Eine repräsentative Umfrage der IU Internationalen Hochschule legt offen, wie es um das finanzielle Wohlbefinden in Deutschland steht.
München/Germany, 20. November 2025. – Es ist als Blicke die Welt mit Argusaugen auf die Generation Z. In der volkswirtschaftlichen Modellrechnung gilt die Gleichung, was nicht ausgegeben und konsumiert wird, das wird gespart und fließt in andere, meist höhere Investitionen, da man Geld auf längere Sicht anspart. Für Modellrechnungen reduziert man die Vorgänge auf das wesentlichste.
Wird Geld aber ausgegeben, dann fließt es sozusagen in den Antrieb der Wirtschaft. Genauer in gezielte Produkte, aber auch vieles in Impulskäufe, wie die Studie zeigen wird. Moderne technologische Entwicklungen wie im Internetdienstleistungsbereich im Beispiel Pinterest, Instagram oder wer auch immer, verkürzen die Prozesswege und arbeiten unmittelbar mit der Emotion am Kauf. Siehst du ein Produkt das dir oder deinen Freunden gefällt, dann kannst du es sofort kaufen. Die Hemmschwelle ist maximal gesenkt, je weniger Barrieren dazwischen stehen.
Der Konsum treibt die Wirtschaft an und steht daher im dauerhaften Fokus, sieht man von weiteren Bedingungen mal kurz ab. Den bringen offensichtlich vorwiegend die Generation Z in Umlauf wie es scheint. Die IU-Studie zeigt, dass junge Menschen in Deutschland deutlich häufiger durch Social Media beeinflusst werden. 21,2 Prozent der Generation Z stimmen der Aussage „Meine finanziellen Entscheidungen werden von dem, was ich in sozialen Medien über Lebensstil und Einkäufe sehe, beeinflusst“ voll und ganz oder eher zu, was als Influencer-Einfluss betrachtet wird. Damit geben sie mehr als doppelt so häufig an, durch Plattformen wie TikTok, Instagram oder Finanz-InfluencerInnen beeinflusst zu werden, wie es etwa bei der Gen X (46- bis 60-Jährige, 10,0 Prozent) und den Babyboomern (61- bis 65-Jährige, 9,3 Prozent) der Fall ist.
Auch Impulskäufe haben es in sich. Gleichzeitig durchkreuzen die spontanen Ausgaben – insbesondere bei den Jüngeren – häufiger langfristige finanzielle Ziele. So stimmen 27,8 Prozent der Gen Z und 24,2 Prozent der Gen Y der Aussage „Ich gebe oft unüberlegt Geld aus, obwohl ich das Geld eigentlich für langfristige finanzielle Ziele sparen wollte“ voll und ganz oder eher zu. Bei den Babyboomern sind es beispielsweise mit 13,7 Prozent weniger als die Hälfte im Vergleich zur Gen Z.
Es ist das bestreben und scheint unausweichlich, dass der Mensch in sich den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben trägt. Vielleicht handelt es sich hier um einen epochalen Wechsel, das diese Form der Selbstbestimmtheit gerade in dieser Generation deutlich zum Ausdruck kommt.
Was Menschen dieser Generation tatsächlich beschäftigt müsste man im einzelnen vielleicht hinterfragen. Die Studie macht aber schon eine Sache sehr deutlich. Geld ist nicht mehr das Thema. Aber, es hat sich nur der Blickwinkel auf das Thema verändert. Während man seit der Wirtschaftswunderzeit etwas haben oder besitzen wollte, wird der Konsum heute häufiger für die Selbstverwirklichung benötigt und kann daher später wieder abgestoßen werden. Die Tendenz zeigt, es kommt darauf an, das wird man nachfolgend sehen, was man aus sich macht!
Die Nachkriegsgenerationen sind in einer Wirtschaftswunderzeit aufgewachsen. Der Konsum war auf Materialismus ausgerichtet. Wer etwas auf sich hielt, der war auf dem aktuellen Stand. Schauen wir heute in die Zukunft weis niemand so genau wie ein Leben vor dem Hintergrund einer klimatischen Veränderung wohl weiter gehen wird oder soll. Die Zeit scheint endlich. Die Frage welchen Wert bestimme Dinge wie Kriege und Konflikte, oder haben und nicht haben mit sich bringen. Das kann man wohl einen epochalen Wechsel nennen. Die Perspektiven ändern sich. Wichtig ist für Menschen das sie selbst mit den Dingen wachsen können.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass finanzielle Unabhängigkeit für viele Menschen ein wichtiges Ziel ist. Gleichzeitig wird klar, dass die vorherrschende Mentalität, bis 67 in Vollzeit zu arbeiten, nicht mehr der Maßstab ist. Insbesondere die Generation Z verändert unser Verständnis von Geld grundlegend:
Für sie sind Finanzen kein notwendiges Übel, sondern ein wesentliches Instrument für ein selbstbestimmtes Leben. Politik und Finanzbranche müssen diese Realität endlich zur Kenntnis nehmen“, erklärt Johannes Treu, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre an der IU Internationalen Hochschule und Experte der Studie. Geld wird also instrumentalisiert und nicht mehr einverleibt.
