Ab 30 °C sinkt die Passantenfrequenz an der Zürcher Bahnhofstrasse bei jedem weiteren Grad um bis zu 1200 Personen. Trotzdem bleiben die stationären Ausgaben im Kanton Zürich relativ konstant. Was das für Innenstädte, deren Einkaufsmeilen und den Handel bedeutet, zeigt das GDI-Whitepaper „Hotspot Innenstadt„.
Rüschlikon/Switzerland, 10. September 2026. – Weniger Passanten in heissen Nachmittagsstunden. Bei Tageshöchsttemperaturen von 33°C fehlt der wichtigsten Schweizer Einkaufsstrasse fast jede zehnte Person. Der Hitzeeffekt wirkt besonders in den heissen Nachmittagsstunden: Zwischen 12 und 19 Uhr gehen an Hitzetagen (über 30 °C) zwischen 1320 bis 2560 PassantInnen verloren. Ab 20 Uhr kehrt sich das Muster um, doch dann sind die Läden geschlossen. Diese Anpassung des Tagesrhythmus an die steigenden Temperaturen stellt für den stationären Schweizer Handel künftig eine neue Herausforderung dar.
Hitze beeinflusst, ob Menschen überhaupt in die Innenstadt gehen, zu welcher Tageszeit sie unterwegs sind und welche Wege oder Strassenseiten sie vor Ort wählen. Gianluca Scheidegger, Senior Researcher und Autor des Whitepapers: „Hitze wirkt wie eine synchronisierende Kraft in einer Zeit, in der Konsummuster zunehmend heterogen werden: Sie setzt einen körperlichen Reiz, auf den viele Menschen mit ähnlichen Verhaltensanpassungen reagieren.“
Konsum verlagert sich
Trotz der Verhaltensveränderungen bleiben die elektronischen Ausgaben im stationären Handel des Kantons Zürich auch bei hohen Temperaturen relativ konstant. Der Hitzeeffekt wird hier nicht beobachtet. Das spricht dafür, dass Ausgaben an heissen Tagen nicht ausfallen, sondern sich räumlich verlagern: weg von exponierten Einkaufsstrassen hin zu schattigen, klimatisierten Orten.
Während die stationären Ausgaben im Kanton Zürich bei Hitze weitgehend stabil bleiben, zeigen schweizweite E-Commerce-Daten einen positiven Hitzeeffekt. Im Online-Handel steigen die Ausgaben im Bereich Food/Beverage/Tobacco oberhalb von 30 °C um rund 1.4 Prozent pro zusätzlichem Grad. „Hitze bremst den Konsum nicht, sondern verschiebt ihn“, so Gianluca Scheidegger: „Zeitlich in kühlere Abendstunden, räumlich in schattige Zonen sowie klimatisierte Innenräume und digital in den Onlinehandel.“
Handel und Städte: Anpassung an hitzebedingte Verhaltensweisen
Europäische Städte leben von geschäftigen Strassen, belebten Plätzen und einer vielfältigen Mischnutzung. Eine Verschiebung des öffentlichen Lebens in klimatisierte Innenräume, wie das beispielsweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten der Fall ist, ist in der Schweiz kaum denkbar. Schatten, Begrünung und weitere klimatische Anpassungen bei der Stadtplanung tragen zu einer lebenswerten Innenstadt bei. Gleichzeitig muss sich der Handel fragen, wie er auf neue Tagesrhythmen reagiert. Ob die heutigen Öffnungszeiten noch zum veränderten Stadtalltag passen, dürfte dabei eine zentrale Frage sein. „Unsere Innenstädte müssen lernen, mit Hitze umzugehen. Mediterrane Städte zeigen, wie das gelingen kann“, so Johannes C. Bauer, Head of Think Tank am Gottlieb Duttweiler Institut.
Das Whitepaper „Hotspot Innenstadt: Wenn unsere Einkaufsstrassen zu heiss werden“ steht ab sofort kostenlos unter https://gdi.ch/hitze zum Download bereit.
Weitere Informationen:
https://gdi.ch/publikationen/studien/hotspot-innenstadt
Bildquelle
Der Knickpunkt: Ab 30 °C wirkt Hitze stark negativ. Copyright: GDI
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