Das Einkommensgefälle sorgt weltweit für Diskussionen. Wann Menschen das gerecht finden (und wann nicht), hat eine Studie der UZH nun weltweit untersucht. Sie deckte prägnante Unterschiede zwischen westlich und nicht-westlich geprägten Gesellschaften auf. In der Schweiz wird besonders eigene Leistung gewürdigt.
Zürich/Switzerland, 9. September 2026. – Ingvild Almås ist Wirtschaftswissenschaftlerin an der Universität Zürich und beschäftigt sich mit Fragen wie etwa, „Finden Sie es eigentlich fair, dass manche Menschen finanziell besser dastehen als andere? Spielt es dabei vielleicht eine Rolle, ob das Einkommen auf einem Lottogewinn oder harter Arbeit beruht?
Sie möchte wissen, aus welchen Gründen Menschen auf der ganzen Welt bereit sind, Ungleichheit zu akzeptieren. Und unter welchen Bedingungen sie eine Umverteilung – etwa durch höhere Besteuerung von Reichen – befürworten.
Seit dem ca. 1100 Jhd. Ist durch Studien belegt, das Menschen Verbindungen durch Verheiratung in Anspruch genommen haben um damit Besitz und Vermögen, zu vermehren. Bis heute ist daraus eine Schere entstanden, die wachsend und sehr deutlich zwei Pole herauszuarbeiten scheint. Arm und Reich. Vermögen ist erst ab dem Zeitpunkt entstanden, als durch die Sesshaftwerdung man der Inanspruchnahme durch fruchtbares Ackerland seinem eigenen Werken eine Wertigkeit beimessen konnte. Durch Verluste hat man gelernt zu horten. Der Krieg um Besitz und „Haben wollen“ ist entstanden. Bis heute hat man sich damit arrangiert das dies unser Weltbild prägen sollte.
Doch das kann nicht immer so gewesen sein und zeigt, es ist eine Frage von Zusammenhang in Macht und Gesellschaft. Während Archäologie, Forschung und Wissenschaft zeigen können, das durch matrizentrische Gesellschaftsformen Gleichheit zelebriert wurden, ist durch das Patriarchat eine Form von Dominanz und Pyramidalen Herrschaftsformen entstanden. Die historische Entwicklung des Patriarchats ist noch nicht abgeschlossen. Und wie es eine Phase des Anfangs gibt und eine Phase des Endes, so deutet sich vieles in der Form das dass Patriarchat gegenwärtig zu einem Hoch tendiert, sich damit aber mässigen wird. Denn beide Herrschaftsformen werden in der Gesellschaft als Mischform benötigt. Die Ursprünge, dieses aus dem produktiven Denken entstanden Herrschaftssystem liegen daher im Geschlecht.
Wie alles in der Welt differenzieren die Geschlechter ebenfalls, was bis heute zu einem Kontinuum von weiblich bis männlich gesorgt hat. Aus dieser entstandenen Vielfalt, die wir zum Leben brauchen, ist wiederum eine Gesellschaftsform entstanden, an der wir heute schwer zu nagen haben. Aus politischer Sicht Demokratie, aus naturgesellschaftlicher Perspektive „egalitäre Gesellschaft“. Ein Begriff der mutmasslich durch die Philosophin und Pionierin der Matrizentrik, Heide Göttner-Abendroth geprägt worden sein kann.
Zu einer der menschlich urtypischsten Fragen des Menschen gehört die Frage der Gerechtigkeit und dem daraus entstehenden Richten über sich und andere. Die Grundlage einer später entstandenen Moral und Religion. Mit dieser extremen Form von Dynamik und Spannung entstand eine Form der Gerechtigkeitsarithmetik.
„Ungleichheit ist ein wichtiges globales Thema. Eine entscheidende Frage ist, wie Ungleichheit in der Gesellschaft moralisch gerechtfertigt wird“, sagt Almås. Ihre soeben publizierte Studie, gemeinsam durchgeführt mit norwegischen Kollegen, zeigt, dass es hier deutliche Unterschiede zwischen den Ländern gibt. „Menschen halten ein verschiedenes Ausmass an Ungleichheit für akzeptabel und haben auch unterschiedliche Rechtfertigungen dafür.“ Unabhängig vom Motiv, diese Ungleichheit zu verarbeiten, zu verkraften entsteht daraus in aller Regel die Eigenschaft der Güte. Man erträgt etwas oder nimmt in Kauf, bis zu einem gewissen Grad. Das reizt Belastungsfähigkeit aus, sensibilisiert auf Leidensfähigkeit und Erträglichkeit.
