Kommunikation – wo Grenzen sind – Korrelation, Koinzidenz und Kausalität

Um Diskussionen nicht ins uferlose abgleiten zu lassen gibt es drei zentrale Mechanismen. Wenn geklärt ist das für den Moment etwas nicht nachweisbar ist, aber erheblich zur Entscheidung beiträgt, muss man abwägen ob eine Diskussion sinnvoll sein kann. Auch in Fällen von Täuschung, Fake oder etwas schlecht reden wollen sind Formen sprachlicher Sensibilisierung hilfreich. Drei durchaus bekannte Begriffe sollen solchen Einordnungen im Gespräch und der Entscheidung im weiteren Verhalten Unterstützungsmöglichkeiten bieten.

Matrei a.Br./Austria, 16. August 2026. – Es wäre sicherlich ein angespanntes Gespräch, wenn man darauf beharren würde immer zusagen oder zu fragen, „kannst du dieses oder jenes beweisen“? Alltagssprache soll und darf entspannt sein. Aber, in Zeiten von Fake, Fälschung und Täuschung ist es durchaus hilfreich sich selbst zu sensibilisieren, und sich als sensibilisierende Frucht anderen Menschen gegenüber zu stellen und versuchen Missbrauch zu verhindern. Behauptungen nicht einfach anwenden und nutzen, weil man seinen Anteil durchsetzen möchte. Sondern, erst dann wenn eine Aussage oder Darstellung gesichert sein kann, in irgendeiner Form fundiert ist, am besten Faktisch hinterlegt, sollte man diese in Gesprächen zum Einsatz bringen! Gegenwärtig wird versucht in diesem Zusammenhang den Begriff „Alternative Fakten“ salonfähig zu machen. Weiterhin setzt auch Populismus darauf das Menschen Dinge nicht weiter nachprüfen wollen, sondern den Theorien ihrer Urheber glauben. Eine Sensibilisierung hilft dabei, das „eigene Ohr“ auf missbräuchliche Aussagen zu konditionieren. Zu deutsch: man hört heraus wenn jemand lügt, lügen verbreitet, versucht zu vertuschen, zu täuschen. Um einer drohende Verrohung von Gesellschaft und Kommunikation entgegen zu wirken, ist die „Theorie kommunikativen Handelns“ des Philosophen Jürgen Habermass eine grosse Bereicherung. Habermass war mit seinen Werken ganz offensichtlich zutiefst bemüht der Gesellschaft eine unterstützende Orientierung zu geben. Nachfolgend drei hilfreiche Begrifflichkeiten die in Sensibilisierung, Orientierung und verbaler Abgrenzung den kommunikativen Gesprächsverlauf unterstützen.

Korrelation

Bei einer Korrelation ist der Hang, Sinnmuster auch dort zu erkennen wo keine sind, sehr ausgeprägt. Der Alltag durchschnittlicher Menschen, Laien wie intuitiver Toxikologen ist von dieeser Annahme ausgefüllt. Es braucht Argumentation und Toleranz solche Disskusion aushalten zu können und nicht ad absurdum zu führen.

Mutmasslich hat Jürgen Habermass dazu den Begriff intuitive Toxikologen zugeordnet – weil das Verhalten tatsächlich vergiftend wirkt – meint in der Regel so ziemlich alle Menschen die ihre Gespräche und Diskussionen nicht gerade wissenschaftlich fundiert führen, was dennoch der Normalität entspräche.

Die zusätzliche Ausprägung einer Handlungsfolge oder eines Ereignisses verläuft bei einer Korrelation proportional zur Ausprägung einer weiteren Folge oder Ereignis, das nichts miteinander zu tun haben muss. Ein Wissenschaftlicher Beweis wird ggfl. erforderlich.

Beispiel: Eine Untersuchung stellt fest, in der Nähe von Kernkraftwerken ist die Leukämirate erhöht. Der Schluss liegt nahe das die radioaktive Strahlung der Kernkraftwerke die Ursache für die Leukämie sei.
Eine Studie hatte im tatsächlichen Fall eine Korrelation festgestellt.

Das Wissenschaftsteam der Studie war aber nicht davon überzeugt das die radioaktive Strahlung aus den Kernkraftwerken die Ursache der Leukämiefälle sei. Der Impuls kam aus ähnliche Fällen anderer Standorte. An anderen Vergleichbaren Standorten war die Leukämirate signifikant nieder als im Durschnitt aller Orte insgesamt. Um den Nachweis zu erbringen müsste die Krebsrate relativ konstant an allen Orten nachweisbar sein.
Weiterhin wurde bekannt, dass die gemessene Strahlung aus Kernkraftwerken so gering ist, dass die Erkenntnisse aus den toxikologischen Experimenten keinen Anhaltspunkt dafür geben, an der Hypothese einer statistisch signifikanten Erhöhung der Krebsrate festzuhalten.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen kamen zu dem Ergebnis das ein kausaler Zusammenhang unplausibel ist.

