Gefühlserbschaften – Übertragungen aus einer anderen Gefühlswelt

Angela More, Professorin für Sozialpsychologie an der Leibniz Universität Hannover, als auch Mitbegründerin des gruppenanalytischen Instituts GIGOS ist spezialisiert auf Transgenerationale Übertragungen bzw. Gefühlserbschaften. In einem Beitrag erklärt sie Hintergründe und Bedeutungen zu einem Thema das in Absehbarer Zeit an Deutlichkeit zunehmen dürfte, weil Menschen einen Sinn für solche Formen und Auffälligkeiten erfahren dürften. Bei Bewältigung dieser Traumata über Generationen hinweg entstehen meist Auffälligkeiten wie Talent oder es zeigen sich später spezielle Fähigkeiten.

Matrei a.Br,/Austria 5. März 2026. – In Relation betrachtet, kurze Zeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zum Wirtschaftswunder mit einem gewaltigen Aufschwung. Der Wohlstand nahm an Fahrt auf und der gesamte Fokus lag darin. Der Fokus auf die Wohlstandsentwicklung tröstete unzählige Menschen über die Nachkriegsdepression hinweg. Erst Ende der 1970er Jahre sorgte die dreiteilige Filmreihe „Holocaust“ für eine Art Erwachen. Den Menschen wurde zum einen klar was während der Zeit des Nationalsozialismus passiert war. Andere hingegen wollte diese Wahrheit nicht sehen und griffen die Produzenten der Serie an, wie wir es heute von Hatern kennen, inklusive Morddrohungen.

Angela More gehört zu führenden Köpfen der Forschung um Kriegstraumata. Diese zeigen sich auf unterschiedlichste Weise frühstens ab der 3. Generation, bisher auch bekannt in der 4. und 5. Generation. Wenn man die Persönlichkeit von Menschen betrachtet, so ist jedes Individuum aktiv

an Gruppendynamiken beteiligt. Sei es im Job, in der Freizeitaktivität im Verein oder einfachen Interessengruppen, Gemeinschaften. Im Konfliktdreieck gibt es die drei Komponenten, aktiv für eine Sache zu sein, diese als Mitläufer, mitlaufende zu gestalten oder unterstüzen, meist Menschen die sich im Zweifel auch gerne umstimmen lassen, und es gibt die Gegenspieler. In der Politik könnte man diese als Opposition bestimmten. Sie zeigen sich zwar in Gruppen, doch bin ich selbst als Individuum immer für eine Sache, gegen eine Sache oder ich bin noch nicht reif für Entscheidungen, bsw. weil überzeugende Argumente fehlen.

Wenn erlebte oder durchlebte Kriegstraumata in die nächste Generation übergehen, dann zeigen diese sich als, ich darf es in der alten Form nennen, „Neurosen“ wieder, häufig auch Zwangsneurosen. Zwangsneurosen bestimmen Massgeblich die Angepasstheit oder Unangepasstheit von Menschen. Begünstigt durch das soziale Millieu können diese Neurosen frei gesetzt werden, oder in spätere Generationen verschoben werden. Meist sind Neurosen in dem bestehenden System in dem man aufgewachsen ist, nicht zu bewältigen, bzw. die Auflösung dauert weitere Generationen. Wenn Neurosen ab der 3. Generation aufgelöst werden können, dann zeigt sich darin die spezielle herausragende Fähigkeit von Menschen. Genauso viel Leid, wie ein neurotisches Verhalten Zeit eines Lebens mit sich gebracht hat, so viel Talent zeigt es nach der Bewältigung dieser Fähigkeit.

Aktuell und spätestens mit dem Beginn des Ukrain-Krieges zeigt sich eine ebensolche Übertragung von, wie es im Fachterminus heisst, „Gefühlserbschaften“, also gleiche und ähnliche Empfindungen wie zu Zeiten des zweiten Weltkrieges. Ruft also dieselben Gefühle in etwa drei Generationen später hervor, wie bei den Ursprungsverwandten. Gut auch zu erkennen an so manchem verbalen Ausbruch des ein oder anderen Politikers, der durch die Medien transportiert wird.

Im Interview erklärt Professorin Angela More genauer!

Scobel Interview – Das Trauma der Großeltern geerbt
(https://youtu.be/9KgMy6mASmc?si=vcCDY1qm6zBw8E5l)

Weitere Infos
Gesternistjetzt
https://gesternistjetzt.de/angela-more/

Der Newsletter erscheint einmal pro Woche Freitags mit allen Inhalten der Woche


Beitrag veröffentlicht

in

von

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert