Einblick in die Werkschau mit rekonstruierten und neu interpretierten Entwürfen. Foto: Bettina Bönte

Modepioniere: Deutsch-Israelisches Modeprojekt wird 2026 fortgesetzt

Nach gut besuchter Werkschau in Berlin folgen weitere Ausstellungen in Deutschland und Israel. Ein voller Saal, bewegende Geschichte und visionäre Entwürfe: Im Dezember 2025 wurde in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin ein vergessenes Kapitel der Modegeschichte wieder lebendig. Basierend auf dem neuen Standardwerk von Dr. Gesa Kessemeier präsentierten drei Hochschulen die Ergebnisse einer einzigartigen Zusammenarbeit.

Berlin, Januar 2026 – Das Interesse an der modischen Identität der 1920er Jahre und dem Schicksal ihrer Protagonisten ist groß. Die Dezemberveranstaltung am historischen Standort des Modehauses Clara Schultz im Tiergartenviertel war restlos aus- und sogar überbucht. Im Zentrum stand nicht nur der Rückblick, sondern eine lebendige Auseinandersetzung der „Next Generation“ mit einem bedeutenden kulturellen Erbe.

Ein binationales Projekt tritt das Erbe an

Der Abend markierte den vorläufigen Höhepunkt einer intensiven Kooperation zwischen der AMD Akademie Mode & Design, der HTW Berlin und dem renommierten Shenkar College (Israel). Die Studierenden widmeten sich den Biografien und Werken von Modemachern der Zeit vor 1933. Dabei wurde deutlich: Bei rund 90 Prozent der untersuchten Biografien handelt es sich um jüdische Unternehmerinnen und Designer, die einst Berlin zur Weltbühne machten, bevor sie enteignet, vertrieben oder ermordet wurden.

„Es geht hier um ein modisches Erbe, das wir gemeinsam mit den Studierenden antreten“, so die Projektverantwortlichen. Ziel war es, den Studierenden nicht nur die handwerkliche Exzellenz der 1920er Jahre zu vermitteln, sondern auch das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass diese Modemacher kreative Treiber der Gesellschaft waren.

Vom „Replica“ zum „New Look“

Die im Rahmen der Buchpräsentation gezeigte Werkschau illustrierte den zweistufigen Prozess des Projekts:

  1. Rekonstruktion: Zunächst fertigten die deutschen und israelischen Studierenden Kleider nach historischen Zeichnungen und Fotografien, um Produktionstechniken und Textilien der damaligen Zeit zu begreifen.
  2. Neuinterpretation: Im zweiten Schritt entsteht eine kreative Verbindung in die Gegenwart. Die gezeigten neuen Kreationen sind „laut, bunt und hip“ – Sie tragen die Geschichte der jüdischen Designer in sich, transformieren sie aber in eine moderne Designsprache.

Ausblick für 2026: Das Projekt geht weiter

Der Erfolg und der enorme Andrang in Berlin waren erst der Auftakt. Die Botschaft, dass jüdische Kreativität in der Mode nicht mit der Shoa endete, wird weitergetragen: Für das Jahr 2026 sind weitere Ausstellungen und Modenschauen in Deutschland und Israel geplant. Dort werden die Arbeiten einem noch breiteren Publikum zugänglich gemacht, um das Bewusstsein für die jüdischen Pioniere der Mode nachhaltig zu verankern.

Über die Kooperation
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit der AMD Akademie Mode & Design, der HTW Berlin und des Shenkar College of Engineering, Design and Art (Israel). Unterstützt wurde die Umsetzung durch die Industriepartner FabricHouse und Südwolle.

Über die AMD Akademie Mode & Design
Die AMD Akademie Mode & Design hat mehr als 35 Jahren Bildungserfahrung mit Fokus auf Mode, Medien, Management und Design. Als Fachbereich Design der Hochschule Fresenius bietet sie in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, München und Wiesbaden Bachelor- und Master-Studiengänge sowie Weiterbildungen an. Die AMD Akademie Mode & Design ist Teil der der Carl Remigius Fresenius Education Group, eines der größten privaten und unabhängigen Bildungsanbieters in Deutschland.
Informationen: https://www.amdnet.de/

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Einblick in die Werkschau mit rekonstruierten und neu interpretierten Entwürfen. Foto: Bettina Bönte


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