Nicht immer können alle Umstände punktgenau aufgelöst werden. Weiterhin treffen unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Meinungen aufeinander, haben unterschiedliche Wahrnehmungen über Risiken, Beobachtungen und Bewertungen. Emotionale als auch politische Irritationen schüren unterschiedliche Wahrnehmungen über oft gleiche Befunde.

Bei aktuellen Diskussionen – häufig sind persönliche Betroffenheit und Emotion im Spiel – ist Augenmass und Toleranz unabdingbar um ein gesundes Niveau in Diskussionen aufrechtzuerhalten.

Koinzidenz

Wenn zwei Handlungen oder Ereignisse gleichzeitig auftreten und, oder an einem gleichen Ort stattfinden, und man in diesen Ereignissen eine zeitliche oder räumliche Nähe eine Beziehung vermutet, dann handelt es sich hierbei um eine Koinzidenz.

Maria hat um 11:15 Uhr eine Vorlseung im Hörsaalgebäude. Anton trifft sich mit dem Arbeitskreis in der Bibliothek, um 11:15 Uhr. Beide kennen sich oberflächlich aus anderen Veranstaltungen an der Uni. Maria und Anton treffen sich aufgrund ihrer Wegekreuzung jeden Morgen um 11:00 Uhr an dieser Stelle.
Maria ist sich sicher, Anton muss gefallen an ihr haben und glaubt das Anton sich die Wegezeiten und die Umstände so passend legt, das sie sich wie zufällig begegnen. Doch Anton hat selbige Gedanken über Maria und glaubt daher das Maria sich bei ihm unscheinbar auffällig machen möchte. Anton nimmt sich ein Herz und spricht Maria eines Morgens an: „Ich glaube das Schicksal hat es bestimmt, dass wir immer wieder hier zusammentreffen. Sollen wir nicht einmal Nägel mit Köpfen machen? Darf ich dich heute Nachmittag zu einem Kaffee einladen?“

Obwohl beide aus völlig unterschiedlichen Lebenslagen kommen könnten und vielleicht sehr unterschiedliche sozialisiert sind, dominiert hier zunächst das Self-Prophetie, in diesem Fall auch ein potenzielles Wunschdenken, also die Form der Selbstprophezeihung das die Dinge so sind wie man sie vermutet. Menschen neigen bei Koinzidenzen dazu innere Zusammenhänge auch dort wahrzunehmen wo vielleicht gar keine Sind. Der Hang evtl. auch Sinnmuster dort zu erkennen wo keine sind.

Kausalität

Eine Kausalität liegt dann vor, wenn Ursache und Wirkung nachweislich einen Zusammenhang aufweisen und parallele Analogien ausgeschlossen werden können. Intuitive Toxikologen neigen dazu, kausale Zuordnungen vorzunehmen, sobald zwei Bedingungen erfüllt sind:
Es gibt einen Zusammenhang zwischen einem Auslöser und einer Erkrankung, und man hat ein Ereignis in der Nähe des Auslösers beobachten können.

Siehe bsp, Korrelation „Kernkraftwerk“

Auch dann wenn beide Bedingungen für Ursache und Wirkung, im Beispiel Auslöser und Erkrankung für die wissenschaftliche Toxikologie erfüllt wären, sind diese für eine kausale Zuordnung unzureichend.

Es muss nachweisbar sein das entsprechende betroffene Personen der Ursache ausgesetzt waren. Weiterhin muss sicher gestellt sein, das kein anderer Auslöser oder Ursache parallale oder snyergetisch mit anderen möglichen Ursachen und Wirkungen gewirkt hat. Erst unter diesen Bedingungen kann von kausalen Beziehungen gesprochen werden.

Die wissenschaft ist mit Verfahren und Methoden bemüht falsche Hypothesen zu widerlegen.

Weitere Beispiele, seit wenigen Jahren, genauer seit der Pandemie 2019 werden immer wieder Vergleiche gezogen. Auch das Beispiel Zweiter Weltkrieg ist gegeben.
Wenn es darum geht wirtschaftliche Entwicklungen zu vergleichen, dann bezieht man sich häufig auf den zwangsläufigen Nullpunkt Covid-19, der in 2019 begonnen Pandemie. Man vergleicht darin welche Wirkung das herunterfahren der gesamten Wirtschaft zur Folge hatte und wie sich die weiteren Entwicklungen ergeben haben.

Im Zweiten Weltkrieg gab es eine vorsätzliche Massenvernichtung. Diese hatte so enorme Wirkung, das man für wissenschaftliche Untersuchungen zum Ende des Krieges mit einer neuen Definition begonnen hat. Man hat neu bestimmt, Menschen die nach 1945, also nach dem Ende des 2. Weltkrieges geboren wurden, gelten als die erste Nachkriegsgeneration.

Quelle:
Habermas, Jürgen; Theorie des kommunikativen Handelns, Band 1, Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung, 12. Auflage 2022, 1. Auflage 1995, Suhrkamp Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main

Habermas, Jürgen; Theorie des kommunikativen Handelns, Band 2, Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, 12. Auflage 2022, 1. Auflage 1995, Suhrkamp Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main

Vom Beobachten zum Erklären, 2026
http://de.gate-communications.com/vom-beobachten-zum-erklaeren/

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