Der Punkt hängt hier am selbstbestimmten Leben. Ein sehr heikles Thema könnte sein, wenn auch hier die Perspektive verändert wird und man sich klarmacht das jede Generation eine Erweiterung bedeutet. Um es mit den Worten der Philosophin Hannah Arendt zu beschreiben: „wir sind seit tausenden Jahren ein und derselbe Mensch“. Damit ist kein neues Phänomen gemeint, sondern sie spricht damit ein Thema an, das im Rahmen der Künstlichen Intelligenz ein neues Hinterfragen hervorrufen wird. Hannah Arendt meint damit, das mit einem über die Generationen weiter wachsenden Geist der Zeitbogen menschlichen Denkens größer und umfangreicher wird. Und wenn man nach den Theorien von Sigmund Freud geht, so sammelt sich das Unterbewusste in jeder weiteren Generation an. Mit zunehmender Generation steht einem menschlichen Denken die ganze Evolution gegenüber. Wir leben in einer Zeit, in der man den Menschen auch vor dem Hintergrund der Zeit, besser illustriert mit gedanklichen Zeitbögen umfangreicher betrachten muss.
Insbesondere junge Menschen in Deutschland streben nach finanzieller Selbstbestimmung, wie die neue repräsentative Studie „Finanzielles Wohlbefinden: Stimmungslage in Deutschland” der IU Internationalen Hochschule zeigt: Mit 66,7 Prozent steht bei der Gen Z (16- bis 30-Jährige) finanzielle Unabhängigkeit an erster Stelle, wenn es um finanzielle Ziele geht – ein höherer Wert als der Gesamtdurchschnitt (58,9 Prozent), bei dem dieses Ziel ebenfalls Rang eins belegt.
Ein Streben nach finanzieller Selbstbestimmung ist nachvollziehbar, wenn man auch hier die Blickrichtung etwas wechselt. Verschiedene Theoretiker, allem voran Sigmund Freud hatten herausgefunden, das aus einem Geschlecht die Eigenschaften eines Menschen hervorgehen. Menschen müssen mit Produkten hantieren, um daraus zu entdecken, was sich durch sie selbst verwirklicht. Ein Begriff, der sich Autoerotik nennt und sicher jeder Mensch einmal schon erlebt hat. Ich muss mit Materialien arbeiten um zu entdecken wie ich mich weiter entwickeln und entfalten können werde.
Entweder müssen solche Produkte gekauft, anderweitig erworben oder im Sinne eines Ressourceschonenden Vorgangs und dem Sharingzeitalter geteilt werden. Die Studie zeigt hier, im Vergleich zu anderen Generationen verfolgt die Gen Z besonders häufig finanzielle Ziele, die auf persönliche Freiheit und individuelle Lebensgestaltung abzielen: Neben finanzieller Unabhängigkeit sind dies vergleichsweise häufig die Erfüllung von Wünschen und Lebenszielen (58,4 Prozent), Freiheit (34,1 Prozent), der Kauf eines Hauses (34,3 Prozent) und Ausgaben für Bildung (26,5 Prozent). Sie untermauert diesen Aspekt.
Die Perspektive ist dabei aber der zentrale Unterschied, vielmehr das Motiv warum ich ein Produkt erwerbe. So hat Erich Fromm in „Haben oder Sein“ beschrieben, das ich ein Produkt eben aus dem Grund erwerben kann, weil ich will, das es mir gehört und ich damit eine eigene Wertigkeit definiere. Produkte im Sinne des Seins sind Produkte, durch die ich meiner Identität ein Stückweit näher komme. Das Unterscheidet die Generationen für die man beim besten Willen keine Vorwürfe verteilen kann. Vielmehr trägt diese Darstellung ein großes Konfliktpotenzial beim Unverständnis bei und benötigt ein hohes Maß an Toleranzen gegenüber den Generationen auf beiden Seiten.
Die Studie legt hier deutliche Unterschiede zwischen den Generationen in Bezug auf die Emotionen offen, die sie mit ihrer persönlichen finanziellen Situation verbinden: So äußert die Gen Z im Vergleich zu den anderen Generationen am häufigsten Hoffnung in Bezug auf ihre finanzielle Zukunft (26,9 Prozent), während die Gen Y vergleichsweise oft Frustration empfindet (21,4 Prozent). Bei den Babyboomern steht Gelassenheit auf Platz eins (29,6 Prozent).