Fast die ganze Welt befragt
Die Untersuchung schloss insgesamt 65’000 Menschen aus sechzig Ländern ein und deckte somit achtzig Prozent der Weltbevölkerung ab. Die Versuchsteilnehmenden mussten zum Beispiel entscheiden, auf welcher Basis echte Mitarbeitende auf einer Online-Arbeitsmarkt-Plattform einen Bonus bekommen sollten − entsprechend ihrer Leistung oder durch eine zufällige Auslosung. Die Studie erfasste auch, inwieweit eine Umverteilung des Wohlstands befürwortet wird – etwa durch mehr Steuern für Wohlhabende oder andere politische Massnahmen.
Einkommen durch Leistung gilt als fair
Das Resultat: Im Durchschnitt akzeptiert die globale Bevölkerung eine ungleiche Verteilung des Wohlstands eher, wenn dies auf Arbeit und nicht auf purem Zufall beruht. Dieses Motiv ist damit ein bedeutender Faktor. Denn es sagt auch aus, wie Menschen in einer Sippe, einer Gruppe, einer Gesellschaft miteinander umgehen. Sich am „Glück“ oder „Schicksal“ anderer zu reiben hat die wichtige Funktion, daran wachsen und sich messen zu können.
Diese Ansicht ist beispielsweise in der Schweiz besonders stark ausgeprägt. „Ein leistungsorientiertes Verständnis von Fairness sehen wir vor allem in Ländern mit demokratischen politischen Systemen, die wohlhabend, gleichberechtigt und individualistisch sind“, so Almås. Dennoch ist die Schweizer Bevölkerung offen für eine gewisse Umverteilung, wenn auch insbesondere in den Fällen, wo die Ungleichheit auf Glück beruht.
Höhere Akzeptanz von Glück in Asien
Die Meinung, dass Wohlstand ohne eigene Leistung eher unfair ist, teilen aber nicht alle Länder; hier gibt es auffällige Unterschiede: Eine grosse Akzeptanz von Glück fanden die Forschenden in nicht-westlichen Ländern wie China und Indien. Die dortige Bevölkerung war auch mehrheitlich dagegen, einen durch Zufall errungenem Wohlstand umzuverteilen. Einen Grund für diese Einstellung sieht Almås in kulturellen und anderen Faktoren: «In künftigen Studien werden wir untersuchen, inwieweit diese unterschiedlichen Präferenzen zur Umverteilung mit unterschiedlichen religiösen Überzeugungen zusammenhängen.»
Neben Fairness-Aspekten gäbe es noch einen anderen Grund, Ungleichheiten zu akzeptieren – nämlich, dass eine Umverteilung ein Land teuer zu stehen kommt: Etwa wenn vermutet wird, dass Menschen mit hohem Einkommen bei einer Umverteilung über Steuern weniger arbeiten werden. Wie die Auswertung ergab, spielt dieser Faktor global jedoch eine viel kleinere Rolle bei der Akzeptanz von Ungleichheit als die Ursache der Ungleichheit, wie Glück versus Verdienst.
Neue Basis für Ungleichheits-Forschung
Die Studie illustriert, dass es wichtig ist, menschliches Verhalten nicht nur in den sogenannten WEIRD-Ländern (westlich, gebildet, industrialisiert, reich und demokratisch) zu untersuchen. „Die Ergebnisse haben einen wichtigen Kontrast zwischen westlichen und nicht-westlichen Gesellschaften aufgedeckt“, so Almås. Die Resultate helfen zu verstehen, wie Gesellschaften eine Ungleichheit moralisch rechtfertigen − und dies wiederum die Einstellung zu einer Umverteilung beeinflussen kann. Der Datensatz biete deshalb eine wertvolle Grundlage für zukünftige Forschung auf diesem Gebiet.
Literatur
Ingvild Almås et al.: Fairness Across The World. The Quarterly Journal of Economics. 7 September 2026. DOI: https://doi.org/10.1093/qje/qjag044
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