigen noch immer nicht ganz leicht. Doch in Podcasts, Selbsthilfegruppen, Freundschaften und Partnerschaften kommen auch sie immer häufiger ins Gespräch und legen so den Grundstein für eine erfüllendere Sexualität in der Mitte des Lebens.
„NANO Talk: Die Pornogesellschaft ‒ Wie Porno unseren Sex beeinflusst“
Im Anschluss zeigt 3sat „NANO Talk: Die Pornogesellschaft ‒ Wie Porno unseren Sex beeinflusst“. Pornografie ist allgegenwärtig – in Clips, in Songs, in der Mode. Was einst tabu war, ist heute Mainstream. Die digitale Pornokultur prägt nicht nur unser Begehren: Pornografie spiegelt auch die Gesellschaft – und formt sie zugleich. Studien zeigen: Pornografie kann informieren, inspirieren und sexuelle Vielfalt sichtbar machen. Sie kann aber auch Erwartungen verzerren, Druck erzeugen und intime Beziehungen belasten. Es geht auch um Macht und Gewalt, um Körper gegen Geld – und um die Suche nach Echtheit in einer digitalisierten Fake-Intimität. Zwischen Selbstbestimmung und Kommerz, zwischen Neugier und Abhängigkeit entsteht ein Spannungsfeld, das Fragen aufwirft: Wann ist Lust noch Spiel – und wann verlieren wir die Kontrolle? Mit folgenden Gästen spricht Alena Buyx über Sehnsüchte, die Liebe und den Preis der Dauererregung: Madita Oeming, Kulturwissenschaftlerin, Sexual- und Medienpädagogin, Johannes Fuß, Psychiater und Sexualwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen, sowie Rudolf Stark, Professor für Psychotherapie und Systemneurowissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen.


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