Auch das persönliche Umfeld spielt insbesondere bei der Gen Z eine größere Rolle bei Finanzentscheidungen: 54,5 Prozent der 16- bis 30-Jährigen geben an, dass Vorbilder aus dem Familien- oder Freundeskreis sie beim verantwortungsvollen Umgang mit Geld unterstützen. Mit zunehmendem Alter unter den Befragten nimmt dieser Einfluss deutlich ab.
Wirtschaftliche Lage und Altersvorsorge bereiten Sorge
Die Ergebnisse der IU-Studie zeigen zudem, dass die gesamtgesellschaftliche Stimmung nach wie vor angespannt ist: Mehr als jede, jeder Zweite (56,3 Prozent) stimmt der Aussage voll und ganz oder eher zu, dass „die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland Sorgen bereitet“. Zählt man die „teils-teils“-Antworten hinzu, sind es sogar 87,6 Prozent aller Befragten, die wirtschaftliche Unsicherheiten empfinden.
Hinzu kommt die Angst vor Altersarmut: Knapp jede, jeder Zweite (49,7 Prozent) befürchtet, im Alter nicht ausreichend abgesichert zu sein.
„Wenn sich jede zweite Person in Deutschland um ihre wirtschaftliche Lage und die Absicherung im Alter sorgt, ist das mehr als ein Stimmungsbild – es ist ein Warnsignal. Inflation, Unsicherheit bezüglich der späteren Rente und die Angst vor sinkendem Lebensstandard zählen heute zu den größten Stressfaktoren und belasten das finanzielle Wohlbefinden massiv“, sagt Treu.
Fazit:
In jeder neueren Generation zeigt sich das erworbene der Vergangenheit. Die Darstellung der Zahlen lässt durchaus schon erkennen, das über mehrere Generationen ein Wechsel stattgefunden hat. Produkte werden weniger für den Besitz gekauft, als inzwischen vielmehr unter dem Aspekt betrachtet, wie man sich durch die Nutzung von Produkten weiter entwickeln kann.
Zu Beginn des Jahrhunderts standen zwei Weltkriege in denen noch grosse Armut stand. Dennoch zeigten sich erste Errungenschaften hin zu einem möglichen Wohlstand, was sich bsw. in einer Sport- und Freizeitkultur deutlich machte. Nachdem Krieg durch den Marshallplan folgte ein erheblicher wirtschaftlicher Aufschwung, viele Produktneuheiten die das Leben erleichterten. Später in den 1980er Jahren erfasste die Produktentwicklung auch andere Alltagsbereiche. Computer fürs Büro oder etwa die Entwicklung der Freizeitunterhaltung durch zunehmende mobile Endgeräte. Dem ging der Mobilfunk voraus.
Mutmasslich kann man sagen, durch die Vielfalt der Produkte ist der Wunsch alles besitzen zu wollen verschwunden und mit dem Deckel einer möglichen Endlichkeit durch eine drohende Klimakatastrophe stellt sich die Frage der Menschen nach der eigenen Wertigkeit und der Frage wie man mit Ressourcen umzugehen habe. Die Ressourcenverschwendung ist, wie Maja Göpel vom Institut Wuppertal in ihrem Buch „Welt neu denken“ beschreibt erst in den vergangenen rund 50 bis 80 Jahren entstanden. Ein grosses Konfliktpotenzial zwischen den Generationen, aber auch heute weis niemand was morgen ist und hinter her ist man offensichtlich immer schlauer.
Die Autoren der Studie sind weiterhin der Auffassung, das finanzielle Wohlbefinden der Menschen in Deutschland habe noch deutlich Luft nach oben. Im Durchschnitt werden lediglich 53 von 100 möglichen Punkten erreicht. Dies geht aus den Ergebnissen der IU-Studie hervor, für die das Financial-Well-Being-Toolkit der OECD genutzt wurde¹.
¹ Das OECD-Toolkit for Financial Literacy and Financial Inclusion ist ein Instrument, das von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) entwickelt wurde, um unter anderem das finanzielle Wohlbefinden in verschiedenen Ländern zu bewerten und zu vergleichen.
Der in der IU-Studie ermittelte Gesamtwert von ø 53 Punkten (max. 100) ergibt sich aus zwei Dimensionen:
• Objektives finanzielles Wohlbefinden: ø 30 Punkte (von 50)
• Subjektives finanzielles Wohlbefinden: ø 23 Punkte (von 50)
Originalpublikation:
https://www.iu.de/forschung/studien/finanzielles-wohlbefinden
Bildquelle
Gerd Altmann Pixabay



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